Ziegelanger

Gemeindeteil der Stadt Zeil am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Ziegelanger ist ein Gemeindeteil der Stadt Zeil am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern.[1]

Schnelle Fakten Stadt Zeil am Main ...
Ziegelanger
Koordinaten: 50° 0′ N, 10° 37′ O
Höhe: 255 m ü. NHN
Einwohner: 344[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 97475
Vorwahl: 09524
Katholische Pfarrkirche St. Kilian
Katholische Pfarrkirche St. Kilian
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Geographie

Das Dorf Ziegelanger liegt am rechten Ufer des Mains südöstlich der Kernstadt von Zeil, mit der der Gemeindeteil beinahe zusammengewachsen ist. Oberhalb des Ortes steht die Ruine Schmachtenberg. Durch Ziegelanger führt die Staatsstraße 2447 (früher Bundesstraße 26) von Zeil nach Eltmann.

Geschichte

Ziegelanger wurde erstmals im Jahr 1348 urkundlich erwähnt, genau wie der benachbarte Ort Schmachtenberg. Der Heimatforscher Hermann Mauer vermutet jedoch, dass die eigentliche Gründung bereits um das Jahr 1200 erfolgt sein könnte, als wohlhabende Grundherren vielerorts neue Siedlungen ins Leben riefen. Den Ursprung des Ortsnamens „Ziegelanger“ führt Mauer auf eine Ziegelei zurück, deren Überreste 1975 bei Kanalisationsarbeiten südlich der Straße entdeckt wurden. Weitere Belege für diese Ziegelei existieren allerdings nicht. Dennoch lässt die Tatsache, dass Ziegelanger bereits im 14. Jahrhundert rund 100 Einwohner zählte, auf eine längere Siedlungsgeschichte schließen.[2]

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verfügte Ziegelanger über keine eigene Kirche. Für den sonntäglichen Kirchgang mussten die Bewohner nach Zeil gehen, wo auch die Gerichtsbarkeit ausgeübt wurde – sogar bei schweren Straftaten. Dabei war laut Mauer stets ein Schöffe aus Ziegelanger anwesend. Um das Jahr 1700, nachdem sich die Lebensverhältnisse nach Bauernaufständen, Hexenverfolgungen und dem Dreißigjährigen Krieg allmählich stabilisiert hatten, gründeten Ziegelanger und Schmachtenberg gemeinsam eine Schule. Der Standort lag in Ziegelanger, doch der genaue Ort ist heute nicht mehr bekannt. Aus dieser Zeit stammen auch zwei Baudenkmäler im Ort, die sich in den Häusern mit den Nummern 3 und 16 befinden.[2]

Ziegelanger Nr. 3
Ziegelanger Nr. 16

Bei der Nr. 3 handelt es sich um ein eingeschossiges Gebäude mit Walmdach. Dieses besitzt verzierte Fensterrahmen mit Ohren und wird laut der Bayerischen Denkmalliste dem 18. Jahrhundert zugeordnet. In der Zeiler Chronik hingegen wird es als Kelterhaus der Familie Groß von Trockau bereits um das Jahr 1600 erwähnt. Es ist denkbar, dass damals ein früherer Bau existierte, der später im 18. Jahrhundert umgestaltet wurde. Sicher ist jedenfalls, dass das Haus noch bis ins 20. Jahrhundert hinein als Kelterhaus genutzt wurde.[3.1] Nach einem mündlichen Bericht von Bauer Willi Hetterich aus Zeil half der junge Willi Hetterich vor dem Zweiten Weltkrieg seinem Vater und dem Gutsverwalter Georg Pottler beim Transport von Wein vom Kelterhaus in Ziegelanger zum Propstenhof in Zeil. Die Weinberge, das Kelterhaus und der Propstenhof gehörten dem Schlossherrn Groß von Trockau aus Gleisenau. Nach der Weinlese wurden die Trauben zunächst im Kelterhaus verarbeitet und der fertige Wein anschließend in etwa 400-Liter-Fässern mit einem Pferdewagen nach Zeil gebracht. Einmal musste der etwa zehnjährige Willi das Fuhrwerk allein lenken, wobei es an der Toreinfahrt des Propstenhofs beinahe zu einem Unfall kam – das Fass geriet in Schieflage, konnte aber gerade noch rechtzeitig gesichert werden. Im Propstenhof wurde der Wein schließlich über einen Schlauch in ein großes Fass im Felsenkeller umgefüllt.[3.2] Vor einigen Jahren bekundete das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim Interesse daran, das Haus abzutragen und originalgetreu wieder aufzubauen. Doch leider konnte dieses Vorhaben nicht umgesetzt werden. Obwohl das Gebäude sich in einem sehr schlechten Zustand befindet und kaum noch Substanz erhalten ist, bleibt es weiterhin unter Schutz gestellt.[3.1]

Bei der Nr. 16 handelt es sich um ein eingeschossiges Wohnhaus mit Satteldach, dessen Giebel durch dekoratives Fachwerk geprägt ist und aus dem 17. Jahrhundert stammt. Das Erdgeschoss wurde teilweise in Fachwerkbauweise und teilweise massiv errichtet und lässt sich dem 19. Jahrhundert zuordnen.[4]

Erst im Jahr 1956 erhielt Ziegelanger eine eigene Kirche, St. Kilian. Die Schule, die bis dahin eigenständig war, wurde 1968 in die Verbandsschule Zeil eingegliedert, und die Kinder wurden fortan mit dem Bus transportiert. Im Zuge der Gebietsreform verlor Ziegelanger 1971 seine politische Selbstständigkeit und wurde nach Zeil eingemeindet.[2]

Baudenkmäler

Siehe: Liste der Baudenkmäler in Ziegelanger

Geologie

Ziegelanger befindet sich am westlichen Ende des sogenannten Durchbruchtals des Mains, das zwischen dem Steigerwald und den Haßbergen liegt. In diesem Gebiet wurden im Laufe der Erdgeschichte, insbesondere während des Quartärs, große Mengen an Schotter und Sand abgelagert, die bis heute in zahlreichen Gruben abgebaut werden. Seit Beginn des Holozäns vor etwa 11.500 Jahren bildeten sich die sogenannten Auenterrassen. Diese entstanden, als der Main in seinem breiten Tal stark mäandrierte und dabei ältere Schotterschichten verlagert wurden. Die Ablagerungen bestehen hauptsächlich aus sandigem Kies mit einem vielfältigen Geröllmix, der die unterschiedlichen geologischen Regionen widerspiegelt, die der Fluss auf seinem Weg durchquert hat. Neben Quarz, Sandstein und Karbonatgestein finden sich auch die typischen schwarzen Lydite aus dem Frankenwald. Die Sandgrube bei Ziegelanger hat eine besondere Bedeutung, da dauerhafte Einblicke in Auensedimente nur selten möglich sind. Auf einer ökologischen Ausgleichsfläche der Stadt Zeil am Main wurde dort ein Naturerlebnispfad angelegt, der mit Mainschottern aus nahegelegenen Gruben gestaltet wurde. Dieser Pfad bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Struktur und Beschaffenheit von Auensedimenten sowie in die darin vorkommenden Rannen (mächtige fossile Baumstämme). In der Umgebung finden sich zudem noch natürliche Auenlandschaften mit jungen Flussschlingen, die das Landschaftsbild prägen.[5]

Weinanbau in Ziegelanger und Umgebung

Ziegelanger liegt in der fränkischen Weinregion, die für ihre lange Tradition und charaktervollen Weine bekannt ist. Die Weinlage „Ziegelanger Ölschnabel“ gehört zum Weinbaugebiet Haßberge, das für seine hügelige Landschaft und abwechslungsreichen Böden bekannt ist. Die Lage befindet sich auf etwa 200 bis 300 Metern Höhe[6] und umfasst rund 14 Hektar Fläche in Süd- und Südwest-Lage.[7] Ihre südliche Ausrichtung sorgt für eine ideale Sonneneinstrahlung. Der Boden besteht aus einer Mischung von Muschelkalk und Keuper, was den Weinen eine besondere Frische und Mineralität verleiht. Dank der tiefgründigen und gut belüfteten Erde erhalten die Reben optimale Nährstoffe. Das Klima in Franken ist gemäßigt – mit warmen, aber nicht zu heißen Sommern und milden Wintern. Die Niederschlagsmenge liegt im mittleren Bereich und sorgt für eine ausgewogene Wasserversorgung. Die Weinlage „Ölschnabel“ ist bereits seit dem Mittelalter bekannt. Der Name geht vermutlich auf die schnabelförmige Struktur der Weinberge zurück. Über die Jahrhunderte hat sich die Weinproduktion dort stetig weiterentwickelt, und heute ist die Lage für ihre hochwertigen Weine geschätzt.[6] Dazu zählen unter anderem Silvaner, Müller-Thurgau, Bacchus und Domina.[7]

Commons: Ziegelanger (Zeil am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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