Ochsenzungen

Gattung der Familie Raublattgewächse (Boraginaceae) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Pflanzengattung Ochsenzungen (Anchusa), benannt nach den rinderzungenähnlichen[1] Blättern, gehört zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Die 30 bis 50 Arten sind hauptsächlich im Mittelmeerraum verbreitet; auch im übrigen Europa, in Westasien, in Nord- und Südafrika kommen Arten vor.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Ochsenzungen

Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Boragineae
Gattung: Ochsenzungen
Wissenschaftlicher Name
Anchusa
L.
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Beschreibung

Vegetative Merkmale

Anchusa-Arten wachsen als ein-, zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanzen.[2] Die oberirdischen Pflanzenteile sind meist spärlich rau bis borstig oder selten weich anliegend behaart (Indument).[2] Die Stängel sind aufrecht oder ausgebreitet. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind einfach.[2]

Generative Merkmale

Die endständigen, zymösen Blütenstände enthalten lanzettliche Tragblätter.[2]

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch bis leicht zygomorph und fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind im unteren Drittel oder am Grund[3] verwachsen; sie sind manchmal in der Fruchtreife etwas vergrößert.[2] Die gleichen oder ungleichen Kelchlappen sind linealisch bis dreieckig.[2] Die Kronröhre ist meist länger als der Blütenkelch.[2] Die blauen bis purpurfarbenen oder gelben Kronblätter sind am Grund zu einer geraden bis gebogenen[3] Röhre verwachsen; die Schlundanhängsel sind schuppig oder papillös und kurz behaart.[2] Die fünf radförmig bis glockenförmig abstehenden[3] Kronzipfel sind gleich oder ungleich. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden; sie sind mit der Kronröhre an ihrer Hälfte oder darunter verwachsen und sie überragen die Krone nicht.[2] Die Staubfäden sind kurz und fadenförmig.[2] Die Staubbeutel sind eiförmig-länglich.[2] Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen; er ist durch falsche Scheidewände in vier Fächer geteilt. Der Griffel überragt die Krone nicht und endet in einer kopfigen, zweiteiligen Narbe.[2]

Die Klausenfrüchte zerfallen in vier einsamige, nussartige Klausen. Die Klausen sind gerade, nierenförmig oder schief-eiförmig und haben eine netzrunzelige Oberfläche; die Ansatznarbe befindet sich am Grund oder in dessen Nähe und hat einen ringförmigen, verdickten und verhärteten Rand.[2]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8, bei Anchusa thessala jedoch nur x = 6.[4]

Inhaltsstoffe

Die Wurzeln und unterirdischen Sprossteile enthalten Alkannin (auch Anchusin genannt), einen auch bei anderen Gattungen der Boraginaceae (Alkanna, Echium, Lithospermum, Onosma) enthaltenen roten bis violetten Farbstoff.[5]

Untergattung Anchusa: Anchusa calcarea
Untergattung Anchusa: Blütenstand der Afrikanischen Ochsenzunge (Anchusa capensis)
Untergattung Anchusa: Anchusa sardoa
Untergattung Anchusa: Anchusa undulata subsp. undulata[6]
Untergattung Buglossum: Italienische Ochsenzunge (Anchusa azurea)
Untergattung Buglossum: Anchusa strigosa
Untergattung Buglossoides: Ägyptische Ochsenzunge (Anchusa aegyptiaca)

Systematik

Die Gattung Anchusa wurde durch Carl von Linné 1753 in Species Plantarum, Tomus I, Seite 133[7] und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, Seite 64 aufgestellt.

Die Gattung Anchusa s. l. ist nach molekulargenetischen Untersuchungen monophyletisch; dazu war es erforderlich einige kleinere Gattungen (Gastrocotyle, Phyllocara) abzuspalten oder einige Arten in bestehende andere Gattungen auszugliedern.[8] Die in der Gattung Anchusa s. str. verbleibenden Arten werden in fünf Untergattungen eingeteilt, deren Aufteilung aber auch deshalb befürwortet wird, weil sie paraphyletisch sind.[8] Grundlage dieser Einteilung sind vor allem Fruchtmerkmale.[4] Die bei einigen Arten aufgeführten Unterarten wurden in älterer Literatur[3][9] oft als Arten geführt. Insgesamt gibt es etwa 30 bis 50 Anchusa-Arten:[10][11][4][12]

Untergattungen mit in der Gattung Anchusa verbleibenden Arten

  • Anchusa subgenus Anchusa: Diese Untergattung umfasst zweijährige oder ausdauernde Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind einwärts gebogen. Die Klausenfrüchte sind quer-eiförmig und haben einen seitenständigen, stumpfen Schnabel.[4]
    • Anchusa affinis R.Br.: Sie kommt auf Arabische Halbinsel und im tropische Afrika vor.[13]
    • Anchusa calcarea Boiss.: Sie kommt nur in Portugal und Spanien vor.[6]
    • Anchusa capellii Moris: Sie ist ein Endemit auf Sardinien.
    • Afrikanische Ochsenzunge (Anchusa capensis Thunb.): Die Heimat ist Südafrika und Namibia.[13]
    • Anchusa cespitosa Lam.: Sie ist ein Endemit der Präfektur Chania auf Kreta.
    • Anchusa crispa Viv.: Sie kommt nur auf Korsika und Sardinien vor.
    • Anchusa davidovii Stoj.: Sie kommt nur in Bulgarien vor.[7]
    • Anchusa formosa Selvi, Bigazzi & Bacch.: Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor.
    • Anchusa gmelinii Ledeb. [3]
    • Anchusa leptophylla Roem. & Schult.: Sie kommt in Südosteuropa, auf Inseln der Ägäis und in Vorderasien vor.
    • Anchusa leucantha Selvi & Bigazzi: Sie kommt nur in Griechenland vor.
    • Anchusa littorea Moris: Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor.[14]
    • Anchusa montelinasana Angius, Pontecorvo & Selvi: Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor.[14]
    • Blassgelbe Ochsenzunge (Anchusa ochroleuca M.Bieb.)
    • Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis L.)
    • Anchusa popovii (Guşul.) Dobrocz.[7]
    • Anchusa procera Besser[7]
    • Anchusa riparia DC.: Sie kommt in Südafrika vor.[13]
    • Anchusa samothracica Bigazzi & Selvi: Dieser Endemit kommt nur auf der griechischen Insel Samothraki vor.
    • Anchusa sardoa (Illario) Bigazzi & Selvi: Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor.[14]
    • Anchusa undulata L.; mit den Unterarten:
      • Anchusa undulata subsp. atlantica (Ball) Braun-Blanqu. & Maire (Syn.: Anchusa atlantica Ball, Anchusa mairei Guşul., Anchusa pseudogranatensis (Braun-Blanq. & Maire) Sennen & Mauricio): Sie kommt nur in Marokko vor.[15]
      • Anchusa undulata subsp. granatensis (Boiss.) Valdés (Syn.: Anchusa subglabra Caballero): Die Heimat ist die südwestliche bis südliche Iberische Halbinsel.[6]
      • Anchusa undulata subsp. hybrida (Ten.) Bég. (Syn.: Anchusa hybrida Ten.): Die Heimat ist der zentrale bis östliche Mittelmeerraum.[11][4]
      • Anchusa undulata subsp. lamprocarpa Br.-Bl. & Maire: Sie kommt nur in Marokko vor.[15]
      • Anchusa undulata subsp. sartorii (Guşul.) Selvi & Bigazzi (Syn.: Anchusa sartorii Guşul., Anchusa macrosyrinx Rech. f.): Sie kommt nur in Griechenland vor.[4]
      • Anchusa undulata subsp. undulata: Die Heimat ist die Iberische Halbinsel;[6] es sind Einzelfunde in Griechenland bekannt.[4]
    • Anchusa velenovskyi (Guşul.) Stoj.: Sie kommt in Bulgarien und Rumänien vor.[7]
  • Anchusa subgenus Buglossum (Gaertn.) Guşul. [16]: Diese Untergattung umfasst ausdauernde Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind aufrecht und sind mit keulenförmigen Trichomen bedeckt. Die Klausenfrüchte sind aufrecht, länglich, sehr groß und an der Spitze gerundet.[4]
    • Italienische Ochsenzunge (Anchusa azurea Mill., Syn.: Anchusa italica Retz.): wird als Zierpflanze verwendet.[17]
    • Anchusa strigosa Banks & Solander
  • Anchusa subgenus Buglossoides (Rchb.) Guşul.:[16] Diese Untergattung umfasst einjährige Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind auswärts gebogen. Die Klausenfrüchte sind fast aufrecht mit einem spitzen, fast senkrechten Schnabel und einem stark verdickten Ring.[4]
  • Anchusa subgenus Buglossellum Guşul.: Diese Untergattung umfasst einjährige Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind einwärts gebogen. Die Klausenfrüchte sind fast aufrecht oder quer eiförmig und haben einen seitenständigen, stumpfen Schnabel.[4]
    • Anchusa pusilla Guşul.
    • Anchusa stylosa M.Bieb.: Die zwei Unterarten kommen in Südosteuropa und der Türkei vor:[7]
      • Anchusa stylosa subsp. spruneri (Boiss.) Selvi & Bigazzi (Syn.: Anchusa spruneri Boiss.)
      • Anchusa stylosa subsp. stylosa
    • Anchusa thessala Boiss. & Spruner: Sie kommt in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Russland, der Ukraine und der Türkei vor.[7]
  • Anchusa subgenus Limbata Chamb. & R.R.Mill: Diese Untergattung umfasst zweijährige Pflanzen. Der Kronsaum ist stark verkürzt, die Schlundanhängsel sind aufrecht. Die Klausenfrüchte sind quer-eiförmig und haben einen seitenständigen, stumpfen Schnabel.[18][19] Mit der einzigen Art:
    • Anchusa limbata Boiss. & Heldr.: Ein Lokalendemit des südwestlichen Anatoliens, der nur von einem einzigen Fundort[18] bekannt ist.[8]
  • Ohne Zuordnung zu einer Untergattung:
    • Anchusa tiberiadis Post: Sie kommt in Israel, Jordanien, Libanon und Syrien vor.[7]

Arten, die in neueren Arbeiten in andere Gattungen gestellt wurden

Die folgenden Arten werden bei Hilger et al. 2005 anderen Gattungen zugeordnet:[12]

  • Anchusella Bigazzi et al.:
    • Anchusella cretica (Mill.) Bigazzi, E.Nardi & Selvi (Syn.: Anchusa cretica Mill.)
    • Anchusella variegata (L.) Bigazzi, E.Nardi & Selvi (Syn.: Anchusa variegata (L.) Lehm.)
  • Cynoglottis (Guşul.) Vural & Kit Tan: Mit den Unterarten:[12]
    • Cynoglottis barrelieri (All.) Vural & Kit Tan subsp. barrelieri (Syn.: Anchusa barrelieri (All.) Vitman)
    • Cynoglottis barrelieri subsp. serpentinicola (Rech. f.) Vural & Kit Tan (Syn.: Anchusa serpentinicola Rech. f.)
    • Cynoglottis chetikiana Vural & Kit Tan
  • Gastrocotyle Bunge: Mit nur zwei Arten:[8]
    • Gastrocotyle hispida (Forssk.) Bunge (Syn.: Anchusa hispida Forssk.)
    • Gastrocotyle macedonica (Degen & Dörfl.) Bigazzi, Hilger & Selvi (Syn.: Anchusa macedonica Degen & Dörfler)[20]
  • Hormuzakia Guşul.:
    • Hormuzakia aggregata (Lehm.) Guşul. (Syn.: Anchusa aggregata Lehm.)
    • Hormuzakia negevensis (Danin) Danin & Hilger (Syn.: Anchusa negevensis Danin)
  • Lycopsis L.:[12]
    • Ackerkrummhals (Lycopsis arvensis L., Syn.: Anchusa arvensis (L.) M.Bieb.)
    • Lycopsis orientalis L. (Syn.: Anchusa ovata Lehmann, Anchusa orientalis (L.) Rchb. non L.)
  • Pentaglottis Tausch: Es ist eine monotypische Gattung mit der einzigen Art:[12]
  • Phyllocara Guşul.: Es ist eine monotypische Gattung mit der einzigen Art:[12]
    • Phyllocara aucheri (A.DC.) Guşul. (Syn.: Anchusa aucheri A.DC.): Es ist eine einjährige Art in Anatolien.[8]

Quellen

  • Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Boraginaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1995, ISBN 0-915279-33-9. Anchusa. S. 329 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
  • Yasin J. Nasir: Anchusa., S. 78. In: S. I. Ali (Hrsg.), Yasin J. Nasir: Flora of Pakistan 191: Boraginaceae. National Herbarium, Islamabad u. a. 1989. online.

Einzelnachweise

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