Die Bakchen

Tragödie von Euripides From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Bakchen (griechisch Βάκχαι Bakchai, lateinisch Bacchae) ist ein Drama des klassischen griechischen Dichters Euripides (* 480 v. Chr.; † 406 v. Chr.). Er schrieb es kurz vor seinem Tod 406 v. Chr. als dritten Teil einer Tetralogie und gewann damit 405 v. Chr. postum den ersten Preis bei den Tragödienwettbewerben in Athen.

Inhalt

Pentheus wird von den Mänaden zerrissen; Casa dei Vettii, Pompeji

Bakchen (deutsch zumeist Bacchantinnen, vgl. Mänade und Bacchant) sind die Verehrerinnen des Gottes Dionysos (latinisiert Bacchus).

Dionysos, Sohn des Zeus und der Semele, der Gott des Weines und des Rausches, ist – in Menschengestalt – in seine Geburtsstadt Theben zurückgekehrt, um sich an deren Bewohnern zu rächen, die seine Göttlichkeit nicht anerkennen. Er lässt alle Frauen der Stadt in einen Wahn verfallen und führt sie hinaus auf den Berg Kithairon – darunter auch Agaue, die Mutter des Königs Pentheus.[1]

Ziel von Dionysos’ Zorn ist vor allem Pentheus, der entgegen dem Rat des Sehers Teiresias und seines Großvaters Kadmos beschließt, mit Waffengewalt gegen Dionysos und die Frauen vorzugehen. Der gefesselte Dionysos und Pentheus begegnen einander, ohne dass Pentheus Dionysos als Gott erkennt.[2]

Ein Bote berichtet, die Frauen lebten mit wilden Tieren und schlügen mit Thyrsosstäben gegen die Felsen oder in den Erdboden, so dass Wein herausquelle. Als man sie gestört habe, hätten sie mit übermenschlichen Kräften alles zerstört, was ihnen in den Weg gekommen sei.[3]

Schließlich lässt sich der von dem Gott verblendete Pentheus dazu überreden, selbst als Frau verkleidet die Orgien zu beobachten.[4]

Wieder berichtet ein Bote, wie sich die beiden auf den Weg zum Kithairon gemacht hätten, wo Dionysos Pentheus sich auf einen Baumwipfel setzen ließ. Dieser Beobachtungsposten wird Pentheus zum Verhängnis: die Frauen entdecken ihn und stürzen ihn herunter. Verzweifelt versucht er, sich zu erkennen zu geben, aber auch seine Mutter erkennt ihn nicht, und gemeinsam zerreißen die Frauen ihn.[5]

Agaue kehrt mit dem Kopf ihres Sohnes, den sie immer noch für den Kopf eines erlegten Löwen hält, nach Theben zurück und erkennt erst mit Hilfe ihres Vaters Kadmos, was sie getan hat. Nun erscheint Dionysos erstmals in göttlicher Gestalt und verkündet das Schicksal der Thebaner.[6]

Deutung

Der orgiastische Kult des Dionysos ist bei Euripides als eine extreme Erscheinungsform der Trance in mythischer Einkleidung dargestellt. Die Mänaden laufen nachts in die Berge, geben sich der Jagd hin, erlegen Wild, das lebendig zerrissen und roh verspeist wird. Einigen Darstellungen zufolge findet sich in der Schilderung des Verhaltens der Mänade Perversion und Umkehr des regulären Opfers und seiner Funktion. Anstelle der Polis findet das Kultgeschehen in der Wildnis statt, es wird gejagt und auf unübliche Weise getötet und aufgeteilt (also geopfert) und zudem wird das Fleisch roh gegessen. In diesem Opfer, das den Mänaden vorrangig zugeschrieben wurde, wird die implizite Zurückweisung staatlicher Opferpraxis und generell staatlicher Werte gesehen, eine alternative Form, menschliche Existenz zu erfahren.[7] Gegenüber dieser mythisch-existenziellen Deutung wurden die profanen urbanen und politischen Aspekte des Dramas betont und seine tragikomischen Züge hervorgehoben.[8]

Bearbeitungen

Musikstücke

  • Karol Szymanowski: Agawe. Kantate für Gesang, Chor und Orchester, op. 38, Libretto: Zofia Szymanowska (1917, bislang unaufgeführt)

Opernfassungen

Verfilmung

Performance, neue Übersetzung

Siehe auch

Literatur

Ausgaben

Übersetzungen

Sekundärliteratur

  • Bernhard Gallistl: Teiresias in den Bakchen des Euripides. Diss. Zürich 1979
  • Gyburg Radke: Tragik und Metatragik – Euripides’ Bakchen und die moderne Literaturwissenschaft. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3110180220.
Wikisource: Βάκχαι – Quellen und Volltexte (griechisch)

Belege

Related Articles

Wikiwand AI