Königstor (Berlin)

nicht erhaltenes Stadttor der Berliner Zollmauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Königstor war die Bezeichnung für zwei Berliner Stadttore, das ältere in der mittelalterlichen Stadtmauer und späteren Festungsanlage seit dem 13. Jahrhundert und das spätere in der Berliner Zollmauer ab 1734/1737. Beide sind nicht erhalten. Sie lagen an der wichtigen Handelsstraße nach Bernau und weiter nach Nordosten. In der Gegenwart wird vor allem der Name des späteren Tores am jetzigen Volkspark Friedrichshain im kulturellen und gewerblichen Bereich öfter verwendet.

Das nrue Königstor, 1809

Das Königstor der alten Berliner Stadtmauer

Georgentor (links), 1688

Das erste Königstor befand sich am heutigen Alexanderplatz, etwa an der Brücke neben dem S-Bahnhof. Es hieß zunächst Oderberger Tor und lag in der mittelalterlichen Stadtmauer an der Oderberger Straße (jetzt Rathausstraße).[1] Etwa seit dem 16. Jahrhundert wurde es Georgentor genannt, nach der davorliegenden Georgenhorstadt um die Georgenkirche und das Georgenkospital.[2] 1658/1662 wurde es mit dem Ausbau der Festungsmauer verstärkt und erhielt einen großen viereckigen Turm, in dem ein Wächter saß, der abends das Tor mit einem großen Eichenbohlen verriegelte, es gab dort auch ein Gefängnis.

Nachdem Friedrich I. 1701 nach seiner Krönung zum ersten König in Preußen aus Königsberg durch dieses Tor feierlich in Berlin eingezogen war, wurde es in Königstor (Königs-Thor) umbenannt, die Georgenvorstadt in Königsvorstadt und die Georgenstraße in Königstraße.

Mit dem Bau einer neuen hölzernen Umgrenzung 1705 an der jetzigen Mollstraße verlor das Königstor seine Bedeutung. 1734/1737 wurde die neue Zoll- oder Akzisemauer noch weiter entfernt errichtet. 1746 wurde deshalb das Königstor mit der ehemaligen Festungsmauer abgetragen. Danach entstand dort die Königsbrücke mit den repräsentativen Königskolonnaden davor.

Das Königstor der Berliner Zollmauer (Akzisemauer)

Das Bernauische Tor, um 1770

Das Tor der neuen Akzisemauer an der vom Alexanderplatz aus nach Nordosten verlaufenden Neuen Königstraße hieß im 18. Jahrhundert zuerst Bernauisches Thor oder Bernauer Thor,[3] weil es am Beginn der über Weißensee nach Bernau führenden Bernauer Landstraße lag, etwa dort, wo sich heute die Straßen Otto-Braun-Straße, Prenzlauer Berg, Greifswalder Straße, Am Friedrichshain und Friedenstraße treffen, an der Grenze zwischen den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow.

Am 23. Dezember 1809 kehrten der preußische König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise durch das Bernauer Tor von Königsberg in Ostpreußen, wohin sie vor Napoleon geflohen waren, nach Berlin zurück. Sie wurden hier vom gesamten Magistrat unter Führung des Oberbürgermeisters Carl Friedrich Leopold von Gerlach (1757–1813), den Stadtverordneten und der hohen Geistlichkeit Berlins empfangen. Anlässlich dieses Ereignisses wurden das Tor und die Bernauer Landstraße durch Kabinettsorder vom 10. April 1810 in Königstor beziehungsweise ‚Neue Königsstraße‘ umbenannt. Am 20. Februar 1813 fiel am Königstor Hauptmann Alexander von Blomberg im Dienste Russlands bei einem misslungenen Versuch, Berlin von der französischen Besetzung zu befreien.

Tor und Zollmauer wurden der weiter expandierenden Stadt mit der Zeit immer mehr zum Hindernis. Zwischen 1866 und 1869 wurden sie abgerissen. Nur das Brandenburger Tor, das Neue Tor und das Potsdamer Tor blieben zur Zierde der Stadt erhalten.

Der „Platz am Königstor“

Im Zeitraum zwischen 1910 und 1914 erhielt der Platz des vormaligen Tores die offizielle Widmung Platz am Königstor zusätzlich zum weiterhin gebräuchlichen Kurznamen Königstor. Seit dem 20. Februar 1913 erinnert dort ein Denkmal an Blombergs Tod. Zur Zeit der DDR als Erinnerung an die deutsch-russische Waffenbrüderschaft geschätzt, überlebte es, während die Bezeichnung seines Standortes seit 1975 nicht länger verwendet wurde. Der Name „Platz am Königstor“ dient seit 1991 erneut als Ortsbezeichnung. Sie kann nicht als postalische Anschrift verwendet werden, da zum Platz keine Grundstücke gehören.

Literatur

  • Stefan Hirtz: Grenzen und Stadttore in Berlin, Dissertation, Berlin 2000. S. 60–93, zum älteren Königstor
Commons: Königstor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI