Bertelsmann Lesering
Buchgemeinschaft
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Der ehemalige Bertelsmann Lesering war eine Buchgemeinschaft mit Sitz im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh). Er war neben der Reinhard Mohn OHG, die hauptsächlich als Druckerei fungierte, ein Unternehmen, aus dem später der Medienkonzern Bertelsmann entstand, und als RM Buch und Medien Vertrieb GmbH im Handelsregister eingetragen, RM sind die Initialen von Reinhard Mohn. Er trat ab 1969 als Club Bertelsmann oder Der Club auf.
| Bertelsmann Lesering | |
|---|---|
| Rechtsform | Gesellschaft mit beschränkter Haftung |
| Gründung | 1. Juni 1950 |
| Sitz | Rheda-Wiedenbrück |
| Leitung | Bernd Schröder |
| Branche | Buchhandel |
Geschichte
Der Bertelsmann Lesering wurde am 1. Juni 1950 gegründet und hatte ein Jahr später bereits 100.000, 1954 eine Million und 1956 rund 1,6 Millionen Mitglieder. 1956 gründete man unter der Devise „Zum guten Buch gehört ein schöner Klang“ den Bertelsmann Schallplattenring. Das Projekt hatte jedoch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. So wollten die Plattenfirmen anfangs die erforderlichen Lizenzen zum Vertrieb der Platten über den Schallplattenring nicht vergeben. Darüber hinaus war es anderen Presswerken mitunter aus vertraglichen Gründen nicht möglich, Aufträge von Bertelsmann anzunehmen. Aus diesem Grund errichtete man 1957 das Presswerk Sonopress in Gütersloh, welches im April 1958 die Produktion aufnahm. Die Mitgliederzahl des Leserings stieg in den 1970er Jahren auf über 6 Millionen. Nach einem Rückgang wuchs die Zahl nach der deutschen Wiedervereinigung auf rund 7 Millionen. Anfang 2006 waren es in Deutschland 3,3 Millionen, 2014 noch rund eine Million und bis zum Juni 2015 verblieben nurmehr 600.000 Club-Mitglieder.
Die erste Filiale wurde unter dem Namen Bücherstube am 1. April 1964 in Kiel eröffnet. 1968 öffnete eine Filiale in Münster, die 47 Jahre lang bis 2015 bestand.[1] 1969 wurden alle Filialen in Club-Center umbenannt. Die Anzahl der Filialen stieg nach der Wiedervereinigung auf 320, 1996 gab es rund 250 Buchclub-Vertriebspartner in Deutschland, jedoch sank die Zahl bis 2014 auf 52 ab. Ab Juni 2014 wurde das deutschsprachige Direktgeschäft abgewickelt.[2]
Geschäftsmodell

Das Unternehmen vermarktete Bücher im Direktvertrieb an die Leser. Über Kataloge konnten interessierte Leser Bücher aussuchen und sich zusenden lassen. Die verkauften Bücher unterschieden sich meist in der Umschlaggestaltung und waren teilweise als „Lizenzausgabe“ gekennzeichnet. Sie konnten aufgrund der planbaren Auflage deutlich billiger angeboten werden.[3] Zudem gab es Vertragsautoren, die nur bei Bertelsmann veröffentlichten. Nicht nur deshalb wurde der Lesering vom traditionellen Buchhandel kritisiert. Auch die Frage, nach welcher „Schonfrist“ für den Buchhandel Neuerscheinungen über den Direktvertrieb verkauft werden dürfen, führte zu Auseinandersetzungen.[4]
Neben Büchern bot das Unternehmen ab 1958 in einem deutlich erweiterten Sortiment auch Schallplatten an. Mitglieder waren verpflichtet, mindestens einmal im Vierteljahr ein Produkt zu kaufen[5] und waren ein Jahr lang durch Vertrag gebunden. Wer sich nicht rechtzeitig ein Buch aussuchte, bekam automatisch den jeweiligen Auswahlband zugeschickt.
Literatur
- Jan Philip Holtman: Pfadabhängigkeit strategischer Entscheidungen: Eine Fallstudie am Beispiel des Bertelsmann Buchclubs Deutschland. Kölner Wissenschaftsverlag, Köln 2008, ISBN 3-937404-57-0. Zudem als Open-Access-Version verfügbar unter: FU-Berlin: Dissertationen Online.
Weblinks
- Die Bestsellerfabrik. In: Der Spiegel. 23. Juli 1957, abgerufen am 28. September 2025.
