Deutsche Auslandsschule

Schule im Ausland mit Unterricht in deutscher Sprache From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Deutsche Auslandsschulen (DAS) werden 140 besondere Auslandsschulen bezeichnet, an denen der Unterricht zumindest teilweise in deutscher Sprache stattfindet und deren Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. Sie sind Teil der Deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Sie sind von weiteren Schultypen deutschsprachiger Schulen im Ausland zu unterscheiden.

Schultypen und Schüler Deutscher Auslandsschulen

Die Deutschen Auslandsschulen sind allgemeinbildende oder berufsbildende Schulen. Sie werden nach Art und Umfang des deutschsprachigen Angebotes sowie der Abschlüsse unterschieden. Dabei unterscheidet man zunächst grob zwischen „Deutschsprachigen Auslandsschulen“ und „Begegnungsschulen“:[1]

Da diese Schulen vorwiegend von Schülern besucht werden, deren Eltern als deutsche Fachkräfte auf begrenzte Zeit ins Ausland entsandt wurden, ist umgangssprachlich die Bezeichnung Botschaftsschule, Expertenschule oder Expat-Schule verbreitet.

Exzellente Deutsche Auslandsschule

Offizielles Gütesiegel

Das Gütesiegel Exzellente Deutsche Auslandsschule wird an Deutsche Auslandsschulen vergeben, nachdem diese eine Bund-Länder-Inspektion (BLI) erfolgreich durchlaufen haben.

Die Bund-Länder-Inspektion wurde 2008 durch die Kultusministerkonferenz bzw. den Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) als Werkzeug des Pädagogischen Qualitätsmanagements für Deutsche Auslandsschulen verbindlich eingeführt. Alle Deutschen Auslandsschulen werden im Rahmen der BLI in einem Zyklus von etwa sechs Jahren besucht. Bis 2013 haben laut BLASchA 112 der Deutschen Auslandsschulen eine BLI durchlaufen.[4]

Fachaufsicht der Deutschen Auslandsschulen

Für die Betreuung und Fachaufsicht über die derzeit 140 Schulen[5] (Stand: 2020) auf allen Kontinenten ist die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), Bonn, im Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten, Brandenburg an der Havel, zuständig. Sie gehört dort zur Abteilung 6 für Kultur und Gesellschaft, Referat 605 Förderung von Deutsch als Fremdsprache und Auslandsschulen.[6] Das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten gehört zum Geschäftsbereich des Auswärtigen Amtes. Die ZfA arbeitet mit dem Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) zusammen. Über die Befugnis zur Verleihung deutscher Schulabschlüsse entscheidet die Kultusministerkonferenz. Grundlage der Auslandsschularbeit sind das Auslandsschulgesetz und die Verwaltungsvereinbarung zwischen Auswärtigem Amt und Kultusministerkonferenz.[7]

Vor dem 1. Juni 2021 gehörte die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen über 50 Jahre lang zum Bundesverwaltungsamt.[8]

Aufgaben und Rolle der deutschen Auslandsschulen

Der interkulturelle Austausch gehört zu den Zielen aller Schultypen. Der überwiegende Teil der deutschen Schulen im Ausland ist heute als Begegnungsschule konzipiert.[9]

Im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik sollen die Deutschen Auslandsschulen folgende Ziele verwirklichen:

  • Förderung der deutschen Sprache
  • Begegnung mit Kultur und Gesellschaft des Gastlandes
  • Schulische Versorgung deutscher Kinder im Ausland
  • Stärkung des Studien- und Wirtschaftsstandorts Deutschland

Eine gemeinsame Untersuchung von Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) und Universität St. Gallen belegt die bedeutende Rolle der Deutschen Auslandsschulen in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Der „Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen“ zufolge leisten die Schulen aus Sicht von Experten aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Verwaltung und Verbänden einen wichtigen Beitrag zum Ansehen Deutschlands in der Welt. Ausbildung und Abschlüsse der Schulen genießen demnach international hohe Anerkennung; deutsche Unternehmen, die Mitarbeiter ins Ausland entsenden, profitieren stark von den schulischen Angeboten. Für die Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen wurden repräsentative Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden in Deutschland interviewt. An einer parallel durchgeführten Onlinebefragung beteiligten sich 285 Vorstände, Schul- und Verwaltungsleiter der Deutschen Auslandsschulen weltweit. Die Untersuchung erfasst den gesellschaftlichen Nutzen der Auslandsschulen anhand verschiedener Dimensionen wie Wirtschaftlichkeit, Bildung und sozialem Zusammenhalt.[10]

Trägerschaft und Finanzierung

Die deutschen Auslandsschulen befinden sich in aller Regel in der Trägerschaft eines privatfinanzierten deutschen Schulvereins. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Trägerschaft für die Auslandsschulen der Bundeswehr, die sich im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung befinden. Die Sprachdiplomschulen sind in der Regel in der Trägerschaft des Gastlandes. Deutsche Samstagsschulen werden durch Elterninitiativen getragen.

In der Regel handelt es sich um Privatschulen, die von einem gemeinnützigen Schulverein getragen werden. Eigentümer des Schulvermögens, besonders der Liegenschaften, ist oft eine Stiftung. Die Schulen werden meist aus deutschen öffentlichen Mitteln finanziell gefördert.

Die deutschen Auslandsschulen werden in der Regel von gemeinnützigen Schulvereinen gegründet und getragen, die öffentlich gefördert werden (Public-Private-Partnership). Die Auslandsschulen finanzieren sich als Privatschulen zu erheblichen Teilen aus Schulgeld und Spenden, hinzu kommt die Förderung aus dem Schulfonds des Auswärtigen Amtes. Diese Mittel werden von der ZfA zugewiesen. Einzelne Schulen erhalten auch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln des Gastlandes. Falls die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können, besteht häufig die Möglichkeit, dieses ganz oder teilweise zu erlassen oder ein Stipendium zu gewähren.

Die Bundesrepublik Deutschland unterstützte im Jahr 2013 die 140 Deutschen Auslandsschulen mit 243 Millionen Euro.[11] Die freien Träger der Deutschen Auslandsschulen erwirtschaften den Großteil ihrer Haushalte in Eigenverantwortung: Etwa 80 Prozent der Kosten der Auslandsschulen werden durch Gebühren und Zuschüsse ortsansässiger Unternehmen gedeckt.[12]

Am 22. März 2013 billigte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf für ein Auslandsschulgesetz.[12] Am 13. Juni 2013 wurde das Gesetz im Bundestag mit den Stimmen der damaligen schwarz-gelben Regierungskoalition verabschiedet.[13] Zum 1. Januar 2014 trat das Auslandsschulgesetz in Kraft. Damit wurde erstmals, nach einem mehrjährigen Reformprozess, eine eigene gesetzliche Regelung für die Förderung der Deutschen Schulen im Ausland geschaffen.

Gemäß Auslandsschulgesetz werden Förderverträge mit den freien Schulträgern der Deutschen Auslandsschulen geschlossen, die über drei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf die personelle und finanzielle Förderung erhalten. Förderfähig ist eine Deutsche Auslandsschule laut Auslandsschulgesetz (§ 8), wenn sie „deutschsprachigen Unterricht anbietet und deutschsprachig geprägte Abschlüsse“ anbietet; sie muss weiterhin in den letzten drei Jahren vor der Antragsstellung „mindestens 12 Abschlüsse“ derselben, im Gesetz festgeschrieben Kategorie von Abschlüssen vergeben haben (dazu zählen u. a. das Abitur, die mittlere Reife und das Gemischtsprachige International Baccalaureate).[14] Zu den weiteren Voraussetzungen für die gesetzliche Förderung zählen wirtschaftliche Tragfähigkeit, Gemeinnützigkeit und die Ausrichtung an den demokratischen Werten Deutschlands. Schulen, die den gesetzlichen Anspruch der Mindestzahl an Abschlüssen pro Jahr nicht erfüllen, können weiter auf der Basis des freiwilligen Zuwendungsrechtes gefördert werden. Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten, können ebenfalls freiwillig auf der Basis des Zuwendungsrechts Fördermittel erhalten.[15]

Absolventen

Im Jahr 2020 besuchten knapp 84.000 Schüler die Deutschen Auslandsschulen, 20.200 waren deutsche, 63.800 nichtdeutsche Schüler.[16]

Zeugnisse und Abschlüsse anerkannter Deutscher Auslandsschulen sind von der Kultusministerkonferenz anerkannt.[17] Das Abiturzeugnis einer Deutschen Auslandsschule bescheinigt die allgemeine Hochschulreife und vermittelt den Zugang zu jedem Studium an Hochschulen in Deutschland als Bildungsinländer.[18]

Laut einer 2017 veröffentlichten Studie gehen 62 % der Absolventen mit deutscher Staatsbürgerschaft nach dem Schulabschluss nach Deutschland und 32 % der nichtdeutschen Absolventen.[19]

Lehrkräfte

Im Rahmen der Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland und um deutsche Qualitätsstandards zu gewährleisten, werden deutsche Auslandsdienstlehrkräfte durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen angeworben und an die Schulen vermittelt. Dabei handelt es sich um verbeamtete oder festangestellte Lehrer aus dem innerdeutschen Schuldienst, die für eine begrenzte Zeit (in der Regel maximal acht Jahre) durch die Bundesländer zur Verfügung gestellt werden. Sie werden von der Bundesrepublik Deutschland finanziert und erhalten ihre reguläre Vergütung nach deutschem Besoldungs- bzw. Tarifrecht sowie zusätzlich eine Auslandszulage. Hinzu kommen Bundesprogrammlehrkräfte, die ebenfalls für begrenzte Zeit aus Deutschland vermittelt werden, jedoch zuvor keine feste Beschäftigung im innerdeutschen Schuldienst innehatten. Sie werden von der Schule nach örtlichen Tarifen bezahlt, erhalten jedoch zusätzlich eine Zuwendung aus Bundesmitteln. Schließlich werden deutsch- wie landessprachliche Ortslehrkräfte von den Schulen direkt angestellt und vergütet. Die Schulleitung obliegt zumeist einer Auslandsdienstlehrkraft. Im Jahr 2013 waren 1.340 aus Deutschland vermittelte Lehrkräfte und 6.835 Ortslehrkräfte an den Deutschen Auslandsschulen tätig.[20]

Verbände und Gewerkschaft

Der 2003 gegründete Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) vertritt die freien Schulträger der Deutschen Auslandsschulen. Dem Verband gehören 141 Deutsche Auslandsschulen an.[21][22] Der Verband deutscher Lehrer im Ausland (VdLiA) und die Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftArbeitsgruppe Auslandslehrerinnen und Lehrer (AGAL) vertreten die Rechte und Interessen der Lehrkräfte und Kollegien im Auslandsschuldienst, bieten Rechtsberatung und rechtliche Vertretung in Streitfragen an.

Weitere Schultypen deutschsprachiger Schulen im Ausland

Neben den Deutschen Auslandsschule gibt es weitere Schultypen deutschsprachiger Schulen im Ausland. Viele bieten Deutsch als Fremdsprache an.

Deutsch-Profil-Schulen

Der Unterricht an Deutsch-Profil-Schulen (DPS) wird sowohl in deutscher als auch in der Landessprache erteilt, die genaue Ausgestaltung ist unterschiedlich.[23] Wie die Deutschen Auslandsschulen und die Sprachdiplomschulen gehören sie zum Netzwerk der PASCH-Initiative. Der Titel „Deutsch-Profil-Schule“ wird durch das Auswärtige Amt verliehen. Die Deutsch-Profil-Schulen lassen sich in der Regel einem der drei nachstehenden Profile zuordnen:

  • Profil A: Es gibt ein bilateralen Abkommen über einen binationalen Abschluss, auf dessen Grundlage die Schule zu einem nationalen Abschluss des Sitzlandes sowie zum deutschen Abitur führt.
  • Profil B: Die Schule führt zu einem nationalen Abschluss des Sitzlandes. Dieser berechtigt auch zu einem direkten Hochschulzugang in Deutschland. Der nationale Abschluss umfasst eine Prüfung im Fach Deutsch und mindestens in einem weiteren deutschsprachigen Fach.
  • Profil C: Die Schule führt zu einem nationalen Abschluss des Sitzlandes. Dieser schließt das Deutsche Sprachdiplom der Stufe II bzw. eine Prüfung im Fach Deutsch sowie mindestens ein weiteres deutschsprachiges Fach als Teil der nationalen Abschlussprüfung der Sekundarstufe II ein.

Die Landessprache wird als Muttersprache unterrichtet. Die Schulen stehen allen Einheimischen und Kindern anderer Nationalitäten offen. An den 27 DPS-Schulen (vergleiche die Liste deutschsprachiger Schulen im Ausland) werden sowohl deutsche als auch landesspezifische Abschlüsse vergeben. Kennzeichnend ist, dass neben dem Fach Deutsch noch mindestens ein weiteres Unterrichtsfach in der deutschen Sprache unterrichtet wird. Zudem sind die deutschsprachigen Fächer Teil der Abschlussprüfung. Diese oft auch als Spezialgymnasien betitelten Schulen befinden sich vorwiegend in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.[24]

Sprachdiplomschulen und FIT-Schulen

Neben den 140 Deutschen Auslandsschulen in 72 Ländern gibt es weltweit mehr als 1.000 Schulen mit verstärktem Deutschunterricht, so genannte Sprachdiplomschulen (DSD-Schulen).[23] Dort wird der Unterricht, ggf. mit Ausnahme einzelner Fächer, vollständig in der Landessprache erteilt; es findet jedoch in großem Umfang verpflichtender Deutschunterricht statt, häufig schon in einem integrierten Kindergarten. Die Schulen sind vollständig in das örtliche Schulsystem integriert, es werden die jeweiligen nationalen Abschlüsse sowie das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz verliehen.[16] Außerdem gibt es mehrere hundert sogenannte FIT-Schulen, an denen der Deutschunterricht in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Goethe-Institut auf- oder ausgebaut wird.[25]

PASCH-Schulen

PASCH-Schulen gehören zum Netzwerk der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH). Das Netzwerk umfasst über 2000 Schulen. Koordiniert durch das Auswärtige Amt arbeiten die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und der Pädagogische Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz eng zusammen.

Deutsche Samstagsschulen

Deutsche Samstagsschulen bieten ergänzenden Deutschunterricht zum regulären lokalen Schulsystem des Gastlandes.

Auslandsschulen der Bundeswehr

Neben den durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen im Bundesverwaltungsamt betreuten Schulen betreibt die Bundeswehr sechs eigene Auslandsschulen an Bundeswehrstandorten in Frankreich, Belgien, Italien, Litauen, den Niederlanden und in den USA.[26] Diese Auslandsschulen der Bundeswehr werden bei ausgewählten größeren Dienststellen im Ausland betrieben, an denen es keine andere deutsche Auslandsschule oder keine ausreichende internationale Schule gibt. Im Rahmen freier Kapazitäten besuchen auch Kinder, deren Eltern nicht bei der Bundeswehr arbeiten, gegen Zahlung eines Schulgeldes diese Schulen. Die Abschlüsse sind denen in Nordrhein-Westfalen gleichgestellt. Die Auslandsschulen der Bundeswehr werden seit September 2004 in schulfachlicher Hinsicht durch das Bundesland Nordrhein-Westfalen betreut. Auf Seiten der Bundeswehr verantwortet das Bildungszentrum der Bundeswehr die Fachaufsicht sowie Betrieb und Organisation der Auslandsschulen der Bundeswehr.[27][28] Sie werden vom Bundesministerium der Verteidigung getragen und unterliegen nicht dem Auslandsschulgesetz. Es gibt Vereinbarungen zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und den Ländern über die personelle Unterstützung und die fachliche Betreuung dieser Schulen.

Berufsschulen und Europäische Schulen

Hinzu kommen deutsche Berufsschulen sowie deutschsprachige Abteilungen an Europäischen Schulen, an denen das Europäische Abitur erworben werden kann.

Liste deutschsprachiger Schulen im Ausland

Die Liste deutschsprachiger Schulen im Ausland enthält sowohl die 140 Deutschen Auslandsschulen als auch weitere deutschsprachige Schulen im Ausland.

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI