Abdallah Alkhatib

palästinensisch-syrischer Filmemacher und Menschenrechtsaktivist From Wikipedia, the free encyclopedia

Abdallah Alkhatib, alternative Schreibweise Abdallah Al-Khatib (* 1989 in Jarmuk, Syrien) ist ein syrisch-palästinensischer Filmemacher und Menschenrechtsaktivist, der vor allem für seine Filme über das Leben unter Kriegsbedingungen in Jarmuk, einem Flüchtlingsviertel in Damaskus, bekannt ist.[1]

Alkhatib während der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2026

Leben

Alkhatib wurde 1989 im Flüchtlingslager Jarmuk nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren.[2] Schon im Alter von 17 Jahren begann er mit der Arbeit für die Menschenrechte, zunächst als Freiwilliger bei SOS-Kinderdörfern in Damaskus, später als Mitbegründer der Palestinian League for Human Rights – Syria (PLHR), die sich auf die Dokumentation der Situation palästinensischer Flüchtlinge in Syrien konzentriert.[1]

Er studierte Soziologie an der Universität Damaskus. Vor dem Ausbruch der Syrischen Revolution arbeitete er für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinenser (UNRWA) als Koordinator für Aktivitäten und Freiwillige sowie in einem Jugendzentrum in Jarmuk. Dort wirkte er an Dokumentarfilmen über das Leben im Flüchtlingslager mit.[2] Gemeinsam mit anderen Aktivisten gründete er 2017 den literarischen Blog sard.network.[3]

Die politische Situation in Syrien nach 2011 führte laut einem Interview dazu, dass Alkhatib ein Leben im Untergrund führen musste.[1] Mehrfach entkam er Entführungsversuchen und überlebte 2016 einen Mordanschlag.[4][5] Sein Vater wurde aufgrund seiner Aktivitäten inhaftiert, und seine Familie stand unter ständiger Bedrohung.[1] Seit Anfang 2019 lebt er in Deutschland.[3]

Wirken

Für sein Engagement für gewaltlose Methoden und Menschenrechte in Syrien erhielt Alkhatib 2016 den schwedischen Per-Anger-Preis.[4] Seine Arbeit umfasste Bildungsprojekte zu internationalem Recht, Menschenrechten und Demokratie sowie die Bereitstellung psychosozialer Unterstützung für kriegsbetroffene Kinder und Jugendliche.[1]

In dem Film Little Palestine, Diary of a Siege dokumentierte Alkhatib zwischen 2011 und 2015 über vier Jahre das Leben der Menschen in Jarmuk während des Syrischen Bürgerkriegs. Bei Kämpfen zwischen der Freien Syrischen Armee und syrischen Regierungstruppen belagerten letztere das Lager und überließen die verbleibende Bevölkerung ihrem Schicksal. Der Alltag war von Wasser- und Lebensmittelknappheit und fehlender medizinischer Versorgung geprägt. Als Daesh das Lager 2015 einnahm, wurde Alkhatib aus Jarmuk vertrieben.[6][7][8] Der Film wurde 2021 auf mehr als 50 Filmfestivals aufgeführt und erhielt unter anderem auf den Festivals Visions du Réel, Filmfest Hamburg, Internationales Dokumentarfilmfestival von Yamagata und beim Vancouver International Film Festival Auszeichnungen.[9]

Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2026 wurde sein Spielfilmdebüt Chronicles from the Siege mit dem Preis für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet.[10]

Kontroversen

In seiner Dankesrede bei der Berlinale-Preisverleihung am 21. Februar 2026 kritisierte Alkhatib die deutsche und israelische Regierung und deren Rolle im Gaza-Krieg. Unter anderem warf er der Bundesregierung vor, Partner eines Völkermords in Gaza zu sein.[11] Dies veranlasste den anwesenden Umweltminister Carsten Schneider dazu, die Veranstaltung aus Protest zu verlassen.[12] Der Vorfall sowie andere öffentliche Kontroversen zu Filmemachern, die die Zurückhaltung des Festivals gegenüber politischen Bekundungen kritisiert hatten, wurden anschließend in internationalen und deutschen Medien kommentiert.[13][14][15] Weiterhin wurde daraufhin Festivalleiterin Tricia Tuttle kritisiert.[16][17][18]

Filmografie

Auszeichnungen

  • 2016: Per-Anger-Preis[4]
  • 2026: GWFF Preis Bestes Spielfilmdebüt der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2026[10]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI