Zeugmacher

alte Berufsbezeichnung eines Tuchmachers, der aus gekämmter Schafwolle leichte Stoffe herstellte From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Zeugmacher (auch Zeugwürker, Zeugwerker oder Zeugwirker sowie Fatzelwirker und Puraitwirker) ist eine alte Berufsbezeichnung eines Tuchmachers, der aus gekämmter Schafwolle leichte Stoffe herstellte.[1]

Bei der Erzeugung der Tuche wurde in früheren Jahrhunderten unterschieden nach Ursprung des verwendeten Materials: Schafwolle, Baumwolle, gemischte Wolle, Lein(en), Seide/Satin. Nur der Handwerker, der reine Schafwolle benutzte, hieß Zeugmacher, die anderen waren Zeugweber, Wollenweber, Tuchmacher, Leineweber oder einfach Weber.

Der Zeugmacher stellte das Wolltuch (das „Zeug“) entweder aus einmal gekämmter oder doppelt gekämmter Schafwolle her. Nach umfangreicher Vorbehandlung und dem Verspinnen der Wolle wurden die Wollgarne auf einfachen hölzernen Webrahmen schließlich zu Zeugen verarbeitet.

Die weitere Aufbereitung dieser naturfarbenen Wollstoffe stellte sich wie folgt dar: es folgte die Zeugdruckerei. In diesem im 18./19. Jahrhundert bedeutenden Industriezweig wurden die Zeuge, also die grob gewebten Schafwollstoffe, mit farbigen Mustern versehen. Nach Art der Farbaufbringung wurden Applikationen (von lateinisch applicare = anwenden, aufsetzen) oder Tafeldrucke ausgeführt, diese wiederum als echte oder unechte Druckarbeiten.

Echt waren Drucke, die mittels Beizen (in Teilbereichen, mit Abdeckformen, Mehrfarbigkeit durch Wiederholung der Vorgänge mit Trocknungsprozessen dazwischen) und anschließendes Ausfärben entstanden. Unechte Drucke wurden ausgeführt, wenn angedickte Farben direkt auf die Stoffe aufgebracht und durch Trocknung oder Dämpfen fixiert wurden.

In mechanischer Hinsicht wurden dann Hand- bzw. Modelldrucke und Maschinendrucke unterschieden: Handdrucke erfolgten mit Druckformen, auf denen Farbe mit Hilfe von Bürsten aufgetragen und dann die Muster mittels Auflage auf die ausgebreiteten Zeuge und Abschlagen gedruckt werden. Bei Musterreihungen sorgen Passstifte für eine möglichst gleichmäßige Wiederholung.

Für den Maschinendruck setzte man Platten oder Walzen ein, in die die Muster vertieft eingearbeitet waren, es handelte sich also um ein Tiefdruckverfahren. Die Farbe kam über Farbwalzen in die Einschnitte, die dann die (Negativ)-Muster auf die über die Walzen laufenden Wollstoffe druckte. Mittels spezieller Walzen, den Perrotinen, konnte auch der (Positiv)-Druck der Handdrucke nachgeahmt werden; der Erfinder war ein Monsieur Perrot aus Rouen.

Der betreffende Brockhaus schrieb dazu, dass man in Schottland den Tafeldruck perfekt beherrsche, in Frankreich den unechten und in der Gegend um Mülhausen (Elsass) den echten Druck. In Folge blühten der Zeugdruck besonders in Sachsen, in Eilenburg und Berlin nach Rouener Vorbild und in Augsburg der echte Druck nach Mülhausener Art.

Diese feinen Unterscheidungen in der Bezeichnung der Handwerker und der Färbung von Stoffen verloren sich mit der Verbreitung modernerer Maschinen, Materialien und Chemikalien.

Quellen

  • Website der Stadt Plauen: siehe unter „Handwerkliches“
  • Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon; 10. Auflage 1853–55, F. A. Brockhaus Leipzig
  • H. Samter (Hrsg.): Das Reich der Erfindungen., Verlag von W. Herlet, Berlin und Leipzig, Jubiläumsausgabe 1901

Einzelnachweise

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