Konföderation der Sahelstaaten
zwischenstaatliche Militärallianz für die kollektive Verteidigungsarchitektur der Staaten Niger, Burkina Faso und Mali
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Die Konföderation der Sahelstaaten (französisch Confédération des États du Sahel; CES) ist ein Staatenbündnis, das im September 2023 zwischen Mali, Niger und Burkina Faso als Allianz der Sahelstaaten (französisch Alliance des États du Sahel; AES) geschlossen wurde.[1] In allen diesen drei Staaten herrschen Militärregierungen, die zwischen 2020 und 2023 durch Militärputsche an die Macht kamen. Sie erhalten Unterstützung von anderen autoritär regierten Staaten wie Russland, China, dem Iran und der Türkei. Sie stehen in Rivalität zum benachbarten Staatenbündnis ECOWAS, das von westlichen Staaten unterstützt wird und aus welchem die drei Staaten austraten.[2]
| Konföderation der Sahelstaaten | |
|---|---|
| Französische Bezeichnung | Confédération des États du Sahel |
| Organisationsart | Verteidigungsbündnis |
| Mitgliedstaaten | 3: |
| Amts- und Arbeitssprachen | |
| Fläche | 2.781.392 km² |
| Einwohnerzahl | 71.375.590 |
| Bevölkerungsdichte | 26 Einwohner pro km² |
| Gründung | 16. September 2023 |
| aes.ml | |
Der Pakt wurde inmitten der Niger-Krise 2023 nach einem Staatsstreich in Niger geschlossen, bei dem die ECOWAS mit einer Intervention drohte.[3] Das Bündnis wurde gegründet, um möglichen Bedrohungen durch bewaffnete Rebellion oder „Aggression“ von außen entgegenzuwirken, wobei betont wurde, dass „jeder Angriff auf die Souveränität und territoriale Integrität einer oder mehrerer Vertragsparteien als Aggression gegen die anderen Vertragsparteien betrachtet wird“.[4] 2024 wurde es um eine umfassende politische und wirtschaftliche Union erweitert.
Hintergrund
Die Sahelzone ist seit 2011 Teil eines anhaltenden dschihadistischen Aufstandes. Dieser hat bislang zu zahlreichen Konflikten in der Region geführt, wie dem Mali-Krieg und dem Boko-Haram-Aufstand. Alle drei Unterzeichnerstaaten sind ehemalige französische Kolonien, die von Militärregierungen geführt werden und bis 2022 bzw. 2023 dem auf Initiative Frankreichs gegründeten Anti-Terror-Bündnis G5 Sahel angehörten. Die Beziehungen der drei Staaten zu Frankreich haben sich unter den Militärregierungen stark verschlechtert. Diese diplomatischen Verwerfungen führten wiederum dazu, dass französische Soldaten, die unter anderem im Zuge der Opération Barkhane in der Sahelzone stationiert wurden, sich sukzessive aus Westafrika zurückziehen mussten.[5]
Geschichte
Die schlechte Sicherheitslage (Vormarsch von Islamisten) in der Sahelzone führte zwischen 2020 und 2023 zu Putschen in Mali, Burkina Faso und Niger, die sich gegen die herrschenden profranzösischen Regierungen richteten. Alle drei Mitgliedstaaten der Allianz wurden kurz nach dem Sturz ihrer gewählten Regierungen von der ECOWAS suspendiert. Nach dem Staatsstreich in Niger drohte die ECOWAS mit einer militärischen Intervention und der Wiederherstellung der Regierung von Präsident Bazoum, was zu einer regionalen Krise führte. Die Juntas von Mali und Burkina Faso versprachen Niger im Falle einer Intervention militärische Hilfe, während Guinea diplomatische Unterstützung zusagte. Die Versprechen militärischer Hilfe führten zur Gründung der Allianz der Sahelstaaten als gegenseitigem Verteidigungsblock für die drei Nationen, wodurch eine Intervention der ECOWAS erfolgreich abgewendet werden konnte.[6]
Am 28. Januar 2024 gaben die drei Länder in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass sie aus der ECOWAS austreten werden, was im Januar 2025 erfolgte.[7] Im Juli 2024 unterzeichneten die Staatschefs der AES-Staaten auf einem Gipfeltreffen in Niamey einen Konföderationsvertrag zur Stärkung des bestehenden gegenseitigen Verteidigungsbündnisses, begleitet von der Veröffentlichung eines 25-Punkte-Kommuniqués. Darin wurde unter anderem eine einjährige rotierende Präsidentschaft vereinbart.[8]
Ziele
Das erklärte Ziel der Konföderation ist es, Ressourcen zu bündeln, um die gemeinsame Infrastruktur zu verbessern, einen gemeinsamen Markt zu schaffen, eine Währungsunion zu implementieren, den freien Personenverkehr zu ermöglichen, die Industrialisierung voranzutreiben und die Landwirtschaft, den Bergbau sowie den Energiesektor zu entwickeln, mit dem Endziel der Föderalisierung zu einem einzigen souveränen Staat. Geplant sind neben einer gemeinsamen Währung und Zentralbank auch ein eigenes Konföderationsparlament. Ein gemeinsamer Pass wurde im Januar 2025 eingeführt.[9][10] Am 22. Februar 2025 haben die Minister der Konföderation der Sahelstaaten eine eigene Flagge eingeführt.[11] Die drei Länder stellten ab 2025 auch eine gemeinsame Streitmacht von 5000 Personen auf, die den Terrorismus bekämpfen soll.[12]
Geopolitische Ausrichtung
Die Sahel-Konföderation richtet sich gegen den Einfluss der alten Kolonialmacht Frankreich, der Neokolonialismus und konkrete politische Beeinflussung vorgeworfen wurde, wie z. B. wirtschaftlich durch den CFA-Franc BEAC. Im März 2025 distanzierten sich Niger, Burkina Faso und Mali weiter von Frankreich, indem sie ihren Austritt aus der Organisation Internationale de la Francophonie (OIF) bekannt gaben, einer internationalen Organisation, die 1970 gegründet wurde, um die französische Sprache zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen französischsprachigen Ländern zu stärken.[13]
Die neue Ausrichtung der drei Länder wurde stark von Russland gefördert und die Gruppe Wagner wurde in der Region aktiv.[14] Im Juni 2025 unterzeichnete Russland mit Burkina Faso und Mali Abkommen über nukleare Zusammenarbeit zur friedlichen Nutzung der Atomenergie, zum Ausbau der Infrastruktur und zur Energiesicherheit.[15] Auch mit Mächten wie China, dem Iran und der Türkei intensivierten die Sahel-Staaten ihre Kooperation.
