Zuranolon
chemische Verbindung
From Wikipedia, the free encyclopedia
Zuranolon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der neuroaktiven Steroide (Neurosteroide). Unter dem Namen Zurzuvae (Hersteller: Sage Therapeutics, Biogen) wurde er im August 2023 in den USA zur Behandlung der postpartalen Depression (PPD, „Wochenbettdepression“) zugelassen, die Zulassung für die Europäische Union erfolgte am 17. September 2025.
| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Freiname | Zuranolon[1] | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
| |||||||||||||||||||||
| Summenformel | C25H35N3O2 | |||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
Weißes bis fast weißes, nicht hygroskopisches, kristallines Pulver[2] | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||
| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse |
Steroid | |||||||||||||||||||||
| Wirkmechanismus |
Modulation am GABAA-Rezeptor | |||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 409,56 g·mol−1 | |||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
Fest[3] | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
| |||||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Die Anwendung erfolgt oral einmal täglich abends. Das Präparat ist verschreibungspflichtig.
Eigenschaften

Zuranolon ist eine synthetische Verbindung, die sich vom endogenen Neurosteroid Allopregnanolon (Brexanolon) ableitet, eines Metaboliten des Gelbkörperhormons Progesteron. Anders als Brexanolon, das ebenfalls zur Behandlung der PPD eingesetzt wird und intravenös verabreicht wird, ist Zuranolon oral wirksam.[4] Man geht davon aus, dass Zuranolon seine Wirkung über eine allosterische Modulation am GABAA-Rezeptor vermittelt, der genaue Wirkungsmechanismus ist nicht geklärt.[4][2]
| Pharmakologische Daten[2] | |
|---|---|
| Verabreichungsweg | Oral (Einnahme) |
| Plasmaeiweißbindung | > 99,5 % |
| Maximaler Plasmaspiegel | nach ca. 5 bis 6 Stunden |
| Halbwertszeit | 20–25 Stunden |
| Metabolisierung | Hepatisch (CYP3A4) |
| Ausscheidung | Fäzes (41 %), Urin (45 %) |
Anwendungsgebiet
Zuranolon ist seit August 2023 in den USA für die Behandlung der postpartalen Depression (PPD) bei Erwachsenen zugelassen.[4] In der EU folgte die Zulassung im September 2025[5] und ist hier für das Anwendungsgebiet der einzige (Stand 2025) zugelassene Wirkstoff.[5][6]
In der Begründung der Europäischen Union für die Zulassung wird angeführt, dass Standard-Antidepressiva oft nicht schnell genug wirken.[5] Zuranolon kann depressive Symptome bereits nach zwei Wochen Behandlung reduzieren.[5] Die Zulassung erfolgte aufgrund der Ergebnisse einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie (Skylark). Eine signifikante Verringerung des Schweregrades der Depression ergab sich ab dem dritten Tag der Behandlung und hielt bis zum 45. Tag an.[7] Zuranolon kann allein, oder als Ergänzung zu einer anderen Behandlung mit Antidepressiva angewandt werden.[7]
Unerwünschte Wirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit, Schwindel, Durchfall, Müdigkeit, Entzündungen der Nasen- und Rachen-Schleimhaut (Nasopharyngitis) und Harnwegsinfektionen.[8][2]
Die Verkehrstüchtigkeit kann durch Einnahme von Zuranolon beeinträchtigt sein.[8][2] Es gibt Hinweise aus Tierversuchen, dass Zuranolon schädliche Wirkungen beim Fetus wie etwa Fehlbildungen begünstigt. Frauen sollten daher unter der Therapie und für eine weitere Woche danach sicher verhüten. Auch darf es ohnehin während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.[8]
Verschlechtert sich unter der Therapie die depressive Symptomatik oder treten suizidale Gedanken auf, kann eine Dosisreduktion oder das Absetzen des Mittels in Frage kommen.[2]
Alternativen
Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden sollten nichtmedikamentöse Therapieverfahren vorgezogen werden.[9.1] Antidepressiva sind indiziert bei schweren depressiven Episoden, fehlender Besserung unter Psychotherapie und bei entsprechendem Patientenwunsch.
Als Alternative zu Zuranolon kommen zunächst aufgrund der bisherigen Datenlage als wenig risikoreich geltende Medikamente wie Sertralin, Citalopram oder Escitalopram in Frage.[9.2]
Literatur
- Kristina M. Deligiannidis, Samantha Meltzer‐Brody, Handan Gunduz‐Bruce, James Doherty, Jeffrey M. Jonas, Sigui Li, Abdul J. Sankoh, Christopher Silber, Andrew D. Campbell, Brian Werneburg, Stephen Kanes, Robert Lasser: Effect of Zuranolone vs Placebo in Postpartum Depression. In: JAMA Psychiatry. 2021, Band 78, Nummer 9, S. 951 doi:10.1001/jamapsychiatry.2021.1559.