Wikiwand AI

Adelsarchiv

Sammlung historischer Unterlagen und Informationen über Angehörige des Adels From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Adelsarchiv (auch Herrschaftsarchiv, Gutsarchiv) ist eine Sammlung historischer Unterlagen und Informationen über Angehörige des Adels bzw. adelige Herrschaftsgebiete. Adelsarchive verwahren oft weit zurückreichende wertvolle Unterlagen. Bei ehemaligen Standesherren befinden sich in diesen Archiven auch Unterlagen öffentlichen Charakters (etwa zur Ausübung der Patrimonialgerichtsbarkeit).

Geschichte und Entstehung der Adelsarchive

Seit dem frühen Mittelalter hatten Adelige ein hohes Interesse daran, die ihnen zustehenden Herrschaftsrechte zu sichern. Daher entstanden sehr früh erste Archive, meist mit Urkunden, in denen bestimmte Privilegien oder territoriale Rechte gesichert waren. Ebenso würden Verträge dauerhaft aufbewahrt, da zum Beispiel in Heiratsverträgen besondere Regelungen festgehalten wurden, vor allem zu Mitgift, Wittum oder Morgengabe. Ebenso galt es, genealogische Unterlagen zu sichern, um beispielsweise die Aufnahme in geistliche oder weltliche Stifte zu sichern, zu denen nur uradelige Familien Zugang besaßen. So finden sich heute noch in den meisten Adelsarchiven imposante und auffällig farbig gestaltete Aufschwörungstafeln.

In einer ersten Welle gelangten insbesondere im westdeutschen Raum die Archive der großen Landesherrschaften während der Zeit der französischen Besatzung in die damals neu eingerichteten Départementarchive und die später daraus entstandenen Staatsarchive. Ebenso gelangten in der Folge vielfach Adelsarchive durch Kauf oder Depositalvertrag in Staatsarchive oder andere öffentliche Archive.

Viele Archive kleinerer aber auch bedeutender Adelsfamilien befinden sich aber noch heute im Privatbesitz und stellen wertvolle Quellen für die Territorialgeschichte dar. In Baden-Württemberg zählte die staatliche Archivverwaltung in nahezu 100 Adelsarchiven über 10.000 Regalmeter Akten und über 70.000 Urkunden in privater Hand. Viele große Adelsarchive sind in das Verzeichnis national wertvoller Archive eingetragen. Mit dieser Maßnahme soll eine Abwanderung des Kulturguts ins Ausland verhindert werden. Vergleichsweise selten werden Adelsarchive durch Eintragung in das Denkmalverzeichnis dem Denkmalschutz unterstellt.

Zugänglichkeit für die Nutzung

Bei noch in den Händen der Adelsfamilien befindlichen Archive besteht ein Anspruch auf Zugang nur auf freiwilliger Basis. Als Privatarchive sind sie in der Regel vom Geltungsbereich der Archivgesetze ausgenommen. Ausnahmen existieren bei aus dem Fideikommissrecht ableitbaren Verpflichtungen, das Archiv zugänglich zu machen. Die wenigsten Adelsarchive werden hauptamtlich durch archivfachlich geschultes Personal betreut. Innerhalb des Verbands der Archivarinnen und Archivare e. V. versammelt die Fachgruppe 4 Archivare an Herrschafts-, Haus- und Familienarchiven diese Archivare.

In Nordrhein-Westfalen haben sich zahlreiche Adelsfamilien zu den Vereinigten Westfälischen Adelsarchiven bzw. den Vereinigten Adelsarchiven im Rheinland zusammengeschlossen. Sie werden durch die Archivberatungsstellen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und des Landschaftsverbandes Rheinland unterstützt und stellen so eine professionelle Betreuung und Nutzbarkeit der Archivbestände sicher.

Literatur

Marcus Stumpf (Hrsg.): Adelsarchive im 21. Jahrhundert - Standortbestimmungen: Symposium anlässlich des 100-jährigen Bestehens des westfälischen Adelsarchivvereins. Münster 2024, ISBN 978-3-9817202-5-9

Siehe auch

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks