Anna Alexandrowna Andrejewa
sowjetische Textildesignerin und -künstlerin
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Anna Alexandrowna Andrejewa (russisch Анна Александровна Андреева,[1] * 17. August 1917 in Tambow, Russland; † 27. Februar 2008 in Moskau, Russland) war eine sowjetische Textildesignerin und -künstlerin. Sie gilt als eine der „erfolgreichsten Designerinnen der Sowjetunion“.[2]

Leben
Anna Andrejewa wurde als Anna Alexandrowna Prasolowa geboren. Da sie nicht zum Architekturstudium zugelassen wurde,[3] studierte Andreeva Textildesign am Moskauer Textilinstitut. Dieses ging aus der WChUTEMAS hervor, die eine der „innovativsten“ Kunsthochschulen der Zwischenkriegszeit war und oft mit dem Bauhaus verglichen wird. Mit dem Wissenschaftler Boris Andreev (1916–1996) verheiratet, arbeitete sie ab 1941 als Designerin an der staatlichen Seidenfabrik «Красная Роза» (deutsch Rote Rose, benannt nach Rosa Luxemburg). Sie entwirft in 40 Jahren „radikale“, geometrisch-abstrakte Designs, die auf den fortschrittlichen Lehren der WChUTEMAS beruhen.[2]
Andrejewas Entwürfe standen oft im Gegensatz zur staatlich anerkannten Kunst des Sozialistischen Realismus, der sich weit von den konstruktiven Anfängen entfernt hatte, aber als alleinige Kunstform akzeptiert wurde. Als ihre Entwürfe der Serie Elektrifizierung als „pure abstrakte Propaganda“ abgelehnt wurden, wies sie erfolgreich auf Lenins Aussage „Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“ hin und konnte die Produktion ihrer Designs für mehr als zehn Jahre durchsetzen.[2][3]

Die Entwürfe Andrejewas, hunderte von geometrischen Designs, begründeten eine eigene Form von russischem Modernismus. Ab 1958 wurden Andrejewas Entwürfe auf den Weltausstellungen gezeigt, sowie in Moskau beim Weltkongress der Frauen 1963 und den Olympischen Sommerspielen 1980. Juri Gagarin, der erste Kosmonaut im Weltraum, überreichte 1961 Queen Elisabeth II. einen Seidenschal mit Raumfahrtmotiven. Anlass war der erste offiziellen Besuchs einer sowjetischen Delegation im Vereinigten Königreich seit 1917.[3]
Während ihre Entwürfe oft ausgezeichnet wurden, blieb Andrejewa als Designerin weitgehend unbekannt. Sie war eine „unabhängige Figur innerhalb der russischen Kulturwelt“, die nie Mitglied der kommunistischen Partei wurde.[3] Bekanntheit erhielt sie, als ihre in den Vereinigten Staaten lebende Enkelin Xenia Vytuleva-Herz, das Archiv ihrer Großmutter öffnete und eine Reihe von Designs an das Museum of Modern Art (MoMA) verkaufte. Weitere Werke befinden sich in der Sammlung der Tretjakow-Galerie.[4]
Ausstellungen (Auswahl)

- 2015: History of Fashion. From avant-garde to GOST – WDNCh, 2015.
- 2019: Fabrics of Moscow – Museum von Moskau, 2019
- 2024–2025: Collective Threads. Anna Andreeva at the Red Rose Silk Factory – MOMus, Thessaloniki
- 2024–2025: Wir werden bis zur Sonne gehen. Pionierinnen der geometrischen Abstraktion – Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein
- 2025: Kabinettstücke: Anna Andreeva – Design und Abstraktion – Wilhelm-Hack-Museum (bis 26. Oktober)
Literatur
- Christina Kiaer (Hrsg.): Collective Threads. Anna Andreeva at the Red Rose Silk Factory. Scheidegger & Spiess, Zürich 2025, ISBN 978-3-03942-249-4.
- Astrid Ihle, Julia Nebenführ, René Zechlin (Hrsg.): Wir werden bis zur Sonne gehen. Pionierinnen der geometrischen Abstraktion. Hirmer, München 2024, ISBN 978-3-7774-4426-0.
- Yulia Karpova: Comradely objects Design and material culture in Soviet Russia, 1960s–80s. Manchester University Press, 2020.
Weblinks
- Anna Andreeva, Entwürfe im MoMa.
- Samuel Goff: Fabric Cybernetics. In: tribunemag.co.uk, 23. August 2020.
- Ksenia Guseva: Anna Andreeva and her experimental designs. In: izbaarts.com.
- From textile factory to MoMA. In: artfocusnow.com.
- Paula Erizanu: How Soviet artist Anna Andreeva found freedom from state censors in fabric. In: new-east-archive.org.