Neufahrner Kurve

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Die Neufahrner Kurve ist eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn nördlich von München. Die Verbindungskurve verknüpft die zum Flughafen München führende Neufahrner Spange bei Neufahrn bei Freising mit der Bahnstrecke München–Regensburg und ermöglicht damit eine umsteigefreie Anbindung des Flughafens aus Ostbayern. Die Länge beträgt ca. 2,3 Kilometer.[2]

Weitere Informationen Neufahrn (b Freising) Ost–Neufahrn (b Freising) Nord ...
Neufahrn (b Freising) Ost–Neufahrn (b Freising) Nord
Neufahrner Spange mit Neufahrner Kurve in Richtung Freising
Neufahrner Spange mit Neufahrner Kurve in Richtung Freising
Streckennummer (DB):5559
Kursbuchstrecke (DB):930
Streckenlänge:2,261 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Minimaler Radius:455 m
Streckengeschwindigkeit:100 km/h
Zugbeeinflussung:PZB
Zweigleisigkeit:durchgehend
Strecke
von München Flughafen West
Blockstelle
0,000 Neufahrn (b Freising) Ost (Abzw)
Abzweig geradeaus und nach links
nach Neufahrn (b Freising)
Brücke
Bundesautobahn 92
Abzweig geradeaus und von links
von München Hbf
Blockstelle
2,261 Neufahrn (b Freising) Nord (Abzw)
Strecke
nach Regensburg Hbf

Quellen: [1]
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Verlauf

Streckenverlauf

Die Neufahrner Kurve zweigt an der Abzweigstelle Neufahrn (b Freising) Ost südlich der Bundesautobahn 92 höhenfrei von der Neufahrner Spange ab. Die Trasse verläuft abschnittsweise in Damm- und Troglage und quert die A92 auf einer Stahlverbundbrücke. Sie endet an der Abzweigstelle Neufahrn (b Freising) Nord, wo sie höhenfrei in die Bahnstrecke München–Regensburg eingeführt wird. Die Ein- und Ausfädelungen sind als Überwerfungsbauwerke ausgeführt, um Kreuzungskonflikte zwischen S‑Bahn und Regionalverkehr zu vermeiden.[2][3]

Geschichte

Planungshintergrund und Alternativen

Nach der Inbetriebnahme des Flughafen München im Jahr 1992 bestand zunächst die Schienenanbindung über die Strecke München Ost – München Flughafen. Am 28. November 1998 nahm die S‑Bahn‑Linie S 1 als zweite Flughafenanbindung den Betrieb auf, ermöglicht durch den Neubau der Verbindungsstrecke über Neufahrn in Richtung Flughafen („Neufahrner Spange“).[4]

Zu Beginn der 2000er Jahre wurden Varianten einer direkten Ostbayernanbindung diskutiert.[5][6] Zu den Zielsetzungen der Maßnahme zählten die direkte, stündliche Regionalanbindung über Regensburg und Landshut sowie die Entlastung der bestehenden Zuführungen zum Flughafenknoten.[7][2]

In der frühen Planungsphase wurden Alternativen geprüft, darunter die Marzlinger Spange mit östlicher Umfahrung von Freising sowie die Pullinger Spange als westliche Flughafenanbindung mit Abzweig im Bereich Pulling von der Bahnstrecke München–Regensburg zur Flughafenstrecke. Im Raumordnungsverfahren wurden verkehrliche und naturschutzfachliche Aspekte bewertet, insbesondere im Bereich der Isarauen.[5][6] Fach- und Umweltverbände bewerteten Lösungen über den bestehenden Korridor Freising–Neufahrn und die S‑Bahn‑Verbindung Neufahrn – München Flughafen West als raumverträglicher. Eine neue Trasse durch die Isarauen wurde abgelehnt.[8][9] Mit „Isarauen“ ist im Planungsraum Freising der Auenkorridor der Isar gemeint, der als FFH-Gebiet Isarauen von Unterföhring bis Landshut (Natura‑2000, Nr. 7537‑301) ausgewiesen ist. Im Abschnitt zwischen Hangenham und Moosburg besteht zusätzlich das Naturschutzgebiet Isarauen zwischen Hangenham und Moosburg.[10][11][12]

Das am 23. November 2009 vorgestellte Gutachten des Freistaats empfahl die Neufahrner Kurve wegen eines günstigeren Nutzen‑Kosten‑Verhältnisses und eines geringeren Investitionsbedarfs. Für die Marzlinger Spange wurden je nach Ausführung Kosten von rund 355 bis 565 Millionen Euro genannt.[13][14] Die Entscheidung zugunsten der Neufahrner Kurve zielte auf eine höhenfreie Anbindung der Bahnstrecke München–Regensburg an die Neufahrner Spange mit der Möglichkeit, eigenständige Regionallinien ohne Umsteigen bis zum Bahnhofsteil München Flughafen West zu führen.[7]

In zeitgenössischen Unterlagen sowie in der kommunalen Bauleitplanung wurde die Strecke zeitweise als Neufahrner Gegenkurve bezeichnet.[15][16]

Planfeststellung, Finanzierung, Bau und Inbetriebnahme

Zwischen 2002 und 2005 verhandelte der Freistaat Bayern mit der Deutschen Bahn über die Aufnahme der Planungen zum Erdinger Ringschluss, zunächst ohne Ergebnis. 2006 übernahm der Freistaat die Projektsteuerung und ließ die Planungen für eine Verbindungskurve bei Neufahrn zur direkten Anbindung des Flughafen an das Bahnnetz aus Nordostbayern europaweit ausschreiben. Der Start der Planung erfolgte 2007. 2010 wurde die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens beim Eisenbahn-Bundesamt beantragt.[17][18]

Der Planfeststellungsbeschluss zur Neufahrner Kurve erging am 31. Oktober 2012.[18][19] Gegen den Beschluss erhoben mehrere Landwirte Klage, unter anderem wegen der Neuordnung der Gemeindeverbindungsstraße Moosmühle–Mintraching. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wies diese Klagen am 16. Juli 2013 ab und bestätigte ergänzende Auflagen zur Ausgestaltung der Ersatzwegführung. Der Beschluss blieb damit bestandskräftig.[20][21]

Die Realisierungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Freistaat Bayern und der Deutschen Bahn wurde am 12. April 2013 unterzeichnet.[22][23] Die Finanzierung umfasst eine Bundesförderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz in Höhe von 46 Millionen Euro. Die veranschlagten Gesamtkosten wurden im Zuge der Förderentscheidung mit 91 Millionen Euro angegeben. Die Neufahrner Kurve ist in diesem Zusammenhang als erste Baustufe des Erdinger Ringschlusses eingestuft.[24][25][26] Vertragsbestandteil war zudem eine Rückführung von zehn Millionen Euro über zusätzliche Trasseneinnahmen innerhalb von 20 Jahren nach Inbetriebnahme.[27]

Baufortschritt im März 2017 an der Verbindung der Neufahrner Kurve zur Bahnstrecke München–Regensburg

Der offizielle Spatenstich fand am 27. Oktober 2014 statt.[7] Die Abzweigstellen Neufahrn Ost (MNFO) und Neufahrn Nord (MNFN) wurden am 20. September 2018 technisch in Betrieb genommen.[28] Die planmäßige Aufnahme des Verkehrs über die Neufahrner Kurve erfolgte zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018.[29]

Überführung der Neufahrner Kurve über die A 92, Bauzustand März 2017

Ein ursprünglich vorgesehener viergleisiger Ausbau der Bahnstrecke München–Regensburg zwischen Freising und Abzweig Neufahrn‑Nord wurde nicht realisiert.[30] Ein bis 2016 diskutierter S‑Bahn‑Halt in Mintraching wurde ebenfalls nicht errichtet.[31][32]

Betrieb

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 verkehren über die Neufahrner Kurve täglich im Stundentakt Regional-Express-Züge der Linie RE 22 zwischen Regensburg und München Flughafen als Überregionaler Flughafenexpress (ÜFEX). Die Verkehre wurden durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft bestellt und zunächst von DB Regio Bayern mit Triebzügen des Typs Bombardier Talent 2 erbracht.[33][34]

Flughafenexpress auf der Neufahrner Kurve, 2019

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 wurde die Linie RE 22 über Neumarkt (Oberpfalz) nach Nürnberg verlängert. Seither wird die Relation Nürnberg–München Flughafen im Zweistundentakt bedient, die Relation Regensburg–München Flughafen weiterhin im Stundentakt. Die Leistungen werden gemeinsam von DB Regio Bayern und agilis erbracht. Zum Einsatz kommen Neufahrzeuge des Typs Siemens Mireo.[35][36][34]

Literatur

  • Thomas Graf: Planung und Bau der Neufahrner Kurve. In: EI – Der Eisenbahningenieur. Band 66, Nr. 11, 2015, ISSN 0013-2810, S. 6–10.
Commons: Neufahrner Kurve – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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