Abu Gosch
arabisches Dorf im Umland Jerusalems
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Abu Gosch (arabisch أبو غوش, DMG Abū Ġauš; hebräisch אבו גוש Abu Goš oder, der arabischen Phonetik genauer folgend, אַבּוּ ע'וֹשׁ; in lateinischer Schrift mitunter Abu Ghosh; älter auch arabisch قريت العنب, DMG Qaryat al-ʿInab ‚Traubenstadt‘) ist ein arabisches Dorf in Israel, etwa 10 Kilometer westlich von Jerusalem an der Haupt-Nationalstraße 1 von der Küste nach Jerusalem gelegen. Mit rund 8657 Einwohnern (Stand 2022)[2] bei 1,89 km2 Fläche[3] ist es heute vor allem als kulinarisches und kulturelles Zentrum bekannt, insbesondere für seine zahlreichen Hummus-Restaurants.
| Abu Gosch | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| hebräisch: | אבו גוש | |
| arabisch: | أبو غوش | |
| Staat: | ||
| Bezirk: | Jerusalem | |
| Koordinaten: | 31° 48′ N, 35° 6′ O | |
| Fläche: | 1,89 km² | |
| Einwohner: | 8657 (Stand: 2022)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 4.580 Einwohner je km² | |
| Gemeindecode: | 0472 | |
| Zeitzone: | UTC+2 | |
| Postleitzahl: | 90845 | |
Das Gebiet war bereits im späten 7. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Der am Ortsrand gelegene antike Ort auf dem Tell Dēr el-‘Āzar wird seit dem 19. Jahrhundert mehrheitlich mit dem biblischen Kirjat-Jearim identifiziert, wo nach alttestamentlicher Überlieferung die Bundeslade nach ihrer Rückgabe durch die Philister untergebracht gewesen sein soll. Archäologische Ausgrabungen belegen eine Besiedlung des Tells vor allem während der Eisenzeit, der hellenistischen, frührömischen und byzantinischen Zeit. In byzantinischer Zeit entstand auf dem Tell eine Kirche. In frühislamischer Zeit wurde am Fuß des Tells eine große Karawanserei errichtet, die vom 9. bis ins 11. Jahrhundert und erneut während der Zeit der Mamluken genutzt wurde. Zwischen diesen Phasen identifizierten Kreuzfahrer im Mittelalters Abu Gosch als Emmaus und errichteten über der Quelle der Karawanserei die Auferstehungskirche, die heute von französischen Benediktinern betreut wird.
In osmanischer Zeit war Abu Gosch Sitz eines einflussreichen arabischen Clans, der für den Schutz der Straße nach Jerusalem zuständig war und zeitweise beträchtliche politische Macht in der Region ausübte. Während des Palästinakriegs 1948 verhielt sich das Dorf neutral bis pro-zionistisch, was jedoch nicht verhinderte, dass ein Großteil der Bevölkerung zeitweise vertrieben wurde. Abu Gosch ist eines der wenigen arabischen Dörfer, in denen ein großer Teil deren Bewohner in ihre Heimat zurückkehren konnte, wobei sie erhebliche Landverluste hinnehmen mussten.
Die besondere Geschichte des Ortes prägt bis heute sein Selbstverständnis und seine Wahrnehmung in der israelischen Öffentlichkeit. Seit den 2010er Jahren wird eine umstrittene Ortserweiterung geplant, bei der Bewohner befürchten, dass die neuen Wohngebiete vorrangig an jüdische Israelis verkauft werden und den Charakter des Ortes verändern könnten.
Geschichte
Ausgrabungen
Die wissenschaftliche Untersuchung von Abu Gosch begann 1870. In diesem Jahr erhoben französische Franziskaner und griechisch-orthodoxe Christen beide Anspruch auf die Kirche St. Georg in Lod. Die damaligen Landesherren übereigneten daraufhin ersatzweise die Kreuzfahrerkirche von Abu Gosch an Frankreich,[4] nachdem kurz zuvor Melchior Vogüé eine erste Beschreibung derselben veröffentlicht hatte.[5]

Blau: Khalaily u. a.: Steinzeit
Rot: Finkelstein u. a.: Bronze-/Eisenzeit[6] bis byzantinisch.
Gelb: De Vaux u. a.: Frührömisch, frühislamisch bis Mittelalter.
Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten waren daher Untersuchungen (in der Umgebung) dieser Kreuzfahrerkirche.[7] Besonders hervorzuheben sind die Grabungen von Roland de Vaux und A.-M. Steve in den 1940ern.[8] Auf ihnen beruht im Wesentlichen unser heutiges Wissen über die Nutzung des Orts von der frühislamischen bis zur Mamlukenzeit.
Den Benediktinern, denen ab dem frühen 20. Jahrhundert die Kreuzfahrerkirche als Klosterkirche diente, fielen in der Umgebung Feuerstein-Artefakte und Steingefäße auf, was René Neuville publizierte.[9] Daraufhin erfolgten mehrere Ausgrabungen prähistorischer Siedlungen.[10] Hervorzuheben sind hier besonders die Grabungen von Hamoudi Khalaily und Ofer Marder für die israelische Antiquitätenbehörde in den 1990ern.[11]
Kurze Zeit nach der Ansiedlung der Benediktiner gelangte der damals am Rand des Orts liegende Tell Dēr el-‘Āzar in den Besitz der Schwestern des hl. Joseph von der Erscheinung, die dort ein Sanatorium bauen wollten. Auch hier machten die Schwestern die ersten Funde, besonders aus der hellenistischen Zeit bis zur frühislamischen Zeit,[12] außerdem stießen sie auf Ruinen einer byzantinischen Kirche. Wieder folgten zunächst Untersuchungen dieser Kirche.[13]
Davon abgesehen blieb der Tell lange weitgehend unerforscht – mit Ausnahme von zwei veröffentlichten[14] und einem unveröffentlichten Survey.[15] Dies ist bemerkenswert, denn mit seinen 6 ha Fläche gehört er zu den größten eisenzeitlichen Tells in der Region Palästina. Zudem liegt er strategisch wichtig nahe Jerusalem auf der Hauptroute zur westlichen Küste. 1995 bis 1996 führte Gabriel Barkay eine Rettungsgrabung durch, deren Ergebnisse jedoch ebenfalls nie publiziert wurden.[16] 2016 kündigte Thomas Römer an, dass er und Christophe Nicolle (beide Collège de France) gemeinsam mit Israel Finkelstein (Universität Tel Aviv) diesen gut erhaltenen Tell ausgraben würden. Nach Ortslage, Größe des Tells und biblischer Überlieferung habe sich dort „zweifellos eine wichtige Stadt und ein religiöses Zentrum“ befunden.[17] Ihr Ziel sei es, die politische Ordnung Israels während der Eisenzeit besser zu verstehen und Erkenntnisse über die religiöse Rolle zu gewinnen, die der Ort gespielt hatte. Nach einigen Vorveröffentlichungen[18] erschien 2025 ihr Abschlussbericht.[19] Laut den Ausgräbern waren vor dem Mittelalter die Hochzeiten des Orts die Eisenzeit IIB–IIC, die frühere hellenistische Zeit, die frührömische Zeit und die byzantinische Zeit. Zwischen diesen Phasen scheint der Ort ebenfalls schwach besiedelt, aber nicht bedeutend gewesen zu sein.[20]
Prähistorische Zeit
Ausgrabungen von Monique Chevallier in den 1960ern und die von Khalaily und Marder in den 1990ern im Norden Abu Goschs ergaben, dass der Ort spätestens im späten 7. Jahrtausend v. Chr. besiedelt war. Die Bewohner lebten dort in einem Dorf von etwa 1,5 ha in gut gebauten Steinhäusern und begruben ihre Toten unter diesen Häusern (ein üblicher Befund für das steinzeitliche Palästina). Sicher lebten sie von der Jagd; zudem ist es möglich, dass sie in Abu Gosch bereits im präkeramischen Neolithikum anfanghaft Ziegen domestizierten.[21]
Eine weitere, kleinere Ausgrabung in den 2010er-Jahren fand nahe der Ausgrabungsstätte von de Vaux und Steve weitere steinzeitliche Siedlungsspuren; die Ausgräber datieren sie auf das 6. oder 5. Jahrtausend v. Chr.[22]
Eisenzeit bis frührömische Zeit
Seit Edward Robinson wird Abu Gosch mit dem Ort Kirjat-Jearim identifiziert. Dort soll laut biblischem Zeugnis die Bundeslade nach der Rückgabe durch die Philister untergebracht gewesen sein (1 Sam 7,1 LUT).[23] Ist das richtig, diente der Ort dem Namen nach zu urteilen möglicherweise zeitweise als Sakralort für kanaanäische Gottheiten – ein alternativer Ortsname in der Bibel lautet nämlich „Kirjat Baal“ („Stadt Baals“, Jos 15,60 LUT und öfter). Außerdem wird der Ort „Baalah“ („Baalin“, 1 Chr 13,6 LUT) genannt – vielleicht eine Bezeichnung für eine weibliche Gottheit wie Anat oder Aschera.[24] Ein dritter alternativer Name ist „Baale Jehuda“ („Baale Judas“, 2 Sam 6,2 LUT). Den Plural erklärt der Exeget Mark Leuchter damit, dass verschiedene Menschengruppen verschiedene Kulte, deren Gottheiten als „Baale“ zusammengefasst wurden, nebeneinander am selben Ort praktiziert hätten.[25]

Im frühen 8. Jahrhundert v. Chr., noch bevor das südliche Königreich Juda erstarkte, wurde eine künstliche Plattform aufgeschüttet und diese mit massiven Mauern umwallt.[26] Die Ausgräber um Finkelstein setzen bei ihrer Deutung an der biblischen Erzählung von der Bundeslade an. Sie rekonstruieren die Geschichte so, dass sie ursprünglich mit der Unterbringung der Lade in Kirjat-Jearim endete, und halten Kirjat-Jearim für einen Ort an der Grenze zwischen dem Nordreich Israel und dem Südreich Juda (vergleiche Jos 15,9 LUT; Jos 18,14 LUT). Daher interpretieren sie die Plattform als Grenzheiligtum zur Unterbringung der Bundeslade. Das Heiligtum würde nach dieser Deutung gleichzeitig die Dominanz des Nordkönigreichs über sein Vasallenkönigreich im Süden signalisiert haben. Im Laufe der Jahrzehnte hätte sich um das Heiligtum herum eine Siedlung entwickelt. Die Bundeslade wäre nach dieser Rekonstruktion wahrscheinlich erst spät in den Jerusalemer Tempel überführt worden; Finkelstein und Römer schwanken zwischen dem späten 8. Jahrhundert unter Hiskija und dem späten 7. Jahrhundert unter Joschija.[27]
Yigal Levin widersprach dieser Rekonstruktion: Seiner Ansicht nach war Abu Gosch kein Grenzort, sondern lag klar in judäischem Gebiet, und war es auch im frühen 8. Jahrhundert Judäern zuzutrauen, einen solchen Ort zu gründen.[28]
Auch gefunden wurden in der Nähe des Tells einige Gräber, beginnend in der Eisenzeit und mindestens bis in die frührömische oder byzantinische Zeit.[29]
Zur Zeit des Babylonischen Exils scheint Kirjat-Jearim verlassen oder entvölkert, aber nicht zerstört worden zu sein.[30] Vermutlich im 3. Jahrhundert v. Chr., möglicherweise aber auch erst zur Zeit der Makkabäer, wurde die Plattform repariert und dann wahrscheinlich als römisches Militärlager genutzt. Sicher belegt ist diese Nutzung für das 1. Jahrhundert n. Chr. Nach dem Jüdischen Krieg in diesem Jahrhundert wurde Kirjat-Jearim weitestgehend verlassen.[31]
Byzantinische Zeit

Während der byzantinischen Zeit entstand auf dem Tell Dēr el-‘Āzar eine Kirche und/oder ein Kloster, die vermutlich nach dem biblischen Eleazar aus der Ladeerzählung benannt wurde (daher der Name „Dēr el-‘Āzar“).[32] Zur selben Zeit wurde auch in Imwas (Emmaus) im Westen eine bereits ältere Kirche wiederaufgebaut.[33] Eine weitere Kirche entstand im 4./5. Jahrhundert wenige Kilometer östlich in Bayt Naqquba / Bet Neqofa,[34] eine vierte wenige Kilometer westlich im heutigen Telz-Stone.[35] Im Jahr 2021 wurde in Abu Gosch nordwestlich des Tells ein weiterer Bau freigelegt (die Veröffentlichung erfolgte erst 2025), bei dem es sich möglicherweise ebenfalls um eine byzantinische Kirche handelt.[36] Wahrscheinlich dienten diese entlang der Route von der Küste nach Jerusalem[37] gelegenen Kirchen auch der Versorgung christlicher Pilger.[35]
Nach Finkelstein bleibt unklar, ob die Kirche(n) mit einer Siedlung verbunden waren oder isoliert standen.[38] Die Ausgrabung von 2021 konnte er allerdings noch nicht berücksichtigen; auch die Ergebnisse vierer kleiner Ausgrabungen von 2010 bis 2015, die ebenfalls Siedlungsspuren für die byzantinische Zeit freilegten,[39] scheint er nicht berücksichtigt zu haben. Unklar ist laut Finkelstein außerdem, wann die Kirche auf dem Tell aufgegeben wurde. Möglicherweise wurde sie zumindest zu Beginn der frühislamischen Zeit, für die sich spärliche Besiedlungsspuren nachweisen lassen, weitergenutzt.[38] Der nordwestlich gelegene Bau scheint zu Beginn des 8. Jahrhunderts ohne erkennbare Zerstörung aufgegeben worden zu sein,[36] ebenso die Kirche in Bayt Naqquba, wo allerdings eine Siedlung um den Kirchenbau herum die liturgische Nutzung noch eine Zeit lang überdauerte.[34]
Frühislamische Zeit bis Mamlukenzeit
Sicher im 9. Jahrhundert, je nach Deutung einer Inschrift möglicherweise aber bereits zu Beginn des 8. Jahrhunderts, wurde in Abu Gosch östlich am Fuß des Tells eine große Karawanserei errichtet,[40] die bis ins 11. Jahrhundert genutzt wurde. Von einer nahegelegenen Wasserquelle (der „ʿAin el-Kenîseh“, „Kirchenquelle“) floss Wasser durch einen offenen Kanal in den Innenhof der Karawanserei. Bei der aktuellsten Ausgrabung wurde dieser Kanal auf das 7./8. Jahrhundert datiert.[41] Wenig später wurde von einer weiteren nahegelegenen Wasserquelle (der „ʿAin el-Balad“, „Dorfquelle“) eine an ein Qanat erinnernde unterirdische Wasserleitung in den Innenhof der Karawanserei konstruiert, wo das Wasser in einem Becken gesammelt wurde und von dort weiter nach Osten floss.[42] An die Karawanserei angeschlossen war außerdem eine Moschee. Die Ausgräber um de Vaux sprechen als diese einen kleinen südwestlich gelegenen Anbau an die Karawanserei an,[43] Moshe Sharon hält alternativ für möglich, dass nach Aufgabe des Kirchenbaus dieser als Moschee weitergenutzt wurde.[44] Spätestens ab dieser Zeit (10. Jahrhundert) war der Ort im Arabischen auch bekannt als „Qaryat al-ʿInab“ („Traubenstadt“).[45] Yakut (12./13. Jhd.) nennt ihn außerdem „Ḥiṣn al-ʿInab“ („Traubenfestung“), was nahelegt, dass auf dem Tell auch eine frühislamische Festung stand. Eine solche wurde jedoch noch nicht gefunden.[46]
Nach der Eroberung Jerusalems (1099) durch die Kreuzfahrer gelangte Mitte des 12. Jahrhunderts[47] Abu Gosch in Besitz der Johanniter.[48] Mittelalterliche Christen identifizierten – möglicherweise auch aufgrund der Karawanserei – den Ort als Emmaus. Sie bauten die Karawanserei um zu einer Unterkunft für Pilger, errichteten angrenzend über der „Kirchenquelle“ die Auferstehungskirche[49] und nannten den Ort nach dieser „Emmaus-Quelle“ „Fontenoid“ (von lat. „fontanetum“, „Quelle“).[50] Der Kanal von der Kirchenquelle zur Karawanserei geriet dadurch außer Betrieb.[51] Zeitgleich existierte vielleicht weiterhin die byzantinische Kirche; die „Kirche der Bundeslade“, von der Petrus Diaconus um 1137 berichtet, meint wahrscheinlich diesen Bau.[52]
1187 wurde der Ort von Saladin erobert; Anfang bis Mitte des 13. Jahrhunderts gelangte er wieder zurück in fränkische Hände,[53] Ende desselben Jahrhunderts ging er mit dem Rest der Region Palästinas über an die Mamluken, die die Pilgerherberge zu einem syrischen Khan umbauten.[54] Für Pilger verlor der Ort während der Mamlukenzeit als Pilgerstation nach und nach an Bedeutung, da sich andere Routen nach Jerusalem und auch nach Ramla etablierten.[53]
Dafür kam während der mamlukischen Zeit eine neue Interpretation des Orts auf: Die Quelle in der Krypta der Kirche, die mittlerweile verlassen war, trug offenbar im Arabischen auch den volkstümlichen Namen „ʿAin el-dud“ („Maulbeer-Quelle“). Daraus entwickelte sich die Tradition, bei Abu Gosch handle es sich um den biblischen Ort Anatot, den Geburtsort des Propheten Jeremia, und die Kirche sei diesem Propheten geweiht. Um die Ruine des Johanniterklosters rankte sich bei christlichen Reisenden die Legende, hier hätten einst Franziskaner gelebt, seien aber sämtlich von Arabern getötet worden.[55]
Osmanische Zeit
Herkunft des Abu Gosch-Clans
Mit der Zerschlagung des Mamlukenreiches durch die Osmanen Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Palästina Teil des Osmanischen Reichs. Eine Variante der Oral History der späteren Bewohner Abu Goschs besagt, ihr Ahne, ein mächtiger Scheich, sei zu Beginn dieser Zeit vom Kaukasus an diesen Ort emigriert. Von seiner lauten Stimme rühre der heutige alternative Name des Orts her („Abu Gosch“, von arab. „ghosh“, „streiten“). Sein Sohn Issa und dessen Frau Wafa hätten vier Söhne geboren, von denen die ihren Namen tragenden Sippen des Abu Gosch-Clans abstammten: Othman, Ibrahim, Abd al-Rahman und Jaber.[56] Laut einer weiteren Variante der Oral History stammen die Ahnen des Abu Gosch-Clans ursprünglich stattdessen aus dem Yemen und waren über Ägypten nach Palästina eingewandert.
In der Forschung wird mehrheitlich angenommen, dass die Bewohner Abu Goschs wirklich wie nach der ersten Variante von Tscherkessen abstammen, die sich zu Beginn der osmanischen Zeit in Palästina niederließen.[57] Die zweite Variante dagegen halten zum Beispiel der Franziskaner Omer Englebert und der palästinensische Historiker Mustafa Abbasi[58] für die plausiblere;[59] auch der Historiker Mustafa Murad Al-Dabbagh berichtet nur von ihrer Einwanderung aus Ägypten.[60] Genetische Untersuchungen bestätigen, dass die Einwohner Abu Goschs tatsächlich auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen.[61]
Auch von ihrer frühen Geschichte in der Region Palästina kursieren mehrere Varianten. Khaled Muhammad Safi beispielsweise berichtet von Versionen, laut denen sie sich direkt in Abu Gosch niedergelassen haben, und anderen, laut denen sie zunächst in Jerusalem lebten und von dort nach Abu Gosch umsiedelten.[62] Laut einer dritten – der komplexesten – Variante lebten sie zunächst im weiter nördlich gelegenen Dorf Beit Liqya, wurden dann entweder ins etwas weiter südöstlich gelegene Qalunya oder ins südlich von Abu Gosch gelegene Suba getrieben und gelangten schließlich von hier in ihr späteres Hauptdorf.[63]
Aufstieg des Clans
Sultan Süleyman I. übertrug dem Abu Gosch-Clan die Aufgabe, die Straße nach Jerusalem zu bewachen, und erteilte ihnen damit einhergehend das Recht, von Reisenden und Pilgern die ghifr-Steuer zu erheben[64] – ein unter anderem im Süden Palästinas übliches Arrangement,[65] das von christlichen Reisenden jedoch als Banditentum oder willkürliche Erpressung interpretiert wurde. Der Orientreisende Giovanni Mariti beispielsweise berichtete:
„Als wir durch dieses Dorf zogen, stellten sich viele jener Araber zu beiden Seiten auf, die als das ungerechteste Volk gelten, dem man auf der ganzen Straße von Rama nach Jerusalem begegnen kann, und wenn Pilger diesen Ort Sankt Jeremia passiert haben, pflegt man zu sagen, man habe [nun] alle Gefahren überwunden. […] Später erfuhr ich jedoch, dass die Furcht, die mancher beim Durchzug hier empfindet, daher rührt, dass die meisten der Dorfbewohner, denen man unterwegs begegnet und die – wie ich gezeigt habe – von uns ‚zu Unrecht‘ ein kleines Geldstück gefordert hatten, ganz oder zum größten Teil [gerade] aus diesem Dorf und seiner Umgebung stammten. [Und] hier in Sankt Jeremia zahlt man einen jener Cafarri, die durch alten Gebrauch zu einem Recht geworden sind.“
Evliya Çelebi, der Mitte des 17. Jahrhunderts Palästina bereiste, beschrieb den Ort noch als muslimisches Dorf mit etwa 200 Häusern, das von Weinbergen und Olivengärten umgeben sei.[68] Mit der Schwächung der Zentralmacht der Osmanen im Palästina des 18. Jahrhunderts allerdings entwickelte sich der Clan zu einer der mächtigsten Familien der Region.[69]
Zwei Rebellionen
1824 wurde in Damaskus, von wo aus osmanische Beamte unter anderem die Region Jerusalem regierten, Mustafa Pascha (genannt „Mustafa der Kriminelle“) zum Gouverneur ernannt. Mustafa erhöhte die Steuern, woraufhin der Abu Gosch-Clan seine Steuereintreiber aus dem Distrikt trieben. Mustafa begab sich daher selbst zur Steuereintreibung nach Palästina und entführte Abd al-Rahman von den Abu Goschs und Umar al-Husayni von den Stadtnotablen Jerusalems als Geiseln nach Nablus. Dort wartete er auf die Zahlung der Steuern und Lösegelder. Die Abu Goschs erhoben sich daraufhin gemeinsam mit den Christen aus Bethlehem zur Rebellion, nahmen unter Führung von Tahir al-Husayni Jerusalem ein und trieben die zurückgelassenen osmanischen Soldaten aus der Stadt. Dort riefen Anführer aus der Gegend um Nablus, Jerusalem und Abu Gosch „unabhängige Republiken“ aus, in denen für ein Jahr die Bewohner der Region von Steuerzahlungen befreit waren. Die Revolution endete und der alte Status quo war wieder hergestellt, nachdem Sultan Mahmud II. 1825 auf Begehr der Notablen Jerusalems Mustafa abgesetzt und Veliyyüddin Pascha zum neuen Gouverneur gemacht und Abdullah Pascha, der Gouverneur von Sidon, Jerusalem zurückerobert hatte.[70]
Als in den 1830ern während der kurzzeitigen ägyptischen Herrschaft über Palästina die Ägypter die Ghifr-Steuer abschafften, schlossen sich 1834 die Abu Goschs erneut einer Revolution an; diesmal belagerten und eroberten sie Jerusalem gemeinsam mit Beduinen aus der Region. Tausende verloren ihr Leben bei der Rückeroberung. Über das Ende der Revolution im Raum Jerusalem existieren zwei sehr unterschiedliche Varianten: Laut den Annalen des Jerusalemer Mönchs Neophytos hatte Muhammad Ali Pascha die Rebellion in Nablus niedergeschlagen, danach erst Jaber Abu Gosch aus seiner Gefangenschaft befreit und ihn zum Gouverneur Jerusalems ernannt.[71] Laut den Aufzeichnungen des Orientreisenden Alexander William Kinglake dagegen hatte er diesen Jaber, der aufgrund seiner Listigkeit den Ehrentitel „Vater der Lügen“ trug, zunächst befreit und ihn zum Gouverneur ernannt. Baruch Kimmerling erklärt diesen Schachzug als Strategie, die Revolutionäre zu entzweien.[72] Im Gegenzug schlug dieser Jaber für ihn mit seiner Kriegslist die Revolution im Raum Jerusalem nieder. Die Abu Goschs wurden so mit seiner Einsetzung über alle Dörfer in der Umgebung Jerusalems letztendlich für kurze Zeit noch weiter erhoben.[73]
Noch während der ägyptischen Herrschaft wurde Jaber wieder von seinem Posten entlassen; ersatzweise wurde ihm die Entsprechung eines halben Gouverneurs-Gehalts aus der Staatskasse zugesprochen.[74] Nachdem die Osmanen in den 1840ern die Kontrolle über Palästina zurückerlangt hatten, übernahmen sie diese Praxis und setzten eine feststehende Summe als Lohn für den Schutz der Straße fest.[75] 1844 berichtete außerdem der französische Konsul Lantivy von Bestechungsgeldern; nur diese könnten „den mächtigen Abu Gosch-Häuptling“ davon abhalten, Jerusalem (erneut) einzunehmen und für sich zu beanspruchen.[76]
Konflikt von Qays und Yaman

In den 1850ern fungierte der Scheich der Abu Goschs im Kontext der palästinischen Dauerstreitigkeiten zwischen Qays und Yaman[78] als Oberhaupt der (fiktiven) „Südaraber“; gut zehn Jahre lang führten er und weitere Clans wiederholt Krieg gegen die „Nordaraber“ der Region. Die Osmanen und auch der englische Konsul James Finn bemühten sich lange erfolglos, die Kämpfe einzudämmen; erst mit der erneuten teilweisen Entmachtung der Abu Goschs in den 1860ern und der Exilierung ihrer Gegner gelang es, den Konflikt zu befrieden.[79]
Politisch und wirtschaftlich blieb den Abu Goschs zwar eine gewisse Bedeutung – Victor Guérin beschreibt den Scheich auch nach seiner Degradierung weiterhin als „Autorität über eine gewisse Anzahl von Dörfern“;[80] laut Moreau war der Scheich außerdem auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach wie vor der regionale Steuereintreiber,[81] konnte also einen Anteil der gezahlten Steuer der gesamten Region einbehalten.[82] Status und militärische Macht aber hatten gelitten.[83] 1865 beschrieb der Palästinareisende William Hepworth Dixon den Scheich des Clans wieder als gewöhnlichen Wegelagerer, der nun von Reisenden „Trinkgeld“ erhielt:
„Dies ist wieder eine der an der Straße liegenden Herbergen, an welchen der Pilger eine Stunde sitzen bleibt, sein Pferd ruhen läßt und sein einfaches Mahl genießt. [… E]in Scheik kommt aus dem Dorfe herab, um eine Pfeife Jebeilé zu rauchen und ein Bakschisch, sein tributmäßiges Trinkgeld, zu verlangen – Höflichkeiten und Gaben, die ein kluger Pilger nicht verweigern wird. Ein Dutzend Piaster machen Sie zum Herrn dieses Thales, denn der Scheik ist zwar nicht mehr ein Fürst an der Spitze von tausend Speeren, der Krieg mit seinem Nachbar führt und dem Pascha von Jerusalem Tribut abnimmt; der Stolz des Abu Gosch ist gebrochen und sein Name ist jetzt nur noch ein Schrecken, welcher der Vergangenheit angehört. Wenn Sie aber durch eine wilde Schlucht reiten, wo jeder Mann ein Gewehr führt, ist es dennoch gut, mit dem regierenden Scheik Frieden zu haben.“
Sakralbauten in Abu Gosch Ende der Osmanischen Zeit

A: Kirche
B: Kloster (= Karawanserei)
C: Quelle / Brunnen („fonteyn“)
D: Moschee
Spätestens in der osmanischen Zeit entstand neben der Mamluken-Karawanserei eine neue Moschee. Yechezkael datiert den heutigen Bau ohne Begründung auf das 18. Jhd.;[85] die Ausgräber um de Vaux lassen die Bauzeit der osmanischen Moschee offen, nehmen aber an, dass bereits im Zuge der Wiederinbetriebnahme des Khans in mamlukischer Zeit ein Vorgängerbau errichtet worden war.[86] Entweder in der mamlukischen oder osmanischen Zeit wurde das vom Becken in der Karawanserei nach Osten abfließende Wasser in den Innenhof der Moschee weitergeleitet; dort kommt es an die Oberfläche und fließt in einen ebenfalls „ʿAin el-Balad“ genannten Brunnen.[87] Zur Moschee gehört ungewöhnlicherweise ein eigener Raum zur Waschung von Toten.[88] In ihrem Innenhof steht außerdem eine Steinsäule, an der nach einer lokalen Legende der im Koran „Uzayr“ genannte Esra seinen Esel angebunden und 100 Jahre lang gebetet haben soll.[89] Die Säule galt als heilig; auf ihr wurden Opfergaben verbrannt und an ihr Kerzen entzündet und Schwüre geleistet.[90] Säule und Moschee tragen auch beide den Namen „Uzayr“, was allerdings Taufik Canaan und Zev Vilnay nicht mit dem Koran, sondern (wie „Dēr el-‘Āzar“) als eine weitere Korruption von „Eleazar“ erklären.[91]
Die Kreuzfahrerkirche wurde zu Beginn der Osmanischen Zeit als Stall genutzt.[92] 1873 übereigneten die Osmanen den Bau dem französischen Staat, der ihn 1901 französischen Benediktinern überließ. Nachdem 1955 der letzte Benediktiner aus dem renovierten Kloster nach Frankreich zurückgekehrt war, ging es für etwa 20 Jahre über an französische Lazaristen. Danach wurde es 1976 erneut von Benediktinern einer anderen französischen Kommunität – darunter Jean-Baptiste Gourion, der spätere Weihbischof in Jerusalem – in Besitz genommen. Stand 2023 leben diese dort gemeinsam mit Olivetanerinnen.[93] Das Kloster gilt als französisches Staatsgebiet.[94]
Auf dem Gelände der einstigen byzantinischen Kirche wurde 1906 ein weiteres Kloster der Schwestern des hl. Joseph von der Erscheinung und 1924 angrenzend die Kirche Unsere Liebe Frau von der Bundeslade errichtet.[95] Ab dem frühen 20. Jahrhundert betrieben außerdem die Brüder Unserer Lieben Frau von Sion am Rand des Dorfs ein Waisenhaus. Aus diesem entwickelte sich später ein von Yedida betriebenes Sozialdorf.[96]
- Alte Moschee
- Auferstehungskirche
- Benediktinerkloster
- Kirche Notre Dame Arche d’Alliance
Am 29. Oktober 1898 führte der Tross Kaiser Wilhelms II. auf seinem Staatsbesuch auf dem Weg nach Jerusalem durch den Ort.
Mandatszeit

Blau = im Besitz des JNF, Grün = in Privatbesitz.
Zu Beginn der Mandatszeit, nachdem die zionistische Immigration bereits seit mehreren Jahrzehnten im Gange war, besaß der Abu Gosch-Clan ausgedehnte Ländereien. Der Landbesitz des Clans reichte noch 1948 über das Ayalon-Tal (bei Yalo) bis nach Latrun.[97] In den Jahren 1920 und 1921 verkaufte die Familie etwa 400 ha für Landwirtschaft weitgehend ungeeignetes Bergland nördlich des Dorfs Qaryat al-‘Inab an den Jüdischen Nationalfonds (JNF). Im östlichen Teil dieses Gebiets entstand 1920 die erste jüdische Siedlung „Kiryat Anavim“ (die hebräische Übersetzung von „Qaryat al-‘Inab“). Der westliche Teil wurde zunächst an die Bürger Abu Goschs zurückverpachtet. Dort gründete sich 1938 die Siedlung Ma'ale HaHamisha.[98]

Zwischen den Bewohnern von Qaryat al-‘Inab und Kiryat Anavim entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis.[100] Dies zeigte sich bereits während der Nabi-Musa-Unruhen von 1920 und erneut bei den Ausschreitungen von 1929. In beiden Fällen schützten die Abu Goschs ihre jüdischen Nachbarn.[101] Ungewöhnlich für palästinensische Dörfer gab es in Abu Gosch auch eine offen pro-zionistische Partei. Andere Bewohner engagierten sich dagegen gegen die Judaisierung des Landes.[102] Beim Arabischen Aufstand von 1936 bis 1939, der großenteils durch die Verarmung der Palästinenser während der Mandatszeit motiviert war, offenbarte sich diese Spaltung erneut: ein Teil der Dorfgemeinschaft schloss sich den Rebellen an, während pro-zionistische Bürger neutral blieben oder 1937 sogar einmal Rache für einen Mord an Bewohnern Kiryat Anavims nahmen.[103]
Von ihrem Kerngebiet hatten die Bewohner Abu Goschs bis 1938 nur 1,4 von insgesamt etwa 750 ha an Zionisten verkauft. In den folgenden Jahren wurde weiteres Land veräußert. 1945 befanden sich etwa 82 ha des im Westen des Dorfs gelegenen Landes in zionistischem Privatbesitz. Auf diesem Gebiet entstand später Telz-Stone (Kirjat-Jearim). Noch weiter westlich verkaufte die Dorfgemeinschaft außerdem etwa 120 ha an den JNF. Hier wurde 1946 Neve Ilan gegründet.[104] Vor Beginn des Palästinakriegs waren Abu Gosch und seine beiden Satellitendörfer Bayt Naqquba und Ein Rafa damit im Nordosten, Norden und Westen von zionistischen Siedlungen umgeben.
Palästinakrieg und Vertreibungen
Palästinakrieg


Mit Beginn des Kriegs wurde Mahmud Rashid Abu Gosch zum Bürgermeister des Dorfs.[105] Dieser scheint eine entschieden pro-zionistische Linie vertreten zu haben: Vor Ausbruch des Kriegs hatte er Zionisten mit Dynamit für Anschläge auf Briten versorgt.[106] Als die Briten vor ihrem Abzug aus Palästina die Polizeistation von Abu Gosch an die Araber übergaben, um diese bei ihrer Verteidigung gegen zionistische Truppen zu unterstützen, verkaufte Mahmud Rashid sie stattdessen an die Haganah weiter.[107] Nach Erinnerung der späteren Bewohner von Abu Gosch war auch er es, der seine Mitbürger darauf verpflichtete, während des Palästinakriegs nicht gegen Zionisten zu kämpfen.[108] Stattdessen versorgte das Dorf Kiryat Anavim mit Munition und bot angegriffenen israelischen Konvois auf ihrem Weg von und nach Jerusalem Schutz. Die Jewish Agency versorgte ihrerseits Abu Gosch mit Proviant.[109] Yusuf Abu-Gosch hatte sogar beantragt, Mitglied bei Lechi zu werden,[110] half gemeinsam mit weiteren Abu Goschs beim Gefängnisausbruch des Lechi-Mitglieds Geulah Cohen aus einem britischen Gefängnis[111] – der einzige bekannte Fall von arabischer Unterstützung des zionistischen Terrorismus dieser Zeit[112] – und kandidierte später bei den Knesset-Wahlen von 1949 für Lechis Fighters’ Party.[113]
Während nahezu alle umliegenden palästinensischen Dörfer bereits im April und Mai 1948 entvölkert worden waren, konnten die Bewohner von Abu Gosch und seiner beiden Satellitendörfer zunächst noch in ihren Orten bleiben.[114] Viele flohen dennoch bereits zu diesem Zeitpunkt; die Zurückbleibenden suchten Schutz im Benediktinerkloster.[115] Erst ab Juni wurde in verschiedenen israelischen Behörden diskutiert, Abu Gosch vollständig zu räumen. Im Blick war sowohl, die Bewohner ohne Gewaltanwendung aufzufordern, sich in arabische Gebiete zu begeben, als auch, sie ins bereits entvölkerte Jaffa umzusiedeln.[114] Der Bürgermeister von Kiryat Anavim argumentierte gegenüber dem Militär gegen eine Vertreibung. Gleichzeitig beraumten er, der besonders die Ländereien Bayt Naqqubas begehrte, und David Ben-Gurions rechte Hand Jitzchak Nawon[116] Anfang Juli ein oder mehrere Treffen an. Dort teilten sie den Bewohnern von Abu Gosch und Bayt Naqquba entweder mit oder befahlen ihnen, dass sie ihre Orte verlassen müssten. Sie versprachen, dass die Bewohner nach dem Krieg zurückkehren dürften.[117] Als das Kämpfen nach dem Waffenstillstand im Juli wieder begann, hatten die Bewohner Bayt Naqqubas ihr Dorf bereits verlassen; von den etwa 960 Einwohnern Abu Goschs waren 60 zurückgeblieben.[118]
Am 11. Juli erließ die Armee außerdem einen Ausweisungsbefehl an die in der Nähe stationierte Harel-Brigade. Ben-Gurion untersagte eine Vertreibung ohne seine ausdrückliche schriftliche Autorisierung. Laut Benny Morris hatte dann letztlich gar keine gewaltsame Vertreibung stattfinden müssen, nachdem das Gros der Bewohner ohnehin schon ihren Ort verlassen hatte.[119] Nawon dagegen berichtete später in einem Interview, dass unter Führung von Jitzchak Rabin und mit seiner Mitwirkung doch eine Vertreibung versucht worden war: Die Harel-Brigade sei ins Dorf einmarschiert, die verbliebenen Bewohner aber hätten sich erneut beim Benediktinerkloster versammelt und erklärt, lieber würden sie sterben als den Ort zu verlassen, woraufhin die Brigade schließlich wieder abgezogen sei.[120]
Rückkehr, wiederholte Abschiebungen und Sechstagekrieg
Diejenigen, die ihre Dörfer verlassen hatten, lebten als Flüchtlinge in Ramallah, wo sie als „Verräter“ einen schweren Stand hatten.[121] Bereits in der letzten Phase des Kriegs kehrten nach und nach einzelne von ihnen zurück. Im Januar 1949 war die Bevölkerung Abu Goschs wieder auf 600 angewachsen, darunter knapp 500 der ursprünglich 960 Einwohner aus Abu Gosch, 60 der ursprünglich 300 aus Bayt Naqquba und 50 aus Ein Rafa, das allerdings nie vollständig verlassen worden war. Ungewöhnlicherweise duldete Israel dies bis Ende April und stellte den Zurückgekehrten sogar Pässe aus. Im Mai 1949 änderte sich die Politik. Anfang Mai wurde nachts die erste Gruppe Zurückgekehrter von israelischen Polizisten über die Grenze abgeschoben.[122]
Dies wiederholte sich in den folgenden Jahren mehrmals[123] und führte auch in Israel zu Protesten. So ging etwa durch die Presse, als im August 1949 unter einer Gruppe Ausgewiesener auch die Familie des Lechi-Anhängers Yusuf Abu Gosch war.[124] Insbesondere eine Ausweisung von 105 Bewohnern im Juli 1950 sorgte für öffentliches Interesse, nachdem die Bürger Abu Goschs einen „Offenen Brief an die Bewohner Israels“ verfasst und die Abschiebung von Verwandten „an unbekannte Ziele“ beklagt hatten.[125] Ebenfalls heftig diskutiert wurde 1953 ein weiterer Vorfall. Nach einem Angriff auf Telz-Stone beschuldigte die Armee acht Bewohner Abu Goschs – darunter der Bürgermeister und ausgerechnet zwei jener Bewohner, die für Lechi am Gefängnisausbruch Geula Cohens mitgewirkt hatten –, entweder die Täter zu beherbergen oder nicht bei der Fahndung nach den Schuldigen zu kooperieren, und verbannte sie für mehrere Monate aus dem Dorf. In Israel bildeten daraufhin Palmach-Veteranen – darunter Uri Avnery[126] – die „Freunde des Abu Gosch-Dorfs“, um gegen diese Verbannung zu protestieren.[127]
Zumindest manche der Geflüchteten oder Ausgewiesenen siedelten später um nach Imwas, wo der Clan noch Ländereien und Felder besaß.[128] In Abu Gosch war die Bevölkerung 1951 wieder auf 950 angewachsen.[129] Darunter waren jedoch nach wie vor die Bewohner Bayt Naqqubas, deren Dorf 1949 frisch immigrierte Jugoslawen als „Beit Nekofa“ neu gegründet hatten. 1962 wurden die Bewohner Bayt Naqqubas stattdessen in das neue Dorf Ein Naqquba südlich von Abu Gosch umgesiedelt. Hinsichtlich der Bewohner von Ein Rafa beantragten die neuen Bewohner von Suba – nun „Kibbuz Tzuba“ –, die ihre Ländereien begehrten, sie umzusiedeln. Dies aber wurde nicht umgesetzt.[130]

Als Israel 1967 mit dem Sechstagekrieg das Westjordanland eroberte, wurden die nach Imwas Geflohenen erneut vertrieben. Dieses Mal flohen sie nach Jordanien.[131] Anders als in anderen Dörfern konnten einige von diesen allerdings im Rahmen der Familienzusammenführung wieder nach Abu Gosch zurückkehren.[132] Laut Benny Morris blieben letztendlich „nur einige Dutzend Familien“ der einstigen Bewohner Flüchtlinge.[133] In der Encyclopedia of the Palestine Problem dagegen, für die Issa Nakhleh israelische Statistiken bis 1975 ausgewertet hat, heißt es, nur 50 Prozent der einstigen Bewohner lebten in Abu Gosch. 75 Prozent seines Landes seien konfisziert worden.[134] Genauer nämlich wurden die vor dem Palästinakrieg verbliebenen 670 ha des Kerngebiets Abu Goschs (siehe oben) auf 250 ha reduziert. Der Rest wurde konfisziert und Neve Ilan und später Telz-Stone zugeschlagen.[135] Auch weiter entfernt verloren Bürger Abu Goschs Land. Die Zeitzeugin Umm Khaled beispielsweise berichtet, ihre 0,3 ha im Dorf hätten sie behalten können; 9 ha Land in der Gegend von Imwas dagegen seien bereits nach dem Palästinakrieg in israelischen Besitz übergegangen.[136]
Jüngere Vergangenheit
Bis in die 1980er Jahre blieb Abu Gosch ein kleines Dorf, das infrastrukturell von der israelischen Regierung ähnlich vernachlässigt wurde wie andere arabische Orte im israelischen Staatsgebiet. Die palästinensische Zeitung Al Fajr beschrieb es 1985 als „so israelisch-arabisch, wie ein Dorf nur sein kann“:
„Seine schmalen, unregelmäßig gepflasterten Straßen werden von abfließendem Waschwasser und offenen Abwasserkanälen durchzogen. Die alten, flachdachgedeckten Häuser verweisen auf das Alter des Ortes und auf den Mangel an Entwicklung. Die traditionellen palästinensischen Kleidungsstücke, die von Männern und Frauen im Dorf getragen werden, zeigen, welcher Gruppe von Menschen sie sich zugehörig fühlen. Das Dorf hat keine Parks, keine Jugendzentren, keine Bibliotheken, keine Spielplätze. Hoch über ihm jedoch, auf den umliegenden Berggipfeln, stehen mehrere ultramoderne israelische Siedlungen, ganz ähnlich jenen, die derzeit auf Hunderten von Bergkuppen in den besetzten Gebieten und innerhalb der ‚Grünen Linie‘ gebaut werden oder bereits existieren.“
Während der Ersten Intifada Ende der 80er wurden von Abu Gosch aus derart viele Steine auf die Hauptstraße geworfen, dass diese beinahe gesperrt worden wäre. Interviewte Bürger bestritten zwar, dass ihre Mitbürger die Täter seien, verwiesen aber auf verständlichen Frust aufgrund von Benachteiligung beim Ausbau des Schulwesens, der Abwassersysteme und des Wohnungsmarktes.[138]

Reiseführer bewarben die beiden Kirchen und das Restaurant Caravan,[139] das seit den 70er-Jahren von Yusuf Abu Goschs Sohn, dem Bürgermeister des Dorfs, geführt wurde.[140] Gershon Cohen, der Leiter des Musikfestivals von Abu Gosch, erinnerte sich später, dass dies zu dieser Zeit das einzige Restaurant im Ort gewesen sei und jüdische Israelis Abu Gosch nur selten besucht hätten.[141]

Dies änderte sich in den 1990ern: Samir Abd al-Rahman eröffnete ein weiteres Restaurant nach dem Vorbild des von einem Abu Goscher geführten Hummus-Ladens „Abu Shukri“ in Jerusalem. Einige Jahre später folgte sein Schwiegersohn mit einem weiteren Hummus-Restaurant, das als „originaler Abu Shukri“ vermarktet wurde und zu einem ersten „Hummus-Krieg“ führte,[142] der später von israelischen Food-Kritikern als Marketingstrategie eingeordnet wurde.[143] Ebenfalls in den 1990ern eröffnete Jawdat Ibrahim, der in den USA durch einen Lotterie-Gewinn zum Millionär geworden war, mit dem „Abu Gosch Restaurant“ ein weiteres Hummus-Geschäft.[144] Zeitgleich startete das „Abu Gosch Festival“, ein Kirchenmusiks-Festival, das zweimal jährlich eine Klientel nach Abu Gosch brachte, die anders nicht hierher gefunden hätte. Die Leiter führten es auf dieses Festival zurück,[145] Samirs Sohn Paddy Abd al-Rahman auf ihre Restaurant-Gründung; in jedem Fall kam es in den 90er-Jahren zu einem Tourismus-Boom in Abu Gosch.[146][147] Binnen weniger Jahre wuchs das Dorf[148] und wurden weitere Restaurants gegründet. Reiseführer konnten nun die beiden Kirchen, das Caravan „und diverse Nachahmer“ bewerben.[149]
Zielgruppe dieser Tourismusindustrie waren vor allem jüdische Israelis.[150] Die Anthropologin Rebecca L. Stein[151] beschrieb in einer ethnologischen Studie über das Abu Gosch der 90er-Jahre, dass dies einherging mit einem komplexen Phänomen der (Selbst-)Identifikation Abu Goschs: Abu Goscher beschrieben sich selbst als „Israelis“, nahmen teilweise in der Öffentlichkeit jüdische Namen an und betonten ihre tscherkessische Herkunft. Jüdische Israelis sahen bewusst darüber hinweg, dass Abu Gosch arabisch oder palästinensisch war; der Hinweis darauf habe zu empörten Gesprächsabbrüchen führen können. Damit einhergegangen sei die der sichtbaren Realität „radikal widerstreitende Fiktion“, Abu Gosch sei ein wohlhabender Ort, der von seiner pro-zionistischen Haltung während des Palästinakriegs profitiert hätte.[152] Der Soziologe Nir Avieli[153] ergänzte, dass außerdem die muslimische Religion, der Stand 2021 99,8 Prozent der Dorfbewohner angehörten,[154] aus kommerziellen und politischen Gründen verschleiert worden sei und Abu Gosch stattdessen irrtümlich als christliches Dorf wahrgenommen werde.[155]
1998 wurde vom damaligen Bürgermeister von Jerusalem, Ehud Olmert, die Eingemeindung zahlreicher Orte und Gemeinden nach Jerusalem angestrebt. Gegen diese Pläne gab es vielerorts heftigen und zum Teil gewaltsamen Widerstand. Einzig in Abu Gosch verliefen die Proteste friedlich.[156] Bei der Zweiten Intifada Anfang der 2000er flogen keine Steine mehr.[157]
Gegenwart
Tourismus und Kultur
Abu Gosch ist heute ein kulinarisches und kulturelles Zentrum. Es ist bekannt für seine Restaurants, in denen als besondere Spezialität der „Hummus Abu Gosch“ angeboten wird, der auch ins Ausland exportiert wird. Da Abu Gosch von der Sabbatruhe in Jerusalem nicht betroffen ist, ist es besonders am Wochenende ein beliebtes, vielbesuchtes Ausflugsziel der Jerusalemer Bevölkerung. Selbst hochrangige israelische, palästinensische und ausländische Politiker finden sich hier ein, gelegentlich kommt es in Abu Gosch zu informellen jüdisch-palästinensischen Verhandlungen.[158]
Musikalisch finden seit 1992 jährlich zu Schawuot und Sukkot in der Kirche Unsere Liebe Frau von der Bundeslade die Abu Gosh Music Festivals statt.[159] 2021 wurde es unter einem neuen Leitungsteam offiziell wegen Renovierungsarbeiten nach Tel Aviv ins Jitzchak-Rabin-Zentrum verlegt.[160] Die verärgerten Bewohner Abu Goschs mutmaßten, der Grund dafür seien stattdessen örtliche Demonstrationen gegen den Gazakrieg von 2021. Die Organisatoren stritten dies ab und versicherten, dass das Festival nach Abu Gosch zurückkehren werde.[161] Seit 2024 finden wieder einige Konzerte in Abu Gosch statt, andere weiterhin in Tel Aviv.[162]
Geplante Ortserweiterung
Die Bewohner von Abu Gosch befinden sich in einem strukturellen Dilemma: Ein Wegzug in andere Orte ist für sie kaum möglich. In vielen arabisch-israelischen Gemeinden werden sie aufgrund ihrer pro-israelischen Haltung als Außenseiter wahrgenommen, während sie in jüdisch-israelischen Gemeinden – in denen anders als in Abu Gosch häufig „Zuzugs-Komitees“ über die Aufnahme neuer Bewohner entscheiden können[163] – als Palästinenser nicht akzeptiert werden.[164] Zugleich fürchten die Bewohner auch den Zuzug von außen: Die Ansiedlung anders gesinnter Palästinenser, etwa aus Ostjerusalem – wie bereits geschehen –, könnte den politischen Charakter des Ortes verändern. Der Zuzug jüdischer Israelis wiederum könnte Abu Gosch von einem homogenen Dorf in eine gemischte Stadt wie Lod oder Ramla verwandeln.[165] Ein größerer Zuzug war ohnehin über viele Jahre kaum möglich, da das Ortsgebiet mit der wachsenden Bevölkerung nicht Schritt gehalten hat. Umgekehrt schrumpfte es durch weitere Enteignungen für Telz-Stone und den Bau der Haupt-Nationalstraße 1 weiter auf 200 ha zusammen.[166] Gleichzeitig – so der Gemeinderat in einer Petition von 2022 – sei über Jahrzehnte hinweg kein neuer bezahlbarer Wohnraum bereitgestellt worden.[167]
Seit den frühen 2010er Jahren wird daher eine Erweiterung des Ortes geplant, beginnend mit einem Gesamtplan,[168] der 2013 bei den Planungsbehörden eingereicht wurde. Dieser sah eine geringfügige randliche Ausdehnung sowie eine Neuordnung der inneren Raumstruktur vor, darunter auch die Umwandlung des durch den Ort fließenden Wadi von landwirtschaftlicher Fläche in eine touristische Promenade. Gegen den Plan wurden zahlreiche Einwände erhoben. Bimkom beispielsweise kritisierte im Namen von 46 Bewohnern, dass sich die neu ausgewiesenen Wohngebiete de facto entweder in Privatbesitz oder im Besitz des französischen Staates befänden und der Plan mit seinem Fokus allein auf die Stärkung des Tourismuszweigs ohne Ausweisung von Industrieflächen nicht auf die wirtschaftlichen Bedarfe der Bevölkerung eingehe.[169]
Parallel dazu genehmigte die staatliche Kommission für bevorzugte Wohnungsbauvorhaben (Vatmal) 2017 südwestlich entlang Telz-Stone ein Neubaugebiet mit rund 600 Wohneinheiten und Fläche für ein geplantes Hotel[170] und 2019 ein weiteres Wohngebiet im Nordosten Richtung Maale HaHamisha mit 650 Wohneinheiten.[171] Im Falle einer Umsetzung beider Pläne könnte sich die Bevölkerung binnen weniger Jahre verdreifachen.[172] In der lokalen Öffentlichkeit wurde vielfach die Auffassung vertreten, dass – nachdem ab 2009 die ersten jüdisch geführten Betriebe eröffnet hatten[173] – diese Projekte nur unzureichend auf die Wohnbedürfnisse der Ortsbevölkerung ausgerichtet seien, sondern auf jüdisch-israelische Käufer zielten. Diese Wahrnehmung wurde dadurch verstärkt, dass die neuen Quartiere in der Vermarktung nicht mit Abu Gosch, sondern als „Nofei Ilan“ („Ausblick auf [Neve] Ilan“) und „Psagot Ilan“ („Gipfel von [Neve] Ilan“) mit dem benachbarten wohlhabenden jüdischen Ort in Verbindung gebracht wurden.[174] 2022 reichte der Gemeinderat eine verwaltungsrechtliche Klage gegen die Israel Land Authority und das Wohnungsministerium ein. Er beanstandete, dass Baugrundstücke nicht vorrangig über lokale „Bau-dein-Haus“-Programme an Ortsansässige verkauft, sondern über öffentliche Ausschreibungen vermarktet worden seien, wodurch sich die relativ arme Bevölkerung Abu Goschs die Grundstücke nicht mehr habe leisten können.[175] 2024, nachdem sich gezeigt hatte, dass 90 Prozent der bisherigen Käufer jüdische Israelis waren, erklärten Bauträger, sie hätten von vornherein auf eine jüdisch-israelische Zielgruppe abgezielt, da „man eine jüdische Bevölkerung im Dorf wolle“.[176]
Besonderheiten

Die 2014 fertiggestellte Akhmad-Kadyrov-Moschee ist die zweitgrößte Moschee in Israel. Sie wurde mit Geldern der Tschetschenischen Regierung gebaut. Das Grundstück wurde vom israelischen Staat zur Verfügung gestellt.[177] Bei dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 wurde die Kadyrow-Moschee beschädigt, als in der Nähe der Gebetsstätte eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete einschlug.[178]
Abu Gosch hat gemeinsam mit der Nachbarstadt Mevasseret Zion den einzigen gemischtethnischen arabisch-jüdischen Fußballverein Israels, mit paritätisch arabisch-jüdisch besetztem Vorstand: FC Hapoel Abu Gosch/Mevasseret Zion. Die ethnische Verteilung innerhalb der Mannschaft spiegelt die Größenverhältnisse der beiden Ortschaften wider. Die erste Mannschaft des Vereins spielt in der dritten israelischen Liga und wird von Adidas gesponsert.[179] Die U17-Mannschaft besuchte im Mai 2009 auf Einladung des Zentralrats der Juden in Deutschland die Bundesrepublik und absolvierte dabei ein Freundschaftsspiel gegen die U17-Mannschaft von Hertha BSC.[180]
Literatur
- Chris McKinny, Oron Schwartz, Gabriel Barkay, Alexander Fantalkin, Boaz Zissu: Kiriath-Jearim (Deir el-ʿÂzar): Archaeological Ecavations of a Biblical Town in the Judaean Hill Country. In: Israel Exploration Journal, Band 68 (2018), S. 30–49.
- Hamoudi Khalaily, Ofer Marder: The Neolithic Site of Abu Ghosh: the 1995 Excavations (= Israel Antiquities Authorities Reports, Band 19). IAA, Jerusalem 2003. (Open Access)
- R. de Vaux, A.-M. Steve: Fouilles à Qaryet el-ʻEnab. Abū Ġoŝh. J. Gabalda, Paris 1950. (archive.org)
Weblinks
- Offizielle Website
- Städteinformation Abu Gosch, zentralratdjuden.de
