Benutzer:DaWalda/CAM

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Das Combat Antisemitism Movement (CAM, deutsch: „Bewegung zur Bekämpfung von Antisemitismus“) ist eine 2019 gegründete internationale Organisation mit Sitz in den USA, die sich dem Kampf gegen Antisemitismus widmet. Die Organisation wurde vom Ölmagnaten Adam Beren gegründet und wird von seiner Combat Hate Foundation betrieben.

Rechtsform
Die hinter dem CAM stehende Combat Hate Foundation (CHF) ist registriert als Nonprofit-Organisation (501(c)(3)).[1]
Gründung2019
GründerAdam Beren[2]
SitzKansas City, Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten[3]
Schnelle Fakten Combat Antisemitism Movement, Rechtsform ...
Combat Antisemitism Movement
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Rechtsform
Die hinter dem CAM stehende Combat Hate Foundation (CHF) ist registriert als Nonprofit-Organisation (501(c)(3)).[1]
Gründung 2019
Gründer Adam Beren[2]
Sitz Kansas City, Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten[3]
Zweck Bekämpfung von Antisemitismus, pro-israelischer Lobbyismus
Geschäftsführung Sacha Roytman (CEO CAM)[4]
Donna Stucky (Präsidentin CHF)[5]
Umsatz CHF: 9.857.892 $ (2024)
Website combatantisemitism.org
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CAM verfolgt als Hauptstrategie die weltweite Verbreitung der Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) und hat nach eigenen Angaben ein Netzwerk von über 950 Partnerorganisationen und 5 Millionen Einzelpersonen aufgebaut. Zu ihren zentralen Aktivitäten gehören jährliche Bürgermeistergipfel in den USA, Europa und Australien sowie die Entwicklung kommunaler Handlungspläne gegen Antisemitismus.

Die Organisation ist umstritten. Journalisten kritisierten die intransparente Finanzierung und wiesen auf strukturelle Verbindungen zum israelischen Ministerium für strategische Angelegenheiten hin. CAMs weites Antisemitismusverständnis, das Antizionismus mit Antisemitismus gleichsetzt, wird in der Forschung kritisiert. Zu den prominenten Unterstützern gehören der israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog und der israelische Politiker Natan Sharansky.

Gründung

Selbstdarstellung

Das Combat Antisemitism Movement (CAM, „Bewegung zur Bekämpfung von Antisemitismus“) ging 2019 als Website unter dem Namen „Combat anti-Semitism“ ans Netz. Es beschrieb sich als in der jüdischen Gemeinde im Umfeld der Studierenden-Fraternity Alpha Epsilon Pi[6] entstandene „unparteiische, internationale Graswurzelbewegung von Individuen und Organisationen aller Religionen und Glaubensrichtungen, die das Ziel eint, Antisemitismus zu beenden.“[7] Für diesen Kampf wolle die Website mit einer Kampagne „moralische Unterstützung“ bieten, indem sie dazu einlud, sich mit Online-Unterschrift unter ein von der IHRA-Definition von Antisemitismus inspiriertes Versprechen auf diesen Kampf einzuschwören. In diesem Versprechen wurden als neue antisemitische Akteure „organisierte Gruppen und Individuen“ identifiziert, die sich darum bemühten, „Israel, die lebendigste Demokratie im Nahen Osten, zu dämonisieren, zu delegitimieren und mit Doppelstandards zu beurteilen“ (→ 3-D-Test für Antisemitismus), und die BDS-Bewegung als von einem „neuen Antisemitismus“ getrieben beschrieben.[8]

Wer konkret die Kampagne organisierte, war nicht veröffentlicht. Veröffentlicht wurde jedoch, dass prominente Persönlichkeiten zum beratenden Beirat von CAM gehörten; darunter der israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog und der sowjetische Dissident und israelische Politiker Natan Sharansky; ebenso der Antisemitismusbeauftragte und ehemalige Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker.[9]

Mögliche Hintergründe

Ab 2021[10] wurde bekannt, dass es sich bei der mittlerweile als „Combat Antisemitism Movement“ firmierenden Kampagne und Website[9] um eine vom Ölmagnaten Adam Beren gegründete Organisation handelte, die von seiner im selben Jahr gegründeten Combat Hate Foundation betrieben wurde[11] – was er 2025 auch öffentlich so äußerte.[2]

2024 zeichneten außerdem die Investigativjournalisten Lee Fang und Jack Poulson sowie der Lobbyforscher David Miller israelische Regierungsplanungen nach, die nahelegten, dass CAM organisationell verbunden ist mit der israelischen Organisation Voices of Israel.

Von hier aus wurden zwei Einordnungen von CAM vorgeschlagen, nach denen die Organisation entweder als eine „Dark-Money-Organisation“ Berens oder eine Schlüsselorganisation der Israel-Lobby zu bewerten ist.

„Dark-Money“-Organisation Berens

Der Journalist Arno Rosenfeld,[12] der als erster auf die Rolle von Adam Beren hinwies, bot in seinem Artikel zwei verschiedene Deutungsfolien an. Nach der ersten gehörte CAM in eine Reihe neuer Antisemitismus-Bekämpfungsorganisationen, die seit den späten 2010er-Jahren von jüdischen Philanthrophen gegründet wurden, darunter Robert K. Krafts Foundation to Combat Antisemitism und Ron Lauders Anti-Semitism Accountability Project.[13] Diese Deutung wurde zwei Jahre später auch von Armin Rosen hochgehalten.[14]

Alternativ wies Rosenfeld (in einem Kontext, in dem noch keine genaueren Finanzdaten vorlagen) darauf hin, dass CAM explizit nicht offenlegen wolle, wer seine Geldgeber seien,[15] dabei aber wahrscheinlich vom republikanischen Großspender Beren finanziert werde. Zudem betreibe CAM nachweislich Lobbyingkampagnen im Gegenwert eines mittleren fünfstelligen Betrags, investiere erhebliche Mittel in professionelle Werbung, arbeite mit Akteuren wie dem israelischen Außenministerium zusammen und sei Koalitionen mit klar politischer Schlagseite eingegangen. Rosenfeld sprach daher von einer „Dark Money“-Organisation Berens.[13]

Die Finanzierung durch Beren ließ sich später nachweisen: Laut von Tech Inquiry ausgewerteten Steuerformularen flossen zwischen 2020 und 2022 über 6,5 Mio. USD von Berens „Beren Sea Foundation“ an die Combat Hate Foundation.[16] 2023 und 2024 kamen weitere knapp 6,5 Mio. hinzu.[17] Von der Combat Hate Foundation wiederum wurde jeweils die größte Summe aufgewendet für „die Schaffung einer Graswurzelbewegung aus Individuen und Organisationen jeder Religion und jeden Glaubens, vereint unter dem Ziel, Antisemitismus und andere Formen von Intoleranz zu beenden“.[18] Weitere größere Summen (> 50.000 USD) flossen außerdem bis 2022 laut Tech Inquiry und 2023 bis 2024 laut aktuelleren Formularen zum Beispiel an die Israel Allies Foundation, das Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy, das Network Contagion Research Institute, Together with Israel, außerdem 2023 an eine Vielzahl von Empfängern zur Finanzierung der „Washington DC for Israel Rally“ und 2024 an die Informing America Foundation zur Finanzierung von über Israel berichtenden Journalisten.[19]

Rosenfelds zweite Deutung führte 2025 der Journalist John Ross weiter[20] und charakterisierte CAM nun nicht mehr nur als „Dark Money“-Organisation, sondern als „Dark Money“-Netzwerk, mithilfe dessen Bürgermeister, Staatsbeamte und Medienakteure koordiniert würden, ohne dass die finanzierende Ebene dabei sichtbar würde.[21]

GONGO Israels

Laut anderen Journalisten erfolgte die Gründung von CAM möglicherweise in einem Kontext israelischer Regierungsplanungen: 2018 hatte das israelische Ministerium für strategische Angelegenheiten Strategien diskutiert, wie durch Gründung einer US-amerikanischen Nonprofit-Organisation mögliche Registrierungspflichten für das Projekt „Voices of Israel“ (VoI) des Ministeriums nach dem Foreign Agents Registration Act vermieden werden könnten. Im Strategieministerium wurde vorgeschlagen, eine weitere Nonprofit-Organisation zwischenzuschalten, die ihren Sitz in den USA haben sollte.[22] Ein Jahr später entstand CAM, das von VoI als Partner einer Shared-Venture-Vereinbarung mit dem Ministerium genannt wurde[23] und seinerseits Concert und das Strategieministerium unter ihren Partnern listete. In seinem Vorstand saßen neben israelischen Spitzenpolitikern ( s.o.) und Sima Vaknin-Gill, die während der Planungen des Strategieministeriums noch Generaldirektorin ebendort gewesen war,[9] noch mindestens zwei weitere Personen, die zuvor wichtige Funktionen im oder für das Ministerium wahrgenommen hatten.[24]

Die Journalisten Lee Fang und Jack Poulson, die als erste auf diese Zusammenhänge hingewiesen hatten, beließen es bei diesen Hinweisen und machten zu Umfang und konkreter Ausgestaltung der Rolle von CAM keine weiteren Angaben.[25] Der Lobbyforscher David Miller dagegen bezeichnete im irannahen Medium Al Mayadeen auf dieser Grundlage CAM als „Front“ Israels, das in den USA als Bindeglied für Finanzflüsse zwischen VoI und amerikanischen Partnern fungiere.[26]

Auf die Recherche von Fang und Poulson entgegnete CAM, man sei weder gegründet worden noch beeinflusst von der israelischen Regierung.[27] Millers Artikel war parallel vom iranischen Sender Press TV zu einer Reportage ausgearbeitet worden; diese wies CAMs CEO Roytman als „schlecht gemachte Propaganda“ zurück.[28]

Wirken

Vernetzung

Ein Schwerpunkt der Arbeit von CAM liegt nach Einschätzung von Rosenfeld auf dem Aufbau eines Netzwerks von Kooperationspartnern.[29] CAM führt „Koalitionspartner“ prominent auf seiner Website auf; Stand 2026 ist dort von über 950 Organisationen und 5 Millionen Einzelpersonen als Teil der Koalition die Rede.[30]

Nicht alle 950 koalierten Organisationen werden angegeben. Unter denen, die angegeben werden, reicht laut Rosenfelds Analyse das politische Spektrum von der politischen Mitte bis zum rechten Rand. Viele Partner sind größere Mainstream-Organisationen wie das American Jewish Committee die Jewish Federations of North America. Vor 2022 gehörten aber beispielsweise auch noch das Clarion Project oder Americans for Peace and Tolerance dazu, was CAM auf Nachfrage auch verteidigte.[31] Diese beiden Organisationen wurden später von der Liste entfernt. Auch noch Stand 2026 gehört zu den gelisteten Partnern zum Beispiel die israelische Organisation Im Tirtzu,[32] die von Kritikern als rechtsextrem eingestuft wird.

Direktorin für Community Engagement ist die deutsch-israelische Shira Granot, die zuvor in der Abteilung für internationale Beziehungen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und in der Israelischen Botschaft in Berlin tätig war.[33]

Lobbying für die IHRA-Definition

Sima Vaknin-Gill erläuterte 2024 in der Knesset die Strategie von CAM: Seit mehreren Jahren verfolge die Organisation die Annahme der IHRA-Definition durch Staaten und die Vereinten Nationen. In vielen Ländern – darunter die USA und Deutschland – sei sie bereits angenommen worden (CAM trackt diese Annahmen mit jährlich erscheinenden Berichten).[34] Seit Kurzem arbeite man verstärkt auf lokaler Ebene mit Bürgermeistern, Landräten und Gouverneuren an der praktischen Umsetzung der Definition. An Universitäten gehe die Annahme der Definition nur langsam voran.[35]

Bürgermeistergipfel und Studierendengipfel

Ein zentrales Format der Arbeit mit Kommunalpolitikern sind die „Mayors Summits“ („Bürgermeistergipfel“) von CAM,[36] die seit 2021 jährlich in den USA und Europa stattfinden – darunter in Europa 2021 in Athen, 2022 in Frankfurt am Main, 2023 in Dortmund.[37] 2024 wurde gemeinsam mit ELNET Deutschland der verwandte „Actions Matter Summit“ in Wien veranstaltet.[38] 2025 fand ein weiterer Bürgermeistergipfel in Paris statt,[39] außerdem erstmalig auch ein australischer Gipfel in Gold Coast.[40]

Der australische Gipfel stieß auf politischen Widerstand;[41] zahlreiche Eingeladene lehnten die Teilnahme ab.[42] CEO Sacha Roytman Dratwa bezeichnete Kritik am Gipfel als „antisemitisch“,[43] CAM sprach von einer „Schmierkampagne“.[44]

Bestandteil der Bürgermeistergipfel ist regelmäßig die Vorstellung von Handlungsplänen gegen Antisemitismus. Diese beinhalten durchgängig die Annahme der IHRA-Definition auf kommunaler Ebene sowie die Institutionalisierung der Antisemitismusbekämpfung durch Koordinatoren, Taskforces oder beratende Gremien. Zudem wird die Implementierung in Verwaltungen, Behörden, Hochschulen und Sportverbänden angestrebt.[45][46]

Anfang 2025 fand außerdem der „Global Student Summit Against Antisemitism“ statt, mit dem die „F.A.C.E. Initiative“ („Fightling Antisemitism on Campuses Effectively-Initiative“) für Universitäten gestartet wurde. Auch hier ist Bestandteil dieser Initiative ein mehrteiliger Handlungsplan.[47]

Antisemitismusverständnis

CAM vertritt ein weiteres Antisemitismusverständnis als die IHRA-Definition, die selbst in der Forschung wiederholt dafür kritisiert wurde, durch unscharfe Formulierung eine Vermengung von Antisemitismus mit Antizionismus oder Kritik an Israel zuzulassen oder zu befördern.[48] Laut Roytmann wird bei CAM demgegenüber die Auffassung vertreten, beides sei identisch.[49] Die Journalistin Sarra Grira berichtete, auch beim Pariser Bürgermeistergipfel seien Antisemitismus und Antizionismus wiederholt eng miteinander verknüpft worden.[50]

Anfang 2025 führte CAM gemeinsam mit dem Program on Extremism der Washington University eine Schulung zur Erkennung von Antisemitismus für das New York City Police Department durch.[51] Nach Berichten des Journalisten Alex Kane wurden dort palästinensische Symbole wie die Wassermelone und die Kufiya sowie Begriffe wie „Siedlerkolonialismus“ als antisemitisch kategorisiert.[52] Eine ähnliche Liste antisemitischer Symbole soll im selben Jahr auf dem australischen Bürgermeistergipfel vorgestellt worden sein.[53] Als Indikatoren für Antisemitismus gelten CAM zudem kommunistische Flaggen sowie Begriffe wie „Israelische Apartheid“ oder „Völkermord“, mit denen der jüdische Staat Israel delegitimiert werde.[54]

Literatur

Einzelnachweise

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