İsmail Yaşar
Gastwirt in Nürnberg; Mordopfer des NSU
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İsmail Yaşar (; geb. 1955 in Alanyurt, Türkei; gest. 9. Juni 2005 in Nürnberg, Deutschland)[1] war das sechste Opfer der Mordserie der rechtsextremen terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Der Inhaber eines Imbisses wurde mit fünf Schüssen in Kopf und Oberkörper getötet.[2]


Privates
Yaşar kam im Alter von 23 Jahren nach Deutschland. Er hatte eine Tochter und einen Sohn.
Ermordung und Ermittlungen
Am 9. Juni 2005 gegen 10 Uhr morgens töteten Mörder ihn in seinem Döner-Stand mithilfe einer Ceska Zbrojovka 83 mit aufgesetztem Schalldämpfer. Der Döner-Stand (Koordinaten) lag gegenüber der Nürnberger Scharrer-Schule, die zu jener Zeit der Sohn von İsmail Yaşar besuchte, und unweit des Verwaltungszentrums der Bundesagentur für Arbeit. Die Mörder nutzten vermutlich den Geräuschpegel der Schulpause, da auch Schüsse mit Schalldämpfer nicht völlig lautlos sind. In den Unterlagen des NSU fanden sich später Notizen und Karten, die eine Markierung des Imbisses von Yaşar zeigten.
Anstatt einem eventuellen rechtsextremen Hintergrund nachzugehen, ermittelte die Mordkommission, die Nürnberger Kriminalpolizei in Zusammenarbeit mit dem BKA, im direkten Umfeld von Yaşar. Sie vermuteten Verbindungen zu türkischen Drogenhändlern aus den Niederlanden.[3] Dabei hörten die Beamten Angehörige von Yaşar ab und führten Observationen durch verdeckte Ermittler durch, stellte der NSU-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags im Juli 2013 fest. Sie bauten z. B. Dönerstände, um Schutzgelderpressungen zu provozieren, da sie in diesem Umfeld Täter vermuteten.[4] Hinweisen auf Täter aus dem Umfeld des NSU ging die Polizei hingegen nicht oder nur zögerlich nach, obwohl es viele Zeugen gab.[5] Eine Zeugin beispielsweise erkannte einen Täter auf Überwachungsaufnahmen zum Nagelbombenanschlag von Köln.[6] Es fiel auch nicht auf, dass sich die Nürnberger Tatorte um das ehemalige Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten gruppierten (der Tatort ist nur 1,3 km vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände entfernt).[7] Der Journalist Hans-Jürgen Deglow vom Kölner Stadt-Anzeiger wies die Polizei 2006 auf die frappierende Ähnlichkeit der Phantomzeichnungen im Fall Yaşar und dem Anschlag in Köln hin. Ein Polizeisprecher erklärte dem Journalisten, es gebe keinen Zusammenhang zwischen den Taten.[8]
Gedenken
Unmittelbar nach der Tat wurde der Imbissstand mit zahlreichen Plakaten und Beileidsbekundungen überklebt, das Opfer war sowohl bei den Schülern der gegenüberliegenden Scharrer-Grundschule wie auch im ganzen Viertel (südliches Gleißhammer) beliebt. 2015 wurde am Tatort eine Bronzeplatte in den Gehweg eingelassen. Im Juni 2022 wurde unweit des Tatorts eine Grünfläche vor einer Kirche in İsmail-Yaşar-Platz umbenannt. Seine Kinder enthüllten hierbei das Straßenschild und eine neu eingerichtete Gedenkstele. Zudem wurde ein Walnussbaum, Yaşars Lieblingsbaum, in Erinnerung an ihn gepflanzt.[9]
Nach der Entfernung des Döner-Standes befestigten Schüler der gegenüberliegenden Scharrer-Schule Gedenkblätter und Blumen an einem Zaun, vor dem İsmail Yaşars Imbiss stand. Diese provisorische Gedenkstätte wurde immer wieder ergänzt und ist bis heute erhalten. 2025 übergab die Stadt Nürnberg neben dem Imbiss von İsmail Yaşar eine Grünfläche mit Bänken, Bäumen und einem Schachtisch der Öffentlichkeit: Der İsmail-Yaşar-Platz soll ein Ort der Begegnung und ein Zeichen für Toleranz sein. Im Jahre 2026 wurde der ehemalige Stellplatz (seit dem Attentat öffentlicher Parkplatz) aufgelassen und an seiner Stelle unmittelbar vor der provisorischen Gedenkstätte Sitzgelegenheiten eingerichtet.
Weblinks
- Ismail Yaşar Scharrerstraße Nürnberg
- BR24: NSU-Mord vor 20 Jahren: Gedenken an Ismail Yaşar
- ARD/BR: Scharrer-Schule Nürnberg gedenkt NSU-Mord. Frankenschau aktuell vom 5. Juni 2025.