Amajak Kobulow
sowjetischer Geheimdienstgeneral
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Amajak Sacharowitsch Kobulow (russisch: Амаяк Захарович Кобулов; * 1906 in Tiflis, Gouvernement Tiflis, Russisches Kaiserreich heute Georgien; † 26. Februar 1955 in Moskau) war ein sowjetischer Generalleutnant des Innenministeriums und von dessen Geheimdiensten. Er war 1953 Bevollmächtigter des sowjetischen Innenministeriums in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Im Juni 1953 wurde er nach Moskau zurückgerufen und im Zuge der Entmachtung Lawrenti Berias nach dem Tod Stalins zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Leben
Amajak Kobulow wurde als Sohn eines Schneiders in Tiflis geboren. Sein Bruder, Bogdan Kobulow (1904–1953) war der spätere enge Vertraute des NKWD-Chefs Lawrenti Beria. Die Schule hatte er nur bis zur 5. Klasse besucht und einen Beruf hatte er auch nicht erlernt. Nach dem Schulabschluss leistete er ab 1921 Militärdienst bis 1923 in der Roten Armee als einfacher Soldat. Nach seiner Entlassung als Soldat nahm er eine Tätigkeit als Buchhalter auf. Durch die Beziehungen seines älteren Bruders Bogdan wechselte er 1927 als Buchhalter zur Finanzabteilung der georgischen OGPU (Objedinjonnoje gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenije). Dort nicht lange im administrativen Bereich eingesetzt, erhielt er Aufgaben innerhalb der operativen Abteilung der geheimdienstlich agierenden Polizeiorganisation. Mit der 1934 erfolgten Zusammenlegung der polizeilichen Strukturen im Innern der Sowjetunion zum Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD), gehörte er dort weiterhin der georgischen Struktur an. Während der politischen Säuberungen um 1936/37 beförderte ihn Beria in die politische Hauptdirektion des georgischen NKWD. Ab 1938 war Kobulow amtierender Leiter der des NKWD innerhalb der aphrasischen Sowjet-Republik. Dabei gehörte mit zu seinem Verantwortungsbereich, für die Sicherheit der Ferienvilla Josef Stalins in der Ortschaft Gagra zuständig zu sein. Inzwischen hatte er den Rang eines Generalleutnants erreicht. Nur kurzzeitig wurde er 1938 zum stellvertretenden Volkskommissar für Staatssicherheit in der Ukraine ernannt.
Mit der anwachsenden Bedrohung der Sowjetunion durch das Deutsche Reich wurde Kobulow ab November 1939 Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Berlin und Resident des Geheimdienstes Gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenije (GPU). Zu diesem Zeitpunkt beherrschte er weder die deutsche Sprache noch war er mit Fragen der Außenpolitik, noch mit den Gepflogenheiten auf dem diplomatischen Parkett vertraut. Zu den meisten Antrittsbesuchen in Berlin musste er sich eines Dolmetschers bedienen. Die von ihm auf der Botschaft eingenommene Position diente jedoch nur der Abdeckung geheimdienstlicher Informationsbeschaffung zu den Themen der Kriegsbedrohung durch die, sich bereits seit 1936 außerordentlich kriegsbereit zeigende NS-Führungsriege. Damit wurden ihm die in Deutschland eingesetzten militärischen Attachés unterstellt. Das betraf ab Dezember 1940 Wassili Iwanowitsch Tupikow (1901–1941) und ab September 1939 Michail Alexandrowitsch Woronzow (1900–1986). Zu seinem Netzwerk gehörten auch weitere, an der sowjetischen Botschaft und der Handelsvertretung in Berlin eingebauten, getarnten Nachrichtenoffiziere.
Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion und der Schließung der Botschaft im Juni 1941 kehrte er in die Sowjetunion zurück. Dort übernahm er die Leitung des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD).
Während des Zweiten Weltkriegs und in den folgenden Jahren war Kobulow Leiter der Operativverwaltung und der Abteilung für Kriegsgefangene des NKWD. Von 1951 bis 1953 war er zusätzlich stellvertretender Leiter der Hauptverwaltung Lager des sowjetischen Innenministeriums mit besonderer Zuständigkeit für die Beschaffung von Informationen von deutschen Kriegsgefangenen. In diesen Funktionen war er für schwerste Menschenrechtsverletzungen und den Tod tausender Häftlinge mitverantwortlich.
Ab 1945 war Kobulow zusätzlich stellvertretender Leiter der NKWD-Abteilung für Spezialoperationen, unter anderem zuständig für Atomspionage und „aktive Maßnahmen“, was auch systematischen Terror miteinschloss. Anfang 1953 wurde Kobulow stellvertretender Chef der Kontrollinspektion beim Innenministerium der UdSSR.
Nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR und dessen gewaltsamer Niederschlagung durch sowjetische Truppen wurde Kobulow nach Berlin entsandt, um die zivilen und militärischen sowjetischen Nachrichtendienste in der DDR anzuleiten und eine operative Kontrollgruppe zu leiten. Schon wenige Tage später, am 25. Juni 1953, wurde er nach Moskau zurückberufen und unter dem Vorwurf „verbrecherischer Verbindungen“ zu dem entmachteten, ehemaligen Geheimdienstchef Lawrenti Beria verhaftet und in einem Geheimprozess zum Tode verurteilt. Am 23. Dezember 1953 wurde sein Bruder Bogdan Kobulow, ebenfalls Geheimdienstgeneral und ehemaliger, stellvertretender Innenminister der Sowjetunion, hingerichtet. Sein eigenes Todesurteil wurde am 26. Februar 1955 vollzogen.
Literatur
- Jan Foitzik: Der sowjetische Terrorapparat in Deutschland. (PDF; 1,02 MB) Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Band 7, Berlin 2006, 3. Auflage, Seite 5
- Jan Foitzik: Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) 1945–1949. Akademie-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-05-002680-4, S. 242 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 4. April 2024]).
- Tote Liquidatoren. ( vom 26. Mai 2013 im Internet Archive) In: Die Zeit, 27. Januar 1955, Nr. 4/1955
- Kobulow, Bogdan Sacharowitsch. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4 (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kobulow, Amajak |
| ALTERNATIVNAMEN | Kobulow, Amajak Sacharowitsch; Кобулов, Амаяк Захарович (russisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | sowjetischer Geheimdienstgeneral |
| GEBURTSDATUM | 1906 |
| GEBURTSORT | Tiflis, Russisches Kaiserreich |
| STERBEDATUM | 26. Februar 1955 |
| STERBEORT | Moskau, Sowjetunion |