Benutzer:Kiew86/Sowjetische Rockmusik
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Die sowjetische Rockmusik hatte fast während iher ganzen Existenz mit enormen Widrigkeiten zu kämpfen, entwickelte sich jedoch zu einer eigenständigen Kunstgattung, die die Gedanken und Gefühle eines größen Teils der sowjetischen Jugend ausdrückte. Auf ihrem Höhepunkt in den 1980er Jahre gab sie wichtige Impulse zu gesellschaftlichen Veränderungen. Die Geschichte der sowjetischen Rockmusik wirkt bis heute in der Musikkultur Russlands und der ehemaligen Staaten der Sowjetunion nach.
Anfänge

Als Ausgangspunkt der Entwicklung der sowjetischen Rockmusik kann man die Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1957 in Moskau betrachten. Die 34.000 Teilnehmer aus 131 Ländern brachten die sowjetische Jugend in Kontakt mit vielfältigen Musikstilen, darunter auch mit Rock'n'Roll. Diese Art von Musik blieb jedoch bis weit in die 1960er Jahre ein Untergrundphänomen, da sie in den sowjetischen Staatsmedien nicht gespielt und auch keine enstprechende Tonträger produziert wurden. Wie auch in anderen sozialistischen Ländern, galt Rock'n'Roll zeitweise als dekadent und gewaltverherrlichend und wurde entsprechend ideologisch bekämpft. Dennoch verbreiteten sich Rhythm and Blues und Big Beat zunehmend in der Sowjetunion, da viele Sowjetbürger aus beruflichen Gründen Zugang zu westlichen Schallplatten hatten. Mit dem Aufkommen von Tonbandgeräten in der Sowjetunion wurden diese Tonträger kopiert und weiter verbreitet. Unterstützt wurde dies dadurch, dass es in allen sowjetischen Städten Kioske gab, an denen man gegen einen geringen Obolus Tonträger auf Magnetband kopieren oder diese vervielfältigen konnte. Die Begeisterung für die Beatles und die Rolling Stones schwappte in den 1960er Jahren auch in die Sowjetunion über.
In der Mitte der 1960er Jahre entstanden die ersten sowjetischen Beatgruppen, zuerst in Moskau, dann in Leningrad. Darunter waren 'Slavyane', 'Stranniki', 'Mify', 'Skomorokhi', Avangard', 'Lesnye Bratya' und Pesnjary. Um einen legalen Status und damit Auftrittsmöglichkeiten zu erlangen, waren diese Gruppen gezwungen, sich als Varietékünstler zu bezeichnen. So entstand der Begriff des Vokal- und Instrumentalensemble (VIA, russisch вокально-инструментальный ансамбль (ВИА)). Als WIA wurden beispielsweise die Wesjolyje Rebjata und die Pojuschtschije gitary bezeichnet, während die "Pesnjary" offiziell zunächst eine Volksmusikgruppe waren. Gegen Ende der 1960er Jahre kamen Einflüsse der sich entwickelnden Rockmusik in den "sozialistischen Bruderstaaten", insbesondere Polens und Ungarns hinzu. Einerseits gab es eine relativ große Anzahl von Sowjetbürgern, die aus beruflichen Gründen in diese Länder reisten, andererseits arbeiteten und studierten zunehmend junge Menschen aus diesen Ländern in der UdSSR. Dazu entwickelte sich die UdSSR auch langsam als Reiseland.
In den späten 1960er Jahren hatte sich die Begeisterung für westliche Rockmusik zu einem Massenphänomen in der UdSSR entwickelt. Es entstanden, wie auch in westlichen Ländern zahlreiche Schüler- und Studentenbands, die Songs der Beatles, der Rolling Stones und anderer westlicher Gruppen nachspielten. Ermöglicht wurde dies durch eine stark ausgeprägte Tendenz zur musischen Ausbildung im sowjetischen Schulsystem und der Ergänzung durch Musikschulen oder - durchaus weit verbreiteten - privaten Musikunterricht. In den staatlichen Medien fand zwischenzeitlich der Rock'n'Roll, vor allem als Twist, Einzug.
1971 fand das erste sowjetische Rockfestival Silberne Saiten in Nischni Nowgorod statt, bei dem Ariel und Alexander Gradtsky mit Skomorochi auftraten. Skomorochi wurden von der Jury nach einem zwanzigminütigen Auftritt 6 von 8 Preisen zuerkannt, die beiden anderen gewann Ariel. In Folge des Festivals erhielt Skomorochi erstmals die Möglichkeit zu Rundfunkaufnahmen.
1970er Jahre


In den 1970er Jahren begann das staatliche sowjetische Plattenlabel Melodija Rock- und Popmusik aus westlichen Ländern auf Langspielplatten und Single zu veröffentlichen. Es enstand die Reihe
Musikalische Entwicklung




Sowjetische Rockmusik blieb während ihrer gesamten Existenz in einem gewissen Sinne begrenzt. Dies hatte mehrerer Ursachen:
Ersten hatten sowjetische Musiker kaum Zugang zu westlichen Instrumenten. Nur aufgrund persönlicher Beziehungen konnten Musiker wie beispielsweise Sergei Kawagoe Musikinstrumente aus dem Ausland beschaffen. Das führte dazu, dass sowjetische Musiker von vielen technischen Entwicklungen im Westen, insbesondere was die Verwendung von Tasteninstrumenten bedarf, zunächst ausgeschlossen blieben. Erst ab den 1970er Jahren begann die sowjetische Industrie eigene Instrumente in größerem Maßstab herzustellen. Entwicklungen wie den Rockmann-Verstärker oder die Gitarreneffekte von Tom Scholz, die Red Special von Brian May oder den Einsatz der Talkbox wie bei Peter Frampton gab es in der sowjetischen Rockmusik der 1970er Jahre kaum.
Zweitens hatten viele Rockgruppen keine Möglichkeit zu professionellen Aufnahmemöglichkeiten. Bis auf Ausnahmen blieben ihnen die Möglichkeiten der staatlichen Medien und damit auch deren Studios verschlossen, an Schallplattenaufnahmen war für die meisten Gruppen ohnehin nicht zu denken. Selbst Gruppen wie "Maschina Wremeni", die durch private Kontakte das Studio im Theaterinstitut in Moskau nutzen konnten, mussten dies im Geheimen nachts tun. So blieben sowjetischen Musikern nicht nur der Zugang zu moderner Aufnahmetechnik versperrt; selbst, wenn dieser vorhanden war, konnten sie ihn im Gegensatz zu ihren westlichen Kollegen kaum zum Ausprobieren neuer klanglicher Möglichkeiten nutzen.
Drittens gab es keinen Austausch zwischen sowjetischen und westlichen Musikern. Zwar waren Aufnahmen westlicher Rockmusik in der UdSSR weit verbreitet, aber sowjetische Musiker gastierten nicht im Westen, und westliche nicht in der UdSSR, so dass es nur wenig Impulse von außerhalb gab. Auch innerhalb der Sowjetunion gab es nur wenig Berührungspunkte zwischen Musikern der Zentren der sowjetischen Rockmusik, Leningrad und Moskau, später dann auch Swerdlowsk.
Und viertens hatten viele der sowjetischen Rockmusiker keine professionelle musikalische Ausbildung genossen, sondern kamen ursprünglich als Amateure aus technischen und medizinischen Berufen.
Ausflüge in den Bereich des Artrock oder des Psychedelic Rock blieben in der Sowjetunion daher eher selten, sowjetische Bands hielten klanglich lange am klassischen Line-up mit zwei Gitarre, Bassgitarre und Schlagzeug als Basis fest. Andererseits war sowjetische Rockmusik durch die Verarbeitung sowohl klassischer Elemente, als auch der landestypischen Folklore gekennzeichnet. Das zeigte sich sowohl in der Übernahme bestimmter Stilelemente, als auch in der Instrumentierung.
Aufgrund der Begrenzung ihrer musikalischen Mittel bekamen die Texte in der russischen Rockmusik eine große Bedeutung. Sowjetische Rockmusiker beschäftigten sich mit philosophischen Fragestellungen und nahmen das reichhaltige Erbe der russischen Literatur auf. Obwohl von den Musikern in vielen Fällen verneint, wirkten die Texte auf das Publikum oft provokant und dissident. Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Zensur war Rockmusik ein geeignetes Mittel, den Gedanken und Gefühlen junger Menschen Ausdruck zu verleihen. Zwei der größten Erfolge der sowjetischen Rockmusik, Poworot und Kto winowat?, beschäftigen sich mit dem Sinn des Lebens.
Ökonomische Rahmenbedingungen


Nur wenigen sowjetischen Rockmusikern gelang es in den 1970er Jahren eine offizielle Registrierung zu erreichen, die Konzertreisen, Auftritte im staatlichen Rundfunk und Fernsehen sowie Aufnahmen in Tonstudios ermöglichte. Allerdings konnte aufgrund der Größe des Landes und der verworrenen Zuständigkeiten der sowjetischen Bürokratie oftmals unterlaufen werden. Die sich bietenden Möglichkeiten waren jedoch nicht von Dauer und hingen sehr von der persönlichen Einstellung einzelner Vertreter ab. So wurde „Maschina Wremeni“ beispielsweise Ende der 1970er Jahre ein Vertreter des Moskauer Stadtparteikomitees zur Seite gestellt und die Arbeit von dieser Seite immer mehr erschwert, andererseits wurde die Gruppe Teil des Moskauer Gastspieltheaters und konnte sogar auf Plakaten mit ihren Auftritten im Theater an der Tanganka werben. Dies vergrößerte nicht nur die Zuschauerzahl des Theaters, sondern gab der Gruppe auch die Möglichkeit, sich in Ruhe mit ihrer Musik zu beschäftigen und 1980 sogar einige Auftritte in der Moskauer Umgebung zu absolvieren.
Letztendlich gab es jedoch für russische Rockmusiker keine ausreichend stabile kommerzielle Basis. Auftrittsmöglichkeiten waren fast immer mit der in der Sowjetunion weit verbreiteten Schattenwirtschaft verbunden und am Rande der Legalität. Dies ermöglichte erfolgreichen Musikern durchaus einen überdurchschnittlich hohen Lebensstandard, bot andererseits Potential für Erpressung durch staatliche Stellen. Erschwert wurde die Situation dadurch, dass nach den Gesetzen der UdSSR jeder Bürger zur Arbeit verpflichtet war. Dokumentiert wurde das durch das Arbeitsbuch, dass beim Arbeitgeber hinterlegt wurde. Nur wenigen Musikern wie Andrei Kotelnikow gelang es eine artverwandte Anstellung zu finden – Kotelnikow arbeitete als Tonregisseur am Moskauer Theaterinstitut. Andere wie Andrei Romanow waren formal beschäftigt. Er fand aufgrund der Beziehungen seines Vaters zunächst eine Anstellung bei einem Chemiebaubetrieb, dann bei der Moskauer Philharmonie. Die meisten Musiker suchten sich Anstellungen, die den offiziellen Forderungen genügten, ihnen aber dennoch genügend Freiräume für ihre Musik ließen. So entstand die „Generation der Wächter und Heizer“.
Verbreitung
Ebenso wie der Zugang zu den staatlichen Medien, waren auch Auftritte für viele sowjetische Rockgruppen ein Problem
1980er Jahre
Ökonomische Rahmenbedingungen
Die erste Hälfte der 1980er Jahre war in der Sowjetunion durch häufige Wechsel der Partei- und Staatsführung gekennzeichnet. Während unterJuri Andropow durchaus erste Signale einer kulturellen Lockerung zu verzeichnen waren, kam es unter seinem Nachfolger Tschernenko wieder zu einer auch kulturellen Eiszeit. Andererseits hatte Andropow angeordnet. Bislang ruhende Strafverfahren wieder aufzunehmen. Die Behörden waren in vielen Fällen überfordert den jeweils an der Parteispitze verfolgten Kurs richtig zu bewerten, was es den Rockmusikern in einigen Fällen erleichterte, Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Allerdings kam es gerade 1982 aus unterschiedlichen Gründen zu einer Häufung von Strafverfahren gegen Rockmusiker, die zu Auftrittsverboten wie bei Jewgeni Margulis führten. Andrei Romanow und dem Tontechniker Alexander Arutjonow wurde Unregelmäßigkeiten beim Verkauf von Eintrittskarten für Konzerte von „Woskressenije“ vorgeworfen. Romanow wurde im August 1983 verhaftet und saß 9 Monate in Untersuchungshaft, anschließend wurde er für zwei Jahre nach Serpuchow verbannt. Seine persönlichen Habe wurden beschlagnahmt, darunter sein Fernsehgerät, ein Schallplattenspieler, sein Tonbandgerät uns seine Gitarre. In der Verhandlung im Mai 1984 wurde Romanow zur Beschlagnahme seines Eigentums und zu dreieinhalb Jahren Lagerhaft auf Bewährung verurteilt, während Arutjonow zu drei Jahren Straflager verurteilt wurde.


Mit dem Amtsantritt Gorbatschows und der einsetzenden Perestroika änderten sich die Rahmenbedingungen für sowjetische Rockmusiker grundlegend. Zunächst fielen viele Auftrittsbeschränkungen weg, die aus politisch- ideologischen Gründen verhängt worden waren. Musiker wie Jewgeni Margilus, die seit 1982 Auftrittsverbot hatten, durften wieder auftreten. Andererseits eröffnet die ökonomischen Reformen neue Spielräume. So war erstmals seit der Neuen Ökonomischen Politik eine Art Privatwirtschaft möglich. Gleichzeitig wurden Rockmusikern der Zugang zu Medien erleichtert. Das zeigte sich unter anderem darin, das Rockgruppen in Filmen wie Assa eine wesentliche Rolle spielten. Rockmusiker hatten nun erstmals in der Sowjetunion grundsätzlich die Möglichkeit, von ihrer Musik zu leben. Andererseits drängten zunehmend ausländische Produktionen auf den Markt. Aufgrund der eingeschränkten Verbreitungsmöglichkeiten hatte Rockmusik in der Sowjetunion ein Nischendasein gefristet, so dass der Markt von vornherein begrenzt war. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre drängten dann verstärkt ausländische Gruppen auf den sowjetischen Markt, zuerst aus den sozialistischen Staaten, ab 1988 auch aus dem Westen. Im Vergleich zu den sowjetischen Gruppen fiel die höhere Professionalität, aber auch der reichhaltigere und als modern empfundene Sound auf. Zudem hatten sich die Interessen des sowjetischen Rock-Publikums in Richtung Heavy Metal entwickelt, was viele der klassischen russischen Rockbands vor existenzieller Probleme stellte. Jewgeni Margilus war beispielsweise gezwungen, seine Band Schanghai schon nach kurzer Zeit aufzulösen. Andere Musiker wie Sergei Kagawoe spielten notgedrungen Unterhaltungsmusik. Einigen Bands wie Kino oder Gorky Park gelang es jedoch nach schneller Entwicklung große Stadien zu füllen und auch ökonomisch erfolgreich zu sein. Erleichtert wurde das durch Möglichkeit sowjetischer Rockmusiker, nun auch im Westen aufzutreten und Kontakte zu westlichen Musikern, Produzenten und Plattenfirmen zu knüpfen. Die zunehmende Kommerzialisierung der sowjetischen Rockmusik stand dabei durchaus im Widerspruch zum moralischen und sozialen Pathos einiger ihrer Vertreter.
Nachwirkungen
Sowjetische Rockmusik wirkt auch heute noch in vielen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion als verbindendes Element, und das zunehmend generationenübergreifend.