Alte Apotheke (Langenargen)
Villa mit Adresse Oberdorfer 24 in Langenargen
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Die Alte Apotheke, auch Villa Wahl, ist eine Villa mit Adresse Oberdorfer 24 in Langenargen. Sie steht als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz.
Apothekengeschichte in Langenargen
In Langenargen gab es bis 1844 weder Apotheke noch einen universitär ausgebildeten Arzt, sondern nur einen Chirurgus, der die „niedere Heilkunde“ ausübte. 1844 ließ sich erstmals ein approbierter Arzt, der (später nach Saulgau verzogene) Dr. med. August Friedrich Kröner (* 1820 in Ludwigsburg) in Langenargen nieder. Die von ihm verordneten Rezepte mussten in einer der je etwa zehn Kilometer entfernten Apotheken in Friedrichshafen oder in Tettnang eingelöst werden.
Daher richteten Schultheiß und Gemeinderat von Langenargen am 29. Juli 1844 an das zuständige Oberamt Tettnang und an die Kreisregierung in Ulm ein Gesuch, eine Konzession für eine Apotheke in Langenargen zu erteilen. Am 17. Januar 1845 entsprach die Kreisregierung diesem Gesuch. Der Apotheker Carl Xaver Brodmann (* 1799; † 1883) wurde am 23. Mai 1845 die Personalkonzession für eine Apotheke in Langenargen erteilt.
Er eröffnete seine Apotheke wohl zunächst in gemieteten Räumen. 1847 heiratete er in Ravensburg die Pflegerstochter Marie Sophie Regine, geb. Luger (* 1822; † 1906) und kam durch diese Hochzeit zu Geld. Daher ließ er als neues Apothekengebäude in der Oberdorfer 24 ein stattliches Geschäfts- und Wohnhaus erbauen.
1864 wollte sich Brodmann aus seinem Geschäfts zurückziehen, und es wurde mit behördlicher Genehmigung vom Februar 1865 der Apotheker Adolf Jac. Schäffer (* 1830 in Stuttgart; † 1895 in Luxburg bei Romanshorn) als Apothekenverwalter eingesetzt. 1869 zog Brodmann endgültig nach Ravensburg, und die Personalkonzession wurde am 12. März 1872 an den Apotheker K. Friedrich Wilhelm Leypold (* 1838 in Wangen im Allgäu; † 1888 in Langenargen) erteilt, der vorher eine Apotheke in Rottweil betrieben hatte. Er nutzte zunächst das bestehende Apothekengebäude, ließ dann aber 1878 ein landwirtschaftliches Anwesen abreißen und dort (Obere Seestraße 21) eine neue Apotheke errichten.
Die Geschäfte der Apotheke gingen in den Folgejahren nicht gut. Es gab keinen approbierten Arzt in Langenargen mehr, einige Ärzte der Nachbargemeinden verfügten über ein eigenes Dispensierrecht (als das Recht in gewissem Umfang selbst Medikamente zu verkaufen). Als Leypold 1888 starb, war es daher schwer, einen Nachfolger zu finden. Nach wiederholtem Ausschreibungen im Staats-Anzeiger hatte sich nur ein einziger Bewerber gemeldet, der daneben kein geborener Württemberger war. Die Aufsichtsbehörden riet der Gemeinde Langenargen ein monatliches Wartegeld von mindestens 100 Mark anzubieten, um einen Apotheker anzuwerben, der Gemeinderat bot aber nur 50 Mark monatlich aber für die nächsten fünf Jahre.
Dieses Angebot nahm 1888 der Apotheker Theodor Friedrich Weitbrecht (* 1854 in Ohmden; † 13. August 1890 in Langenargen) an und erhielt am 14. Juli 1888 seine Konzession. Er pachtete die Räumlichkeiten der bisherigen Apotheke von der Witwe Wilhelmine Leypold. 1890 ließ sich ein homöopathischer Arzt in Langenargen nieder. Die zusätzliche Einrichtung einer homöopathischen Abteilung der Apotheke konnte er sich nicht leisten. Gleichzeitig erkrankte er ernstlich und schloss die Apotheke ohne behördliche Genehmigung. Die Behörden wollten ihn wegen dieses Verstoßes gegen die Konzessionsbedingungen zur Rechenschaft ziehen, Weitbrecht starb aber am 13. August 1890 im Alter von 36 Jahren.
Auch die Witwe Leypolds war inzwischen gestorben und Erbe der Apotheke wurde die Schwester Weitbrechts, Frau A. Nikolaus in Langenargen. Diese verpachtete sie an den Friedrichshafener Hof-Apotheker Franz Xaver Koch (* 1854; † 1907), der diese als Filialapotheke weiter betrieb. Am 1. Oktober 1890 wurde der Apotheker Theodor E. Bauer (* 1865; † 1931) als Verwalter bestellt.
Im Februar 1891 stellten die Behörden fest, eine eigenständige Apotheke könne sich nur rechnen, wenn die Gemeinde Langenargen ein Wartegeld von 600 Mark jährlich, sowie alle Geschäftsräume und eine Wohnung kostenlos zur Verfügung stellen würde. Die Gemeinde stimmte zu, und Ende März 1891 erfolgte die Ausschreibung der Konzession im Staats-Anzeiger. Am 26. Mai 1891 erhielt Julius Krespach (* 20. Mai 1854 in Eutingen (bei Horb); † 1924 in Karlsruhe) die Personalkonzession. In Umsetzung der Ausschreibungsbedingungen erwarb die Gemeinde Mitte Juli 1891 das Gebäude Obere Seestraße 21 und stellte diese Krespach zur Verfügung. Die Apotheke lief nun besser, dass die Gemeinde zum 1. Oktober 1893 die Förderung auf 400 Mark reduzieren und zum 1. Januar 1902 ganz einstellen konnte.
Nach 20 Jahren zog sich Krespach zurück und verpachtete die Apotheke im Juni 1911 an den Apotheker Gustav Adolf Baß (* 1879; † 1925). Nachdem die Pacht 1916 erneut um fünf Jahre verlängert worden war, lehnte die Aufsichtsbehörde 1921 eine weitere Verpachtung ab, da eine Personalkonzession eben personengebunden sei. Daher wurde Apotheker Gustav Adolf Baß mit Vertrag vom Oktober 1923 dann „selbständiger Verwalter“ der Langenargener Apotheke und erhielt – nach Krespachs Tod – im Juni 1924 selbst die Personalkonzession für die Apotheke in Langenargen.
Am 30. Juni 1925 sorgte ein schlimmer Unfall im Laboratorium der Apotheke für Aufsehen. Apotheker Baß nahm eine Urinuntersuchung über einer offenen Spiritusflamme vor. Gleichzeitig füllte seine Ehefrau Emma Friederike, geb. Baur (* 1884; † 1925) Benzin von einem Gefäß in ein anderes. Dies führte zu einer Explosion, bei der der Apotheker, seine Ehefrau und eine Hausgehilfin schwerste Brandwunden erlitten. Alle drei Beteiligten wurden sofort ins Krankenhaus nach Friedrichshafen gebracht, starben jedoch am Folgetag dort.
Die verwaisten vier Kindern Eheleute Baß verpachteten die Apotheke vom Juli 1925 ab ein Jahr dem Apotheker Erwin I. Rentschler (* 1866; † 1933) und danach dem Apotheker Dr. Moritz Miller (* 1883 in Riedlingen; † 1952). Ende 1932 erhielt dieser selbst die Personalkonzession für die Apotheke in Langenargen. 1944 verlegte Miller die Apotheke in das Haus Obere Seestraße Nr. 17.
Nach seinem Tod 1952 verblieb die Konzession seiner Witwe Anna Miller, geb. Ziegler, und Herbert Florian wurde Pächter. Seit März 1958 war der Apotheker Gunter Jooß (* 1926 in Stuttgart) Pächter.
Baugeschichte
Die heutige Villa Wahl wurde 1845/46 als Apotheke errichtet. Nach dem Neubau der Apotheke in der Obere Seestraße 21 verkaufte Apotheker Wilhelm Leypold sein frei gewordenes bisheriges Haus im Jahr 1879 an eine Frau von Deimling, die später Ehefrau des Privatiers Otto Wahl. Daher wurde das Haus auch „Villa Wahl“ genannt. Otto Wahl erwarb 1892 ebenfalls das Anwesen Klosterstraße 6, welcher danach Eigentümer des gesamten Bereichs zwischen Oberdorfer Straße („Villa Wahl“) und Bahnhofstraße war. Heute ist das Gebäude im Besitz der Gemeinde Langenargen und wird als Seniorenbegegnungsstätte Villa Wahl genutzt.
Baubeschreibung
Das Gebäude ist ein klassizistischer, zweigeschossiger Steinbau mit symmetrischer Fassadengliederung, Eckpilastern und Vollwalmdach aus den Jahren 1845/46.
Der stattliche Bau orientiert sich in seiner Kubatur, mit dem hohen Walmdach und den Ecklisenen deutlich an der Gestalt traditionsreicher barocker Amts- und Pfarrhäuser der Region und zeigt deren Bedeutung als Repräsentationsform auch für das Bürgertum in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Inneren sind Teile der originalen wandgebundenen Ausstattung erhalten. Dazu gehören qualitätvollen Türen und kannelierten Treppenhauspfeilern, die die Wohnkultur des gehobenen Bürgertums zeigen. Das Gewölbe des einstigen Laboratoriums dokumentiert die Nutzung als Apotheke. Der Bau wird nach Auffassung der Denkmalschutzbehörden ein wichtiges Zeugnis der Ortsgeschichte und steht nach § 2 DSchG unter Denkmalschutz.
Siehe auch
Literatur
- Egid Fleck: Die Apotheke in Langenargen seit 1845; in: Armin Wankmüller: Beiträge zur württembergischen Apothekengeschichte, Bd. 5, S. 7 f., Digitalisat.