Zichtau

Ortsteil von Gardelegen From Wikipedia, the free encyclopedia

Zichtau ist ein Ortsteil der gleichnamigen Ortschaft der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.[3]

Schnelle Fakten Hansestadt Gardelegen ...
Zichtau
Hansestadt Gardelegen
Wappen von Zichtau
Koordinaten: 52° 36′ N, 11° 18′ O
Höhe: 64 m ü. NHN
Fläche: 23,41 km²[1]
Einwohner: 211 (31. Dez. 2022)[2]
Bevölkerungsdichte: 9 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39638
Vorwahl: 039085
KarteBergeBreitenfeldKöckteSachauSchenkenhorstJerchelJerchel
Karte
Lage von Zichtau in Gardelegen
Kirche in Zichtau
Kirche in Zichtau
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Geografie

Dorf Zichtau, ein Haufendorf mit dem Gut Zichtau, liegt elf Kilometer nordwestlich von Gardelegen an der Zichtauer Bäke im Norden der Hellberge in der Altmark.[4][1]

Zur Gemarkung Zichtau gehören mit dem Langen Berg und dem Stakenberg auch die größten Erhebungen dieser Hügelkette. Südöstlich der Ortslage befindet sich an der Stelle des ehemaligen Dorfes Ferchel das Naturdenkmal Ferchel-Eiche. Nördlich von Zichtau befinden sich mit der tausendjährigen Zichtauer Eiche und der Schlucht Himmel und Hölle zwei weitere bekannte Wanderziele.

Nachbarorte sind Schwiesau im Südwesten, Engersen im Nordosten, Rothekrug im Osten und Wiepke im Südosten.

Geschichte

Mittelalter bis Neuzeit

Eine Erwähnung von Zichtau stammt aus dem Jahre 1420, als das Gut zur Herrschaft Kalbe hinzu erworben wurde. Eine Urkunde darüber ist nicht bekannt. Eine Notiz in einer Handschrift über die von Alvensleben, verfasst von Gottlieb Leberecht Zarnack im Jahre 1774, nennt das Zichtausche Gut anno 1420.[5]

Das Dorf wurde im Jahre 1473 erstmals urkundlich als Czychtow erwähnt, als Kurfürst Albrecht von Brandenburg Busse, Ludolph und Gebhard von Alvensleben mit Kalbe, Bismark und anderen Besitzungen belehnt.[6] Weitere Nennungen sind 1506 Czichtow, 1551 Sichtow, 1608 Sichtow, 1687 Zichtow. Das Gut gehörte von 1473 bis 1681 denen von Alvensleben, dann wurde es geteilt. Rittergut I (Alte Seite) gehörte später von 1853 bis 1945 dem Staatsminister von Goßler und seinen Nachfahren. Das Rittergut II (Neue Seite) ging ab 1811 an den Amtmann Solbrig und ab 1851 bis 1945 ebenfalls an den Staatsminister von Goßler und seine Nachfahren.[1]

Eingemeindungen

Siegelmarke der Gemeinde Zichtau

Ursprünglich gehörte das Dorf zum Salzwedelischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Zwischen 1807 und 1810 lag es im Kanton Zichtau auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Ab 1816 gehörte die Gemeinde zum Kreis Gardelegen, dem späteren Landkreis Gardelegen.[1]

Ab dem 25. August 1952 gehörte die Gemeinde Zichtau zum Kreis Gardelegen. Am 1. Juli 1994 wurde die Gemeinde in den Altmarkkreis Salzwedel umgegliedert.[7] Am 17. Oktober 1928 wurde der Gutsbezirk Zichtau mit der Landgemeinde Zichtau vereinigt mit der Maßgabe, dass die Exklaven Zichtauer Wiesen und die Wiese im Grauing mit der Landgemeinde Schenkenhorst vereinigt werden.[8]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Zichtau am 22. Juni 2009, dass die Gemeinde Zichtau in die Hansestadt Gardelegen eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[9][10]

Nach Eingemeindung der bisher selbständigen Gemeinde Zichtau wurde Zichtau Ortsteil der Hansestadt Gardelegen. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Zichtau und künftige Ortsteil Zichtau wurde zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Gardelegen. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Zichtau wurde ein Ortschaftsrat mit sechs Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung

Dorf und Gemeinde

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
1734024
1774183
1789198
1798048
1801169
1818238
Jahr Einwohner
1840357
1864129
1871126
1885113
1895126
1905133
Jahr Einwohner
1925363
1939347
1946465
1964268
1971280
1981282
Jahr Einwohner
1993244
2006272
2012[00]250[11]
2016232
2021[0]206[2]
2022[0]211[2]
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Gut und Gutsbezirk

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
179871 und 46
1864260
1871213
Jahr Einwohner
1885229
1895225
1905202
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Quelle, wenn nicht angegeben, bis 2006:[1]

Religion

Die evangelische Kirchengemeinde Zichtau, die früher zur Pfarrei Zichtau gehörte,[12] wird heute betreut vom Pfarrbereich Kalbe-Kakerbeck im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[13]

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Zichtau stammen aus dem Jahre 1671.[14]

Politik

Ortsbürgermeister

Seit Juli 2019 ist Lukas Kösterke Ortsbürgermeister der Ortschaft Zichtau. Er war zuvor stellvertretender Ortsbürgermeister und übernahm diesen Posten bereits vor 5 Jahren.[15]

Ortschaftsrat

Bei der Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 errang die Wählergemeinschaft „Wir für Zichtau“ alle 6 Sitze.[16]

Wappen

Das Wappen wurde am 11. April 2005 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Hügel eine mit einem Herzschild belegte grüne Kastanie. Herzschild: In Gold zwei rote Balken, der obere belegt mit zwei silbernen Rosen, der untere mit einer silbernen Rose (Wappen des Geschlechts von Alvensleben).“[17]

Die Farben der Gemeinde sind Grün und Silber (Weiß).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Gutshaus Zichtau
  • Die evangelische Dorfkirche Dorfkirche Zichtau entstand wohl auf den Grundmauern eines Vorgängerbaues als verputzter Fachwerkbau im Jahre 1589.[18]
  • Um die Gutsgebäude Gutshofes Zichtau sind die Reste des 1820 angelegten heute verwilderten, ursprünglich jedoch vielbeachteten Landschaftsparks Zichtau zu erkennen.

Gedenkstätten

Auf dem Ortsfriedhof erinnert ein Sammelgrab mit Gedenkstein an neun (nach anderen Angaben: zehn) KZ-Häftlinge, die auf einem Todesmarsch nach Räumungstransporten aus dem KZ-Außenlager Hannover-Stöcken und aus mehreren Außenlagern des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora im April 1945, der von Mieste bis zum Massaker in der Isenschnibber Feldscheune verlief, von SS-Männern ermordet wurden.

Sonstiges

Im September 2022 gewann Zichtau beim 11. Landeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft den zweiten Platz.[19][20]

Persönlichkeiten

Literatur

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2534–2537, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC 614308966, S. 208 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).
  • J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC 1071081004, S. 418–419, 105. Zichtau (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Commons: Zichtau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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