Étienne Dennery
französischer Verwaltungsbeamter, Diplomat und Akademiker
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Biographie
1923 wurde Étienne Dennery an der École normale supérieure aufgenommen. 1926 legte er die Agrégation in Geschichte und Geographie als Zweitbester seines Jahrgangs ab. Anschließend wurde er zum Professor an der École libre des sciences politiques (Sciences Po) ernannt, wo er einen Kurs zur Geopolitik des Pazifischen Ozeans hielt. Er lehrte auch an der HEC Paris und spezialisierte sich auf die politischen und wirtschaftlichen Probleme Fernostasiens. Von 1935 bis 1940 war er gemeinsam mit Louis Joxe Generalsekretär des Centre d'Études de Politique Étrangère (Zentrum für Außenpolitikstudien).[2]
Nachdem er sich im Juni 1940 General De Gaulle angeschlossen hatte, wurde er von 1941 bis 1944 Informationsdirektor des Freien Frankreichs. Mit dieser Erfahrung und der Unterstützung der Regierung begann er nach dem Krieg (1945–1964) eine diplomatische Karriere, die 1961 in seiner Ernennung zum Botschafter in Japan gipfelte, nachdem er zuvor als französischer Botschafter in Polen[3] und anschließend in der Schweiz tätig gewesen war. 1964 wurde er von François Missoffe abgelöst und zum Nachfolger von Julien Cain als Generaldirektor der Nationalbibliothek und Direktor der Bibliotheken Frankreichs ernannt, ein Amt, das er bis 1975 innehatte.[4]
Obwohl er kein Spezialist war, nahm er die Herausforderungen an, vor denen die Bibliotheken jener Zeit standen. Er trug maßgeblich dazu bei, dass Frankreich bei der Katalogisierung gedruckter Materialien unabhängig von den Vereinigten Staaten agieren konnte, und leistete einen wichtigen Beitrag zur Förderung des öffentlichen Lesens in kleinen und mittelgroßen Provinzstädten.[5]
Auf Anraten von Jean-Pierre Seguin entwickelte er die Idee, auf dem durch den Abriss von Les Halles freigewordenen Gelände eine große öffentliche Bibliothek – eine Zweigstelle der Bibliothèque Nationale – zu errichten. Präsident Pompidou entschied sich jedoch für den Bau des Nationalen Museums für Moderne Kunst und des Nationalen Zentrums für Kunst und Kultur: Das Projekt umfasste zwar den Bau einer öffentlichen Lesebibliothek (Bibliothèque d’Information Publique), diese sollte aber nur 15.000 m² groß sein, während Étienne Dennery 60.000 m² geplant hatte.[6]
Veröffentlichung
- Foules d'Asie. Surpopulation japonaise, expansion chinoise, émigration indienne, Paris, Armand Colin, 1930, 248 p. (réédité)