Sifarchaeia
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„Candidatus Sifarchaeia“ (oder einfach „Sifarchaeia“, früher auch als Phylum „Ca. Sifarchaeota“) ist eine 2021 vorgeschlagene Klasse innerhalb des Phylums der Asgard-Archaeen. Dieser und der ursprüngliche Vorschlag von Ibrahim Farag und Kollegen (2021) für die Gruppe als Phylum basieren auf Metagenomanalysen von Tiefsee-Sedimenten vor der Küste Costa Ricas (so genannte metagenome-assembled genomes, MAGs[2][1]).
| Sifarchaeia | ||||||||||||
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| „Ca. Sifarchaeia“ | ||||||||||||
| Sun et al. 2021[1] |
Ort der Probenentnahme mit den beiden Stämmen (MAGs) CR_Bin_042_1 und CR_Bin_142 (25. März 2011). |
Die beiden gefundenen MAGs der „Sifarchaeia“ („Sifarchaeota“) kodieren für einen anaeroben Methylotrophie-Weg (vgl. Methylophilaceae unter den Bakterien), der die Nutzung von C1-C3-Verbindungen (Methanol und Methylamine) zur Synthese von Acetyl-CoA ermöglicht. Außerdem zeigten die MAGs im Vergleich zu anderen Asgard-Linien eine bemerkenswerte saccharolytische Fähigkeit und kodieren für verschiedene Klassen von kohlenhydrataktiven Enzymen (CAZyme),[3][4] die auf verschiedene Mono-, Di- und Oligosaccharide abzielen.[2]
Systematik
Die hier wiedergegebene Systematik folgt der LPSN,[1] ergänzt nach der Taxonomie des NCBI und der GTDB[1][5] mit Stand 11. Juni 2025:[5][6]
Klasse „Candidatus Sifarchaeia“ Sun et al. 2021 [früher als Phylum „Ca. Sifarchaeota“[7]]
- Ordnung „Ca. Sifarchaeales“ Sun et al. 2021
- Familie „Ca. Sifarchaeaceae“ Sun et al. 2021
- Gattung „Ca. Sifarchaeum“ corrig. Farag et al. 2021 [„Ca. Sifarchaeotum“ Farag et al. 2021]
- Spezies „Ca. Sifarchaeum marinarchaeum“ corrig. Farag et al. 2021 [„Ca. Sifarchaeotum marinoarchaea“ Farag et al. 2021] (in der GTDB zur Gattung Ca. Borrarchaeum), mit
- Stamm bin 042 (LPSN) alias CR_Bin_042_1 (NCBI, GTDB)
– Fundort: Probe am 25. März 2011, genommen im Pazifik vor der Küste Costa Ricas.
- Stamm bin 042 (LPSN) alias CR_Bin_042_1 (NCBI, GTDB)
- Spezies „Ca. Sifarchaeum subterraneum“ corrig. Farag et al. 2021 [„Ca. Sifarchaeotum subterraneus“ Farag et al. 2021], mit
- Stamm bin 142 (LPSN) alias CR_Bin_142 (GTDB, NCBI)
– Fundort: Probe am 25. März 2011, genommen im Pazifik vor der Küste Costa Ricas.
- Stamm bin 142 (LPSN) alias CR_Bin_142 (GTDB, NCBI)
- Spezies „Ca. Sifarchaeum marinarchaeum“ corrig. Farag et al. 2021 [„Ca. Sifarchaeotum marinoarchaea“ Farag et al. 2021] (in der GTDB zur Gattung Ca. Borrarchaeum), mit
- Gattung „Ca. Sifarchaeum“ corrig. Farag et al. 2021 [„Ca. Sifarchaeotum“ Farag et al. 2021]
- Familie „Ca. Sifarchaeaceae“ Sun et al. 2021
In der GTDB gehört die Kandidaten-Ordnung Borrachaeales ebenfalls zur Klasse Ca. Sifarchaeia – in der LPSN befindet sie sich in einer Schwesterklasse Ca. Borrarchaeia (innerhalb desselben Phylums):
?Klasse „Candidatus Borrarchaeia“ Liu et al. 2021[8][9]
- Ordnung „Ca. Borrarchaeales“ Liu et al. 2021
- Familie „Ca. Borrarchaeaceae“ Liu et al. 2021
- Gattung „Ca. Borrarchaeaum“ Liu et al. 2021
- Spezies „Ca. Borrarchaeum weybense“ Sun et al. 2021 [nach der GTDB inkl. Ca. Borrachaaeum sp. lw60_2018_gm2_56 (NCBI), Ca. Borrarchaeum sp. isolate LW55_7], mit
- Stamm lw60_2018_gm2_56 (GTDB) und LW55_7 (GTDB)
- Spezies „Ca. Borrarchaeum yapense“ corrig. Liu et al. 2021 [„Ca. Borrarchaeum yapensis“ Liu et al. 2021] (Börr), mit
- Spezies „Borrarchaeum marinoarchaea“ (GTDB, in der LPSN und beim NCBI zur Gattung Ca. Sifarchaeum), mit
- Stamm CR_Bin_042_1 (GTDB,NCBI) alias bin 042 (LPSN)
- Spezies „Borrarchaeum sp016840315“ (GTDB) [inkl. Ca. Borrarchaeota archaeon isolate Yap75.bin3.45 (NCBI), Ca. Borrarchaeota archaeon isolate CSMAG_2686 (NCBI)], mit
- Spezies „Ca. Borrarchaeum weybense“ Sun et al. 2021 [nach der GTDB inkl. Ca. Borrachaaeum sp. lw60_2018_gm2_56 (NCBI), Ca. Borrarchaeum sp. isolate LW55_7], mit
- Gattung „Ca. Borrarchaeaum“ Liu et al. 2021
- Familie „Ca. Borrarchaeaceae“ Liu et al. 2021
Für den Stamm CR_Bin_042_1 alias bin 042 gibt es daher unterschiedliche Zuordnungen, was eine enge Verwandtschaft der Borr- und Sifarchaeen nahelegt.
Phylogenie
Die herkömmliche Systematik nach Yang et al. (2020),[10], Williams et al.n (2019)[11] und et al. (2017)[12] unterteilt die Asgard-Archaeen in zwei Hauptkladen, um die Lokiarchaeen (Promethearchaeia) und um die Heimdallarchaeen („Ca. Heimdallarchaeia“), wobei letztere den Eukaryoten näher stehen.
Farag et al. (2021) haben dagegen Systematik der Asgard-Archaeen mit abweichender Topologie angegeben:[2]
| Asgard-Archaeen |
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Die „Sifarchaeota“ erscheinen hier als Schwestertaxon der „Thorarchaeota“. Wesentlicher Unterschied zur herkömmlichen Systematik ist, dass die „Thorarchaeota“ (zusammen mit den „Sifarchaeia“/„Sifarchaeota“) den „Heimdallarchaeia“/„Heimdallarchaeota“ nahestehen, näher als den Lokiarchaeen (und nicht umgekehrt).
Etymologie
Der Begriff „Sifarchaeia“ (bzw. „Sifarchaeota“) leitet sich von der mythologischen Figur der Sif in der nordischen M<thologie ab, in Analogie zu den früher gefundenen nahestehenden Gruppen der Lokiarchaeen, Thorarchaeen und weiteren. Diese Namen (sowie der des diese Gruppen umfassenden Reiches der Asgard-Archaeen) sind inspiriert von der Nordischen Mythologie.[1]
Der Befriff „Borrarchaeales“ (bzw. „Borrarchaeia“/„Borrachaeota“) leitet sich in derselben Weise ab von der mythologischen Figur des Börr oder Borr.[8][10]
Weblinks
Anmerkungen
- Koordinaten vom Probenentnahmeort im Yapgraben: 9,9° N, 138,51° O.
