Amerikanische Fiktion

Film von Cord Jefferson (2023) From Wikipedia, the free encyclopedia

Amerikanische Fiktion (Originaltitel: American Fiction) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Cord Jefferson aus dem Jahr 2023. Die Hauptrolle übernahm Jeffrey Wright. Basierend auf dem Roman Erasure von Percival Everett (dt. Titel: Ausradiert) stellt der Satirefilm einen angesehenen afroamerikanischen Hochschullehrer in den Mittelpunkt. Dieser veröffentlicht mit Absicht unter Pseudonym eine Erzählung, die alle stereotypen Schwarzen-Klischees vereint und ihn zum erfolgreichen Romanautor werden lässt, allerdings auch einen Gewissenskonflikt mit sich bringt. Das Werk wurde im September 2023 im Rahmen des Filmfestivals von Toronto uraufgeführt und gewann dort den Publikumspreis für den besten Spielfilm. Bei der Oscarverleihung 2024 erhielt Amerikanische Fiktion fünf Nominierungen und wurde mit dem Preis für das Beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet.

TitelAmerikanische Fiktion
OriginaltitelAmerican Fiction
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Amerikanische Fiktion
Originaltitel American Fiction
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2023
Länge 117 Minuten
Stab
Regie Cord Jefferson
Drehbuch Cord Jefferson
Produktion Ben LeClair,
Nikos Karamigios,
Cord Jefferson,
Jermaine Johnson
Musik Laura Karpman
Kamera Cristina Dunlap
Schnitt Hilda Rasula
Besetzung
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Handlung

Der aus Boston stammende Thelonious Ellison, genannt „Monk“, ist Hochschulprofessor für englische Literatur in Los Angeles. Auch gilt er als angesehener Autor. Zusehends zeigt sich Monk aber gereizt gegenüber den kulturellen Sensibilitäten, die seine Studenten an den Tag legen. Dies droht sein akademisches Ansehen zu gefährden. Gleichzeitig wird sein neuester Roman von vielen Verlagen abgelehnt. Monk erhält die pauschale Antwort, dass seine Erzählung „nicht schwarz genug“ sei.[1]

Monk nimmt nach den Misserfolgen an einem Literaturfestival in seiner Heimatstadt teil. Dort erzielt das Romandebüt We’s Lives In Da Ghetto große Beachtung und avanciert zum Bestseller. Monk selbst tut sich schwer mit dem Buch. Er stempelt es als Erzählung für Leser ab, die sich an stereotypen Geschichten über das Elend der Afroamerikaner ergötzen wollen. Zur gleichen Zeit erkrankt Monks Mutter schwer und benötigt intensive Pflege. Weder sein gescheiterter Bruder Clifford noch er können die Rechnungen für ihre Versorgung bezahlen. Bald danach stirbt seine Schwester.

In einem Anfall von Gehässigkeit verfasst Monk eines Nachts unter dem Pseudonym „Stagg R. Leigh“ einen Roman, der alle Schwarzen-Klischees vereint, die er sich nur vorstellen kann. Sein Agent weigert sich zunächst, den Roman anzubieten. Die Veröffentlichungsrechte an dem Manuskript werden aber auf der Stelle von einem angesehenen Verlag gekauft. Monk erhält daraufhin den größten finanziellen Vorschuss, den er jemals gesehen hat. Während bald danach auch die Filmrechte in Hollywood für viel umworben werden, gerät Monk in einen Gewissenskonflikt.[1] Sein Agent erfindet die Geschichte, dass der Autor unter Pseudonym arbeite, weil er ein gesuchter Verbrecher sei. Selbst als Monk den Titel in ein provokantes "Fuck" ändert, nehmen die Produzenten das hin. Es frustriert ihn zunehmend, dass er nun ausgerechnet mit diesem Mist, mit diesem Witz überaus erfolgreich ist und selbst seine Freundin das Buch mag, ohne zu ahnen, dass er der Autor ist. Andererseits kann er nun seine Mutter bestens unterbringen.

Hintergrund

Amerikanische Fiktion ist das Spielfilmdebüt des ursprünglich für das US-amerikanische Fernsehen tätigen Drehbuchautors und Produzenten Cord Jefferson. Für sein Drehbuch zur Serie Watchmen wurde er im Jahr 2020 mit einem Emmy ausgezeichnet.[2]

Synchronisation

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Angela Ringer und der Dialogregie von Heiko Akrap im Auftrag der TV+Synchron Berlin GmbH in Berlin.[3]

Weitere Informationen Rolle, Darsteller ...
RolleDarstellerSynchronsprecher
Thelonious „Monk“ Ellison Jeffrey Wright Bernd Egger
Lisa Ellison Tracee Ellis Ross Meike Finck
Sintara Golden Issa Rae Elisa Bannat
Clifford Ellison Sterling K. Brown Peter Sura
Arthur John Ortiz Hanns-Jörg Krumpholz
Coraline Erika Alexander Agnes Hilpert
Agnes Ellison Leslie Uggams Judith Steinhäuser
Wiley Adam Brody Benedikt Gutjan
Willy „The Wonker“ Keith David Marko Bräutigam
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Rezeption

Veröffentlichung

Die Premiere des Films erfolgte am 8. September 2023 beim Toronto International Film Festival. Dort wurde Amerikanische Fiktion in die Sektion Special Presentations eingeladen.[1] Weiterhin wurde das Werk in die Programme der US-amerikanischen Festivals von Hamptons und Mill Valley aufgenommen, die im Oktober stattfinden.[4]

Ein limitierter Kinostart in den USA erfolgte ab dem 15. Dezember 2023 im Verleih von Orion Pictures.[4] In Deutschland wurde der Film am 27. Februar 2024 ins Programm von Prime Video aufgenommen.[5]

Kritik

Von den durch Rotten Tomatoes ausgewerteten 282 Kritiken sind 93 Prozent positiv („fresh“) und führen zu einer Durchschnittswertung von 8,2 von 10 möglichen Punkten. Das Fazit der Seite lautet, dass Jeffrey Wright und der Film „dank der engagierten Herangehensweise des Schauspielers an den betont humorvollen und aufschlussreichen Stoff für immer untrennbar miteinander verbunden sein“ würden.[6] Auf der Website Metacritic erhielt Amerikanische Fiktion eine Bewertung von 82 von 100 möglichen Punkten, basierend auf mehr als einem Dutzend ausgewerteten englischsprachigen Kritiken. Dies entspricht einhelligem Beifall („universal acclaim“).[7]

Bert Rebhandl (Frankfurter Allgemeine Zeitung) sah im Namen der Hauptfigur Bezüge zu Ralph Ellisons Roman Der unsichtbare Mann (1952) und zum Musiker Thelonious Monk (1917–1982). Er meinte, dass der Stoff über 20 Jahre nach der Veröffentlichung des Romans Ausradiert von Percival Everett, auf dem der Film basiert, „gerade wieder einmal sehr gut in die Zeit“ passe. „Denn alles das, was Everett damals schon kritisch aufgriff“, habe „sich seither verstärkt, vor allem das standpunkt- oder gruppenbezogene Sprechen und Schreiben“, so Rebhandl. Die „satirische Zuspitzung“ beginne mit Monk Ellisons verratener Identität, da er alten weißen Männern wie James Joyce nacheifere. Amerikanische Fiktion baue „lustvoll seine Übertreibungen“ auf Jeffrey Wrights zurückhaltendes Spiel auf, reichere „dann aber mit vielen Zwischentönen seine deutliche Botschaft“ an. Cord Jeffersons Regiedebüt müsse es „mit dem Mythos vom ‚großen amerikanischen Roman‘ gar nicht aufnehmen, um eine sehr präzise Bestandsaufnahme der Reste der bürgerlichen Öffentlichkeit in Amerika vorzunehmen“.[8]

Der Filmdienst urteilt: „Eine warmherzige, kluge Komödie, die sich auf elegant-unaufdringliche Weise mit dem Markt des Geschichtenerzählens und der Ausbeutung von Stereotypen über Minderheiten auseinandersetzt“.[9]

Auszeichnungen

Im Rahmen des Filmfestivals von Toronto 2023 wurde Amerikanische Fiktion als bester Spielfilm mit dem Publikumspreis (People’s Choice Award) geehrt, noch vor Alexander Paynes The Holdovers und Hayao Miyazakis Animationsfilm Der Junge und der Reiher.[10] Weitere Festivaleinladungen und Nominierungen für Filmpreise folgten.[11] Bei der Oscarverleihung 2024 erhielt das Werk fünf Nominierungen, unter anderem als Bester Film.

Weitere Informationen Festival / Filmpreis, Kategorie ...
Festival / Filmpreis Kategorie Resultat Preisträger/Nominierte
AACTA International Awards 2024[12] Bester Film Nominiert k. A.
Bestes Drehbuch Nominiert Cord Jefferson
Bester Hauptdarsteller Nominiert Jeffrey Wright
AAFCA Awards 2024[13] Top 10 Filme Gewonnen k. A.
Beste Filmkomödie Gewonnen k. A.
Bester Nachwuchsregisseur Gewonnen Cord Jefferson
Bestes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Bester Nebendarsteller Gewonnen Sterling K. Brown
Alliance of Women Film Journalists Awards 2024[14] Bester Film Nominiert k. A.
Bestes adaptiertes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Bester Hauptdarsteller Gewonnen Jeffrey Wright
Bester Nebendarsteller Nominiert Sterling K. Brown
Bestes Schauspielensemble Gewonnen Jennifer Euston
AFI Awards 2023[15] Top Ten Filme Gewonnen k. A.
Artios Awards 2024[16] Bestes Casting – Independent-Filmkomödie Nominiert Jennifer Euston,
Lisa Lobel,
Angela Peri,
Melissa Morris
Black Reel Awards 2024[17] Bester Film Gewonnen Ben LeClair,
Nikos Karamigios,
Cord Jefferson,
Jermaine Johnson
Beste Regie Gewonnen Cord Jefferson
Bestes Regiedebüt Gewonnen Cord Jefferson
Bestes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Bestes Debütdrehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Beste Hauptrolle Gewonnen Jeffrey Wright
Beste Nebenrolle Nominiert Erika Alexander
Beste Nebenrolle Nominiert Sterling K. Brown
Bestes Schauspielensemble Nominiert Jennifer Euston
Boston Society of Film Critics Awards 2023[18] Bester Nachwuchsregisseur Runner-up Cord Jefferson
British Academy Film Awards 2024 Bestes adaptiertes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Chicago Film Critics Association Awards 2023 Bester fremdsprachiger Film Nominiert k. A.
Critics’ Choice Movie Awards 2024 Bester Film Nominiert k. A.
Beste Komödie Nominiert k. A.
Bestes adaptiertes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Bester Hauptdarsteller Nominiert Jeffrey Wright
Bester Nebendarsteller Nominiert Sterling K. Brown
Directors Guild of America Awards 2024[19] Bestes Regiedebüt Nominiert Cord Jefferson
Eddie Awards 2024[20] Bester Schnitt – Filmkomödie Nominiert Hilda Rasula
Golden Globe Awards 2024 Bester Film – Komödie/Musical Nominiert k. A.
Bester Hauptdarsteller – Komödie/Musical Nominiert Jeffrey Wright
Gotham Awards 2023 Beste Hauptrolle Nominiert Jeffrey Wright
Filmfestival von Heartland 2023 Humor & Humanity Award Gewonnen Cord Jefferson
Hollywood Music In Media Awards 2023 Beste Filmmusik – Spielfilm Nominiert Laura Karpman
Independent Spirit Awards 2024 Bester Film Nominiert Cord Jefferson,
Jermaine Johnson,
Nikos Karamigios,
Ben LeClair
Bestes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Beste Hauptrolle Gewonnen Jeffrey Wright
Beste Nebenrolle Nominiert Erika Alexander
Beste Nebenrolle Nominiert Sterling K. Brown
London Critics’ Circle Film Awards 2024[21] Bester Hauptdarsteller Nominiert Jeffrey Wright
Los Angeles Film Critics Association Awards 2023[22] Beste Hauptrolle Runner-up Jeffrey Wright
Filmfestival von Middleburg 2023 Publikumspreis – Bester Spielfilm Gewonnen Cord Jefferson
Filmfestival von Mill Valley 2023 Publikumspreis – Bester US-amerikanischer Film Gewonnen Cord Jefferson
Beste Nachwuchsregie Gewonnen Cord Jefferson
NAACP Image Awards 2024[23] Bester Film Nominiert k. A.
Bestes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Bester Hauptdarsteller Nominiert Jeffrey Wright
Bester Nebendarsteller Nominiert Sterling K. Brown
Beste Nebendarstellerin Nominiert Erika Alexander
Bestes Schauspielensemble Nominiert k. A.
Beste Filmmusik Nominiert Laura Karpman
National Society of Film Critics Awards 2024[24] Bester Hauptdarsteller Runner-up Jeffrey Wright
Online Film Critics Society Awards 2024[25] Bester Debütfilm Nominiert Cord Jefferson
Bestes adaptiertes Drehbuch Nominiert Cord Jefferson
Bester Hauptdarsteller Nominiert Jeffrey Wright
Oscar Bester Film Nominiert Cord Jefferson,
Jermaine Johnson,
Nikos Karamigios,
Ben LeClair
Bestes adaptiertes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Bester Hauptdarsteller Nominiert Jeffrey Wright
Bester Nebendarsteller Nominiert Sterling K. Brown
Beste Filmmusik Nominiert Laura Karpman
Producers Guild of America Awards 2024[26] Bester Kinofilm Nominiert k. A.
Filmfestival von San Diego 2023 Bester Gala-Film Gewonnen k. A.
Satellite Awards 2023[27] Bester Film – Komödie oder Musical Nominiert k. A.
Bestes adaptiertes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Bester Hauptdarsteller – Komödie oder Musical Nominiert Jeffrey Wright
Beste Filmmusik Gewonnen Laura Karpman
Screen Actors Guild Awards 2024 Bester Hauptdarsteller Nominiert Jeffrey Wright
Bester Nebendarsteller Nominiert Sterling K. Brown
Bestes Schauspielensemble Nominiert k. A.
Filmfestival von Toronto 2023 Publikumspreis – Bester Film Gewonnen Cord Jefferson
USC Libraries Scripter Awards 2024[28] Bestes adaptiertes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
Filmfestival von Virginia 2023 Bester Spielfilm Gewonnen Cord Jefferson
Beste Nachwuchsregie Gewonnen Cord Jefferson
Writers Guild of America Awards 2024[29] Bestes adaptiertes Drehbuch Gewonnen Cord Jefferson
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Literatur

Einzelnachweise

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