Ruhr Oel
Mineralölunternehmen
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Die Ruhr Oel GmbH ist eine deutsche Mineralölgesellschaft mit Sitz in Gelsenkirchen. Sie besitzt die aus den Werken Scholven und Horst bestehende Raffinerie Gelsenkirchen sowie ein Tanklager in Bottrop. Hergestellt werden Kraftstoffe für den Straßen- und Luftverkehr sowie petrochemische Grundstoffe.
| Ruhr Oel GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1982 |
| Sitz | Gelsenkirchen |
| Mitarbeiterzahl | 1800 (2026)[1] |
| Branche | Mineralöl |
| Website | |
Das Unternehmen wurde 1982 von der Veba Oel AG und Petróleos de Venezuela S.A. als Joint Venture gegründet. 2002 erwarb BP die Anteile der Veba Oel und 2011 kaufte Rosneft die Anteile der Petróleos de Venezuela. Im Jahr 2017 wurde BP alleiniger Eigentümer der Ruhr Oel GmbH. Am 1. August 2026 hat die Klesch Group die Raffinerie Gelsenkirchen von bp übernommen.[2]
Geschichte
Der Ursprung der Raffinerie Gelsenkirchen geht auf die im Jahr 1936 gegründeten Hydrierwerk Scholven AG in Scholven und die Gelsenberg-Benzin AG in Horst zurück. Ihre Hydrieranlagen wandelten Steinkohle im Bergius-Pier-Verfahren in synthetische Kraftstoffe um und leisteten damit einen bedeutsamen Beitrag zur Treibstoffversorgung der deutschen Wehrmacht.[3]
Das Werk in Scholven war im Juli 1943 das Ziel alliierter Luftangriffe. Durch den Angriff wurde das Hydrierwerk schwer beschädigt, sodass die Produktion zum Erliegen kam. Nach Kriegsende erließen die Siegermächte Produktionsverbote und demontierten kriegswichtige Anlagen. Bereits im Mai 1945 konnten die Benzinkammern der Hydrieranlagen und die Destillation nach mündlicher Erlaubnis den Betrieb aufnehmen. Nach der Umstellung von Kohle auf Erdöl, erhielt die Raffinerie in Horst im Februar 1950 und die Raffinerie in Scholven im April 1951 ihre endgültige Betriebserlaubnis.[4][5]
1955 wurde Gelsenberg zum größten Treibstoffproduzenten in der Bundesrepublik, während sich Scholven-Chemie zu einem der zentralen Pfeiler der westdeutschen Chemieindustrie mit Schwerpunkten auf dem Mineralöl-, Stickstoff- und dem Kunststoffgebiet entwickelte. Neben Kraftstoffen produzierte das Werk in Scholven ab 1956 Düngemittel, ab 1959 Polyethylen, ab 1961 Ammoniak, ab 1962 Ethylen und Propylen sowie ab 1963 Olefine.[6]
Am 30. September 1970 wurde bei der Gründung der Ruhrkohle AG die Scholven-Chemie AG in die VEBA integriert und in Veba-Chemie AG umbenannt.[3] 1975 übernahm die VEBA die Gelsenberg AG und gliederte diese in die Veba-Chemie AG ein.[7]
1978 übernahm die VEBA die Chemische Werke Hüls AG und strukturierte ihre Erdöl- und Chemieaktivitäten erneut um. Hüls wurde die Chemie-Sparte übertragen und Scholven-Horst konzentrierten sich stärker auf die Kraftstoffproduktion. Durch die neue Unternehmensstruktur wurde aus der Veba-Chemie AG die Veba Oel AG.[3]
Zwischen den Raffinerien in Horst und Scholven entstand zudem ein Pipelinesystem für den ständigen Austausch von Benzol und Propylen. Neben der gemeinsamen Mineralölverarbeitung fokussierte sich der Standort Scholven erneut auf die Petrochemie (Herstellung von Ethylen und Propylen).[8][3]
Im Jahr 1982 gründete die Veba Oel AG (ein Tochterunternehmen der VEBA) zusammen mit Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) die Ruhr Oel GmbH. Dieses 50/50-Joint-Venture umfasste die beiden Raffinerien Scholven und Horst. Ziel der Veba Oel AG war der Erwerb von venezolanischem Rohöl, während Venezuela im Gegenzug einen festen Zugang zum europäischen Mineralölmarkt erhielt.[9]
Im Jahr 1988 erwarb die Ruhr Oel GmbH die DHC Solvent Chemie GmbH in Mülheim an der Ruhr als 100-prozentiges Tochterunternehmen. Das Chemiewerk entwickelte sich zu einem Produzenten von Lösungsmitteln und Spezialprodukten aus Mineralöl.[10][11] Anfang der 1990er-Jahre folgte eine umfassende Umstrukturierung in Horst. Neben hochwertigen Vergaserkraftstoffen erzeugten die Anlagen nun auch weitere Produkte wie Heizgas und Flüssiggas.[7]
Nach der vollständigen Übernahme von Aral zum 31. Dezember 1999 stellte sich die Veba Oel organisatorisch neu auf. Dabei wurden drei rechtlich selbstständige Einheiten gebildet, darunter die Veba Oel Refining & Petrochemicals GmbH Gelsenkirchen für Mineralölverarbeitung und Petrochemie. In diese Gesellschaft wurde auch das Joint Venture mit PDVSA eingebracht.[12]
Gegenwart
Im Juli 2002 wurde die Veba Oel AG an die BP vollständig verkauft. BP übernahm dabei 50 % der Anteile an der Besitzgesellschaft Ruhr Oel GmbH, welche Eigentümerin der beiden Raffineriewerke Horst und Scholven blieb. Das Joint Venture zwischen Veba Oel Refining & Petrochemicals GmbH Gelsenkirchen und der venezolanischen PDVSA im Raffineriebereich blieb beim Verkauf außen vor. Die operative Betriebsführungsgesellschaft, die Veba Oel Verarbeitungs-GmbH, wurde im Zuge dessen in BP Gelsenkirchen GmbH umfirmiert.[13]
Im Oktober 2010 unterzeichnete der russische Ölkonzern Rosneft eine Vereinbarung zur Übernahme des 50-%-Anteils von der Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) an der Ruhr Oel GmbH. Die Übernahme wurde im Mai 2011 offiziell vollzogen. Die Transaktion im Wert von 1,6 Milliarden US-Dollar markierte den Markteintritt des russischen Mineralölunternehmens in Deutschland.[14]
Am 19. Juni 2015 unterzeichneten BP und Rosneft eine Absichtserklärung zur Neustrukturierung der Ruhr Oel GmbH. Die Raffinerie Gelsenkirchen soll demzufolge zu 100 % an BP gehen, während Rosneft im Gegenzug die Beteiligungen an den Raffinerien PCK Schwedt (37,5 %), MiRO (24 %) und Bayernoil (25 %) erhält.[15] Das Joint Venture zwischen BP und Rosneft wurde offiziell zum 1. Januar 2017 beendet.[16]
2025 kündigte BP den Verkauf der Raffinerie Gelsenkirchen an, da die Werke Scholven und Horst nach Unternehmensangaben nicht wettbewerbsfähig seien. Eine entsprechende Vereinbarung schloss BP im März 2026 mit der Klesch Group.[17] Ende Mai 2026 stimmte die EU-Kommission dem Eigentümerwechsel zu. Am 1. August hat die Klesch Group die Raffinerie Gelsenkirchen von bp übernommen.[18]
Kennzahlen
Das Werk Scholven liegt auf einem rund 250 Hektar großen Areal im äußersten Norden von Gelsenkirchen direkt an der Grenze zu Gladbeck, Dorsten und Marl. Etwa 11 km südlich des Werks Scholven befindet sich das Werk Horst. Der Standort erstreckt sich mit einem eigenen Hafen auf eine Fläche von rund 160 Hektar nördlich des Rhein-Herne-Kanals und der Emscher. Im Hafen Bottrop verfügt das Unternehmen über einen eigenen Ölanleger sowie ein Tanklager mit neun großen Lagertanks.[19][20]
Die Raffinerie Gelsenkirchen verfügt über eine Rohölverarbeitungskapazität von jährlich rund 12,7 Millionen Tonnen Rohöl beziehungsweise 265.000 Barrel pro Tag.[15] Rund 22 % der Gesamtproduktion entfallen auf petrochemische Erzeugnisse. Der Standort hatte 2021 eine jährliche Ethylenproduktion von 1,07 Millionen Tonnen und war damit der zweitgrößte Ethylenproduzent der Bundesrepublik.[21] Erzeugt werden über 50 verschiedene Produkte, darunter Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl.[22] Anfang 2026 beschäftigte das Unternehmen rund 1800 Mitarbeiter.[23]
Betriebsanlagen
An den Standorten Horst und Scholven befinden sich insgesamt drei Rohöldestillationsanlagen. In diesen Anlagen wird Rohöl durch fraktionierte Destillation in seine verschiedenen Bestandteile aufgetrennt. Die sogenannten leichten Fraktionen, darunter Benzin, Diesel, Düsentreibstoff (Kerosin) und Heizöl, erreichen dabei einen Anteil von bis zu 60 Prozent des Rohöls. Die schwereren Rückstände werden in nachgeschalteten Konversionsanlagen zu leichteren Produkten sowie Petrolkoks weiterverarbeitet.[24]
Zur Weiterverarbeitung stehen insgesamt fünf Konversionsanlagen zur Verfügung: ein Hydrocracker, eine Fluid-Catalytic-Cracking-Anlage (FCC-Anlage), ein Coker, ein Visbreaker sowie eine Schwerölvergasungsanlage. Durch die Umwandlung der bei der Destillation anfallenden Rückstände kann das eingesetzte Rohöl weitgehend vollständig in marktfähige Produkte überführt werden. Die gewonnenen Leichtprodukte werden anschließend veredelt, beispielsweise durch die Entfernung von Schwefelverbindungen oder die Verbesserung der Kraftstoffeigenschaften und der Oktanzahl durch gezielte Mischprozesse.[24]
Am Standort Scholven werden darüber hinaus petrochemische Grundstoffe produziert. Einen Schwerpunkt bildet die Olefinherstellung. In zwei Anlagen werden jährlich insgesamt rund eine Million Tonnen Ethylen sowie etwa 500.000 Tonnen Propylen erzeugt. Diese dienen als Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion. Weitere petrochemische Erzeugnisse umfassen Xylole, Cumol, Methanol sowie C4-Kohlenwasserstofffraktionen (eine Mischung aus Butadien, Butenen und Butanen).[24]