Stiel-Lauch
Art der Gattung Lauch (Allium)
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Der Stiel-Lauch (Allium stipitatum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch (Allium) innerhalb der Unterfamilie der Lauchgewächse (Allioideae) innerhalb der Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von der Türkei über Zentralasien bis nach Pakistan. Der Stiel-Lauch wird als Zierpflanze verwendet.
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Stiel-Lauch (Allium stipitatum) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Allium stipitatum | ||||||||||||
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Beschreibung


Vegetative Merkmale
Der Stiel-Lauch ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 60 bis 150 Zentimeter erreicht. Die bei einem Durchmesser von 3 bis 6 Zentimetern fast kugelrunden Zwiebeln besitzen eine häutige, schwärzliche Hülle.[1]
Die vier bis sechs grundständigen, flachen, graugrünen Laubblätter mit bodennahen Blattscheiden sind riemenförmig, 4 bis 10 Zentimeter breit, und auf der Unterseite und am Rand mehr oder weniger behaart.[1][2]
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht vom Mai bis Juni.[1] Der aufrechte Blütenstandsschaft ist 60 bis 150 Zentimeter lang, glänzend und völlig glatt (nur im trockenen Zustand gerippt).[3] Der halbkugelige bis fast kugelförmige, doldige Blütenstand besitzt ein spathaähnliches Hüllblatt und viele Blüten. Das breit-eiförmige Doldenhüllblatt ist in zwei Klappen geteilt und ist kürzer als die Blütenstiele.[4] Die 2,5 bis 5 Zentimeter langen Blütenstiele sind fast gleich lang.[1]
Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch, sternförmig und dreizählig. Die sechs Blütenhüllblätter sind bei einer Länge von 10 bis 12 Millimetern länglich bis linealisch mit zugespitztem oberen Ende,[5]; sie sind weiß oder rosafarbem bis violett mit dunklerer Mittelader, und biegen sich beim Abblühen zurück, rollen sich ein oder zerknittern.[3][6] Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, abgeflachten, rundlichen, dreilappigen, dicht warzigen Fruchtknoten verwachsen, der an der Basis zu einem furchenlosen Stiel verschmälert ist.[4][6]
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8; es tritt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 auf.[7]
Vorkommen
Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der südöstlichen Türkei über den Irak, den Iran und die zentralasiatischen Länder Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Afghanistan bis nach Pakistan.[8][9]
Der Stiel-Lauch besiedelt lockere, steinige Gebüschhänge, Wacholder-Trockenwälder und grasige Berghänge in mittleren montanen Höhenlagen um 2500 Meter.[5][1]
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Allium stipitatum erfolgte 1881 durch Eduard August von Regel in Trudy Imperatorskago S.-Peterburgskago botanicheskago sada, Band 7, S. 546.[4] Das Artepitheton stipitatum bedeutet „gestielt“ und bezieht sich hier auf den gestielten Fruchtknoten.[10] Synonyme von Allium stipitatum Regel sind Allium atropurpureum var. hirtulum Regel und Allium hirtifolium Boiss.[8]
Allium stipitatum gehört zur Sektion Megaloprason Wendelbo, nach einer 2010 erfolgten neuen Einordnung zur Sektion Procerallium R.M.Fritsch innerhalb der Untergattung Melanocrommyum (Webb & Berth.) Rouy der Gattung Allium. Allium stipitatum ist eng verwandt mit Allium altissimum Regel.[11] Eine klare Unterscheidung ist schwierig, da es viele morphologische Übergänge zwischen diesen beiden Arten gibt.[3]
Verwendung
Der Stiel-Lauch ist als Zierpflanze weit verbreitet und gilt als winterhart bis −34 °C (Zone 4), wobei zu hohe Bodenfeuchte vermieden werden muss. Im Handel sind einige Sorten und Hybriden erhältlich.[3] Die Sorten ‘Alba’, ‘Mont Blanc’, ‘Mount Everest’ und ‘White Giant’ blühen weiß, ‘Mars’ blüht hellviolett. ‘Ambassador’ (blass blauviolett) ist eine Hybride mit Allium giganteum; ‘Gladiator’ (rosa-violett) ist mit Allium hollandicum und ‘Globus’ (rosa bis weißlich) mit Allium karataviense hybridisiert.[12]
In einigen zentralasiatischen Ländern ist das saure Einlegen der jungen Zwiebeln als Gewürz die vorherrschende Verwendung und wird auch aus dem südwestlichen Iran berichtet. In anderen Regionen steht die medizinische Verwendung stärker im Vordergrund. So werden z. B. in der iranischen Provinz Hamadan auf den Märkten frische Zwiebeln zur äußeren Anwendung gegen Schmerzen an Wirbelsäule, Beinen und Füßen angeboten.[10]
Literatur
- Dilys Davies: Allium (Zierlauch). Aus dem Engl. von Marion Zerbst, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Hohenheim 1992, ISBN 3-8001-6439-6, S. 140.
- Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Hohenheim 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 48.