Étouars
französische Gemeinde
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Étouars (Aussprache [eˈtwaʁ], okzitanisch Estoars) ist eine französische Gemeinde mit 166 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Gemeindeverband Communauté de communes du Périgord Nontronnais. Die Einwohner werden Étouardais und Étouardaises genannt.
| Étouars Estoars | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Nontron | |
| Kanton | Périgord Vert Nontronnais | |
| Gemeindeverband | Périgord Nontronnais | |
| Koordinaten | 45° 36′ N, 0° 38′ O | |
| Höhe | 170–277 m | |
| Fläche | 7,83 km² | |
| Einwohner | 166 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 21 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24360 | |
| INSEE-Code | 24163 | |
| Website | www.etouars.fr | |
Kirche Saint-Saturnin | ||
Geografie
Étouars liegt etwa 37 Kilometer ostsüdöstlich von Angoulême, etwa 55 Kilometer südwestlich von Limoges und etwa neun Kilometer nordnordwestlich von Nontron am nördlichen Rand des Départements. Die Gemeinde befindet sich in der Naturlandschaft des Nontronnais, im touristisch benannten Périgord vert.
Étouars wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:
| Bussière-Badil | ||
| Soudat (Berührungspunkt) | Saint-Estèphe | |
| Teyjat | Le Bourdeix |
Zu Étouars gehören folgende Weiler, Gehöfte und Ziegeleien: La Croix du Pêcher, La Manugrie, La Tuilière de Ribièras, La Tuilière de Rippe, Lacrète, Lavergne, Le Petit Étouars, Les Forges, Les Garennes, Les Grands Champs, Les Petits Champs, Les Quatre Routes und Ribièras.
Der topografisch tiefste Punkt des Gemeindegebietes liegt mit 170 m im äußersten Westen am Austritt des Ruisseau de l’Étang d’Assat aus dem Gemeindegebiet. Der höchste Punkt mit 277 m (guter Aussichtspunkt nach Osten) befindet sich unmittelbar nördlich des Ortskerns, der auf einem Höhenrücken erbaut wurde. Die maximale Höhendifferenz beträgt 107 Meter. Diese Gegebenheiten spiegeln ein generell pultschollenartiges Einfallen der Landschaft gegen Westsüdwest wider.

Bodenbedeckung
Die Bodenbedeckung der Gemeinde Étouars schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
- Wälder – 48,2 %
- heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 51,8 %
Die heterogene landwirtschaftliche Nutzung steht 2018 im Vordergrund. Sie ist aber im Jahr 2018 mit 51,8 % gegenüber 1990 (54,5 %) zurückgegangen.
Klima
Die Gemeinde Étouars besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima, das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971–2000
|
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 55 Kilometer entfernten Wetterstation am Flughafen von Limoges-Bellegarde das langjährige Jahresmittel von 11,2 °C für 1971–2000 über 11,4 °C für 1981–2010 auf 11,8 °C für 1991–2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,6 °C innerhalb von 20 Jahren.

Hydrografie
Die natürliche Nordwestgrenze des Gemeindegebietes bildet der Ruisseau de l’Étang d’Assat, der in seinem Unterlauf als Ruisseau de Varaignes bezeichnet wird. Ein Teil der Südostgrenze wird von dem hier aufgestauten Ruisseau des Forges gebildet. Ferner entspringt beim Weiler Lacrète das Flüsschen Marcourive, das ebenfalls nach Südwesten abfließt – der generellen Entwässerungsrichtung. Die Marcourive verläuft in etwa mittig im Gemeindegebiet und hat einen größeren rechten Seitenarm.
Alle Wasserläufe münden letztendlich rechtsseitig in den Bandiat, der zum Flusssystem der Charente gehört.
Das Entwässerungsnetz besitzt eine Gesamtlänge von 13,5 Kilometer.
Geologie

Der tiefere Untergrund des Gemeindegebietes von Étouars wird vom variszischen Grundgebirge des nordwestlichen Zentralmassivs gebildet – Paragneis, Metatexit, Leptynit und intrudierender Granodiorit (Piégut-Pluviers-Granodiorit).
Die Foliation der Metasedimente streicht generell Nordost und fällt mit 40 bis 50° nach Nordwest ein. Ihr Kontakt zum Granodiorit (nördlich von Lacrète), der im Osten des Gemeindegebietes in seiner grobkörnigen Normalfazies (γ3M) ansteht, erfolgt mittels einer Nordnordost-streichenden Störung. Bedingt jedoch durch die Erosionstätigkeit der Marcourive und ihres rechten Nebenarms zieht der Granodiorit spornartig weit nach Südwesten in Richtung Teyjat heraus. Der Metatexit (Mζ1-2) ist entlang der Nordwestgrenze am Ruisseau de l’Étang d’Assat aufgeschlossen und wird von einem Nordost-streichenden Mikrogranitgang (μγ3M) durchzogen. Der Leptynit (λ3-4) erscheint in der Verlängerung dieses Mikrogranitgangs nach Nordosten, ist aber mittels Verwerfungen in Paragneis (ζ1-2) eingeschuppt.
Der durch den Ortskern verlaufende Höhenrücken wird von zum nordöstlichen Aquitanischen Becken gehörenden Sedimenten des Hettangiums (Arkosen – Formation l1-4) aufgebaut, die hier über den Granodiorit transgredierten. Das Hettangium erscheint ebenfalls am rechten Seitenarm der Marcourive und in zwei kleinen Vorkommen bei Ribièras und Les Petits Champs. In der Nähe der Ziegelei La Tuilerie de Rippe zieht eine Nordnordwest-streichende Abschiebung durch. Dadurch werden stratigraphisch höherliegende Liasschichten (Formation l5-9), darunter die Tonsedimente des Aaleniums, aufgeschlossen – willkommener Ausgangsstoff für die örtlichen Ziegeleien.
Das Grundgebirge wird von den beiden Flussläufen der Marcourive und des Ruisseau de l’Étang d’Assat angeschnitten, der dazwischenliegende Höhenrücken und auch die südlich der Marcourive anschließende Hanglage werden jedoch von kolluvialen Tonen, Sanden und Geröllen (in der Regel gerundete Quarzkiesel) des Quartärs (Formationen C und HC) völlig maskiert. Diese kolluvialen, Hanglagen bedeckenden Umlagerungssedimente des Pleistozäns können ihrerseits von eozänem/pliozänem Alluvium (Sande und Kiese der Formation H-F) abgelöst werden (bei La Croix du Pêcher).
Natürliche Risiken

Natürliche Risiken manifestieren sich in Étouars neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen
Étouars ist der Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. Deshalb besteht im weitaus größten Teil des Gemeindegebiets zur Vorbeugung eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Staat erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.[1]
Wie die Risikokarte zeigt, ist etwa ein Drittel des Gemeindegebiets von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Anfällig sind vor allem die Lockersedimente im Westen und Südwesten. Die Dürreperiode im Jahr 2019 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.[2]
Ökologie

Naturpark
Die Gemeinde gehört seit 1998 zum Gebiet des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Schutzgebiet
Unter Naturschutz stehen die Talungen des Ruisseau des Forges, des Ruisseau de l’Étang d’Assat sowie die Marcourive. Diese Gebiete sind als kontinentale ZNIEFF (Französisch zone naturelle d'intérêt écologique, faunistique et floristique) des Typus 1 unter der Bezeichnung Vallées du réseau hydrographique du Bandiat ausgewiesen. Ihre Flora besteht aus über 100 Pflanzenarten mit Großer Odermennig (Agrimonia procera) und Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) als Indikatorpflanzen.
Etymologie und Geschichte
Die Dorfkirche, existierte bereits während der Romanik, der Name von Étouars ist aber erst seit dem 16. Jahrhundert in der Schreibweise Eytours belegt. Er leitet sich sehr wahrscheinlich vom ursprünglich germanischen Personennamen Stodulf, gefolgt von ward, ab. Dieser Name wurde aus Stod (deutsch Gestüt) gebildet.[3]

Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis in die Urgeschichte, die Antike und insbesondere ins 15. und 18. Jahrhundert zurück. Zahlreiche gallorömische Überreste wurden gefunden, darunter eine gallorömische Villa, Ziegel und Münzen.
Der Überlieferung nach wurde im 12. Jahrhundert eine kleine Stadt von Richard Löwenherz geplündert und vollständig zerstört, um Baumaterial für das Dorf Étouars zu gewinnen. Was Étouars jedoch wirklich auszeichnet, ist seine lange und bedeutende Eisenverarbeitung. Die Gegend profitierte von Eisenerz, Holz (für die Produktion von Holzkohle) und Wasser, das für Rennöfen und später Hochöfen unerlässlich war. Im 18. Jahrhundert wurde die Schmiede in Étouars zur Kanonengießerei für die königliche Marine. Die ehemalige Schmiede von Étouars befand sich am Fuße des Tals, südlich des Dorfes. Die Hochöfen waren bis 1866 in Betrieb, sind aber nicht erhalten. Ein Kohlenschuppen und das Wohnhaus des Eisenmeisters sind jedoch erhalten geblieben. Auf dem Dorfplatz erinnert ein Denkmal an diese metallurgische Tätigkeit. Es stellt eine Schiffsbatterie dar und besteht aus einer ehemaligen Schiffskanone und Metallteilen.[4]
Bevölkerungsentwicklung
| Bevölkerungsentwicklung in Étouars | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner |
![]()
| ||
| 1962 | 230 | |||
| 1968 | 220 | |||
| 1975 | 195 | |||
| 1982 | 197 | |||
| 1990 | 174 | |||
| 1999 | 175 | |||
| 2006 | 144 | |||
| 2007 | 147 | |||
| 2008 | 145 | |||
| 2011 | 144 | |||
| 2013 | 146 | |||
| 2015 | 151 | |||
| 2016 | 154 | |||
| 2017 | 155 | |||
| 2019 | 159 | |||
| 2021 | 163 | |||
| 2022 | 165 | |||
Die Bevölkerungsentwicklung ist unter leichten Schwankungen generell rückläufig, hat sich aber seit 2006 wieder etwas erholt.
Die Gemeinde hatte ihren bisherigen Bevölkerungshöchststand im Jahr 1896 mit 529 Einwohnern.
Bürgermeister
Amtierende Bürgermeisterin ist seit März 2008 die der Front de gauche angehörende Francine Bernard, die im Mai 2020 wiedergewählt wurde.
Präsidentschaftswahlen 2022
| Kandidaten | Parteien | 1. Wahlgang | 2. Wahlgang | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen | % | Stimmen | % | ||||
| Marine Le Pen | Front national | FN | 30 | 29,13 % | 51 | 62,96 % | |
| Emmanuel Macron | En marche ! | EM | 16 | 15,53 % | 30 | 37,04 % | |
| Jean-Luc Mélenchon | Front de gauche | FDG | 16 | 15,53 % | |||
| Éric Zemmour | Reconquête | 11 | 10,68 % | ||||
| Valérie Pécresse | Les Républicains | LR | 2 | 1,94 % | |||
| Jean Lassalle | Résistons ! | R | 7 | 6,80 % | |||
| Anne Hidalgo | Parti socialiste | PS | 3 | 2,91 % | |||
| Fabien Roussel | Parti communiste français | PC | 7 | 6,80 % | |||
| Nicolas Dupont-Aignan | Debout la République | DLR | 2 | 1,94 % | |||
| Yannick Jadot | Europe Écologie-Les Verts | EELV | 5 | 4,85 % | |||
| Nathalie Arthaud | Lutte Ouvrière | LO | 0 | 0,00 % | |||
| Philippe Poutou | Nouveau Parti anticapitaliste | NPA | 4 | 3,88 % | |||
| Gesamt | 103 | 100 % | 81 | 100 % | |||
| Gültige Stimmen | 103 | 96,26 % | 81 | 78,64 % | |||
| Ungültige Stimmen | 4 | 3,74 % | 22 | 21,36 % | |||
| Wahlbeteiligung | 107 | 84,92 % | 103 | 81,75 % | |||
| Enthaltungen | 19 | 15,08 % | 23 | 18,25 % | |||
| Registrierte Wähler | 126 | 126 | |||||
|
Quelle: Ministère de l'Intérieur[6] | |||||||
Die Präsidentschaftswahlen 2022 in Étouars konnte Marine Le Pen deutlich für sich entscheiden.
Sehenswürdigkeiten
Auf dem Platz neben der Kirche Saint-Saturnin ist eine der in Étouars gegossenen Kanonen ausgestellt. Daneben wurde ein experimenteller Hochofen errichtet und in Betrieb genommen. Das Museum Fer et Forges (Eisen und Schmieden) vermittelt wichtige Hintergrundinformationen zur damaligen Eisenverhüttung im Haut Périgord. Die eigentliche Schmiede liegt an der D 3 südlich unterhalb des Ortskerns. Erhalten sind hier noch mehrere Gebäude und Anlagen wie beispielsweise das Herrenhaus, die Lagerhallen für die Holzkohle, Kanalsysteme, ein kleiner Hochofen und der Stausee mit seiner einstigen Staumauer.
Sehenswert ist ferner ein großer Obstgarten für alte Kernobstsorten am westlichen Ortsrand.
- Der für die Schmiede aufgestaute Ruisseau des Forges
- Eingangsportal von Saint-Saturnin
- Schmiede mit Herrenhaus und Nebengebäuden
- Der experimentelle Hochofen auf dem Dorfplatz
- Schmelzresultat des experimentellen Hochofens
- Schmelzofen für einmaligen Gebrauch
- Ehemalige Schmiede
- Großer Odermennig
Wirtschaft
Erwerbstätigkeit
Im Jahre 2022 waren 65 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Étouars erwerbstätig, entsprechend 69,9 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersgruppe, wobei der Anteil der Männer (70,8 %) höher war als bei den Frauen (68,9 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit acht Personen im Jahr 2022 etwas niedriger als im Jahr 2016 (9). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 14,8 % (2016) auf 12,3 % (2022). Die Zahl der Arbeitslosen in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen verringerte sich dabei um 42,9 %.[7]
Landwirtschaft
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Rinderzucht zur Fleischerzeugung.[8] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 15 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 8 im Jahr 2000, auf 6 im Jahr 2010 und 4 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 73,3 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 412 Hektar im Jahre 1988 auf 122 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg von 27,5 Hektar auf 30,5 Hektar.[9][10][11]
Verkehr
Étouars liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Die Departementsstraße D 92/D 93 ist die wichtigste Verkehrsader der Gemeinde. Sie verläuft durch das Zentrum und den östlichen Teil des Gemeindegebiets. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und mit Nachbargemeinden.
Literatur
- Gilbert Le Pochat: Carte géologique de la France à 1/50 000. Feuille Montbron. BRGM, 1986.
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Éditions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Weblinks
- Étouars auf cartesfrance.fr in Französisch


