Épisode méditerranéen
Wetterphänomen in Südfrankreich mit starkem Regen
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Épisode méditerranéen ist ein Begriff aus der Meteorologie, der in Südfrankreich und angrenzenden Ländern eine Wetterlage mit starkem bis sintflutartigem Regen beschreibt. In wenigen Stunden kann das Mehrfache eines Monatsdurchschnitts fallen, die Regenmengen können 200 Millimeter innerhalb eines Tages betragen oder überschreiten, wobei sich der Hauptteil auf wenige Stunden konzentrieren kann. In der Folge kann es zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Schlammlawinen kommen. In den Cevennen, dem südlichsten Teil des Zentralmassivs wird diese Wetterlage auch als Épisode cévenol bezeichnet. Gelegentlich findet sich die Übersetzung Mediterrane Episode[1] in deutschsprachigen Texten.[2]

Entstehung und Regenmengen



Eine Épisode méditerranéen tritt meist im Herbst auf, von September bis Mitte Dezember, wenn es über dem noch warmen Mittelmeer zu starker Verdunstung kommt. Feuchtwarme Luft steigt auf und bildet Gewittersysteme, welche durch Winde aus Süden zum Land getrieben wird, wo sie sich abregnen.[1][2]
Der Küstenstreifen am französischen Mittelmeer ist durch die Gebirksketten der Pyrenäen, des Zentralmassivs und der französischen Alpen fast durchgängig vom Hinterland abgeschirmt. Wenn die feuchtwarme Luft auf diese Gebirge tritt wird sie nach oben gedrückt und kühlt ab. Die Feuchtigkeit kondensiert und der Regen verstärkt sich. Als Beispiele, bei denen das Auftreffen der Gewitterluft auf Gebirge eine große Rolle spielte, seien zwei Ereignisse genannt, die sich am Südrand der Cevennen ereigneten. Im Département Ardèche im südöstlichen Zentralmassiv fielen vom 16. bis 18. Oktober 2024 innerhalb von 60 Stunden fast 700 mm Niederschlag, von diesen 508 mm innerhalb von 24 Stunden. In Valleraugue im Département Gard fielen am 19. September 2020 in 12 Stunden 500 mm Regen.[2]
Schwere Niederschläge können jedoch auch schon im flachen Küstenstreifen auftreten, ohne Einfluss der Gebirge. Die verantwortlichen Gewitter treffen oft nur begrenzte Gebiete und können dort Regenmengen über 100 mm erzeugen. Beispielsweise fielen in der Küstenstadt Marseille am 19. September 2000 in sechs Stunden 191 mm.[2]
Manche Meteorologen sprechen von einer Épisode méditerranéen erst, wenn die Niederschläge 200 mm in 24 Stunden überschreiten.[4] Andere nutzen den Begriff auch für Ereignisse mit sehr viel geringeren Regenmengen. Ein Beispiel ist eine Épisode méditerranéen am 6. November 2025, die sich über die Departements Aude und Hérault erstreckte. Sie führte zu 17 mm Regen in der Küstenstadt Sète sowie bis zu 100 mm in den nordwestlichen Teilen des Departements Hérault, die zum bergigen Haut-Languedoc gehören und in den Montagne Noire im Département Aude. In Carcassonne fielen 44,4 mm, dies war mehr als die 39,9 mmm die in den beiden trockenen Vormonaten September und Oktober zusammen fielen. Ebenso war es in Narbonne mit 30,9 mm gegenüber 29,1 mm in den beiden Vormonaten.[5]
Beispiele
| Datum | Ort | Departement | Regen [mm] | Zeitraum [h] |
|---|---|---|---|---|
| 3. Okt. 1988 | Nîmes | Gard | 420 | 8 |
| 22. Sep. 1992 | Vaison-la-Romaine (Entrechaux[3]) | Vaucluse | 300 | 6 |
| 31. Okt. 1993 | Süd-Korsika | Corse-du-Sud | 900 | 36 |
| 12. Nov. 1999 | Lézignan-Corbières | Aude | 622 | 48 |
| 12. Nov. 1999 | Thuir | Pyrénées-Orientales | 340 | 24 |
| 19. Sep. 2000 | Marseille | Bouches-du-Rhône | 191 | 6 |
| 8. Sep. 2002 | Anduze | Gard | 683 | 24 |
| 15. Juni 2010 | Draguignan | Var | 461 | 24 |
| 3. Okt. 2015 | Cannes, Mandelieu, Nizza | Alpes-Maritimes | 150–175 | 2 |
| 14. Okt. 2018 | Trèbes | Aude | 244 | 6 |
| 14. Okt. 2018 | La Salvetat-sur-Agout | Hérault | 366 | 48 |
| 2. Okt. 2020 | Vésubie | Alpes-Maritimes | 500 | 24 |
| 17. Okt. 2024 | Mayres | Ardèche | 508 | 24 |
Bei mehrtägigen Ereignissen ist jeweils der erste Tag angegeben.
Einfluss des Klimawandels
In den letzten Jahrzehnten des 20. und den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts wurde ein Anstieg sowohl der Zahl als auch der Intensität der Épisodes méditerranéens beobachtet. Ereignisse mit Regenmengen über 200 mm Regen in 24 Stunden kommen in der ersten Hälfte der 2020er Jahre etwa doppelt so häufig vor wie in den 1960er Jahren. Die Anzahl in einem Jahr variiert dabei sehr stark.[6]
Für die Zukunft wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet, da durch den Klimawandel die Luft wärmer wird und warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Ein Bericht des Weltklimarats (IPCC) geht von einem Anstieg der extremen Niederschläge im nordwestlichen Mittelmeerraum aus.[6]