Zingulum
Gürtel aus Stoff zur Kleidung von Priestern
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Das Zingulum oder Cingulum (von lateinisch cingulum ‚Gürtel, Leibgurt‘, Plural cingula) ist die Bezeichnung für verschiedene Gürtel oder Leibgurte, die Teil der liturgischen oder standesgemäßen Kleidung von Klerikern oder Ordensleuten in christlichen Kirchen ist.

Mit dem liturgischen Zingulum wird die Albe geschürzt, welche katholische Kleriker als liturgisches Untergewand beim Gottesdienst tragen.
Die Leibbinde, die Kleriker um ihre Soutane tragen, wird auch als (Soutanen-)Zingulum bezeichnet. Ordensleute tragen ein Zingulum aus Stoff oder Leder um ihren Habit.
Zingulum als Teil des liturgischen Gewands
Beschreibung
Das Zingulum zum Gürten der Albe beim Gottesdienst besteht aus Leinen oder Hanf, früher gelegentlich auch aus Seide oder Wolle; es kann nach Art eines Stricks, als gewebtes oder zusammengenähtes Stoffband von etwa 3 cm Breite gestaltet sein und ist meist weiß, kann aber auch mit der liturgischen Farbe der übrigen Paramente übereinstimmen. Es hat eine Länge von etwa 2,50 m, wenn es gedoppelt getragen wird von 3,50 bis 4,00 m. Manche Zingula hatten innen schmale Bänder zur Befestigung an der Albe. An den Enden befanden sich häufig Fransen oder Troddeln.
Im Frühmittelalter gab es das Zingulum auch als Riemen, ab dem 9. Jahrhundert überall als Strick oder Band. Material und Form waren regional partikularrechtlich und nicht allgemeinrechtlich festgelegt.[2]
Symbolik
Für die Deutung des Zingulums in der Liturgie wurde auf die biblische Symbolik des Sich-Gürtens zurückgegriffen: Der Gürtel ist eine von Gott kommende Kraft, vgl. Ps 18,33 EU: „Gott hat mich mit Kraft umgürtet, er führte mich auf einen Weg ohne Hindernis.“ Das Umgürten drückt ferner Bereitschaft aus, siehe Ex 12,11 EU: „So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand. Esst es hastig! Es ist die Paschafeier für den Herrn“, Eph 6,14 EU: „Gürtet euch mit Wahrheit“ und Lk 12,35-36 EU: „Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft“. Das Zingulum kann Demut gegenüber dem sich aufblähenden Gewand bedeuten (vgl. Seckauer Missale, 12. Jh.) oder, da es die Albe als Sinnbild der Taufe zusammenhält, eine Bitte um Bewahrung der Taufgnade ausdrücken. Im Mittelalter trat daneben auch die Bitte um Beherrschung der Triebe, etwa im Sakramentar von Tours, 9./10. Jahrhundert.[3]
Während des Anlegens des Zingulums spricht der Kleriker das folgende Ankleidegebet:
„Præcínge me, Dòmine, cingulo puritátis et exstíngue in lumbis meis humórem libídinis: ut máneat in me virtus continéntiæ et castitátis.“
„Umgürte mich, Herr, mit dem Gürtel der Reinheit und lösche in meinen Lenden die (Feuchtigkeit der) Begierde, damit in mir bleibe die Tugend der Beherrschtheit und Keuschheit.“
Ostkirchen
In den östlichen Kirchen wird das Band, mit dem das Sticharion, das Untergewand des Priesters, gegürtet wird, auf Neugriechisch ζώνη ‚Zoni‘ genannt. Es ist ein Stoffgürtel, dessen Vorderseite einen Paramentenstreifen bildet.[4]
- Zingulum in Weiß und Gold
- Standardknoten für das einfache Zingulum zur Albe
Leibbinde zur Soutane von Klerikern (Soutanenzingulum, Zona, Fascia)
Zur Soutane der Kleriker, der früheren Alltagsbekleidung, wird das Soutanenzingulum getragen, ein breites Band aus edlem Stoff in den Würdefarben entsprechend der Hierarchiestufe des Geistlichen. Es wird auch als „Zona“[5] oder „Fascia“ bezeichnet, im Englischen als „sash“. Ein Priester trägt ein schwarzes Soutanenzingulum, ein Bischof ein violettes aus Seide, ein Kardinal ein scharlachrotes aus Moiréseide und der Papst ein weißes, ebenfalls aus Moiréseide. (Siehe auch: Kleidung des Papstes.)
- Bischof in Soutane mit violettem Soutanenzingulum
- Franziskaner im Habit mit weißer Kordel (Zingulum)
- Habit der Armen Klarissen mit dem Franziskanerknoten in der Kordel
- Trappist beim Gebet, das Zingulum des Habits ist ein Stoffband in der Farbe des Habits.
Zingulum der Ordensleute
Das Zingulum der Ordensleute, das sie zum Gürten des Habits tragen, kann ein einfacher Strick (häufig „Kordel“ genannt), ein Ledergürtel oder ein Stoffband sein. Bei manchen Orden ist es mit dem Skapulier verbunden. Bei den franziskanischen Orden hat die weiße Kordel mehrere dreifache Überhandknoten, die die Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams symbolisieren.
Literatur
- Joseph Braun: Die Liturgische Gewandung: Im Occident Und Orient Nach Ursprung Und Entwicklung, Verwendung Und Symbolik. 1907. (Reprint: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964, ISBN 978-116982824-7), S. 101–117.
- Joseph Braun: Die Liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit. Ein Handbuch der Paramentik. 2., verbesserte Auflage. Herder, Freiburg (Breisgau) 1924. (Reprographischer Nachdruck: Verlag Nova und Vetera, Bonn 2005, ISBN 3-936741-07-7), S. 81–85.