Zufikon
Gemeinde in der Schweiz
From Wikipedia, the free encyclopedia
Zufikon (schweizerdeutsch: )[6] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Bremgarten und liegt unmittelbar östlich des Bezirkshauptorts Bremgarten im Reusstal.
| Zufikon | |
|---|---|
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Bezirk: | Bremgarten |
| BFS-Nr.: | 4083 |
| Postleitzahl: | 5621 |
| Koordinaten: | 669582 / 244303 |
| Höhe: | 405 m ü. M. Gemeindehaus |
| Höhenbereich: | 368–543 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 4,81 km²[2] |
| Einwohner: | 4906 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 1020 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 21,3 % (31. Dezember 2024)[4] |
| Gemeindeammann: | Daniel Stark[5] |
| Website: | www.zufikon.ch |
Dorf mit Kirche | |
| Lage der Gemeinde | |
Geographie
Das historische Dorfzentrum besteht aus dem Oberdorf und dem etwa 300 Meter entfernten Unterdorf. Beide liegen auf einer Höhe von rund 405 Metern am Rande der Ebene östlich der Reuss. Die westliche Gemeindegrenze folgt im Wesentlichen dem Fluss, ausser beim Zopfhau, wo sie quer über diese Halbinsel verläuft. Ganz im Süden erhebt sich am Fluss der bewaldete Hügel Buechholderen (420 m ü. M.), im Südosten der Nüeschwaldhügel (435 m ü. M.). Der Emauswald an der Reuss ist ein Eichenwaldreservat.
Gegen Osten steigt das Gelände steil zur Hochebene des Holzbirrlibergs an, gegen Nordosten zum Mutschellenpass (551 m ü. M.). Der Südwesthang des Mutschellen wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts praktisch lückenlos mit Wohnhäusern überbaut. Aus diesem Grund ist Zufikon nicht nur mit Bremgarten zusammengewachsen, sondern auch mit Widen und Berikon.[7]
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 481 Hektaren, davon sind 132 Hektaren mit Wald bedeckt und 120 Hektaren überbaut.[8] Der höchste Punkt befindet sich auf einer Höhe von 542 m ü. M. unterhalb des Mutschellen, der tiefste auf 373 m ü. M. an der Reuss. Nachbargemeinden sind Widen im Norden, Berikon im Osten, Oberwil-Lieli im Südosten, Unterlunkhofen im Süden und Bremgarten im Westen.
Geschichte
Ein Einzelfund weist auf eine Besiedlung in der Bronzezeit hin. Die erste urkundliche Erwähnung von Zuffinchofa erfolgte im Jahr 1150. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Uffinghofun und bedeutet «bei den Höfen der Sippe des Uffo».[6] Nach 1200 geriet Zufikon unter die Herrschaft der Grafen von Habsburg-Laufenburg, einer Seitenlinie der Habsburger. Die Vogtei gelangte 1318 in den Besitz der Ritter von Schönenwerd, auf diese folgten die Herren von Seengen. Beide waren Dienstleute der Habsburger und übten die niedere Gerichtsbarkeit aus, während die Blutgerichtsbarkeit den Habsburgern vorbehalten blieb.
Bedeutendste Grundbesitzer im Mittelalter waren die Klöster Sankt Blasien, Frauenthal, Hermetschwil und Muri. Im 14. und 15. Jahrhundert konnte Bremgarten immer mehr Güter und Grundrechte erwerben, entweder direkt oder durch Stadtbürger wie die Herren von Seengen. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Während der Dorfteil nördlich des Kirchturms ein Teil des Amtes Rohrdorf der Grafschaft Baden war und von den Eidgenossen gemeinsam verwaltet wurde, gehörte der südliche Teil zum Kelleramt und stand somit unter der alleinigen Herrschaft der Stadt Zürich.

1450 erwarb Bremgarten die niedere Gerichtsbarkeit über Zufikon sowie den Kirchensatz und die Zehnten von Korn und Wein. 1516 erhielt die Emauskapelle durch päpstlichen Beschluss besondere Privilegien als Wallfahrtsort. Die Bevölkerung trat 1529 zur protestantischen Konfession über, wurde aber 1531 nach dem Zweiten Kappelerkrieg rekatholisiert. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Die wiedervereinigten Dorfteile bildeten eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört Zufikon zum Kanton Aargau.
1893/94 errichtete die Zürcher Firma Escher-Wyss an der Reuss das Kraftwerk Bremgarten-Zufikon, als erstes Drehstrom-Wasserkraftwerk Europas. Es wurde 1975 abgerissen und durch eine modernere Anlage ersetzt. Am 1. Mai 1902 erhielt Zufikon mit der Eröffnung der Bremgarten-Dietikon-Bahn einen Anschluss ans Eisenbahnnetz. Ab etwa 1960 setzte ein Bauboom ein, bei dem der ganze, einst mit Weinreben bepflanzte Südwesthang des Mutschellen überbaut wurde. Die Einwohnerzahl stieg innerhalb von fünfzig Jahren um fast das Fünffache.
Sehenswürdigkeiten



Pfarrkirche St. Martin
Die Geschichte der katholischen Pfarrkirche St. Martin reicht mindestens bis 1275 zurück, dem Jahr ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. Das baufällig gewordene Gebäude wurde 1865/68 durch eine von Kantonsbaumeister Carl Rothpletz entworfene, neuromanische Saalkirche ersetzt. Der aus dem Mittelalter stammende Kirchturm blieb bestehen. Das Innere des Gebäudes ist spätklassizistisch geprägt.[9]
Emauskapelle
Nahe dem Flussufer beim Kraftwerk steht die Emauskapelle. Sie wurde zwischen 1552 und 1556 errichtet, am Standort einer früheren Einsiedelei. Sehenswert sind darin insbesondere drei gemalte barocke Bilderzyklen. Sie stellen Antonius den Grossen, Antonius von Padua und Niklaus von Flüe dar.[9]
Flachsee - Naturschutz und Vogelschutzgebiet
Am südlichen Ende des Dorfes erstreckt sich das Natur- und Vogelschutzgebiet Flachsee. Die weitläufige Landschaft ist durch ein hervorragendes Wegenetz für Spaziergänger zugänglich gemacht worden. Als idyllisches Ziel für Wanderungen und Erholung bietet das Areal zudem eine direkte Verbindung zum Bremgarter Ortsteil Hermetschwil durch dem Dominilochsteg.[10]
Sädel - Zufiker Hausberg
Der Sädel bildet als östlicher Hügelzug den markanten Hausberg von Zufikon. Er ist ein Ort voller Geschichte. Die imposante Linde, 1935 zu Ehren des Priester-Jubiläums von Domherr Albert Karli gesetzt, und das Friedenskreuz aus dem Jahr 1948 machen die Anhöhe zu einem Verweilort. Von hier aus geniesst man ein beeindruckendes Panorama über das Dorf und das Reusstal bis hin zu den Jurahöhen.[10]
Wappen
Seit 1915 gab es ein inoffizielles Wappen, welches in Weiss einen roten Grenzstein zeigte. Die heutige Gestaltung des Zufiker Wappens geht auf das Jahr 1948 zurück. Damals entschied sich der Gemeinderat für eine Kombination aus dem Wappen der Grafschaft Baden und dem Schlüssel des Kelleramtes. Hintergrund war die historische Teilung des Ortes. Während Unterzufikon zur Grafschaft Baden zählte, gehörte Oberzufikon teilweise zum Kelleramt. Am 30. Januar 1949 wurde dieser Entwurf schliesslich von der Gemeindeversammlung ohne Gegenstimme angenommen.[10]
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Unter rotem Schildhaupt in Weiss schwarzer Pfahl, beseitet von zwei gestürzten blauen Schlüsseln mit zugekehrtem Bart.» Seit 1915 gab es ein inoffizielles Wappen, welches in Weiss einen roten Grenzstein zeigte.[10]
Bevölkerung
Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[11]
| Jahr | 1850 | 1900 | 1930 | 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2010 | 2020 |
| Einwohner | 589 | 604 | 731 | 774 | 925 | 1405 | 2613 | 3516 | 3488 | 4140 | 4548 |
Am 31. Dezember 2024 lebten 4906 Menschen in Zufikon, der Ausländeranteil betrug 21,3 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 39,9 % als römisch-katholisch und 19,7 % als reformiert; 40,4 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[12] 90,1 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als Hauptsprache an, 2,2 % Italienisch, 1,5 % Türkisch, 1,1 % Serbokroatisch und 0,9 % Albanisch.[13]
Politik und Recht
Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Zufikon gehört zum Friedensrichterkreis VII (Bremgarten).[14]
Zusammensetzung Gemeinderat
Der Gemeinderat setzt sich auf fünf Mitgliedern zusammen.[15]
| Amt | Ressort | Person | Partei |
|---|---|---|---|
| Gemeindeammann | Allgemeine Verwaltung, Finanzen und Steuern, Regionalplanung, Ortsbürgerwesen, Polizeiwesen, Handel / Gewerbe / Industrie, Kommunikation | Daniel Stark | parteilos |
| Vizeammann | Werke, Tiefbau, Werkhof, Abfallentsorgung, Gewässer | Boris Sommer | SVP |
| Gemeinderätin | Schule und Bildung, Kulturelles | Gabriela Bereuter | Die Mitte |
| Gemeinderätin | Soziales, Gesundheitswesen | Natascha Brunold | FDP |
| Gemeindeammann | Hochbau / Planung, Liegenschaften, Friedhof / Kirchenwesen, Verkehr, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei, Sicherheit | Reto Knecht | Die Mitte |
Liste der politischen Parteien in Zufikon
(Quelle: [16])
- Die Mitte
- FDP Bremgarten-Zufikon
- Grünliberale
- SP Bremgarten-Zufikon
- SVP
Wirtschaft
In Zufikon gibt es gemäss der im Jahr 2023 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 1200 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 26 % in der Industrie und 72 % im Dienstleistungssektor.[17] Sämtliche der rund 200 Betriebe sind kleine und mittlere Unternehmen. Die meisten Erwerbstätigen aus dem Dorf sind Wegpendler und arbeiten in der Region Baden oder in der Stadt Zürich und deren Agglomeration.
Der Steuerfuss der Gemeinde liegt bei 79 % und ist damit einer der niedrigsten aus dem ganzen Kanton.[10]
Verkehr
Im Norden von Zufikon verläuft die Hauptstrasse 1 über den Mutschellen. An dieser Hauptstrasse befindet sich ein Kreisel, welcher eine Abzweigung zur Kantonsstrasse 263 in Richtung Birmensdorf darstellt, wo sich ein Anschluss an die A4 befindet. Über den Kreisel an der Hauptstrasse 1 führt eine Bahnbrücke der Bremgarten-Dietikon-Bahn von Dietikon nach Wohlen. Diese erschliesst in Zufikon den nördlichen Hang, mit den Haltestellen Zufikon, Hammergut und Belvédère.
Durch den flachen Teil des Dorfes am Fusse des Hügels führt die Kantonsstrasse 262. Diese führt Richtung Affoltern am Albis oder in entgegengesetzter Richtung nach Lenzburg. Der nächstgelegene Bahnhof im flachen Teil vom Dorf ist der Bahnhof Bremgarten. Dieser wird durch die Postautolinie Bremgarten-Jonen sowie den Ortsbus Zufikon bedient.
Bildung
Die Gemeinde verfügt aktuell fünf Kindergärten und drei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann im benachbarten Bremgarten besucht werden. Die nächstgelegenen Gymnasien ist die Kantonsschule Wohlen oder die Kantonsschule Baden.
Durch die Schulraumplanung wurde eine Klassenprognose für die Jahre 2032 und 2042 durchgeführt. Es ergab sich das bis zum Jahr 2032 vier neue Klassenräume benötigt werden und bis im Jahr 2042 sieben neue Klassenräume sowie eine neue Doppelturnhalle. Entsprechend hat die Gemeinde den Bau einer neuen Doppelturnhalle, einen Anbau an das dritte Schulhaus sowie dessen Renovation (Nummer C) und den Rückbau von einer der alten Turnhallen (B) in Auftrag gegeben. Die Kosten wurden durch die Gemeindeversammlung bewilligt und bereits einem Gesamtdienstleister den Zuschlag für das Projekt erteilt.[18][19]
Kultur
Zufikerfäscht
Man entschied sich 1997 anlässlich des kommenden Jubiläums "850 Jahre Zufikon" im Jahr 2000 ein Dorffest auf die Beine zu stellen. Es war die Geburtsstunde vom Zufikerfäscht.[20]
Jahr 2000
Im Jahr 2000 gab es ein zehntägiges Fest mit Open-Air-Kino, Zirkuszelt, Aussenbühne und Festzelt. Nach dem Fest entschied man sich das Zufikerfäscht im Turnus von 7 Jahren durchzuführen, so dass die Strapazen in dieser Zeit etwas vergessen gehen und sich neue Personen für das OK finden lassen, andererseits erlebt so die Dorfjugend in ihrer regulären Schulzeit mindestens ein grosses Dorffest.[20]
Jahr 2007
Das Zufikerfäscht wurde auf die Dauer von 5 Tagen ausgelegt, mit Start am Mittwochabend vor Fronleichnam. Diese Terminierung hat bis heute Bestand. Das Motto vereinte die zwei Themenwelten "Wildwest" und "Schwyz puur", mit je einer Bühne und rundherum arrangierten Festbeizen. Es besuchten rund 20'000 Besucher das Fest.[20]
Jahr 2014
Wieder mit dem Konzept der zwei Themenwelten fand das Zufikerfäscht unter dem Motto "Wasserwelt" und "Wunderwelt" statt. Die Eröffnungsrede fand durch die alt Bundesrätin Doris Leuthard statt. Auf der Festbühne traten unter anderem die Musiker Lo und Leduc sowie Luca Hänni auf. Ausserdem stellte die Kunstflugstaffel der Schweizer Armee PC-7 Team eine Flugshow. Es besuchten rund 40'000 Besucher das Fest.[20][21]
Jahr 2025
Eigentlich hätte das Zufikerfäscht im gewohnten 7 Jahres-Rhythmus 2021 stattfinden sollen. Es wurde aber aufgrund der COVID-19-Pandemie auf das Jahr 2025 verschoben, das 875-jährige Jubiläum der Gemeinde. Das Motto lautete "zmetzt im Dorf". Es gab ein Riesenrad, weitere Fahrgeschäfte, Kleinstände, eine Festbühne und viele verschiedene Streetfood-Stände.[20]
Sicherheit
Von polizeilicher Seite sind die Regionalpolizei Bremgarten sowie die Kantonspolizei Aargau für Zufikon zuständig. Der Rettungsdienst Neeser (Wohlen) sowie der Intermedic (Mutschellen) teilen sich das Einsatzgebiet der Gemeinde. Für die Luftrettung ist die Alpine Air Ambulance oder die Rega zuständig.[22][23] Die Gemeinde verfügt über eine gut ausgestattete, eigene Feuerwehr mit 5 Fahrzeugen sowie 2 Anhänger. Dazu gehört ein Tanklöschfahrzeug, ein Transport- und Zugfahrzeug, ein Mehrzweckfahrzeug, ein Verkehrsabteilungsfahrzeug, Materialtransporter sowie ein Wassertransport-Anhänger sowie Notstromgenerator-Anhänger.[24]
Persönlichkeiten
- Annalise Schweizer (* 1949 in Zufikon), Berufsschullehrerin und Politikerin
Literatur
- Anton Wohler: Zufikon. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band IV: Bezirk Bremgarten. Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-906131-07-6.
- Hans Bürgisser: Chronik der Gemeinde Zufikon. Hrsg.: Ortsbürgergemeinde Zufikon. Zufikon 1986, DNB 941921875.


