Mehrjähriger Bertram
Art der Gattung Bertram (Anacyclus)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Mehrjährige Bertram (Anacyclus pyrethrum (L.) Link; früher synonym mit Anacyclus offinarum Hayne), genannt auch Römischer Bertram und Spanischer Bertram, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ringblumen oder Bertram (Anacyclus) und damit der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

| Mehrjähriger Bertram | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Mehrjähriger Bertram (Anacyclus pyrethrum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Anacyclus pyrethrum | ||||||||||||
| (L.) Link |
Merkmale
Der Mehrjährige Bertram ist eine kurzlebige ausdauernde, krautige Pflanze, die niederliegend ist und damit nur Wuchshöhen von 2 bis 5 Zentimeter bei einer Breite von bis zu 40 Zentimetern erreicht. Möglicherweise bildet die Art eine spindelförmige Pfahlwurzel. Die Laubblätter sind rosettig und gestielt, jung graugrün, zweifach fiederschnittig mit schmalen Abschnitten, an den Boden angedrückt und bis zu 10 Zentimeter lang. Die kleinen Stängelblätter sind sitzend. Der lange, flaumige Blütenstängel mit endständigem Köpfchen ist niederliegend und strahlenförmig ausgebreitet. Es ist ein mehrreihiger Hüllkelch. Es sind spitze Spreublätter vorhanden. Die randlichen, meist weiblichen Strahlenblüten sind oberseits weiß, ihre Unterseite ist purpurn gestreift. Die zwittrigen Röhrenblüten sind gelb.
Die Früchte, Achänen, sind stark zusammengedrückt, keil-, eiförmig und mehr oder weniger geflügelt, teils geöhrt, sowie manchmal mit kleinem Pappus.
Die Blütezeit reicht von Mai bis August.


Vorkommen
Taxonomie und Systematik
Der Mehrjährige Bertram wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 895 als Anthemis Pyrethrum erstbeschrieben. Das Epitheton "Pyrethrum", ein alter Pflanzenname, hatte Linné von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen. Die Art wurde 1816 von Mariano Lagasca y Segura in Elenchus Plantarum, quae in Horto Regio Botanico Matritensi Colebantur Anno mdcccxv Seite 2 als Anacyclus pyrethrum (L.) Lag. in die Gattung Anacyclus gestellt. Nach POWO ist Anacyclus officinarum Hayne 1825 ein Synonym von Anacyclus pyrethrum (L.) Lag.[1]
Die Art ist formenreich, es wurden zwei Varietäten beschrieben:
- Römischer Bertram (Anacyclus pyrethrum var. pyrethrum): Die Hülle hat einen Durchmesser von 13 bis 22 Millimeter.
- Marokko-Bertram (Anacyclus pyrethrum var. depressus (Ball) Maire): Die Hülle hat einen Durchmesser von 7 bis 12 Millimeter. Diese Form kommt nur in Marokko im Atlas-Gebirge vor.
Der nur in Kultur bekannte Deutsche Bertram (Anacyclus officinarum Hayne) war möglicherweise ein annueller Abkömmling des Mehrjährigen Bertram.
Inhaltsstoffe
Pyrethrin (3 % = zwei ätherische Öle und Harz), Inulin (25–57,7 %), Tannin (0,55 %), Gummi (9,40–20 %), Gerbstoffe (Spuren), Eisen (Spuren), Kieselerde (0,95 %).[2]
Nutzung
Der Mehrjährige Bertram wird zerstreut als Zierpflanze für Steingärten genutzt. In Deutschland wurde er früher auch als Heilpflanze und Likörgewürz verwendet. Sie ist seit spätestens 1930 in Kultur.
Die Wurzel wird gelegentlich gemahlen als Gewürz genutzt und gilt als Heilkraut.
Etymologie
Die Bezeichnung von Anacyclus pyrethrum bzw. Anacyclus officinarum als „Bertram“ (frühneuhochdeutsch berchtram, von mittelhochdeutsch berhtram/bertram) ist unter Angleichung an den althochdeutschen Männernamen Berhtram abgeleitet vom lateinischen Pflanzennamen pyrethrum (von griechisch pýrethron, von pyr „Feuer“), der sich auf den brennenden Geschmack der Wurzel dieser Pflanze(n), genannt auch „Feuerwurzel“, bezieht.[3] Als bertram bzw. pyrethrum kamen jedoch früher gemäß Heinrich Marzell annähernd zehn verschiedene Arten in Betracht.[4]
Trivialnamen
Für den Mehrjährigen Bertram sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Beertrain (niederdeutsch), Berchthram (mittelhochdeutsch), Berdram (mittelniederdeutsch), Bertrankrut (mittelniederdeutsch), Bertram, Bertrum, Brecht, Füerwöttel (Mecklenburg), Geiferwurz, St. Johanniswurz, spanisch Magdblum, spanisch Meter, Metteren, Muterkraut, Perchtram, Perthram, Pertrem (mittelhochdeutsch), Pertren (mittelhochdeutsch), Perichtrawem (althochdeutsch), Ringblume, Speichelwurz und Zahnwurz gebräuchlich.[5]
Geschichte
Quellen
- Antike: Dioskurides 1. Jh.[6] --- Galen 2. Jh.[7]
- Arabisches Mittelalter: Avicenna 11. Jh.[8] --- Konstantin 11. Jh.[9] --- Circa instans 12. Jh.[10] --- Pseudo-Serapion 13. Jh.[11]
- Lateinisches Mittelalter: Pseudo-Macer 11. Jh.[12] --- Deutscher Macer 13. Jh.[13] --- Hildegard von Bingen 12. Jh.[14] --- Herbarius Moguntinus 1484[15] --- Gart der Gesundheit 1485[16] --- Hortus sanitatis 1491[17]
- Neuzeit: Hieronymus Bock 1539[18] --- Leonhart Fuchs 1543[19] --- Mattioli, Handsch, Camerarius 1586[20] --- Tabernaemontanus 1588[21] --- Nicolas Lémery 1699 / 1721[22] --- Onomatologia medica completa. 1755[23] --- Jean-Louis Alibert 1804/05[24] --- Jean-Louis Alibert 1826[25] --- Jonathan Pereira 1848[26] ---August Husemann, Theodor Husemann 1871[27] --- Theodor Husemann 1883[28] --- Hagers Handbuch 1902[29] --- Wolfgang Schneider 1974[30]
Historische Abbildungen
- Pyrethron. Wiener Dioskurides 6. Jh.
- Piretrum. Abdul ibn Butlan 14. Jh.[31]
- Piretrum. Herbarius Moguntinus 1484
- Piritrum. Gart der Gesundheit 1485
- Piretrum. Hortus sanitatis 1491
- Bertram. Leonhart Fuchs 1543
- Bertram. Hieronymus Bock 1546
- Mattioli / Handsch / Camerarius 1586