Bahnstrecke Bitterfeld–Stumsdorf

Nebenbahn in Sachsen-Anhalt, nur Güterverkehr, teils stillgelegt From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Bahnstrecke Bitterfeld–Stumsdorf, auch als Saftbahn bezeichnet,[2] ist eine 20,5 Kilometer lange Nebenbahn in Sachsen-Anhalt.

Weitere Informationen Bitterfeld–Stumsdorf ...
Bitterfeld–Stumsdorf
Streckennummer (DB):6832
Kursbuchstrecke (DB):252 (2002)
Kursbuchstrecke:156e (1934)
Streckenlänge:21,434 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Maximale Neigung: 10,3[1] 
Minimaler Radius:150 m
Streckengeschwindigkeit:20 km/h
Strecke
von Leipzig Hbf
Abzweig geradeaus und von links
von Halle (Saale) Hbf
Bahnhof
0,0 Bitterfeld
Abzweig geradeaus und nach rechts
nach Berlin Anhalter Bf
Abzweig geradeaus und nach rechts
nach Trebnitz
Wechsel des Eisenbahninfrastrukturunternehmens
Infrastrukturgrenze DB InfraGO / RBB
Dienststation / Betriebs- oder Güterbahnhof
2,4 Grube Antonie
Wechsel des Eisenbahninfrastrukturunternehmens
2,7 Infrastrukturgrenze RBB / ZIG
ehemaliger Bahnhof
5,4 Sandersdorf (Kr Bitterfeld)
Abzweig geradeaus und ehemals nach rechts
gepl. Anst Progroup Papierfabrik
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
9,5 Heideloh
Strecke mit Straßenbrücke
Bundesautobahn 9
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
11,7 Großzöberitz
Abzweig geradeaus und nach rechts
13,5 Anst Verbio Ethanol Zörbig GmbH
Abzweig geradeaus und von rechts
14,2 Anst Verbio Ethanol Zörbig GmbH
14,7 Infrastrukturgrenze ZIG / ENON
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
15,5 Zörbig
Abzweig geradeaus und nach rechts (Strecke außer Betrieb)
nach Radegast (Dreischienengleis)
Abzweig geradeaus und nach rechts (Strecke außer Betrieb)
16,4 Anst Zörbig Getreidewirtschaft
Wechsel des Eisenbahninfrastrukturunternehmens (Strecke außer Betrieb)
19,8 Infrastrukturgrenze ENON / DB InfraGO
Abzweig ehemals geradeaus und von links
von Leipzig
Bahnhof
20,5 Stumsdorf
Strecke
nach Magdeburg
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Geschichte

Eine Bahnstrecke zwischen Bitterfeld über Zörbig nach Stumsdorf zu errichten, war schon 1882 geplant. 1884 genehmigte der preußische Landtag den Bau dieser Strecke. Aber erst als ab 1894 eine Schmalspurbahn zwischen Köthen und Zörbig über Radegast geplant wurde, wurde das Projekt weiter verfolgt, schließlich sagte die Stadt Zörbig 1896 eine finanzielle Beteiligung zu. Am 1. Oktober 1897 konnte die Strecke dem Verkehr übergeben werden. 1910 wurde die Strecke der in Zörbig anschließenden schmalspurigen Dessau-Radegast-Köthener Bahn (DRKE) nach Radegast dreischienig ausgebaut, um die Zuckerfabrik Radegast besser anzuschließen. Die Strecke war durch den Berufsverkehr nach Bitterfeld und Verkehr zum Braunkohle- und Chemierevier gut frequentiert. Aber auch landwirtschaftliche Produkte wurden auf ihr transportiert. Im Volksmund bekam sie den Namen „Saftbahn“, wegen des auf ihr transportierten Zuckerrübensirups.

Abzweig des Anschlussgleises zum Bioethanolwerk von Verbio in Zörbig

Im Personenverkehr verkehrten 1944 werktags acht Zugpaare über die ganze Strecke, dazu noch Züge über Teilstrecken. 1990 waren es werktags zwölf Zugpaare auf der ganzen Strecke. Mit dem Niedergang der Bitterfelder Industrie nach 1990 ging auch der Verkehr rapide zurück. Der Güterverkehr wurde am 31. Dezember 1995 eingestellt. Am 28. September 2002 fuhr der letzte Personenzug. Die Strecke wurde zur Übernahme ausgeschrieben, allerdings waren die Übernahmebedingungen für die Interessenten nicht akzeptabel. Am 1. August 2004 wurde die Strecke zwischen Grube Antonie und Stumsdorf stillgelegt. Mit der Inbetriebnahme einer Bioethanolanlage in Zörbig änderten sich aber die Verhältnisse. Die Stadt Zörbig gründete die Zörbiger Infrastrukturgesellschaft mbH (ZIG). Mit dem 1. Januar 2005 übernahm sie die Strecke zwischen Grube Antonie und Stumsdorf von der DB Netz in Pacht für 20 Jahre. Am 11. August fuhr der erste Güterzug des neuen Unternehmens zwischen Zörbig und Bitterfeld. Die ungenutzte Strecke zwischen Zörbig und Stumsdorf wurde aus Kostengründen zum 1. Januar 2017 von der ZIG an den Eigentümer DB Netz zurückgegeben, der sie nach einer Ausschreibung an die in Putlitz ansässige ENON GmbH & Co. KG veräußerte.[3][4] Ziel des neuen Eigentümers ist zunächst, den Rückbau der Gleise und eine Entwidmung zu verhindern.[5]

Für die im August 2020 geplante Inbetriebnahme der Papierfabrik der Progroup im Industriegebiet Stakendorfer Busch hat sich die Gemeinde Sandersdorf-Brehna für die Anbindung des Anschlussgleises an die Saftbahn zwischen Sandersdorf und Heideloh entschlossen.[6]

Im März 2024 wurde das lange leer stehende Empfangsgebäude des Bahnhofes Zörbig abgerissen.

Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnstrecke

Im Februar 2026 wurde eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnstrecke für den Personenverkehr vorgestellt. Die Machbarkeitsstudie kommt dabei zu dem Ergebnis, dass eine Reaktivierung der Strecke mit Integration in das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland mit der Linie S2, welche ab Bitterfeld über die Strecke und ab Stumsdorf weiter nach Köthen verlängert würde, ein Nutzen-Kosten-Verhältnis über 1 ergeben würde und das Reaktivierungsvorhaben somit förderfähig wäre. Die Reaktivierungskosten werden auf 103 Millionen Euro geschätzt.

Die Machbarkeitsstudie untersuchte zusätzlich zur Vorzugsvariante (Variante C) drei weitere Varianten: eine Verlängerung der S2 lediglich bis Sandersdorf (Variante A) bzw. Zörbig (Variante B) sowie bis Halle (Saale), wobei südwestlich von Zörbig eine Neutrassierung und Neuerrichtung einer Abzweigstelle für den Übergang zur/von der Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig erforderlich wäre (Variante D).

Entsprechend der Machbarkeitsstudie sollen die Haltepunkte Bitterfeld Chemiepark (anstatt des ehemaligen Haltepunkts Grube Antonie), Sandersdorf, Großzöberitz und Zörbig reaktiviert werden. Eine Reaktivierung des Haltepunkts Heideloh ist nicht vorgesehen.[7]

Literatur

  • Wolfgang Fiegenbaum, Wolfgang Klee: Abschied von der Schiene – Stillgelegte Bahnstrecken 2000–2005. Transpress, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-71295-4, S. 41 f.

Einzelnachweise

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