Akrophonie

Benennung von Initialen nach Wörtern mit gleichem Anfangslaut From Wikipedia, the free encyclopedia

Akrophonie (vom griechischen akros = Spitze/Beginn und phonein = tönen/klingen → Akrophon = Anfangslaut) ist die Anlaut-Methode, um Lautzeichen, Zahlzeichen oder sonstige Kurzwörter (Akronyme)[1] aus dem Anfang eines Wortes zu bestimmen oder darzustellen (Initiale). Die Akrophonie ist ein Prinzip, das in der Schriftgeschichte eine wichtige Rolle spielte, um Lautzeichen zu entwickeln, die zum Alphabet führten.

Akrophonie-Prinzip

Beschreibung und Anwendungen

Unter Akrophonie versteht die Duden-Redaktion die „Benennung der Buchstaben einer Schrift nach etwas, dessen Bezeichnung mit dem entsprechenden Laut beginnt.“[2] Das akrophonische Prinzip wäre demnach die Methode, mit dem Anlaut eines gesprochenen Wortes ein Zeichen (Phonogramm) für das gesamte Wort oder eine Kurzform (Akronym)[3] für mehrere Wörter zu finden oder zu schreiben.
Beispiele:

  • ABC sind die ersten Lautzeichen für das Alphabet (von griechisch: Alpha, Beta);
  • M als Anlaut für mille (tausend) steht für das römische Zahlzeichen 1000 und C steht für centum (hundert) → MCXI = 1111;
  • Maßeinheiten wie z. B. l wie Liter, m wie Meter sind zwar aus Anlauten gebildet, werden aber als ganzes Wort gesprochen;
  • die akrophonisch gebildeten Akronyme wie DB, DRK, ADAC oder Initialwörter wie TÜV, LASER, UNESCO u. a. werden aus den Anlauten (Initialen) der einzelnen Wörter gebildet[4][5];
  • beim Lautieren (Buchstabieren) wenden wir auch das Akrophonie-Prinzip an, um z. B. ähnlich klingende Laute beim Schreiben nicht zu verwechseln:
    • Tiere/Gegenstände: D wie Dino, T wie Tisch
    • oder Vornamen: B wie Berta, P wie Peter.

Historische Bedeutung

Champollion entdeckte durch den Stein von Rosette, dass auch die Hieroglyphen phonetische Zeichen besaßen (Silben und Anlaute).[6] Durch den Vergleich von Namen in Kartuschen, gewann er die Lautbilder vieler Konsonanten: z. B. bei Ptolemaios das L wie Leo (Löwe).

p
t
wAlG17iis

(von links: PTOLMYS)

Die phönizischen Schriftzeichen sind mit dem Akrophonie-Prinzip entstanden: die Anlautzeichen waren vereinfachte Abbildungen (Piktogramme) der Hieroglyphen, die für den gleichklingenden Namen dieser Gegenstände oder Tiere stehen (Rebus-Prinzip).
Dadurch konnte aus einer komplizierten Bilderschrift eine Anlautschrift werden.

Die Phönizier bestimmten auch die Reihenfolge ihrer Anfangslaute (nur Konsonanten), das „Alphabet“ (eine Lautschrift). Es wurde von den Griechen übernommen und mit Vokalen ergänzt.

Beispiel A: (griechisch, etruskisch, römisch)

  • sieht aus wie aleph = Rind (Stier-Kopf) → das A klingt so;
  • B klingt wie beth = Haus (Grundriss);
  • G klingt wie gimel = Kamel/„Camel“ (ein Höcker);
  • D klingt wie dalet = Zelt (offen); Nil-Delta
  • usw.

(gezeichnete, deutschsprachige Beispiele: H wie Haus, M wie Mund, O wie Oval, S sieht aus wie eine Schlange und W wie Wellen.)

Die antiken griechischen Zahlen bestehen aus akrophonischen Zahlzeichen. Dabei werden die Anfangsbuchstaben des griechischen Zahlwortes zur Notation des entsprechenden Zahlwertes eingesetzt. Das System ist ganz ähnlich wie die römischen Zahlen:

Ι vom Anlaut des griechischen íos („eins“) = 1, 𐅃 (Pi) steht für pénte („fünf“) = 5, Δ  (Delta) steht für déka („zehn“) = 10, Η für hekatón („hundert“) = 100, Χ (Chi) für chílioi („tausend“) = 1000 und Μ (My) vom Anlaut des griechischen myriás („zehntausend“) = 10000.

Praktische Anwendung

Eine Anlauttabelle benutzt genau dieses Akrophonie-Prinzip, um das Schreiben von Buchstaben zu lernen. Ein gesprochenes „Wort“ muss zunächst phonetisch in Einzellaute zerlegt werden. Nacheinander werden die Konsonanten und Vokale gesprochen und danach ein Bild in der Tabelle gesucht, das mit demselben Anlaut beginnt. z. B. gesprochen: „A_s_t“ → A wie Apfel, s wie Sofa und t wie Tisch → geschrieben: Ast.

Mit dieser Anlaut-Wortbild-Zuordnung (Akrophonie) gelingen aber nur lautgetreue Wörter.

Anlauttabelle groß

Siehe auch

Wiktionary: akrophonisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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