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Arthur Schneeberger

österreichischer Bildungs- und Arbeitsmarktforscher. From Wikipedia, the free encyclopedia

Arthur Schneeberger (* 6. Juni 1948 in Wolfsberg) ist ein österreichischer Bildungs- und Arbeitsmarktforscher.

Arthur Schneeberger

Werdegang und Wirken

Arthur Schneeberger studierte Philosophie, Psychologie und Geschichte an der Universität Wien und promovierte mit einer Arbeit zur Wissenschaftstheorie und Sozialphilosophie des Kritischen Rationalismus. Seine Forschungsarbeit führte vom Institut für Angewandte Soziologie (IAS) in Wien und dem Institut für Soziologie und Sozialanthropologie an der Universität Erlangen-Nürnberg an das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) in Wien, wo er zwischen 1986 und 2013 tätig war. Neben leitender nationaler und internationaler Forschungsarbeit war er Mitglied der Trans-Atlantic Technology and Training Alliances (TA3) und des Akkreditierungsrates der Weiterbildungsakademie (wba) sowie Mitherausgeber des Magazins Erwachsenenbildung.at und Vortragender in beruflicher und hochschulischer Weiterbildung.

Thematische Schwerpunkte und wissenschaftlicher Zugang

  • Entwicklungen im Bildungs- und Beschäftigungssystem aufgrund veränderter sozialer Bildungsbeteiligung und technisch-wirtschaftlichen Wandels
  • Fokus auf Lehrlingsausbildung, HTL, technisch-naturwissenschaftliche Hochschulbildung
  • Grundbildungserfordernisse für den Einstieg in Ausbildung, Erwerbsleben und Weiterbildung
  • Komparative Bildungsforschung und Arbeiten über internationale Qualifikationsvergleichssysteme (ISCED, EQF)
  • Internationale Forschungsarbeiten und Kooperationen, nationale Berichte an OECD und EU
  • Herausforderungen der bildungs- und arbeitsmarktbezogenen Integration durch globale Migrationsströme

Bildungsexpansion, Dienstleistungswachstum, Informatisierung und Internationalisierung von Bildung und Arbeit wurden in Studien und Publikationen seit dem Ende der 70er Jahre verfolgt. Grundanliegen war das Aufzeigen des Stellenwertes der beruflichen und akademischen Bildungswege anhand von Arbeitsmarktdaten und Unternehmensbefragungen. In Abhebung von der – auf Jean Fourastié zurückgehenden – Sozialutopie der permanenten Höherqualifizierung der Dienstleistungsgesellschaft wurde bereits früh anhaltender Bedarf an einfachen und mittleren Qualifikationen aufgezeigt. Lange Zeit umstritten, gewinnt diese These angesichts internationaler Rekrutierung und globaler Migration an Akzeptanz.

Als weiter Bezugsrahmen der Forschung fungierten die struktur-funktionale Gesellschaftstheorie (Talcott Parsons), die Theorie der postindustriellen Gesellschaft (Daniel Bell, Benjamin Barber u. a.), bildungsökonomische Konzepte (Filter- und Humankapitaltheorie) sowie die gesellschaftliche Kontroll- und Steuerungstheorie von Charles E. Lindblom (Jenseits von Markt und Staat).

Infolge wachsender globaler Mobilität von Erwerbspersonen und Unternehmen haben Transparenz und Anerkennung von Qualifikationsnachweisen an Relevanz gewonnen. Dem kritischen Umgang damit galten Forschungsarbeiten seit Anfang der 90er Jahre. Dies implizierte Kritik an oberflächlichen Qualifikationsvergleichen (z. B. „Akademikerquotenvergleiche“). Ohne valides Tertium Comparationis bleiben Ländervergleiche von Qualifikationen unrealistisch. Weitreichende Unterschiede der globalen Bildungskulturen verlangen nach Transparenz mitgebrachter Qualifikationen als Hilfe für Einstufungs- und Anerkennungsverfahren.

Über Bildungsbenchmarks (Beteiligungs- und Abschlussquoten usw.) hinausgehend wurde der Ländervergleich durch Einbeziehung der Outcomes der Bildungssysteme (wie Arbeitslosenquote, BIP pro Kopf, Einkommensspreizung u. a.) erweitert, um Engführungen des öffentlichen Diskurses vorzubeugen.

Dem durchgängigen Anliegen, die Verflechtungen des Qualifikationsdiskurses mit externen Faktoren (aus dem politisch-ideologischen Kontext) so weit als möglich auszuklammern, wurde empirischer Evidenzbasierung der Forschung hoher Stellenwert gegeben. Diese Ausrichtung in den Publikationen wurde mit der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Erwachsenenbildung in der Kategorie Wissenschaft 2009 für das Gesamtwerk gewürdigt.

Schriften (Auswahl)

  • (mit A. Petanovitsch, S. Nowak) Optimising Cooperation between Part-time Vocational Schools and Company-based Training. Surveys and Analyses of Pedagogical Aspects to Improve the Quality of Initial Vocational Education and Training. Federal Ministry for Education, Science and Culture, cedefop, Vienna, 2006, 82 Seiten.
  • Struktur und Expansion der Beschäftigung von HochschulabsolventInnen in Österreich: Trendanalyse und international vergleichende Perspektive, in: M. Hofstätter, R. Sturm (Hrsg.): Hochschule und Arbeitsmarkt. AMS-Report 57, Hrsg. Arbeitsmarktservice Österreich (AMS), Wien 2007, ISBN 978-3-85495-238-4, S. 17–36.
  • Lehrlingsausbildung in Österreich: Trends – Probleme – Perspektiven, in: J. Prager, C. Wieland: Duales Ausbildungssystem – Quo vadis? Berufliche Bildung auf neuen Wegen, Bertelmann, Gütersloh 2007, ISBN 978-3-89204-886-2, S. 91–114.
  • Allgemeine und berufliche Erwachsenenbildung in der Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, in: Magazin erwachsenenbildung.at, Nr. 0/2007, 21 Seiten. ISSN 1993-6818.
  • Stellenwert der Bildung, in: Agrarischer Bildungsbericht 2008, Hrsg. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), Wien, 2008, S. 9–27.
  • Mittelfristige Perspektiven der HTL. Erhebungen und Analysen zur Sicherung und Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität. Mit einem Vorwort von BM Dr. Claudia Schmid, Studie im Auftrag des BMUKK, ibw-Schriftenreihe Nr. 138, Wien 2008, ISBN 978-3-902358-87-5, 222 Seiten.
  • (mit P. Schlögl, A. Petanovitsch) Entwicklung und Stand der Erwachsenenbildung in Österreich, Länderbericht für die UNESCO 6th International Conference on Adult Education (CONFINTEA VI), in: Materialien zur Erwachsenenbildung 1/2008, Hrsg. Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK), Wien 2008, ISBN 978-3-85031-114-4, 61 Seiten.
  • (Hg.) Qualifiziert für die Erwachsenenbildung? Professionalität in der Diskussion, in: Magazin erwachsenenbildung.at, 4/2008, Wien, 201 Seiten, ISSN 1993-6818.
  • Beschäftigung technisch-naturwissenschaftlich Hochqualifizierter – Qualifikationsstruktur und Zukunftsperspektiven. In: A. Egger-Subotisch, R. Sturm (Hrsg.): Zwischen Modernisierung und Stagnation: Beiträge zum Thema ‚Berufseinstieg und Erwerbschancen von AkademikerInnen in Österreich. AMS report 69, Hrsg. Arbeitsmarktservice Österreich, Wien 2009, ISBN 978-3-85495-250-3, S. 6–22.
  • Bildungsgarantie bis zum 18./19. Lebensjahr – Entwicklungen und Perspektiven in der Berufsbildung, in: SPECHT W. (Hrsg.): Nationaler Bildungsbericht Österreich 2009, Band 2, Leykam, Graz 2009, ISBN 978-3-7011-7678-6, S. 55–72.
  • Was ist neu am Europäischen Qualifikationsrahmen? Vergleich mit vorhandenen Bildungsbezugsrahmen. In: Markowitsch, J. (Hrsg.): Der Nationale Qualifikationsrahmen in Österreich. Beiträge zur Entwicklung. Wien und Berlin, 2009, Lit Verlag, ISBN 978-3-643-50022-9, S. 135–162.
  • Hochschulsystemranking als Denkanstoß für eine Strukturdiskussion des tertiären Bildungssystems, in: Wirtschaftspolitische Blätter 4/2009, 56. Jahrgang, Hrsg. Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien, Manz, 2009, S. 709–732, ISSN 1605-8704.
  • Bildung 2020 – EU-Benchmarks und reale Trends als Herausforderungen, in: Die österreichische Volkshochschule (ÖVH), Magazin Erwachsenenbildung.at, Jg. 61/Nr. 238, 04/2010, Wien, S. 2–8, ISSN 0472-5662.
  • (mit A. Petanovitsch): Zwischen Akademikermangel und prekärer Beschäftigung. Zur Bewährung der Hochschulexpansion am Arbeitsmarkt, ibw-Forschungsbericht Nr. 153, Wien 2010, ISBN 978-3-902742-09-4, 184 Seiten.
  • (mit A. Petanovitsch): Bachelor-Studium und Arbeitsmarkt aus Sicht der Studierenden. Analyse nach Hochschularten und Fachrichtungen. ibw-Forschungsbericht Nr. 154, Wien 2010, ISBN 978-3-902742-24-7, 113 Seiten.
  • Internationale Einstufung der österreichischen Berufsbildung. Adäquate ISCED-Positionierung als bildungspolitische Herausforderung, ibw-Forschungsbericht Nr. 156, Wien 2010, ISBN 978-3-902742-21-6, 112 Seiten.
  • Einflussfaktoren und Gestaltungsfelder der Qualitätsentwicklung in der Lehrlingsausbildung, in: G. Niedermair (Hrsg.): Qualitätsentwicklung in der beruflichen Bildung. Ansprüche und Realitäten, Linz 2010, ISBN 978-3-85499-702-3, S. 47–72.
  • Blockierte Hochschulreform, in: Wirtschaftspolitische Blätter, 58. Jahrgang, 2/2011, Hrsg. Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Wien 2011, Manz Verlag, S. 333–345. ISSN 1605-8704.
  • (mit A. Petanovitsch u. G. Enzi) Fakten und Analysen zur Bildungsreform im Agrar- und Umweltsektor. Forschungsbericht im Auftrag des BMLFUW, November 2012, 115 Seiten.
  • (gemeinsam mit K. Schmid, A. Petanovitsch): Skills beyond school in Austria. Country background report: OECD review of postsecondary vocational education and training, Paris 2012, ISBN 978-3-902742-74-2, 110 Seiten.
  • Welche Aus- und Weiterbildung brauchen wir in Zukunft? Europäische Benchmarks und internationale Migration als Herausforderungen. In. Die Österreichische Volkshochschule, 64. Jahrgang, Nr. 250, Dezember 2013, S. 9–15. ISSN 0472-5662.
  • (Hg.) Das Versprechen sozialer Durchlässigkeit. Zweiter Bildungsweg und Abschlussorientierte Erwachsenenbildung. In: Magazin erwachsenenbildung.at, Ausgabe 21, 2014, 156 S. ISSN 2076-2879; ISSN 1993-6818 (Online).
  • Die Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) in Österreich, in: Bildung und Erziehung, 67. Jg. Heft 1, 2014, S. 69–83. ISSN 0006-2456, ISBN 978-3-412-22241-3.
  • Zukunftsfragen der Erwachsenenbildung. Herausforderungen durch Internationalisierung, Migration und Strukturwandel. (=Pädagogische Schriften des BFI OÖ, Band 1), Linz 2016, ISBN 978-3-9504172-0-3, 42 Seiten.
  • Herausforderungen arbeitsmarktbezogener Erwachsenenbildung durch globale Migration. In: Magazin erwachsenenbildung.at., Ausgabe 38, 2019, S. 2–12. ISSN 2076-2879, ISSN 1993-6818.

Preisverleihung

Am 17. November 2009 wurde Arthur Schneeberger der Österreichische Staatspreis für Erwachsenenbildung für sein „wissenschaftliches Gesamtwerk“ verliehen.

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