Benedictus Deus
päpstliche Bulle, die die Gottesschau der Seele nach dem Tod dogmatisiert
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Nach ihren Anfangsworten Benedictus Deus (lat. Gott der Gepriesene) heißt eine Konstitution in Form einer Bulle von Papst Benedikt XII. vom 29. Januar 1336, in der die bis heute gültige Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche über die visio beatifica, die Gottesschau der Seelen nach dem Tode, definiert und dogmatisiert wurde.

Die Bulle gilt als ex cathedra erlassen, mithin als unfehlbare Lehre (vgl. Unfehlbarkeit). Der Papst klärte mit dieser Entscheidung eine Lehrunsicherheit, die sein Vorgänger Johannes XXII. ausgelöst hatte, indem dieser eine ältere (und durch die Bulle als überholt festgestellte) Vorstellung in einigen Predigten bekundete. Auf dem Sterbebett leistete dieser Papst nach dem Zeugnis seines Nachfolgers hingegen einen Widerruf. Papst Johannes XXII. bevorzugte die Deutung, dass die Seelen der Verstorbenen bis zur Wiederkunft Christi „unter dem Altare“ (der menschlichen Natur Jesu) ruhten. Benedictus Deus hingegen legte fest, dass die Seelen der in der Gnade Christi gestorbenen Menschen sofort der beseligenden Anschauung Gottes teilhaftig seien. Sofern zur Reinigung der von den zeitlichen Sündenfolgen noch das Fegefeuer zu durchmessen sei, bedeutete dies zuvor noch eine Art Leidenszeit. Nur die außerhalb der Gnade Christi, etwa durch eine nicht bereute Todsünde, verharrenden Seelen seien der Verdammnis überantwortet.
Die konkreten politischen Auswirkungen der Meinung Johannes’ XXII. werden anschaulich beschrieben im Roman Der Name der Rose.
Siehe auch
Quellentexte
- Papst Benedikt XII.: Benedictus Deus (lateinisch) (englisch)
- Konstitution “Benedictus Deus”, 29. Jan. 1336: In: Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Enchiridion Symbolorum, definitionum et declarationum de rebus fidei et morum. Verbessert, erweitert, ins Deutsche übertragen und unter Mitarbeit von Helmut Hoping herausgegeben von Peter Hünermann (Kurzform: Denzinger-Hünermann) 40. Auflage. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2005, Nr. 1000–1002.
- Lehrentscheid Papst Benedikts XII. über die beseligende Gottesschau und die Letzten Dinge (1336), Konstitution »Benedictus Deus«. In: Josef Neuner und Heinrich Roos: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung (Kurzform: Neuner-Roos). 12. Auflage, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1986, ISBN 3-7917-0119-3, S. 535–537, Nr. 901–905.
Literatur
- Franz Lakner SJ: Zur Eschatologie bei Johannes XXII. In: Zeitschrift für katholische Theologie 72. Bd. (1950), S. 326–332.
- Joseph Ratzinger: Benedictus Deius. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Bd. 2. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1958, Sp. 171–173.
- Nikolaus Wicki: Die Lehre von der himmlischen Seligkeit in der mittelalterlichen Scholastik von Petrus Lombardus bis Thomas von Aquin (= Studia Friburgensia. Neue Folge 9), Universitätsverlag, Freiburg (Schweiz) 1954.