Aegirin

eher selten vorkommendes Mineral, Natrium-Eisen-Silikat NaFe3+[Si2O6] aus der Abteilung der Abteilung der Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate) From Wikipedia, the free encyclopedia

Aegirin, auch Ägirin oder synonym Akmit genannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Pyroxengruppe innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der Endgliedzusammensetzung NaFe3+[Si2O6][3] und damit chemisch gesehen ein Natrium-Eisen-Silikat. Strukturell gehört Aegirin zu den Ketten- und Bandsilikaten.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Aegirin
Aegirin (schwarz) mit Feldspat vom Berg Malosa bei Zomba in Malawi (Größe: 5,0 cm × 4,5 cm × 3,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1998 s.p.[1]

IMA-Symbol

Aeg[2]

Andere Namen
  • Ägirin
  • Akmit
Chemische Formel NaFe3+[Si2O6][3][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Kettensilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/D.01c
VIII/F.01-140[4]

9.DA.25
65.01.03c.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[5]
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15[3]
Gitterparameter a = 9,66 Å; b = 8,80 Å; c = 5,29 Å
β = 107,4°[3]
Formeleinheiten Z = 4[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6[6]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,50 bis 3,60; berechnet: 3,576[6]
Spaltbarkeit gut nach {110}; Absonderung nach {100}[6]
Bruch; Tenazität uneben
Farbe dunkelgrün bis schwarzgrün
Strichfarbe hell gelbgrau
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz bis matt
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,720 bis 1,778[7]
nβ = 1,740 bis 1,819[7]
nγ = 1,757 bis 1,839[7]
Doppelbrechung δ = 0,037 bis 0,061[7]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 60 bis 90°; berechnet: 68 bis 84°[7]
Pleochroismus sichtbar: X = smaragdgrün bis dunkelgrün; Y = grasgrün bis dunkelgrün, gelb; Z = bräunlichgrün bis grün, gelblichbraun bis gelb[7]
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Aegirin kristallisiert mit monokliner Symmetrie und entwickelt meist lange, nadelige bis prismatische Kristalle mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Oft sind diese auch zu radialstrahligen Mineral-Aggregaten verbunden. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen Kristalle sind von dunkelgrüner bis schwarzgrüner Farbe. Auf der Strichtafel hinterlässt Aegirin allerdings einen hell gelbgrauen Strich.

Etymologie und Geschichte

Ägir mit seiner Gattin Rán am Meeresgrund

Erstmals beschrieben wurde das Mineral, ein bräunlicher Pyroxen aus Rundemyr bei Nedre Eiker in der Provinz Buskerud in Norwegen, 1821 von Jöns Jakob Berzelius und P. Ström, die ihn nach dem altgriechischen Wort ἀκμή (auch αιχμή[8]) Achmit (in anderen Quellen auch Acmit oder Akmit) für Spitze oder Speerspitze benannten (vergleiche auch Akme). Die Benennung lehnt sich dabei an die meist spitze Form der Kristalle an.

1835 wurde ein grüner Pyroxen auf der im Langesundsfjord gelegenen Insel Låven in der Provinz Vestfold gefunden und von Berzelius nach Ägir (auch Ægir), dem nordischen Gott des Meeres, benannt. Als man erkannte, dass beide Proben derselben Mineralart angehörten, wurde entschieden, den Namen Acmit beziehungsweise Akmit zukünftig als Synonym des Minerals Aegirin zu führen.[9] Als Typlokalität gelten beide Fundstätten, Rundemyr und Låven.

Gelegentlich wird Aegirin auch mit dem Synonym Schefferit belegt. Dieser Name wurde allerdings 1988 vom IMA Subcommittee einer manganhaltigen Varietät von Diopsid zugewiesen, die in der schwedischen Grubengemeinde Långban entdeckt wurde.[10]

Aegirin war bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Aegirin theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. Aufgrund der 1998 erfolgten Publikation von Paula C. Piilonen, Andrew M. McDonald und Andre E. Lalonde über eine Neuanalyse der Kristallchemie des Minerals mithilfe von Aegirinfunden vom Mont Saint-Hilaire in der kanadischen Provinz Québec[11] wird Aegirin seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1998 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[12]

Klassifikation

In der strukturellen Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) gehört Aegirin zusammen mit Kosmochlor, Jadeit, Jervisit, Natalyit und Namansilit zu den Natriumpyroxenen in der Pyroxengruppe.[13]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Aegirin zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er gemeinsam mit Jadeit und Kosmochlor in der „Jadeit-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/D.01c steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.01-140. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Aegirin zusammen mit Aegirin-Augit, Augit, Davisit, Diopsid, Esseneit, Grossmanit, Hedenbergit, Jadeit, Jervisit, Johannsenit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Kosmochlor, Kushiroit, Namansilit, Natalyit, Omphacit, Petedunnit, Pigeonit, Spodumen und Tissintit die Gruppe der „Klinopyroxene“ mit der Systemnummer VIII/F.01 bildet.[4]

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[14] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aegirin in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden, wo es zusammen mit Jadeit, Jervisit, Kosmochlor, Namansilit und Natalyit die „Na-Klinopyroxene, Jadeitgruppe“ mit der Systemnummer 9.DA.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Aegirin die System- und Mineralnummer 65.01.03c.02. Das entspricht wie in der alten Strunz- und Lapis-Systematik der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ in der Gruppe „C2/c Klinopyroxene (Na-Klinopyroxene)“, in der auch Jadeit, Namansilit, Kosmochlor, Natalyit und Jervisit eingeordnet sind.

Chemismus

Die Endgliedzusammensetzung von Aegirin (NaFe3+Si2O6) besteht aus 9,95 % Natrium (Na), 24,18 % Eisen (Fe), 24,32 % Silicium (Si) und 41,56 % Sauerstoff (O).[5]

Durch Mischkristallbildung mit Hedenbergit (CaFe2+Si2O6) ist jedoch oft ein Teil des Natriums durch Calcium vertreten (substituiert). Zusätzlich können durch Diadochie auch Anteile an Magnesium, Titan, Vanadium sowie geringe Gehalte an Seltenen Erden, Beryllium, Zirconium, Thorium und Mangan vorhanden sein.[15]

Kristallstruktur

Aegirin kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 9,66 Å; b = 8,80 Å; c = 5,29 Å und β = 107,4° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Modifikationen und Varietäten

Eine manganhaltige Varietät von Aegirin wird als Urbanit bezeichnet.[4]

Bildung und Fundorte

Aegirin (grün-schwarz) und Rhodochrosit (rosa) auf Nenadkevichit (rötlichbraun) vom Mont Saint-Hilaire in Québec, Kanada
Eudialyt-Aegirin-Aggregat vom Chibinen (Halbinsel Kola), Größe: 5,4 × 4,3 × 2,6 cm

Aegirin bildet sich in magmatischen Gesteinen wie Syenit, Karbonatit, aber auch in basischen Graniten. Begleitminerale sind unter anderem Aenigmatit, Apophyllit, Arfvedsonit, Astrophyllit, Katapleiit, Eudialyt, verschiedene kaliumhaltige Feldspate, Nephelin, Riebeckit und Serandit.

Als häufige Mineralbildung ist Aegirin an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher rund 1200 Fundorte dokumentiert sind (Stand: 2020).[16]

Neben seinen Typlokalitäten Rundemyr (Nedre Eiker, Buskerud) und Låven (Vestfold) trat Aegirin in Norwegen noch in vielen weiteren Regionen der Provinzen Trøndelag, Oppland, Oslo und Telemark auf.

In Deutschland konnte Aegirin unter anderem in mehreren Regionen des Schwarzwaldes, am Kaiserstuhl und im Odenwald in Baden-Württemberg; am Großen Teichelberg und bei Bad Berneck im Fichtelgebirge in Bayern; bei Perlenhardt-Königswinter und Wachtberg (Hohenburg) in Nordrhein-Westfalen; am Ettringer Bellerberg bei Ettringen in Rheinland-Pfalz sowie bei Brunsbüttel, Schwedeneck (Stohl) und Groß Pampau in Schleswig-Holstein gefunden werden.

In Österreich fand sich das Mineral am Pauliberg im Burgenland; Pleschitzkogel in Kärnten; Schlossberg und Puchberg am Schneeberg (in Niederösterreich); am Einberg und in der „Grube Haagen“ bei Abtenau sowie am Grabenbach und am Grubach bei Golling an der Salzach in Salzburg; im Gipsbergwerk bei Bad Aussee in der Steiermark; am Tarntaler Köpfe in Tirol und bei Dalaas im Vorarlberg.

In der Schweiz trat Aegirin bisher nur in Ausserferrera und im Val Starlera im Hinterrheintal sowie im Val Lumnezia im Kanton Graubünden auf.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Aegirinfunde sind zudem der Mount Malosa nahe Zomba in Malawi sowie die Umgebung des Langesundsfjord in der ehemaligen norwegischen Provinz Vestfold, wo gut ausgebildete, prismatische Kristalle von bis zu 15 bzw. 30 cm Größe gefunden werden konnten. Des Weiteren lassen sich auch am Mont Saint-Hilaire in Québec und anderen Regionen in Kanada sowie auf der Halbinsel Kola und vielen anderen Regionen in Russland gute Aegirinkristalle finden.[17]

Weitere Fundorte sind Afghanistan, Algerien, Angola, die Antarktis, Argentinien, Armenien, Äthiopien, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Französisch-Polynesien, Griechenland, mehrere Regionen in Grönland, Guatemala, Guinea, Guyana, Honduras, Indien, mehrere Regionen in Italien, Japan, Kamerun, auf der Kanalinsel Jersey, Kasachstan, Kenia, Kirgisistan, die Demokratische Republik Kongo, Libyen, Madagaskar, Mali, Marokko, Mexiko, Mongolei, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Niger, Nigeria, Nordkorea, Nordmazedonien, Pakistan, Paraguay, Peru, Polen, Portugal, Réunion, Rumänien, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha, Sambia, Saudi-Arabien, Schweden, Slowakei, Somalia, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tansania, Tschechien, Türkei, Uganda, der Ukraine, Ungarn, Venezuela, im Vereinigten Königreich, viele Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Vietnam sowie Belarus.[18]

Siehe auch

Literatur

  • P. Ström: Undersökning af ett nytt Fossil. In: Kungliga Svenska vetenskapsakademiens handlingar. Band 9, 1821, S. 160–163 (schwedisch, dn790007.ca.archive.org [PDF; 27,1 MB; abgerufen am 26. Januar 2026]).
  • Jöns Jacob Berzelius: Tillägg til föregående Afhandling. In: Kungliga Svenska vetenskapsakademiens handlingar. Band 9, 1821, S. 163–166 (schwedisch, dn790007.ca.archive.org [PDF; 27,1 MB; abgerufen am 26. Januar 2026]).
  • J. Berzelius: [Unbetitelte Notiz zu Aegirin]. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde. 1835, S. 184–185 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 16. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 123 kB; abgerufen am 26. Januar 2026]).
  • Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 165, Ägirin.
  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u. a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 95.
Commons: Aegirine – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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