Zwein
Ortschaft im Bezirk Sankt Veit an der Glan
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Zwein ist eine Ortschaft in der Gemeinde Frauenstein im Bezirk St. Veit an der Glan in Kärnten. Die Rotte hat 22 Einwohner (Stand 1. Jänner 2025[1]).
| Zwein (Rotte) Ortschaft | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Pol. Bezirk, Bundesland | St. Veit an der Glan (SV), Kärnten | |
| Gerichtsbezirk | Sankt Veit an der Glan | |
| Pol. Gemeinde | Frauenstein (KG Dörfl) | |
| Koordinaten | 46° 48′ 29″ N, 14° 20′ 13″ O | |
| Einwohner der Ortschaft | 22 (1. Jän. 2025) | |
| Gebäudestand | 9 (1. Jän. 2021) | |
| Postleitzahlen | 9300 / 9311 | |
| Vorwahl | +43/04212 | |
| Statistische Kennzeichnung | ||
| Ortschaftskennziffer | 01678 | |
| Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; KAGIS | ||
Lage
Zwein liegt in der Katastralgemeinde Dörfl, am Südosthang des Salbrechtskopfs, nördlich oberhalb von Schloss Frauenstein sowie westlich oberhalb des Gemeindehauptorts Kraig.
Zur Ortschaft gehören die an oder nahe der von Frauenstein nach Eggen hinaufführenden Straße liegenden Häuser Kogler (Nr. 3; südlich davon ein neueres Haus, Nr. 5), Zietner (Nr. 4), Franz (Nr. 6), Hoisl (Nr. 7) und Anrescher (Nr. 8), der Schlossbauer (Nr. 2) oberhalb der Kraiger Schlösser und die nur über eine unbefestigte Auffahrt von Kraig aus erreichbaren Häuser Skrabiner (Haus Nr. 1) und Jägerkeusche (Nr. 9).
Etymologie
Der Name Zwein leitet sich vom slawischen Eigennamen „Zeboy“ ab. Vertreter dieses Namens werden im 13. Jahrhundert als Zeugen der Kärntner Herzöge im Umfeld der Herrschaft Freiberg genannt. Der Namensforscher Richard Müller[2] sieht in „Zeboy“ eine vereinfachte Form des slawischen Namens „Zebegoi“.[3] Einem Slawen dieses Namens wurden im Jahr 993 von Kaiser Otto III. zwei Höfe im Umkreis von St. Veit an der Glan, im sogenannten Kroatengau, übergeben.[4] Ein Bezug zwischen dem slawischen Adeligen „Zebegoi“ und der Ortschaft Zwein wird 2012 auch von Stefan Eichert angedacht.[5]
Geschichte
Geschichte der Ortschaft
1205 wird auf einer Urkunde des Spanheimer Herzogs Bernhard ein „Hemze de Zeboym“ als Zeuge erwähnt.[6][7]
Von 1244 bis 1256 scheint ein „Jacob de Zoboi“ (mit den Schreibformen „de Zeboy“ 1244[8] “de Seboyn” 1245[9] “de Zeboia” 1249[10] “de Scheboy” 1256[11]) als Zeuge auf Urkunden der Spanheimer Herzöge Bernhard und Ulrich III. auf.[12] Da dieser „Jacob de Zoboi“ 1245[13] am Siegel[14] einer von ihm ausgestellten Urkunde[15] “Jacobi Militis de VREIBG” tituliert wird,[16] ist anzunehmen, dass er mit „Jacobus de Friberch“ (Freiberg) ident ist, welcher von 1224 bis 1258 auf herzöglichen Urkunden als Zeuge aufscheint.[17]
Auf einer Urkunde 1296 wird „eine Hube bei Freiberg an dem Zeboyen“[18] genannt, 1303 wird in einer Urkunde die Bezeichnung „uf den Zwinacz“[19] verwendet. 1315 beurkundet Konrad von Auffenstein die Gabe eines Hofes „bei der Margaretenkirche auf dem Zeboy“ an das Stift Viktring.[20] Die Margarethenkirche befand wahrscheinlich sich in der Nähe des Bauernhofes vulgo Anrescher Hs.-Nr. 8. Im Zuge der Reformen von Josephs II. wurde die Filialkirche von Kraig aufgelassen.

Während der Zeit der Gegenreformation in Kärnten (ca. 1600 – Toleranzpatent von Joseph II 1781) kam es in Zwein zu Kryptoprotestantismus.[21] Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Geheimprotestant Johann Pötscher, Bauer „vulgo Kogler“ in Zwein, wegen des Verbrechens der Gotteslästerung hingerichtet. Eine, während der Gegenreformation am Kraigerberg versteckte, Lutherbibel befindet sich in Besitz der Familie Meierhofer vulgo Zietner in Zwein.[22]
Im 19. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Hämatit-Magnetit Bergbaus, welcher in seinen Anfängen weiter zurückliegen dürfte. Davon zeugen die Flurnamen „Erzberg“ (nördlich der Kraiger Schlösser) sowie der Hofname vulgo „Anrescher“.[23]
1840 bestand der Bergbau aus einem 15 m langen querschlägigen Stollen. 1896 kam das Erzvorkommen in den Besitz des Bauunternehmers Andreas Forabosco, welcher den ursprünglichen Schurfbau mit einem 140 m langen Stollen unterfuhr. 1900 lieferte der „Magneteisensteinbergbau Schaumboden“ 441 Tonnen Erz, welche im Hochofen Waidisch bei Ferlach verschmolzen wurde. 1902 wurde der Betrieb wieder eingestellt. Aufgrund des Interesses des Hüttenwerk Donawitz kam es zwischen 1954 und 1957 zu neuerlichen Schurfarbeiten, welche allerdings nur mehr der Untersuchung des Erzvorkommens dienten.[24][25]
Geschichte der heute zum Ort gehörigen Höfe
Skrabiner – Hs.-Nr. 1
Der Vulgoname leitet sich von von slowenisch "škribinj" (deutsch "hornartiger Fels") ab – Umgangssprachlich "Schtrabin" – Ehemalige Grundherrschaft Rastenfeld
Im Sterbbuch von Kraig ist 1668 ein "Wolffgangus Scarbinerin in Scarbin rusticus" vermerkt.[26] 1685 ist die Hochzeit des "Mathias Prunner rusticus in Scarbiner Guet" in die Kraiger Kirchenbücher eingetragen.[27] Als weitere Besitzer finden sich in den Kirchenbüchern Phillip[28] und Georg[29] Mulle sowie Michael Knafl.[30] Im Verzeichnis der Grundeigentümer des franziszäischen Katasters um 1843 wird ein Mathias Knafl als Besitzer geführt. 1889 wird hier der Widerstandskämpfer Franz Bernthaler geboren. Josef Fasching, Sohn des Nachbarbauern vulgo Schlossbauer ist 1904 "Skarbinhübler"[31]. Seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ist der Hof Zuhube. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 23 Hektar.[32]
Schlossbauer – Hs.-Nr. 2 ehemals 3
Der Vulgoname leitet sich von den in der Nähe befindlichen Kraiger Schlössern ab – Älterer Vulgoname: Mörtel in Schloss – leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Vornamens Martin ab – Ehemalige Grundherrschaft Kraig.
Eine "Gertrude Kumerin beim Mertl in Schloss" fungiert 1703 als Taufpatin in Kraig[33]. 1728 wird "Georgius Dornigg rusticus am Gshloss" ein Sohn geboren[34]. Ende des 18. Jahrhunderts heiratet Johann Fasching die Witwe des verstorbenen Johann Dornig und wird damit Besitzer des Bauernhofes vulgo Schlossbauer.[35][36] Im März 1841 stürzt der Bauer Johann Fasching über eine Felswand ab und stirbt.[37] In Vermischung mit älterem Erzählgut[38] entstand daraus die Sage vom geisternden Schlossbauer dessen Totenkopf keine Ruhe im Grab findet.[39] Am 26. September 1936 brennt das Gehöft ab,[40] wird danach aber wieder als Zuhube mit Wochenendhaus errichtet. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 30 Hektar.[32]
Kogler – Hs.-Nr. 3 ehemals 5
Der Vulgoname leitet sich von dem Begriff "Kogel" für Bergkuppe ab. – Ehemalige Grundherrschaft Frauenstein, 1829 Leonstein, 1843 Kraig
1669 heiratet ein Sohn des "Urbani Hällinger in Kogl Guet" in Kraig.[41] Ein "Christian Heiliger rustici auf der Kogler Hube am Zwain" wird 1698 als Vater der Braut im Kraiger Trauungsbuch erwähnt.[42] In den 10er Jahren des 18. Jahrhunderts ist Johann Pötscher Bauer vulgo Kogler. Im Verzeichnis der Grundeigentümer des franziszäischen Katasters um 1843 wird ein Mathias Weissenegger als Besitzer geführt. 1862 kauft der Nachbarbauer Peter Meierhofer vulgo Zietner den Hof. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 48 Hektar.[32]

Zietner – Hs.-Nr. 4 ehemals 7
Der Ursprung des Vulgonamens ist unbekannt – Ehemalige Grundherrschaft Tanzenberg
"Urbanus Ziedner rusticus in Ziwein" stirbt 1688.[43] Sein Urenkel Franz Kollmann verkauft den Hof 1763 an Veit Meierhofer. Sein Enkel Peter Meierhofer erbaut 1876 anstatt des hölzernen Wohnhauses ein Steinhaus. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde hier ein Gasthaus betrieben sowie von 1985 bis 2021 eine Buschenschank. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 67 Hektar.[32]
Lärchenhof – Hs.-Nr. 5
Der Vulgoname leitet sich von großen Lärchenbäumen ab, welche vor Baubeginn des Hauses dort wuchsen.
Wohnhaus, errichtet Anfang der 1960er Jahre

Franz – Hs.-Nr. 6 ehemals 11
Der Vulgoname leitet sich vom Vornamen Franz ab – ältere Vulgonamen: Egger Hube (Ableitung von Familienname Egger); Irgl (leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Vornamens Georg ab); Hansel (leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Vornamens Johann ab) – Ehemalige Grundherrschaft Gradisch
1665 scheint ein "Georg Kummer am Zwain" als Dienstherr in einem Trauungseintrag in Kraig auf.[44] "Jakobus Eggner", wird bei seinem Tod 1689 als "rusticus in Ziwein" eingetragen.[45] Sein Enkel Georg ist 1755 als "Georgio Eggner vulgo Irgl in Zweyn" Taufpate in Kraig.[46] 1788 heiratet dessen Enkel, Franz Pötscher die Tochter des Nachbarn Veit Meierhofer.[47] Nach seinem Tod heiratet seine Witwe Johann Fritzlechner. Die Tochter aus dieser Verbindung heiratet Franz Stromberger.[48] Stromberger kauft die beiden Höfe vulgo Vostl und Fercher in Höffern, welche allerdings nach seinem Tod wieder versteigert werden. Sein Sohn Josef Stromberger kauft 1877 den Nachbarhof vulgo Lenz und legt die beiden Betriebe zusammen. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 76 Hektar.[32]
Hoisl – Hs.-Nr. 7 ehemals 14
Der Vulgoname leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Vornamens Mathias ab – ältere Vulgonamen: Schmölzer (Ableitung des Familiennamen Schmölzer mit Bezug zu Bergbau); Hane oder Hansel (leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Vornamens Johann ab) – Ehemalige Grundherrschaft 1829 Gradisch 1843 Osterwitz
1665 scheint ein "Gregorio Überfelder am Zwain" als Dienstherr in einem Trauungseintrag in Kraig auf.[44] Sein Schwiegersohn Adam Schmölzer stirbt 1728 als "Bauer in Zwein".[49] Durch seinen Sohn Johann bekommt der Hof zuerst den Namen "Hansl" und durch den Enkel Mathias schließlich den heutigen Namen "Hoisl". Von 1832 bis 1881 gibt es mehrere Besitzwechsel (Wurmitzer, Schöffmann, Schweiger, Schhöffmann). 1881 kauft Julius Meierhofer, Sohn des Nachbarbauern Peter Meierhofer vulgo Zietner den Hof. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 45 Hektar.[32]
Anrescher – Hs.-Nr. 8 ehemals 16
Der Vulgonamen leitet sich vom bergmännischen Begriff Rösche ab – ältere Vulgoname: Zweiner (Ableitung vom Ortsnamen) – Ehemalige Grundherrschaft Kirche Kraig
1674 wird ein "Christophori Zweiner ... ad S: Margareta am Zwein" als bereits verstorbener Vater der Braut im Trauungsbuch Kraig erwähnt.[50] Nach dem Tod seines Sohnes Leonhard, heiratet die Witwe Christina Zweiner einen Johann Starzacher.[51] Dieser Johann Starzacher wird bei einer Hochzeit 1696 "Bauer und Messner in Zwain" genannt.[52] Sein Sohn Anton Starzacher verstirbt früh. Auch der Besitznachfolger Johann Herzog verstirbt in jungen Jahren, seine Witwe heiratet Johann Rainer. 1753 wird der Hof in kirchlichen Unterlagen erstmals Anrescher genannt. Der Hof wurde bis ins 20. Jahrhundert von Verwaltern bewirtschaftet. Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Hof zu einem Wohnsitz umgebaut. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 37 Hektar.[32]
Jager – Hs.-Nr. 9
Der Vulgonamen leitet sich vom Beruf "Jäger" des ersten Besitzers ab – Ehemalige Grundherrschaft Kraig Mitte der 1840er wird der Hof Jahre von Franz Benigin gegründet. Nach vielen Besitzwechseln (Meierhofer, Kampl, Rainer, Primoschitz) kauft 1925 Julius Meierhofer jun., Enkel von Peter Meierhofer vulgo Zietner, den Hof, welcher seit den 1970er Jahren eine Zuhube ist.
Ehemalige zum Ort gehörigen Höfe und Gebäude
Lenz – Ehemalige Hs.-Nr. 9
Der Vulgonamen leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Vornamens Lorenz ab – Ältere Vulgonamen: Ille (Der Vulgoname Ille könnte auf eine stark verkürzte mundartliche Rufnamenform des Vornamens Egidius zurückgehen.), Nickl (leitet sich von der mundartlichen Aussprache des Vornamens Nikolaus ab) – Ehemalige Grundherrschaft Gradisch
1666 ist ein "Thoma Schmelzer am Zwein" Trauzeuge in Kraig.[53] 1726 stirbt Vitus Schmölzer ehemaliger Bauer vulgo Lenz als Auszüge beim seinem Schwiegersohn Egidius Perger.[54] Sein Sohn Nikolaus Perger wird 1757 Bauer an der Illy Hube,[55] 1770 Bauer vulgo Nickel in Zwein genannt.[56] 1797 kauft Lorenz Meierhofer, Sohn des Veit Meierhofer vulgo Zietner, den Bauernhof. Josef Stromberger, Bauer vulgo Franz kauft 1877 den Hof und legt ihn mit seinem Besitz zusammen. 1843 hatte der Betrieb eine Größe von ca. 57 Hektar.[32]

Knappenkeusche – Ehemalige Hs.-Nr. 13
Der Vulgonamen leitet sich vom Beruf der Bewohner ab. Das Wohnhaus wurde für die Beschäftigten im Magnetit Bergbau errichtet. Die Hütte befand sich zwischen den Bauernhöfen vulgo Zietner und vulgo Franz. In den 1950er Jahren wurde das Gebäude abgerissen.
Bevölkerungsentwicklung
Seit der Volkszählung von 1869 liegen für Zwein Einwohnerzahlen in Abständen von typischerweise zehn Jahren vor.
Persönlichkeiten
- Franz Bernthaler (1889–1945), geboren in Zwein, in Klagenfurt lebender österreichischer Widerstandskämpfer, am 15. April 1945 hingerichtet
- Johann Pötscher (vor 1700–1750), geboren in Laggen, in Zwein lebender Bergbauer und Geheimprotestant, am 25. Februar 1750 wegen Gotteslästerung hingerichtet
Weblinks
- Zwein.org – Website zur Geschichte Zweins und seiner Umgebung
