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Bartholomäuskirche (Bartholomä)

Kirchengebäude in Bartholomä, Ostalbkreis, Baden-Württemberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Bartholomäuskirche steht in Bartholomä, einer Gemeinde im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Bartholomäuskirche in Bartholomä
Chorraum

Geschichte und Architektur

Eine Kirche St. Bartholomäus in Laubenhart, wie die Gemeinde noch bis ins 16. Jahrhundert hieß, ist 1484 erwähnt. Über die Herren von Rechberg gelangte sie an die von Woellwarth, welche die Reformation einführten. Die Saalkirche hat eine romanischen, von Strebepfeilern gestützten Chorturm, dem um 1510 zusätzlich angebauten Chor mit Fünfachtelschluss im Osten und der Sakristei an der Turmnordwand. Der Chorturm beherbergt in seinem oberen Bereich die Turmuhr und den Glockenstuhl und ist mit einem Pyramidendach bedeckt. Die breitwandige, massive Bauweise des Turmes ist typisch für die Epoche der Romanik und verweist auf seine ursprüngliche Funktion als Teil einer Kirchenburg, die in Zeiten von Überfällen, insbesondere durch Raubritter, als Rückzugsort und schützender Zufluchtsort für die Bevölkerung des damaligen Weilers Laubenhart diente.[1] 1741 und 1958 wurde die Kirche renoviert.

Der Chor im Turm und Anbau ist mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Es endet in drei farbig gefassten Schlusssteinen, die die Trinität symbolisieren: Gott Vater als Auge im Dreieck (ein Motiv, das besonders im Protestantismus seit der Barockzeit Verwendung fand), die Taube als Zeichen des Heiligen Geistes (vgl. (Mk 1,10 LUT)) sowie das Christusmonogramm Chi-Rho. Die Schlusssteine wurden 1930 von der Firma Sachse und Rothmann (Stuttgart) gestaltet, später überstrichen und im Zuge einer Restaurierung 1995 wieder freigelegt.[1]

Ausstattung

Zur Kirchenausstattung gehört ein Altarkreuz von 1490.

Kanzel

Kanzel mit Platten von Jakob Wilhelm Fehrle

Die Kanzel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Künstler Jakob Wilhelm Fehrle aus Schwäbisch Gmünd geschaffen. Die Bezahlung erfolgte in Naturalien (u. a. Kartoffeln und Speck), da Geldmittel knapp waren. Die Kanzel besteht aus drei figurenreichen Reliefplatten, die zentrale Szenen des Neuen Testaments darstellen: die Geburt Jesu, Jesus im Garten Gethsemane und die Auferstehung Christi. Die Darstellung der Gethsemane-Szene greift eine theologische Umdeutung auf: Der Engel reicht Jesus einen Stärkungskelch anstelle des traditionellen Leidenskelches (vgl. (Lk 22,42–43 LUT)). Diese Interpretation ist seit dem 15. Jahrhundert in der christlichen Kunst verbreitet.[1]

Terrakotta-Relief „Ermutigung zum Gespräch“

Hinter dem Taufstein befindet sich ein Terrakotta-Relief des Künstlers Biagio Frisa, das 1978 zum 40. Jahrestag der Reichspogromnacht geschaffen wurde. Es ist dem jüdisch-christlichen Dialog gewidmet und trägt den Titel Ermutigung zum Gespräch. Im Zentrum stehen drei Figuren: die Synagoge (mit Bibel und Davidstern) und die Ecclesia (mit Bibel und Kreuz), die sich gegenüberstehen. Die Darstellung erinnert an die Skulpturengruppe am Straßburger Münster, wo die Synagoge allerdings blind gezeigt wird – eine Symbolik, die hier durch eine offene, dialogbereite Gegenüberstellung ersetzt wird.

Orgel

Orgel

Die Orgel mit Holzpfeifenprospekt wurde 1975 von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link nach Plänen von Helmut Bornefeld gebaut. Sie verfügt über 14 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Prospektpfeifen bestehen aus unterschiedlich gefrästem Berg- und Mooreichenholz.[1] Eine Überholung erfolgte 1985.

Die Disposition lautet:[2]

I Rückpositiv C–g3
Gedackt8′
Rohrflöte4′
Ital. Prinzipal2′
Nasat113
Zimbel III23
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Rohrpommer8′
Prinzipal4′
Gemshorn4′
Quinte223
Hörnlein II135′ + 117
Mixtur IV–VI113
Tremulant
Pedal C–f1
Untersatz16′
Holzprinzipal8′
Choralflöte II4′ + 2′

Literatur

Commons: Bartholomäuskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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