An den Fleischbänken

denkmalgeschütztes Gebäude in Nürnberg From Wikipedia, the free encyclopedia

An den Fleischbänken bezeichnet einen Platz beim ehemaligen Fleischhaus am Nordufer der Fleischbrücke in Nürnberg südwestlich des Hauptmarktes.

Das Ochsenportal, Eingangstor zum Fleischhaus
Das Fleischhaus 1850–80 (auf der linken Seite des Bilds)

Geschichte des Fleischhauses

Seit dem Mittelalter wurde in diesem Bereich Fleisch, nach Sorten getrennt, auf Bänken angeboten. Die Schlachtabfälle wurden in die Pegnitz entsorgt. 1419 wurde eine erste Überdachung errichtet. Diese Holzkonstruktion wurde 1570–1571 durch einen Sandsteinbau ersetzt. Das Fleischhaus wurde 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstört. Auf den Grundmauern wurde das heutige Gebäude errichtet, das nicht mehr zum Fleischhandel genutzt wurde. Die Rundbögen im Erdgeschoss erinnern noch an das ursprüngliche Bauwerk. Die Stadt brachte in diesem Gebäude verschiedene Ämter unter.[1] 2004 wurde das Gebäude modernisiert.[2] Der Platz An den Fleischbänken ist Station auf der Historischen Meile Nürnberg.

Ochsenportal

1599 wurde das Ochsenportal als Eingangstor von der Fleischbrücke zum steinernen Fleischhaus errichtet.

In Anknüpfung an in der Bevölkerung kursierende Witze wurden unter der Ochsenfigur die folgenden lateinischen Verse des Ratsschreibers Christoph Gierschner angebracht:[3]

OMNIA HABENT ORTVS SVAQVE IN-
CREMENTA SED ECCE
QVEM CERNIS NVNQVAM BOS FVIT
HIC VITVLVS

Deutsch: Alles hat seinen Ursprung und sein Wachstum, doch siehe, der Ochse, den du hier erblickst, ist nie ein Kalb gewesen.

Viele Nürnberger benutzen den Ausspruch: „Na, des hätt mer der Ochs aff der Fleischbrüggn aa g’sacht“ – ins Hochdeutsche übersetzt: „Diese Antwort hätte mir der Ochse auf der Fleischbrücke auch gegeben“. Womit der Aussprechende seine Meinung über eine nicht erhaltene, unbefriedigende oder schon wohlbekannte Antwort äußert. Gleich was man den steinernen Ochsen, welcher über dem Ochsenportal liegt, fragen würde – man erhält keine Antwort von ihm. Es existiert auch eine abgewandelte Form, die benutzt wird, um jemandem mitzuteilen, dass er unbelehrbar ist: „Das hätte ich genauso gut dem Ochsen auf der Fleischbrücke erzählen können!“

Die Popularität des Ochsen in der Nürnberger Bevölkerung illustrieren auch die Straßenkrawalle mit zwei Toten, die nach dem Abbrechen seines Kopfes 1832 ausbrachen.[4] Auf alten Ansichtskarten wurde der Ochse als Denkmal für den Nürnberger Ochsenmaulsalat „missbraucht“.[5]

Die ursprüngliche Ochsenfigur litt unter der Witterung und musste bereits im 19. Jahrhundert zweimal erneuert werden; im Krieg 1945 wurde sie erneut stark beschädigt. 1951 wurde sie daher durch eine Neuschöpfung Emil Zentgrafs ersetzt.[6]

Die steinerne Figur besitzt (Stand 2012) echte Rinderhörner: Bei ihrer Erneuerung 1951 wurden ihr die mit Zement ausgegossenen Hörner eines Watussi-Stiers eingesetzt;[7] nach zwischenzeitiger Verwitterung des Kopfschmucks erhielt sie 2012 die Hörner eines Ungarischen Steppenrindes.[8] Damit wird zugleich an ihre historischen Ursprünge erinnert – waren doch im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit Rinderherden aus Ungarn eine wesentliche Quelle des Nürnberger Fleischkonsums.[9]

Einzelnachweise

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