Benutzer:Kiew86/Mir (Computer)
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MIR war der Name einer Reihe von Computern, die in der UdSSR zwischen 1965 und 1974 unter der Leitung von Wiktor Gluschkow im Institut für Kybernetik der Akademie der Wissenschaften der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik in Kiew entwickelt wurden. Gedacht waren sie vorrangig für ingenieurtechnische und naturwissenschaftliche Berechnungen.
Dabei bedeutet MIR Maschine für ingenieurtechnische Berechnungen (russisch Машина для Инженерных Расчётов, wiss. Transliteration Mašina dlja Inženernych Rasčëtov). Gleichzeitig steht in der russischen Sprache das Wort MIR (МИР) auch für Frieden oder die Erdkugel.
Die Spezialisierung auf diesen bestimmten Einsatzzweck führte einerseits zu einem auf diesem Gebiet sehr leistungsfähigen Computer, schränkte allerdings die Verwendung für andere Zwecke ein. Auch führte dies zu einer ungewöhnlichen Architektur und der Entwicklung spezieller Programmiersprachen. Aufgrund dieser Besonderheiten sind die Rechner der Serie schwer mit westlichen Computern, die im Regelfall für breitere Anwendungszwecke entwickelt wurden, vergleichbar[1].
Geschichte
Der erste Computer der Serie, MIR genannt, entstand 1965. Er war einer der ersten Arbeitsplatzrechner und wurde in Serie hergestellt. Gedacht war er für den Einsatz in Bildungseinrichtungen, Ingenieurbüros und wissenschaftlichen Einrichtungen. Er wies - für die damalige Zeit - innovative Funktionen auf. Beteiligt an der Entwicklung waren W. M. Gluschkow, S. B. Pogrebinskij, W. D. Lossew, A. A. Letitschewskij, Ju. W. Blagoweschtschenskij, I. N. Moltschanow und A. A. Stognij, die mit dem Staatspreis der UdSSR ausgezeichnet wurden.
Eine verbesserte Version mit der Bezeichnung MIR-1 wurde ab 1968 gefertigt. Sie zeichnete sich gegenüber dem Vorgänger durch Ein- und Ausgabegeräte für Lochstreifen und eine erhöhte Zuverlässigkeit aus.
1969 folgte die MIR-2 mit einer höheren Rechenleistung, 1974 die nochmals verbesserte MIR-3.
Architektur
Aufgrund der hohen Spezialisierung besitzen die Rechner eine besondere Hard- und Softwarearchitektur, die prinzipiell bei allen Rechnern der Serie gleich blieb.
Die Rechner der Serie nutzen nicht das Dualsystem, sondern sowohl für Ein- und Ausgabe, als auch intern, das Dezimalsystem.
Ein-und Ausgabe beschränkten sich nicht nur auf die damals üblichen Datenträger - Lochstreifen, Magnetkarten und Schreibmaschine, sondern waren ab der MIR-2 durch die Verwendung eines Monitors mit Lichtgriffel interaktiv. Eine weitere Besonderheit war die Darstellung von Vektrografiken auf dem Monitor, ähnlich wie bei der IBM 2250.
Technische Daten:[2]
| Darstellungsform von Zahlen | Dezimalsystem | |
| Bittiefe | beliebig | |
| Speicherkapazität | 4096 12-Bit-Zeichen | |
| Rechengeschwindigkeit | 200-250 Operationen/Sekunde | |
| Eingabegeräte | Schreibmaschine
Lochstreifen | |
| Eingabegeschwindigkeit | Lochstreifen | 200-1500 Zeichen /Sekunde |
| Ausgabegeräte | Schreibmaschine
Lochstreifen | |
| Ausgabegeschwindigkeit | Lochstreifen | 80 Zeichen / Sekunde |
| Stromversorgung | 380/220Vm 50 Hz | |
| Leistungsaufnahme | 1,5 kW | |
| Gewicht | 440 kg |
MIR-2
Die ab 1969 hergestellte MIR-2 war die nächste Entwicklungsstufe. Sie nutzte grundsättzlich die gleiche Architektur wie ihre Vorgänger, hatte aber aufgrund der Verwendung modernerer Bauelemente jetzt eine Rechengeschwindigkeit von ungefähr 12.000 Operationen pro Sekunde. Der interne Arbeitsspeicher hatte ein Kapazität von 8000 Zeiten mit einer Breite von 13 Bit zur Darstellung von alphanumerischen Informationen und von 16.000 Zeichen für Zahlen, die Taktzeit eines Zykluses lag bei 12 µs. Der externe Arbeitsspeicher, hier wieder als Ferritkernspeicher ausgeführt, hatte eine Kapazität von ca. 1,6 Millionen Bit bei einer Zugriffszeit von 4 µs. Damit konnten einige zehntausend Mikrobefehle gespeichert werden. Der Cache für Ausgangsinformationen speicherte 4000 10-Bit-Worte.
Zum Einlesen von Programmen und Daten diente wieder ein Lochstreifenleser, für die Ausgabe von Informationen waren ein Lochstreifenstanzer, eine elektrische Schreibmaschine, ein Magnetkartenlaufwerk und ein Vektorgrafikdisplay mit einem 1024 x 1024-Raster mit Lichtgriffel vorhanden.
Als Programmiersprache kam Analitik zum Einsatz, eine Hochsprache, die wieder unter Leitung von Wiktor Gluschkow aus ALMIR-65 abgeleitet wurde. Sie war kompatibel mit ihrer Vorgängerin, ermöglichte aber die direkte Formulierung von analytischen Transformationen und die Ausgabe der Berechnung von Integralen und Differentialen.
Der Preis des Computers lag jetzt bei 115.550 Rubeln.
MIR-3
Die MIR-3 wurde 1974 in die Serienproduktion überführt, Programmiersprache war das weiterentwickelte Analitik-74. Wesentlicher Unterschied war eine Steigerung der Geschwindigkeit, die eine 20 mal höhere Produktivität ermöglichte.
Der Rechner konnte 105 - 107 Operationen pro Sekunde verarbeiten, der Speicher konnte nun 106 Wörter speichern. Erstmalig in der Serie gab es die Möglichkeit der Ein- und Ausgabe über Magnetbänder und Disketten. Die Zentraleinheit wurde kleiner und hat jetzt, ohne externe Speicher sowie Ein- und Ausgabegeräte, die Größe eines Schreibtischs[3].
Die Leistung wurde im Wesentlichen durch eine Mehrprozessorarchitektur erreicht. Die einzelnen Prozessoren waren für unterschiedliche Aufgaben zuständig, wie das Lesen von Informationen von Magnetbändern und die Informationsübertragung, die eigentliche Verarbeitung des Programmes und von Berechnungen, für Tastatureingaben usw.[4]
Weblinks
- Вера Борисовна Бигдан, Тамара Ивановна Малашок , Борис Николаевич Малиновски: Компьютеры. Периферийные устройства. Сети. Использование компьютеров в системах. In: История развития информационных технологий в Украине. Институт кибернетики имени В.М.Глушкова НАНУ, abgerufen am 13. Januar 2025 (russisch).