Kalanga (Ethnie)

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Die BaKalanga (kurz Kalanga) sind eine Bantu-Ethnie im südlichen Afrika. Sie stellen die zweitgrößte Volksgruppe in Botswana und leben vor allem im Nordosten des Landes (Region um Francistown) sowie im benachbarten Südwesten Simbabwes. In Teilen der simbabwischen Provinz Matabeleland (z. B. in den Grenzdistrikten Bulilima und Mangwe) bilden Kalanga sogar die Bevölkerungsmehrheit. Kleinere Gemeinden existieren zudem in angrenzenden Gebieten Südafrikas. Weltweit gibt es knapp eine halbe Million Kalanga. Ethnisch sind die Kalanga eng mit den Shona verwandt. Traditionell lebten die Kalanga als Viehzüchter, die Rinder halten und Getreide anbauten.

Kalanga-Frau in Botswana

Geschichte

Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die Vorfahren der Kalanga bereits seit dem 10. Jahrhundert n. Chr. in der Region des heutigen nordöstlichen Botswana und westlichen Simbabwe siedelten. Die ursprünglichen BaKalanga werden mit der Leopards-Kopje-Kultur (ca. 1000 n. Chr.) im Süden von Simbabwe in Verbindung gebracht und sprachen vermutlich eine frühe Form der Kalanga-Sprache. Im Verlauf des Mittelalters waren die Kalanga an bedeutenden vorkolonialen Reichen Südafrikas beteiligt. So hatten sie Anteil an der Entstehung des ersten städtischen Zentrums Mapungubwe um 1220 und später an Groß-Simbabwe, dem mächtigen Shona-Staat des 13.–15. Jahrhunderts. Nach dem Zerfall von Groß-Simbabwe (um 1450) entstand im Südwesten des heutigen Simbabwe das Reich Butua mit der Hauptstadt Khami, dessen Bevölkerung als BaKalanga bezeichnet wurde. Die frühen Bewohner von Butua gelten als direkte Vorfahren der heutigen Kalanga, deren Wurzeln in diesem Gebiet nahezu tausend Jahre zurückreichen.[1] Kalanga-Herrscher (Mambo) der Lozwi-Dynastie regierten Butua bis ins 19. Jahrhundert, ehe das Reich durch Einfälle benachbarter Mächte geschwächt und schließlich von König Mzilikazi und den Ndebele erobert wurde.

Siedlungsgebiet

In Botswana konzentriert sich das Siedlungsgebiet der BaKalanga auf den Nordosten des Landes. Der dortige North-East District mit der Stadt Francistown ist traditionell von Kalanga dominiert.[2] Auch im nördlichen Zentralbotswana (etwa in den Gebieten um Nata und Tutume) gibt es Kalanga-Gemeinden. National stellen die Kalanga mit 11 Prozent der Gesamtbevölkerung das zweitgrößte Volk nach den Tswana dar.[3] In Simbabwe leben Kalanga hauptsächlich im äußersten Südwesten an der Grenze zu Botswana. Besonders in den Distrikten Bulilima und Mangwe (Provinz Matabeleland South) bilden sie dort einen bedeutenden Teil der Bevölkerung.[4]

Kultur

Domboshaba-Festival (2017)

Die Kalanga sprechen Ikalanga (in Simbabwe auch TjiKalanga genannt), eine Bantusprache, die zum westlichen Zweig der Shona-Sprachgruppe gehört. Sie ist nach Setswana die am weitesten verbreitete indigene Sprache in Botswana und wird auch in Simbabwe regional verwendet. Historisch und linguistisch gelten die Kalanga als Abkömmlinge der Shona-Völker, was sich in Sprache und Kultur widerspiegelt.[5]

Traditionell spielt Ahnenverehrung eine zentrale Rolle in der Religion der Kalanga. Ihr höchster Gott Mwali wird als Regenbringer verehrt, und rituelle Regenmachertänze (lokal Wosana) gehören zum kulturellen Erbe. Bis heute werden bei einigen Zeremonien – etwa Heilungsritualen oder Dankfesten nach der Ernte – traditionelle Tänze und Gesänge zu Ehren der Vorfahren aufgeführt (z. B. der Frauen-Tanz Mazenge oder der Erntetanz Ndazula). Wie bei vielen Bantu-Gesellschaften war früher auch bei den Kalanga die Polygamie verbreitet, die jedoch unter dem Einfluss christlicher Missionierung im 20. Jahrhundert weitgehend zurückging. Traditionelle soziopolitische Strukturen und kulturelle Rituale haben sich allerdings bis ins 21. Jahrhundert erhalten.[6]

Die Kalanga pflegen ihr kulturelles Erbe zudem durch Feste und Gemeinschaftsrituale. In Botswana findet seit 2000 alljährlich das Domboshaba-Festival statt – ein Kulturfest bei den historischen Domboshaba-Ruinen (nahe Masunga), das Tanz, Musik, Sprache und Brauchtum der Kalanga feiert. Zum Auftakt des Festivals wird traditionell selbstgebrautes Bier in Tonkrügen als Opfer für die Ahnen dargebracht, um deren Segen zu erbitten. Weitere kulturelle Ausdrucksformen der Kalanga sind kunsthandwerkliche Traditionen wie Holzschnitzerei und Töpferware und ein reichhaltiger Schatz an mündlich überlieferten Sprichwörtern und Mythen sowie eine eigene clanbasierte Sozialstruktur mit Häuptlingen an der Spitze.[2]

Im Jahr 2024 wurde „Wosana-Ritual und zugehörige Praktiken“ von der UNESCO in die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.[7]

Commons: Kalanga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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