Amundsen-Scott-Südpolstation

Forschungsstation am geographischen Südpol From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Amundsen-Scott-Südpolstation ist eine US-amerikanische Forschungsstation in der Antarktis. Sie wurde nach den beiden Südpolpionieren Roald Amundsen und Robert Falcon Scott benannt und liegt in 2835 m Höhe auf dem Inlandeis von Antarktika, wenige hundert Meter vom geographischen Südpol entfernt. Die Forschungsstation wurde 1956 für das Internationale Geophysikalische Jahr gegründet und mehrmals erweitert.

Die neue Amundsen-Scott-Südpolstation im November 2009
Position der Station in der Antarktis

Teil der Amundsen-Scott-Südpolstation ist das IceCube Neutrino Observatory (oder vereinfacht IceCube), ein Hochenergie-Neutrino-Observatorium.

Geschichte

Das erste Camp auf dem Südpol war Amundsens Polheim. Die erste Station wurde erst 45 Jahre später gegründet und bestand von 1957 bis 1975 (Old Pole). Das 1975 errichtete, neuere Hauptgebäude befand sich unter einer geodätischen Kuppel mit einem Durchmesser von 50 Metern und einer Höhe von 16 Metern. Im antarktischen Sommer 2005/06 wurde nach 15 Jahren Planung, Entwicklung und Aufbau für 150 Millionen US-Dollar eine völlig neue Station fertiggestellt. Besondere Anforderungen an den Neubau ergaben sich durch die extremen Temperaturen, starke Schneeverwehungen und extreme Trockenheit. Nach der Fertigstellung der neuen Station wurde die alte Kuppel im antarktischen Sommer 2009/2010 komplett abgebaut.[1]

Ein über 26.000 km² großes Gebiet um die Station ist seit 2007 als besonders verwaltetes Gebiet der Antarktis Nr. 5 (Antarctic Specially Managed Area No. 5) gemäß dem Umweltprotokoll des Antarktisvertrags ausgewiesen. Die Verwaltung soll durch die Koordination aller menschlichen Tätigkeiten sicherstellen, dass die wissenschaftlichen, ökologischen und historischen Werte des Gebiets langfristig erhalten bleiben.[2]

Forschungsinhalte

Frachtflugzeug Lockheed C-130 der United States Air Force am Südpol (2004)

In der Station werden Forschungen auf dem Gebiet der Glaziologie, Geophysik, Meteorologie, Astronomie und Astrophysik betrieben. Unter anderem befindet sich dort das Neutrino-Observatorium IceCube, das auf dem Vorläuferexperiment AMANDA aufbaut. Seit der Saison 2024/25 befindet sich das Projekt in einer bedeutenden Ausbauphase, dem sogenannten IceCube Upgrade. Dabei werden sieben zusätzliche Instrumentenstränge mit über 700 neuen optischen Modulen in das Eis eingebracht, um die Messgenauigkeit im niedrigen Energiebereich (GeV-Skala) zu erhöhen und die Kalibrierung des Gesamtdetektors zu verbessern.[3][4] An den Experimenten sind auch deutsche Universitäten und Institute beteiligt. Außerdem wird hier das Background Imaging of Cosmic Extragalactic Polarization (BICEP) und Keck-Array betrieben zur Beobachtung der CMB.

Leben auf der Station

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt −49 °C, mit Schwankungen zwischen −13 °C und −82 °C. Die Bewohner der Station werden im Englischen als „Polies“ bezeichnet. Im Südsommer (Oktober bis Februar) befinden sich etwa 150 Personen auf der Station, während im Winter nur ein Skelettteam von etwa 40 bis 50 Personen (die sogenannten „Winterovers“) die Stellung hält. Für den Winter 2025 wurden insgesamt 43 Besatzungsmitglieder registriert. Dies macht die Station zur zweitgrößten Antarktis-Station nach der McMurdo-Station. Den Rekord für die meisten Überwinterungen hält der Deutsche Robert Schwarz. Mit der Wintersaison 2023 schloss er seine insgesamt 15. Überwinterung an der Amundsen-Scott-Station ab.[5]

Die Station wird mit Flugzeugen vom Typ Lockheed C-130 Hercules versorgt, die allerdings nur zwischen Oktober und Februar starten und landen können, sowie durch Treckertransporte über die South Pole Traverse.

Auf der Station gibt es ein Treibhaus, in welchem die Forscher bis zu 27 kg pflanzliche Nahrung wöchentlich züchten.[6] Anfang 2024 wurde ein neuer Masterplan für die Station vorgestellt, der die Infrastruktur für die nächsten Jahrzehnte modernisieren soll. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Reduzierung des fossilen Brennstoffverbrauchs. Im Rahmen des Programms South Pole Renewable Energy wird verstärkt der Einsatz von Photovoltaik und Windkraft unter extremen Bedingungen getestet, um die Abhängigkeit von eingeflogenem Flugkraftstoff (JP-8) zu verringern.[7]

Bilder

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI