Benutzer:Interzero Holding/entwurf
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Die Interzero Holding GmbH & Co. KG (IHKG) ist ein Anbieter von Umweltdienstleistungen mit offiziellem Unternehmenssitz in Berlin, während sich die größte und mitarbeiterstärkste Verwaltungseinheit in Köln befindet. Bis zur Umstrukturierung 2022 gehörte Interzero zur Alba Group.[2][3]
| Interzero Holding GmbH & Co. KG | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1991 |
| Sitz | |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 1828 (2023)[1] |
| Umsatz | 734,4 Mio. Euro (2023)[1] |
| Branche | Recycling, Umwelt, Kreislaufwirtschaft, Entsorgung |
| Website | interzero.de |
| Stand: 31. Dezember 2023 | |
Geschichte

Vorgeschichte
Eine Gruppe von Entsorgungsunternehmen gründete die Interseroh AG 1991 in Köln. Unternehmensziel war die Verwertung von Sekundärrohstoffen als Garantiegeber für das Duale System Deutschland sowie die Konzeption von Branchensystemen, um die Rückführung und Verwertung von Transportverpackungen im Materialkreislauf zu gewährleisten.
Hintergrund des Geschäftsmodells war der Erlass der Verpackungsverordnung vom 12. Juni 1991. Der Gesetzgeber verlangte mit dieser Verordnung von den Herstellern und Vertreibern von Verpackungen die Rücknahme, Verwertung und Entsorgung ihrer Produkte nach Gebrauchsende. Für die praktische Umsetzung der Verordnung war 1990 das Duale System Deutschland in der Bundesrepublik Deutschland zunächst als Monopol eingeführt worden.[4]
1993 lagerte die Interseroh AG das operative Geschäft in die Interseroh Dienstleistungs GmbH aus. Ab 1994 erweiterte Interseroh sein Geschäftsmodell und stieg ins Metall- und Stahlrecycling ein, das sich zum zweiten Standbein des Unternehmens entwickelte. Dieser Bereich wurde in den darauffolgenden Jahren ausgebaut. Durch die Übernahme der Hansa Recycling GmbH, Dortmund im Jahr 2001, rückte Interseroh vom fünften auf den dritten Platz der größten Stahlrecycling-Firmen in Deutschland vor.[5]
1997 expandierte Interseroh außerhalb Deutschlands mit der Gründung der österreichischen Tochtergesellschaft EVA Erfassen und Verwerten von Altstoffen GmbH als Systembetreiberin für Österreich.[6] Später firmierte diese zur Interseroh Austria GmbH um. Von Österreich aus expandierte Interseroh in den darauffolgenden Jahren nach Slowenien, Polen, Kroatien und Bosnien.[7]
Im Jahr 2000 übernahm Interseroh das Rücknahmesystem „Die Grüne Umweltbox“ für die Sammlung leerer Tonerkartuschen und Mobiltelefone in Unternehmen, Schulen und Kindergärten. 2004 erhielt das Recycling-Unternehmen erstmals die Genehmigung, in Hamburg Verpackungen zurückzunehmen – in direkter Konkurrenz zur Duales System Deutschland AG (DSD), die bis dahin ein Monopol in diesem Bereich gehabt hatte.[8] DSD klagte dagegen, blieb jedoch erfolglos.[9] Bereits zuvor hatte die Landbell AG in Hessen eine ähnliche Zulassung zur Abfallentsorgung für privaten Müll erhalten, wodurch das Monopol von DSD bereits gebrochen worden war. Als 2006 Baden-Württemberg als letztes Bundesland die Zulassung des Zugangs weiterer Unternehmen zum Entsorgungsmarkt öffnete, konnte die Interseroh GmbH bundesweit als Duales System aktiv werden.[10]
2005 vergrößerte Interseroh mit Zustimmung des Bundeskartellamtes seinen Anteil an der Westpfand Clearing GmbH, dem ersten Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen auf dem deutschen Markt,[11] auf 51 %. Zusammen mit der Deutschen Pfand-Konzept GmbH entstand daraus die Interseroh Pfand-System GmbH.[12] Seitdem ist diese an der Abwicklung von Waren- und Geldströmen beim Einwegpfand beteiligt.[13]
2008 erfolgte die Umwandlung der Gesellschaft in eine europäische Aktiengesellschaft (SE), die als Interseroh SE firmierte. Im selben Jahr ging diese eine Kooperation mit dem Entsorgungs- und Recycling-Unternehmen Alba ein. 2011 wurde die Metall- und Stahlsparte unter das Dach der Alba Group gestellt. Im selben Jahr stimmten die Interseroh-Aktionäre einem Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag zwischen der Alba Group plc & Co. KG und der Interseroh SE zu und beschlossen 2012 die Umfirmierung der Interseroh AG in die Alba SE. Diese fungiert als Zwischenholding der Alba Group, hat aber ihre Börsennotierung weiter behalten. Der Streubesitz lag Ende 2020 bei 6,9 %.[14]
2016 übernahm das chinesische Familienunternehmen Techcent zu 60 % die Bereiche Abfallvermeidung, Produktrecycling, Rücknahme von Verpackungen, Bereitstellung von Sekundärrohstoffen und Mehrwegsystemen der Alba Group, für welche Interseroh verantwortlich war.[15] Nach der Insolvenz von Techcent im Jahr 2021 wurden die Anteile zurück an die Alba veräußert.[16]
Im selben Jahr gründete Interzero zusammen mit BMW das Joint-Venture Encory, ein Unternehmen das vor allem auf die Kreislaufwirtschaft der Automobilindustrie ausgerichtet ist.[17][18]
Interzero ab 2022
Im Jahr 2022 vollzogen die Alba-Inhaber Eric und Axel Schweitzer die Trennung von Interseroh von Alba. Axel Schweitzer, der zuvor innerhalb von Alba für Kreislaufdienstleistungen, Kunststoffrecycling und das Duale System Interseroh+ zuständig gewesen war, führte diese Geschäftsbereiche in der neu gegründeten Interzero GmbH & Co. KG zusammen. Dabei übernahm Interzero das Kunststoffrecycling[16][19][20] und alle damit verbundenen Dienstleistungen, während Alba weiterhin für das Recycling von Papier, Stahl, Metall und Holz verantwortlich blieb.[19][16]
Im selben Jahr gründete Interzero ein Joint-Venture mit OMV, um in Walldürn eine Sortieranlage zu errichten, die die Rohstoffe für das chemische Recycling liefert. Die Anlage soll 2026 in Betrieb gehen und bis zu 260.000 Tonnen bisher nicht recycelbaren Mischkunststoffs verarbeiten.[21]
Unternehmensstruktur
Die Interzero Holding GmbH & Co. KG (IHKG) hat ihren Sitz in Berlin und ist das Mutterunternehmen der Interzero-Gruppe.[1] Geleitet wird das Unternehmen durch Jan Kroker, Yi Guo und Claudia Wegener. Beiratsvorsitzender ist Axel Schweitzer.[1][22][23]
Interzero ist ein Akronym für International Zero Waste Solutions.[19] Der Kreislaufwirtschaftsdienstleister[23] ist neben dem Kunststoffrecycling außerdem im Betrieb von Pfandsystemen tätig und betreibt ein duales System zum Sammeln von Verpackungsmüll. In Deutschland wird rund ein Drittel der Abfälle aus dem gelben Sack bzw. der gelben Tonne durch Interzero sortiert.[24][25] Dafür betreibt das Unternehmen fünf Sortieranlagen, die größte davon in Marl.[24]
Im Geschäftsjahr 2023 erwirtschaftete die IHKG einen Umsatz von 734,4 Millionen Euro und beschäftigte 1828 Mitarbeiter.[1] Die Interzero-Gruppe ist mit über 60 Beteiligungen und Tochterunternehmen in zehn europäischen Ländern vertreten.[26]
Dienstleistungen
Das Geschäftsmodell von Interzero basiert auf Kreislaufsystemen, Kunststoffrecycling und -sortierung, dem dualen System Interzero Recycling Alliance (IRA) sowie dem Handel mit Rohstoffen und Rezyklaten.[1]
Im Bereich Kreislaufsysteme bietet Interzero Dienstleistungen zur Wiederverwertung von Wertstoffen. Dazu gehören die Entwicklung und der Betrieb von Rücknahmesystemen für Verpackungen, Produkte und Materialien sowie kundenspezifische Kreislaufsysteme für Unternehmen.[27]
Interzero betreibt Sortier- und Recyclinganlagen, stellt Rezyklate her und vermarktet Recyclingkunststoffe.[19][24] In der Sortieranlage in Marl werden jährlich bis zu 200.000 Tonnen Leichtverpackungsmüll verarbeitet.[28]
Das Unternehmen Interzero Recycling Alliance GmbH organisiert die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verkaufsverpackungen. Sie berät Unternehmen bei der Verpackungslizenzierung sowie der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Darüber hinaus trägt sie dazu bei, Verpackungen in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen und Rohstoffkreisläufe zu schließen.[29][30][31]
Engagement
Nachhaltigkeit
Interzero implementiert verschiedene Maßnahmen für die Verschiebung des Erdüberlastungstag, wie etwa effiziente Ressourcennutzung und die Minimierung der Umweltbelastung.[32][33] Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut UMSICHT untersucht Interzero die ökologischen Auswirkungen des Recyclings. Laut der Studie Resources saved by Recycling, welche Interzero jährlich zusammen mit dem Fraunhofer-Institut veröffentlicht, konnte das Unternehmen 2023 durch das Recycling von 2,5 Millionen Tonnen Wertstoffen rund 1,2 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermeiden und über 11,1 Millionen Tonnen Primärressourchen schonen.[34]
Sponsoring
Interzero ist Hauptsponsor von Alba Berlin, einem der größten deutschen Basketballvereine. Neben der Herrenbundesligamannschaft ist Interzero auch Partner der Basketballdamen.[19] Weiterhin unterstützt Interzero die gemeinnützige Organisation Mission to Marsh, die sich für den Moorschutz einsetzt.[35]
Auszeichnungen (Auswahl)
- 2012: Kölner Unternehmerpreis, verliehen durch den Wirtschaftsclub Köln[36]
- 2013: Industriepreis der Initiative Mittelstand in der Kategorie „Service und Dienstleistungen“[37]
- 2017: Slowenischer Umweltpreis, verliehen von der Wirtschaftszeitung Finance und dem slowenischen Umweltfonds Eko sklad[38]
- 2019: Plastics Recycling Award Europe in der Kategorie „Recycling Machinery Innovation of the Year“[39]
- 2024: Deutscher Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft“[27][26] sowie der Sonderpreis im Transformationsfeld „Ressourcen“[40]
Literatur
- Markus Timmermeister: Entstehung und Gestaltung eines neuen Politikfelds. Die Abfallpolitik in der Bundesrepublik Deutschland in den neunziger Jahren. (Dissertation), Münster 1998, pp. 37–46
