Dauer der Schulzeit
Dauer der schulischen Bildungsgänge
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Die Dauer der Schulzeit bezeichnet die Zeitspanne schulischer Bildung innerhalb eines Bildungssystems. Sie umfasst insbesondere die Dauer der allgemeinen Schulpflicht, einzelner Bildungsgänge oder den Zeitraum bis zum Erwerb bestimmter Schulabschlüsse. Die Dauer der Schulzeit wird international unter anderem durch Einschulungsalter, Aufbau des Schulsystems, Dauer der Primarstufe, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II sowie Übergänge in weiterführende Bildungswege bestimmt.
Von der institutionellen Dauer schulischer Bildung zu unterscheiden sind bildungsstatistische Kennzahlen zur tatsächlichen oder erwarteten Bildungsdauer der Bevölkerung. In der internationalen Bildungsforschung, Bildungsstatistik und Entwicklungsökonomie werden hierfür unter anderem die Indikatoren mean years of schooling („mittlere Schulbesuchsdauer“) und expected years of schooling („erwartete Schulbesuchsdauer“) verwendet.[1][2]
Die mittlere Schulbesuchsdauer beschreibt die durchschnittliche Anzahl an Jahren formaler Bildung, die Personen ab einem Alter von 25 Jahren absolviert haben. Grundlage sind Bevölkerungszählungen und Bildungsstatistiken, bei denen erreichte Bildungsabschlüsse in standardisierte Schuljahre umgerechnet werden.[3] Die erwartete Schulbesuchsdauer gibt hingegen an, wie viele Bildungsjahre ein Kind im Einschulungsalter unter den aktuellen Bedingungen des jeweiligen Bildungssystems voraussichtlich absolvieren wird.[4]
Diese Kennzahlen sind Bestandteil internationaler Bildungs- und Entwicklungsvergleiche und fließen unter anderem in den Index der menschlichen Entwicklung ein.[5] Die statistisch erfasste Bildungsdauer umfasst dabei häufig neben der allgemeinen Schulbildung auch postsekundäre und tertiäre Bildungswege und ist daher nicht unmittelbar mit der gesetzlichen Schulpflicht oder der Dauer einzelner Schulformen vergleichbar.[6]
Die Dauer der Schulzeit bis zum Erwerb bestimmter Abschlüsse – etwa der allgemeinen Hochschulreife – ist regelmäßig Gegenstand bildungspolitischer Debatten und unterscheidet sich international erheblich.
Deutschland
In Deutschland ist die Dauer der Schulzeit aufgrund der Kulturhoheit der Länder durch die Schulgesetze der Bundesländer geregelt. Trotz unterschiedlicher Schulstrukturen bestehen zwischen den Ländern vergleichbare allgemeinbildende Schulabschlüsse sowie gemeinsame Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK).[7]
Die allgemeine Schulpflicht beginnt in Deutschland in der Regel mit dem sechsten Lebensjahr.[8] Die Pflicht zum Vollzeitunterricht dauert je nach Bundesland bis zur neunten oder zehnten Klasse.[8] Anschließend besteht in der Regel eine Pflicht zum Besuch einer Berufsschule oder einer anderen weiterführenden Schule bis zum 18. Lebensjahr.[8]
In der Sekundarstufe I werden der Erste Schulabschluss (Hauptschulabschluss) und der mittlere Schulabschluss vergeben.[9]
Die Dauer der Schulzeit bis zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife (Abitur) beträgt abhängig von Bundesland und Schulform 12 oder 13 Schuljahre.[10]
Neben den allgemeinbildenden Schulen bestehen weitere Wege zum Erwerb schulischer Abschlüsse, etwa über berufsbildende Schulen oder den Zweiten Bildungsweg.[11]
Historische Entwicklung
Das preußische Gymnasium etablierte sich im 19. Jahrhundert als neunjährige höhere Schule. Zusammen mit einer vorgeschalteten dreijährigen Vorschule für höhere Schulen betrug die Schulzeit bis zum Abitur insgesamt zwölf Jahre.[12]
Der Weimarer Schulkompromiss von 1919/1920 führte die vierjährige Grundschule ein. Dadurch verlängerte sich die Schulzeit bis zum Abitur auf 13 Schuljahre.[12] Durch einen Erlass wurde die Gymnasialzeit 1937 wieder auf acht Jahre verkürzt.[12]
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich die Schulsysteme in Deutschland unterschiedlich. In der Sowjetischen Besatzungszone wurde durch das Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule von 1946 eine achtjährige Grundschule mit anschließender dreijähriger Oberstufe eingeführt. In der DDR wurde die Hochschulreife damit in der Regel nach zwölf Schuljahren erreicht.[12]
In der Bundesrepublik Deutschland blieb das neunjährige Gymnasium zunächst die Regelform. Das Abitur in Rheinland-Pfalz wird seit 1967 nach zwölf Jahren und sieben Monaten abgelegt.[12] Nach der deutschen Wiedervereinigung behielten Sachsen und Thüringen die zwölfjährige Schulzeit bis zum Abitur bei.[12]
In den 1990er und frühen 2000er Jahren führten nahezu alle übrigen Bundesländer schrittweise das Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe (G8) ein.[12] Hintergrund waren unter anderem bildungspolitische Reformbestrebungen sowie internationale Vergleiche der Bildungsdauer.[12]
Seit den 2010er Jahren kehrten mehrere Bundesländer teilweise oder vollständig zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurück.[12] In Nordrhein-Westfalen erfolgte die Rückkehr zu G9 zum Schuljahr 2019/20 für alle Gymnasien, die sich nicht ausdrücklich für G8 entschieden hatten. Der erste reguläre G9-Abiturjahrgang wird dort 2027 erwartet.[13]
In Baden-Württemberg ist das neunjährige Gymnasium seit dem Schuljahr 2025/26 wieder die Regelform, aufwachsend beginnend mit den Klassen 5 und 6. Gymnasien können weiterhin G8-Züge einrichten.[14]
Österreich
In Österreich beginnt die allgemeine Schulpflicht mit dem auf die Vollendung des sechsten Lebensjahres folgenden 1. September und dauert neun Schuljahre.[15] Die ersten vier Schuljahre werden in der Volksschule absolviert. Im fünften bis achten Schuljahr besuchen die Schülerinnen und Schüler in der Regel eine Mittelschule oder die Unterstufe einer allgemeinbildenden höheren Schule (AHS). Das neunte Schuljahr wird meist an einer Polytechnischen Schule, der Oberstufe einer AHS oder an einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule abgeschlossen.[15]
An die Pflichtschule schließen verschiedene Bildungswege der Sekundarstufe II an. Die Oberstufe der allgemeinbildenden höheren Schule endet nach insgesamt zwölf Schuljahren mit der Matura (Reifeprüfung).[16] Berufsbildende höhere Schulen (BHS) dauern in der Regel fünf Jahre und schließen nach der 13. Schulstufe mit einer Reife- und Diplomprüfung ab.[16]
Neben den schulischen Bildungswegen bestehen berufliche Ausbildungswege wie die Lehre, die meist drei bis vier Jahre dauert und mit dem Besuch einer Berufsschule verbunden ist.[16] Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten des zweiten Bildungswegs, etwa über die Berufsreifeprüfung oder Modelle wie Lehre mit Matura.[16]
Seit 2016 besteht in Österreich zusätzlich eine gesetzliche Ausbildungspflicht bis zum 18. Lebensjahr.[17]
Schweiz
In der Schweiz dauert die obligatorische Schulzeit elf Jahre und beginnt in der Regel im Alter von vier Jahren mit dem Kindergarten.[18][19]
Die obligatorische Schule umfasst die Primarstufe und die Sekundarstufe I. Die Primarstufe – einschließlich zwei Jahren Kindergarten oder Eingangsstufe – dauert in den meisten Kantonen acht Jahre, die Sekundarstufe I drei Jahre. Im Kanton Tessin dauert die Sekundarstufe I vier Jahre.[18][20]
Nach der obligatorischen Schulzeit wechseln die Jugendlichen auf die Sekundarstufe II. Dort bestehen zwei Hauptwege: die berufliche Grundbildung (Lehre) und die allgemeinbildenden Schulen wie Gymnasium oder Fachmittelschule.[21]
Das Gymnasium dauert in der Regel vier Jahre. In einigen Kantonen bestehen Langzeitgymnasien, die bereits nach der Primarstufe beginnen und insgesamt meist sechs Jahre dauern.[22]
Über 90 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 25 Jahre erwerben einen Abschluss auf der Sekundarstufe II.[23]
Australien
Die Schulbildung in Australien wird von den Bundesstaaten und Territorien geregelt und weist daher regionale Unterschiede auf.[24] Das australische Schulsystem umfasst in der Regel 13 Schuljahre einschließlich einer Vorschul- beziehungsweise Vorbereitungsklasse.[24][25]
Die erste reguläre Schulstufe wird je nach Bundesstaat unterschiedlich bezeichnet, unter anderem als Kindergarten, Prep, Reception, Pre-primary oder Transition.[24] Viele Kinder beginnen die Schule im Alter von fünf Jahren. Die allgemeine Schulpflicht besteht in Australien in der Regel zwischen dem sechsten und sechzehnten Lebensjahr.[25]
Die Primarstufe dauert je nach Bundesstaat sieben oder acht Jahre. Anschließend folgt die Sekundarstufe mit drei bis vier Jahren Sekundarschule sowie einer zweijährigen Senior Secondary School (Year 11 und 12).[25][24]
In allen Bundesstaaten müssen Schülerinnen und Schüler mindestens bis zum Abschluss der Year 10 am Unterricht teilnehmen. Danach besteht je nach Bundesstaat eine Schul-, Ausbildungs- oder Beschäftigungspflicht bis zum Alter von 17 oder 18 Jahren.[24]
Dänemark
In Dänemark besteht eine zehnjährige Bildungspflicht.[26] Die meisten Kinder beginnen im Alter von sechs Jahren mit der Vorschulklasse („0. Klasse“, børnehaveklasse), die Teil der Folkeskole ist.[26]
Die Folkeskole umfasst die Vorschulklasse sowie die Klassen 1 bis 9. Zusätzlich kann freiwillig eine 10. Klasse besucht werden.[26]
Die allgemeinbildenden weiterführenden Schulen der Sekundarstufe II dauern in der Regel zwei oder drei Jahre und schließen gewöhnlich mit einer Hochschulzugangsberechtigung ab.[26]
Siehe auch
Weblinks
- Bildungswege und Abschlüsse bei der Kultusministerkonferenz
- Bildungssystem Schweiz bei der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK)
- Eurydice – National Education Systems der Europäischen Kommission
- International Standard Classification of Education (ISCED) der UNESCO
- Education at a Glance der OECD