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Authenticité

Staatsideologie des Regimes von Mobutu Sese Seko in Zaire From Wikipedia, the free encyclopedia

Authenticité, auch als Zaïrianisation bezeichnet, war eine offizielle Staatsideologie des Regimes von Mobutu Sese Seko, die Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre in der damaligen Demokratischen Republik Kongo, die später in Zaire umbenannt wurde, entstand. Die Authentizitätskampagne war ein Versuch, das Land von den verbleibenden Überresten des Kolonialismus und dem anhaltenden Einfluss der westlichen Kultur zu befreien und eine stärker zentralisierte und einheitliche nationale Identität zu schaffen.[1][2]

Mobutu Sese Seko in einem typischen Abacost (1983)

Die Politik führte in ihrer Umsetzung zu zahlreichen Veränderungen im staatlichen und privaten Leben, darunter die Umbenennung des Kongo und seiner Städte sowie die spätere Anordnung, dass die Zairer ihre Vornamen zugunsten „authentischerer“ Namen aufgeben sollten. Zudem wurde westliche Kleidung verboten und durch die Mao-Tunika ersetzt, die als „Abacost“ bezeichnet wurde, sowie deren weibliches Pendant. Die Politik begann Ende der 1970er Jahre[1] an Bedeutung zu verlieren und war bis 1990 weitgehend aufgegeben worden. Sie wurde 1997, nach dem Ende Zaires, von Präsident Laurent Kabila offiziell abgeschafft.

Hintergrund

Kurz nachdem Mobutu Sese Seko nach seinem erfolgreichen Staatsstreich gegen die scheiternde demokratische Regierung von Präsident Joseph Kasa-Vubu den Beginn der Zweiten Republik verkündet hatte, legte er seine neue nationalistische Ideologie im Manifest von N'sele vom Mai 1967 dar.[1] In den folgenden Jahren führte Mobutu nach und nach die politischen Maßnahmen ein, die diese Kampagne prägen sollten. Vor allem war der „Retour à l’authenticité“ („Rückkehr zur Authentizität“) ein Bestreben des selbsternannten „Vaters der Nation“, eine nationale Identität zu schaffen, die Vorrang vor Regionalismus und Stammesdenken haben sollte, während diese Ansprüche mit den Erfordernissen der Modernisierung in Einklang gebracht wurden. Er beschrieb diese Ideologie wie folgt:

„Authenticité“ hat uns unsere Persönlichkeit entdecken lassen, indem wir in die Tiefen unserer Vergangenheit vorgedrungen sind, um das reiche kulturelle Erbe zu entdecken, das uns unsere Vorfahren hinterlassen haben. Wir haben keineswegs die Absicht, blindlings zu allen Bräuchen unserer Vorfahren zurückzukehren; vielmehr möchten wir jene auswählen, die sich gut an das moderne Leben anpassen, die den Fortschritt fördern und die eine Lebens- und Denkweise schaffen, die im Wesentlichen unsere eigene ist.[3]

Inspiriert war Authenticité hauptsächlich von der Négritude-Bewegung im frankophonen Afrika, sowie von den Versuchen totalitärer Diktaturen wie der Volksrepublik China oder Nordkoreas, von oben herab eine neue Massenkultur zu schaffen.[4] Der zairische Parteitheoretiker Kangafu-Kutumbagana beschrieb „Authenticité“ als „ein metaphysisches und abstraktes Konzept … kein Dogma und keine Religion, sondern eine Handlungsweise … Es führt weg von übernommenen Ideen und Bestrebungen hin zu einem gesteigerten Bewusstsein für einheimische kulturelle Werte.“[5]

Obwohl sie von Mobutu und seinen Staatsmännern unablässig gepriesen wurde, war die „Authentizitätskampagne“ das Mittel, mit dem der Diktator seine eigene Art der Führung rechtfertigen wollte. Er versuchte, seine Ideologie mit seiner politischen Vorherrschaft zu verknüpfen, bevor er die „Authenticité“ proklamierte, indem er sagte: „In unserer afrikanischen Tradition gibt es niemals zwei Häuptlinge … Deshalb haben wir Kongolesen in dem Bestreben, den Traditionen unseres Kontinents zu entsprechen, beschlossen, alle Kräfte der Bürger unseres Landes unter dem Banner einer einzigen nationalen Partei zu bündeln“.[6][1]

Auswirkungen

Das bekannteste Ergebnis der „Authenticité“ war die Umbenennung des Landes von der Demokratischen Republik Kongo in Zaire, eine portugiesische Fehlaussprache des Kikongo-Wortes „nzere“ oder „nzadi“, was so viel bedeutet wie „der Fluss, der alle Flüsse verschlingt“.[7] Zudem wurden Städte und Provinzen umbenannt. So wurde beispielsweise die Hauptstadt Léopoldville in Kinshasa sowie Élisabethville in Lubumbashi umbenannt, während die Provinz Katanga zu Shaba wurde. Auch Straßen, Brücken und andere geografische Objekte sowie die Streitkräfte erhielten neue Namen.

Die Zairer mussten ihre westlichen oder christlichen Namen, oft die Namen europäischer Heiliger, zugunsten authentischer „zairischer“ Namen ablegen.[1] Mobutu änderte seinen Namen von „Joseph-Désiré Mobutu“ in „Mobutu Sese Seko Kuku Ngbendu Wa Za Banga“ (meist abgekürzt als „Mobutu Sese Seko“).

Vor allem als Folge von Mobutus Besuch in Peking im Jahr 1973 wurden die Männer in Zaire zunächst nachdrücklich aufgefordert und später dazu verpflichtet, westliche Anzüge und Krawatten zugunsten der Tunika im Mao-Stil aufzugeben, die er als „Abacost“ bezeichnete – ein Wort, das sich aus der Aussprache des französischen Ausdrucks „à bas le costume“ („Nieder mit dem Anzug“) ableitet. Auch für Frauen wurde eine entsprechende nationale Tracht entworfen.

Im Rahmen der staatlichen und parteipolitischen Ideologie der Authentizität waren alle Bürger gleichberechtigt, und die übliche Anrede unter allen Zairern lautete „citoyen“ oder „Bürger“. Der Begriff wurde für den öffentlichen Gebrauch vorgeschrieben, um die als hierarchisch empfundenen Unterscheidungen zwischen „Monsieur“ und „Madame“ abzuschaffen.[1] Besuchende Staatschefs wurden mit afrikanischen Trommelklängen und Gesängen empfangen, anstatt mit dem in westlichen Ländern üblichen 21-Schuss-Salut.[7]

Von der traditionell einflussreichen katholischen Kirche wurde das Verbot christlicher Namen als Bedrohung empfunden, ebenso wie die Abkehr von westlichen Einflüssen und die Rückkehr zu afrikanischen Traditionen. In der Mobuto-Ära wurde die Église du Christ au Congo als Vereinigung der Protestantischen Kirchen im Land gegründet, um den Einfluss des Katholizismus einzudämmen.

Der Staat forderte nachdrücklich, dass alle traditionellen Kunstwerke ins Land zurückgebracht werden, um zairische Künstler zu inspirieren und sicherzustellen, dass traditionelle Stile in zeitgenössische Kunstwerke einfließen.[7]

Wirtschaftspolitisch war die Authenticité durch die Verstaatlichung ausländischer Besitztümer gekennzeichnet, von der hauptsächlich Mobuto selbst und seine Verbündeten profitierten. Trotz seiner antiwestlichen Kulturpolitik betrieb Mobuto während des Kalten Krieges stets eine prowestliche Außenpolitik und war selbst mithilfe der CIA an die Macht gekommen.[8]

Ende

Obwohl viele der im Rahmen der „Authenticité“ eingeführten Veränderungen fast bis zum Ende des Mobutu-Regimes oder sogar darüber hinaus Bestand hatten, begann die Ideologie Ende der 1970er Jahre an Bedeutung zu verlieren, da sie Mobutus kleptokratischem Regime kaum noch Vorteile verschaffen konnte. Mobutus Ankündigung des Übergangs zur Dritten Republik im Jahr 1990, die vor allem ein Dreiparteiensystem vorsah, ging einher mit der Freiheit, wieder zu allgemeineren Anredeformen zurückzukehren und Anzug und Krawatte zu tragen. Außerdem hatten viele Zairer in den 1990er Jahren wieder begonnen, ihre Vornamen zu verwenden.[1] Nachdem Mobutu 1997 im Ersten Kongokrieg zur Flucht aus dem Land gezwungen worden war, hob Präsident Laurent Kabila die „Authenticité“-Politik Zaires offiziell auf und benannte das Land wieder in Demokratische Republik Kongo um.

Authenticité im Tschad

Authenticité war auch der Name für den Versuch des tschadischen Präsidenten François (Ngarta) Tombalbaye, in den 1970er Jahren ausländischen Einfluss zu beseitigen und die Kultur des südlichen Tschad im gesamten Land zu fördern. Eine der unbeliebtesten Auflagen war, dass Beamte die brutalen und gefährlichen Yondo-Initiationsriten durchlaufen mussten, die nur bei Tombalbayes eigener Untergruppe des Sara-Volkes im südlichen Tschad üblich waren.[9] Letztlich trug diese Maßnahme zu seinem Sturz im Jahr 1975 bei.

Siehe auch

Einzelnachweise

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