Bahnhof Altenburg
Bahnhof im Landkreis Altenburger Land, Thüringen, Deutschland
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Der Bahnhof Altenburg ist ein Bahnhof in der thüringischen Stadt Altenburg und ein Eisenbahnknoten an der Bahnstrecke Leipzig–Hof, die 1842 eröffnete Station war zunächst ein Kopfbahnhof. Der Bahnhof wurde in den 1870er Jahren mit der Anlage des Altenburger Tunnels zum Durchgangsbahnhof umgebaut und wurde zum Eisenbahnknoten. In dieser Form ist die Station im Wesentlichen bis heute erhalten. Die seit 2002 nur noch im Güterverkehr genutzte Bahnstrecke nach Zeitz beginnt in Altenburg. Am ehemaligen Abzw Nobitz an der Strecke in Richtung Hof, gut drei km südlich des Bahnhofs zweigte die 1998 stillgelegte und inzwischen abgebaute Bahnstrecke Altenburg–Langenleuba-Oberhain ab, welche über ein Gleisdreieck über den Abzw Paditz ebenfalls nach Süden hin angebunden wurde. Etwa 10 km südlich von Altenburg, in Lehndorf, zweigt zudem in Richtung Westen eine Verbindungskurve zur Bahnstrecke Gößnitz–Gera ab, die dort verkehrenden Reisezüge haben Altenburg als Start- und Zielpunkt. Mit den Haltepunkten Altenburg Nord und Altenburg-Rasephas besaß Altenburg an der Strecke nach Zeitz bis zur Einstellung des Personenverkehrs noch zwei weitere Zugangsstellen.
| Altenburg | |
|---|---|
Empfangsgebäude, Straßenseite (2009) | |
| Daten | |
| Betriebsstellenart | Bahnhof |
| Lage im Netz | Knotenbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 4 |
| Abkürzung | LA |
| IBNR | 8010003 |
| Preisklasse | 5 |
| Eröffnung | 1842 |
| Profil auf bahnhof.de | altenburg |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Altenburg |
| Land | Thüringen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 50° 59′ 48″ N, 12° 26′ 38″ O |
| Höhe (SO) | 180 m |
| Eisenbahnstrecken | |
| |
| Bahnhöfe in Thüringen | |
Zusätzlich zu seiner Funktion als Eisenbahnknoten besaß der Bahnhof auch Lokbehandlungsanlagen, die zeitweise als Bahnbetriebswerk Altenburg eine eigenständige Dienststelle bildeten. Für den Güterverkehr waren neben der Güteranlagen im Bahnhof mehrere Anschlussgleise zu verschiedenen Industriebetrieben sowie ein Rangierbahnhof vorhanden, im Personenverkehr war Altenburg ebenfalls Fernverkehrshalt. Heute wird nur noch Personennahverkehr durchgeführt, zudem ist Altenburg Bahnhof im S-Bahn Mitteldeutschland.
Geschichte
Bahnhofsnamen
Der Bahnhof Altenburg trug folgende Namen:
- bis 1936: Altenburg
- bis 19. September 1942: Altenburg (Thür)
- bis 1953: Altenburg (Thür) Hbf
- seit 1953: Altenburg
Kopfbahnhof

Der ursprüngliche Bahnhof Altenburg befand sich an einer anderen Stelle in der heutigen Fabrikstraße. Er wurde am 19. September 1842[1] zusammen mit dem Abschnitt Leipzig–Altenburg der Bahnstrecke Leipzig–Hof feierlich eröffnet und war damit der erste Bahnhof auf ernestinischem Gebiet. Das Herzogtum Sachsen-Altenburg wollte den Bahnhof so nah wie möglich an seine Residenzstadt heranlegen, sodass ein Weiterbau der Strecke Richtung Süden aufgrund der topografischen Verhältnisse aus Kostengründen[2.1] nicht möglich war. Die am 15. März 1844 in Betrieb genommene Verlängerung bis Crimmitschau verlief zunächst ein kurzes Stück nach Norden und machte anschließend eine 180-Grad-Wendung ins Tal der Pleiße östlich der Stadt. Bauliche Reste des ehemaligen Kopfbahnhofs befinden sich noch heute in der Altenburger Fabrikstraße.
Durchgangsbahnhof

Mit dem zunehmenden Verkehr wurde der Kopfbahnhof mit der Zeit zu einem verkehrstechnischen Problem, in den 1870er Jahren wurde daher ein Umbau geplant. Zunächst verweigerte noch das Herzogtum Sachsen-Altenburg seine Zustimmung, da man den stadtnahen Bahnhof nicht aufgeben wollte. Als Option stand daher nur ein Tunnel oder ein Einschnitt durch den Höhenrücken im Stadtgebiet zur Auswahl, 1874 wurde ein entsprechender Staatsvertrag für den Bahnhofsumbau zwischen dem Herzogtum und dem Königreich Sachsen geschlossen. Im Frühjahr 1876 begann man mit den Umbauarbeiten, bei denen der neue Bahnhof etwas weiter nach Osten und die neue, südwärts führende Strecke durch einen 375 m langen Tunnel verlegt wurde. Zugleich wurde der Bahnhof um einige Meter höhergelegt. Da man beim Einschnitt Probleme mit Hangrutschungen vermeiden wollte, wurde anstatt dem Einschnitt der teurere Tunnel gebaut.[2.1] Am 25. September 1878 fand „die erste Befahrung der neuen Schienenanlage mit Benutzung des Tunnels“ statt. Ab 1878 fand zeitweise ein Mischbetrieb mit altem und neuen Bahnhof statt, endgültig abgeschlossen waren die Bahnhofsumbauten 1879.[2.2]
Unmittelbar nordwestlich des Personenbahnhofs bestand an der Strecke nach Zeitz ein Rangierbahnhof. Dieser ist heute als Abstellbahnhof an die Waggonbau Altenburg GmbH vermietet.
1928 gingen im Bahnhof Altenburg drei elektromechanische Stellwerke der Bauform O&K in Betrieb.
Im Laufe der Zeit wurde die Sandsteinausmauerung im Altenburger Tunnel durch eindringendes Wasser und Rauch der Dampflokomotiven massiv geschädigt. Im Winter musste zudem regelmäßig Eis von der Tunneldecke entfernt werden. Die hier eingerichtete Langsamfahrstelle entwickelte sich zu einem immer größeren Problemfall, es waren nur 10 km/h erlaubt, ebenso war der Einsatz von Doppelstockzügen zeitweise verboten. Daher wurden 1955 mehrere Lösungsvarianten untersucht. Eine grundhafte Sanierung mit Betonauskleidung unter Reduzierung auf nur ein Gleis und die Anlage eines zweiten eingleisigen Tunnels neben dem bestehenden Tunnel war zu teuer. Für die Anlage eines Einschnitts neben dem Tunnel fehlte der notwendige Platz und die Baukapazitäten.[2.2] Der wurde der Tunnel von 1957 bis Mai 1959 aufgeschlitzt.
In den 1990er Jahren wurde das Bahnhofsgebäude grundlegend saniert. So wurden unter anderem die Holztüren des Portikus wiederhergestellt, welche zu DDR-Zeiten durch Aluminiumtüren ersetzt worden waren.
In den Jahren 2010 und 2011 wurden weitere Modernisierungsmaßnahmen am Bahnhof getätigt, so wurden im Rahmen der Konjunkturprogramme der Bundesrepublik Deutschland und mit Mitteln der Nahverkehrsgesellschaft Thüringen die Bahnsteige 1 bis 3 erneuert, zum Bahnsteig 2/3 wurde ein Personenaufzug installiert. Die Bahnsteigdächer und der Personentunnel wurden saniert und die Beleuchtung der Bahnsteige und des Vorplatzes erneuert.[3]
Im Jahr 2013 wurde das ehemalige Bahnpostgebäude abgerissen und eine Park-&-Ride-Anlage mit Motorrad- und überdachten Fahrradabstellplätzen errichtet. Im Zuge dessen wurden auch die Treppe und der Aufzug der Überführung über die Gleise zur Leipziger Straße saniert. Diese wurde 1993 eingeweiht, nachdem die 1898 errichtete Brücke 1991 abgerissen worden war.

Mit Inbetriebnahme des Leipziger City-Tunnels am 15. Dezember 2013 wurde das Liniennetz der S-Bahn Mitteldeutschland umfangreich umgestaltet. Seitdem verkehren die Linien S5 und S5X von Halle (Saale), dem Flughafen Leipzig/Halle und Leipzig über Altenburg nach Zwickau.
Im Dezember 2017 verkaufte die Deutsche Bahn das Empfangsgebäude an eine Immobiliengesellschaft aus Frankfurt (Main).[4]
Im Mai 2020 schrieb die Deutsche Bahn im Kontext der Sanierung und Ertüchtigung auf 160 km/h der Sachsen-Franken-Magistrale einen Umbau des Bahnhofs einschließlich eines neuen elektronischen Stellwerks aus.[5] Ergänzend werden dabei auch die Gleisanlagen sowie die dem Bahnhof vor- und nachgelagerten Eisenbahnbrücken erneuert. Die Arbeiten begannen im Juli 2021, das ESTW wurde bereits im Juni 2022[6] fertiggestellt. Es ersetzt alle bis dahin noch in Betrieb befindlichen Stellwerke der ehemals acht Stellwerke des Bahnhofs. Zudem werden die Bahnhöfe Gößnitz und Lehndorf seitdem von Altenburg ferngesteuert. Für 2028 ist auch die Fernsteuerung des Bahnhofs Regis-Breitingen von Altenburg geplant.[7] Die Arbeiten zum Bahnhofsumbau wurden im Sommer 2025 abgeschlossen.[8][9]
Der Bahnhof umfasst nach der Fertigstellung vier Bahnsteige, wobei die Bahnsteige 3 und 4 am Gleis 4 angeordnet, allerdings anders als oftmals üblich, nicht durchgängig als ein langer Bahnsteig nutzbar sind. Im Bereich des Personenbahnhofs befinden sich zwei Hauptgleise sowie ein Nebengleis für den Güterverkehr, im Güterbahnhof ist ein weiteres Gleis für den Güterverkehr vorhanden.
- Vorderseite 2006
- Gleisseite 2012
- Stellwerk 5
- Nordkopf mit Stellwerk 1
Infrastruktur
Bahnsteiggleise
Die Bahnsteige sind barrierefrei zugänglich, der Personentunnel ist stadtseitig durch eine Rampe und einen Aufzug erreichbar, der Bahnsteig 2 bis 4 über einen Aufzug.
| Gleis | Länge in m[10] | Höhe in cm |
|---|---|---|
| 1 | 170 | 55 |
| 2 | 170 | 55 |
| 3 | 170 | 55 |
| 4 | 155 | 55 |
Bahnbetriebswerk
Erste Lokbehandlungshandlungsanlagen entstanden Anfang der 1870er Jahre nördlich des Empfangsgebäudes,[11] aus diesen entwickelte sich später das Bahnbetriebswerk Altenburg der Reichsbahndirektion Dresden. Beim Bahnhofsumbau ab 1876 entstand ein neuer Lokschuppen, der 1879 in Betrieb genommen wurde. Die Anlagen wurden Anfang der 1930er Jahre ersetzt, so wurde nördlich des Rangierbahnhofes an der Ausfahrt Richtung Leipzig ein 12-gleisiger Ringlokschuppen samt 23-m-Drehscheibe errichtet. Das Bahnbetriebswerk wurde 1934 der Reichsbahndirektion Halle unterstellt. Lokeinsatzstellen befanden sich in Borna und Meuselwitz.[12] Das Bahnbetriebswerk war hauptsächlich für den Fahrzeugeinsatz der von Altenburg ausgehenden Nebenbahnen zuständig.[11]
Die Dienststelle wurde 1993 geschlossen und war danach noch kurzzeitig eine Einsatzstelle des Betriebshofs Leipzig.[12] Heute werden die verbliebenen Anlagen vom Waggonbau Altenburg genutzt.
- Fahrzeugeinsatz
Zunächst kamen sächsische Baureihen zum Einsatz, so beispielsweise die Baureihen 75.5[11] und 94.19–21.[13.1] Mit dem Wechsel zur Reichsbahndirektion Halle kamen fortan auch andere Lokomotiven zum Einsatz, so etwa die Baureihe 58.10–21,[14] 74.4–13[11] und 94.5–17.[13.2] Nach dem Zweiten Weltkrieg waren auch die Baureihen 52 und 83.10 in Altenburg vertreten.[12]
Ab 1969[12] wurden Diesellokomotiven in Altenburg stationiert, endgültig abgestellt wurden die Dampfloks der Baureihen 52 und 52.80[15] aber erst Mitte der 1980er Jahre. Neben Diesellokomotiven der Baureihen 106, 118 und 120 kamen auch Triebwagen der Baureihe 172 zum Einsatz.
Sonstiges

Den Bahnhof schmücken zwei Skulpturen, zum einen der Grüne Wenzel, der grüne Unter beim Skat, in der Empfangshalle, zum andern ein Bildnis eines Altenburger Bauern, auch Malcher genannt, mit Hut, Pfeife und Reisetasche auf den Bahnsteigen zwei und drei. Dies soll symbolisieren, dass sich die wohlhabenden Bauern des Altenburger Landes eher eine Reise leisten konnten als Häusler, Knechte und Tagelöhner. Der zwei Meter hohe und 700 Kilogramm schwere Malcher wurde 1935 von dem Altenburger Bildhauer Johannes Dietze (* 1903) geschaffen.
Verkehrsanbindung
Auf den beiden S-Bahn-Linien werden Elektrotriebzüge des Typs Bombardier Talent 2 eingesetzt, diese überlagern sich zwischen Altenburg und dem Hauptbahnhof Halle zu einem 30-Minuten-Takt. Auf der Regional-Expresslinie Richtung Gera werden Dieseltriebwagen der Baureihe 612 eingesetzt. Der Bahnhof liegt an den Kursbuchstrecken 501.5 und 540, auf denen im Fahrplanjahr 2024 folgende Linien der DB Regio Südost verkehren:
| Linie | Linienverlauf | Takt (min) |
|---|---|---|
| RE 3 | Altenburg – Ronneburg (Thür) – Gera (– Hermsdorf-Klosterlausnitz – Jena-Göschwitz – Weimar – Erfurt) | 120 |
| S 5 | Zwickau (Sachs) – Crimmitschau – Gößnitz – Altenburg – Markkleeberg – Leipzig – Flughafen Leipzig/Halle – Halle (Saale) | 120 (Zwickau–Altenburg) 60 (Altenburg–Halle) |
| S 5X | Zwickau (Sachs) – Crimmitschau – Gößnitz – Altenburg – Markkleeberg – Leipzig – Flughafen Leipzig/Halle – Halle (Saale) | 60 |
Siehe auch
Literatur
- Reiner Preuß: Altenburg. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 48. Ergänzungsausgabe). GeraNova Zeitschriftenverlag, München 2004, ISSN 0949-2127 (1 Bl., 6 S.).
