Alois Wierlacher

deutscher Germanist From Wikipedia, the free encyclopedia

Alois Wierlacher (* 1936 in Wuppertal) ist ein deutscher Germanist mit einem österreichischen Vater und einer rheinischen Mutter. Seine Forschungsschwerpunkte sind interkulturelle Germanistik, Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Kulinaristik, Fremdheits- und Toleranzforschung, interkulturelle Kommunikation und Wissenschaftsforschung.

Beruflicher Werdegang

Nach der Promotion (1964) bei Richard Alwyn (Das bürgerliche Drama. Seine theoretische Begründung im 18. Jahrhundert) an der Universität Bonn (1964) lehrte Wierlacher zunächst (1964–1966) an der UCLA in Kalifornien. Nach zwei Jahren musste er infolge visarechtlicher Bestimmungen für zwei Jahre nach Deutschland zurückkehren, kam an die damalige Deutsche Abteilung für Ausländer an der Universität Heidelberg und geriet dort erneut in Visumsprobleme. Die USA verweigerten seiner Frau infolge ihrer Herkunft aus dem damals sowjetisch besetzten Sudetenland die Rückkehr in die USA. Wierlacher verlor die ihm freigehaltene Stelle an der UCLA, blieb in Heidelberg und konzipierte im Auftrag des Rektorats (1968), zwei Jahre später (1970) auch vom Senat der Universität Heidelberg, den Auftrag zur Erarbeitung eines Ausbauplans der Deutschen Abteilung zu einem modernen Institut für Fremdsprachengermanistik. Die Eckpunkte der Konzeption hat Wierlacher 1972 in der Universitätszeitschrift Ruperto Carola vorgelegt. Die zuständigen Gremien beschlossen die Umsetzung der Vorschläge (1974) und gründeten das erste selbständige deutsche Institut für Fremdsprachengermanistik (Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie). Als Kommunikationsorgan der neuen Fachrichtung rief Wierlacher im Nachfolgejahr (1975) das Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache ins Leben; 1980 brachte er die beiden UTB-Bände Fremdsprache Deutsch. Grundlagen und Verfahren der Germanistik als Fremdsprachenphilologie heraus.

Nach der Habilitation 1982 in Heidelberg (Vom Essen in der deutschen Literatur. Mahlzeiten in Erzähltexten von Goethe bis Grass) wurde Wierlacher noch im selben Jahr vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg zum Honorarprofessor der Universität Karlsruhe bestellt und von der Universität Hamburg als Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprachenphilologie berufen. Im Wintersemester 1983/84 lehrte er in Hamburg, Ende des Semesters gab er die Berufung zurück; 1984 gründete er im Beisein des Stellvertretenden DAAD-Generalsekretärs Friedrich Wilhelm Hellmann in Karlsruhe zusammen mit mehreren Germanisten aus verschiedenen Ländern die Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik (GIG) und leitete sie zehn Jahre lang bis 1994. 1986 nahm er einen Ruf an die Universität Bayreuth als Professor für Interkulturelle Germanistik in der Absicht an, den ersten Studiengang für Interkulturelle Germanistik aufzubauen und zusammen mit den Weltfirmen Rosenthal und Hutschenreuther eine Kulturwissenschaft des Essens ins Leben zu rufen. Beides ist ihm auch gelungen.

2001 wurde Wierlacher emeritiert. Er ist verheiratet mit der Diplom-Psychologin Edda Wierlacher, geb. Burde, und hat zwei erwachsene Söhne.

Schriften (Auswahl)

  • Das bürgerliche Drama. Seine theoretische Begründung im achtzehnten Jahrhundert. München 1968 [ohne ISBN].
  • als Herausgeber mit Andrea Bogner, Ulrich Engel, Hans-Jürgen Krumm et al.: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache (Intercultural German Studies). Heidelberg/München 1975 ff, ISSN 0342-6300.
  • als Herausgeber: Fremdsprache Deutsch. Grundlagen und Verfahren der Germanistik als Fremdsprachenphilologie. 2 Bände, München 1980, ISBN 3-7705-1810-1 und ISBN 3-7705-1812-8.
  • als Herausgeber: Das Fremde und das Eigene. Prolegomena zu einer interkulturellen Germanistik. München 1985, ISBN 3-89129-021-7.
  • Vom Essen in der deutschen Literatur. Mahlzeiten in Erzähltexten von Goethe bis Grass. Stuttgart 1987, ISBN 3-17-008142-X.
  • als Herausgeber: Kulturthema Fremdheit. Leitbegriffe und Problemfelder kulturwissenschaftlicher Fremdheitsforschung. Stuttgart 1987, ISBN 3-89129-037-3.
  • als Herausgeber mit Gerhard Neumann und Hans-Jürgen Teuteberg: Kulturthema Essen – Ansichten und Problemfelder. Berlin 1993, ISBN 3-05-002367-8.
  • als Herausgeber: Kulturthema Toleranz. Zur Grundlegung einer interdisziplinären und interkulturellen Toleranzforschung. München 1996, ISBN 3-89129-074-8.
  • als Herausgeber mit Georg Stötzel: Blickwinkel. Kulturelle Optik und interkulturelle Gegenstandskonstitution. München 1996, ISBN 3-89129-039-X.
  • Architektur interkultureller Germanistik. München 2001, ISBN 3-89129-736-X.
  • als Herausgeber mit Wolf Dieter Otto: Toleranztheorie in Deutschland (1949–1999). Eine anthologische Dokumentation. Tübingen 2002, ISBN 3-86057-502-3.
  • als Herausgeber mit Andrea Bogner: Handbuch interkulturelle Germanistik. Stuttgart 2003, ISBN 3-476-01955-1.
  • als Herausgeber mit Regina Bendix: Kulinaristik. Forschung – Lehre – Praxis. Berlin 2008, ISBN 978-3-8258-1081-8.
  • als Herausgeber: Gastlichkeit: Rahmenthema der Kulinaristik. Berlin 2011, ISBN 978-3-643-11442-6.
  • als Herausgeber: Kulinaristik des Frühstücks. Breakfast Across Cultures. Analysen, Theorien, Perspektiven. München 2018, ISBN 978-3-86205-550-0.
  • Hingabe und Vertragsstiftung. Lessings «Emilia Galotti» und Goethes «Iphigenie auf Tauris» als Dramen bibelkritischer bzw. rechtspolitischer Sicherung menschlichen Lebens und Zusammenlebens. Mit einem fachstrategischen Beitrag über die Weiterentwicklung der im globalen Kontext unterschiedlich aufgestellten und standortbewusst agierenden Germanistik(en) zu einer multilateralen Regionalistik der deutschsprachigen Welt. Heidelberg 2020, ISBN 978-3-8253-4660-7.

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