Ziad Rahbani

libanesischer Komponist, Pianist, Songwriter und Theaterautor From Wikipedia, the free encyclopedia

Ziad Rahbani (Ziyad al-Rahbani, arabisch زياد الرحباني, DMG Ziyād ar-Raḥbānī; * 1. Januar 1956 in Antelias; † 26. Juli 2025[1] in Beirut[2]) war ein libanesischer Komponist, Pianist, Buzuq-Spieler, Songwriter und Theaterautor. Er gilt als ein Wegbereiter des sogenannten Oriental Jazz, in dem er klassische nahöstliche Melodien mit Jazz‑, Funk‑ und Blues‑Elementen verknüpfte und damit die arabische Musiklandschaft nachhaltig prägte.[3] Seine Mischung aus arabischer Vierteltonharmonik und westlichem Jazz beschrieb er selbst einmal augenzwinkernd als „Hamburger, der nach Falafel schmeckt“.[4] Er schrieb viele Lieder und Stücke für seine Mutter, die Sängerin Fairuz.

Ziad Rahbani (2012)

Leben und Wirken

Der Sohn des Komponisten Assi Rahbani und der Sängerin Fairuz nahm nach dem Musikstudium seine ersten Lieder auf und schrieb 1973 sein erstes Musical, Sahrieh (Abend). Zahlreiche seiner folgenden Werke wurden zu Klassikern des libanesischen Theaters. Seine Songs sind von vielerlei Stilen beeinflusst, von Klassik, Jazz, Bebop, Funk und Bossa Nova sowie Volksliedern vom Balkan, aus dem Libanon, Syrien und Palästina. Auch als Filmmusikkomponist wurde er bekannt. In vielen seiner Werke setzt er sich satirisch mit der libanesischen Politik zur Zeit des libanesischen Bürgerkriegs und danach auseinander.

Bereits mit sechs Jahren begann Rahbani zu komponieren und schrieb später mehrere der bekanntesten Lieder seiner Mutter.[3] Nach dem Tod seines Vaters 1986 übernahm er gar die Rolle des Hauptkomponisten für sie und leitete damit stilistisch eine neue Phase in ihrem Spätwerk ein.[4] Gleichzeitig schrieb er weitere Bühnenstücke wie Film Amriki Tawil (Ein langer amerikanischer Film, 1980), in denen er die Korruption und konfessionelle Spaltung seines Landes mit bitterem Humor seziert.[4]

Sein 1978 uraufgeführtes Stück Benesbe La Boukra Shou? (Was ist wegen morgen?) gilt bis heute als Meilenstein, weil es den Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs künstlerisch vorwegnahm.[3] Eine 2016 veröffentlichte Filmfassung von Probenaufnahmen zog allein am ersten Tag über 28.000 Besucher in die libanesischen Kinos und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Filme des Landes.[3]

Rahbani verstand sich als Kommunist, setzte sich für die Rechte der Palästinenser ein und traf zweimal den Hisbollah‑Generalsekretär, Hassan Nasrallah, was ihm Kritik einbrachte.[3] Seine Bühnenstücke und Songtexte verbinden scharfe linkspolitische Kommentare mit Humor und bescherten ihm den Ruf, „die Revolution in Person“ zu sein.[3] Die Belagerung und Einnahme des palästinensischen Flüchtlingslagers Tal al‑Zaʿtar durch christliche Milizen, bei der 1976 rund 1.500 Palästinenser und muslimische Libanesen getötet wurden, prägte sein politisches Denken nachhaltig; er verließ das elterliche Haus im mehrheitlich christlichen Osten von Beirut und zog in den muslimischen Westteil der Stadt, wo er sich stärker mit linken und palästinensischen Gruppen solidarisierte.[4] Später bekannte er sich offen zur schiitischen Hisbollah und unterstützte den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, was ihm sowohl anhaltende Verehrung als auch deutliche Ablehnung einbrachte.[4]

In seinen letzten Lebensjahren zog sich Rahbani aus der Öffentlichkeit zurück; laut engen Freunden litt er an einer schweren Lebererkrankung und komponierte nur noch sporadisch.[4] Er erlag 2025 im Alter von 69 Jahren in einer Beiruter Klinik einem Herzinfarkt. Bei der Überführung seines Sarges durch die überfüllten Straßen des Beiruter Stadtviertels Hamra mischten sich Applaus und Glockengeläut, kommunistische und palästinensische Fahnen mit dem Duft von Rosenblättern.[3] Der Trauerzug wurde von libanesischen Sicherheitskräften auf Motorrädern begleitet und endete in Rahbanis Heimatstadt Bikfaya, wo er nach einem Trauergottesdienst, an dem zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter der libanesische Premierminister Nawaf Salam, teilnahmen, beigesetzt wurde.[3][5]

Anlässlich seines Todes würdigten Politiker aller konfessionellen Lager des Libanon den Künstler. Der sunnitische Ministerpräsident Nawaf Salam betonte, Rahbani habe der „nationalen Kultur neues Bewusstsein“ verliehen, während der christliche Parteichef Gebran Bassil versicherte, seine Melodien würden „lebendig bleiben“.[3] Auch der maronitische Oppositionsführer Samir Geagea nannte ihn einen „außergewöhnlichen Künstler“ und unterstrich damit Rahbanis seltene Fähigkeit, ein gespaltenes Land in der Bewunderung für seine Kunst zu vereinen.[3] Staatspräsident Joseph Aoun würdigte ihn als „rebellisches Gewissen gegen Ungerechtigkeit“ und als „ehrlichen Spiegel der Leidenden und Ausgegrenzten“.[4]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI