Brahmi-Schrift

historische altindische Schriftkultur vom Typ Abugida From Wikipedia, the free encyclopedia

Die altindische Brāhmī-Schrift ist die Vorläuferin der mehr als hundert Schriften des indischen Schriftenkreises. Sie ist eine Zwischenform aus Buchstaben- und Silbenschrift, eine sogenannte Abugida. Die Brahmi-Schrift wurde in den 1830er Jahren von dem englischen Indologen James Prinsep entziffert.

Schnelle Fakten
Brahmi-Schrift
Schrifttyp Abugida
Sprachen Prakrit
Verwendungszeit 3. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.
Verwendet in Indischer Subkontinent, Afghanistan
Abstammung Ägyptische Hieroglyphen
  Protosinaitische Schrift
   Phönizische Schrift
    Aramäische Schrift (?)
     Brahmi-Schrift
Abgeleitete Indischer Schriftenkreis
Verwandte Kharoshthi-Schrift
Besonderheiten waagerecht von links nach rechts
Unicodeblock U+11000 bis U+1107F
ISO 15924 Brah
Säulenedikt von König Ashoka in Sarnath
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Buchstaben des Brahmi-Alphabets

Besonderheiten

Diakritische Vokalzeichen

Neben selbständigen Vokalbuchstaben für den Wortanfang werden die übrigen Vokale durch diakritische Zeichen um den vorangehenden Konsonantenbuchstaben herum geschrieben und bilden zusammen eine Teilsilbe, einen Akshara. Dabei ist a ein inhärenter Vokal, der nicht geschrieben wird. Die Aksharas werden linear von links nach rechts geschrieben. Der alphabetischen Reihenfolge der Brahmi-Buchstaben liegt eine genau durchdachte Einteilung nach Artikulationsort und Artikulationsart zugrunde.

Geschichte

Varianten der Brahmi-Schrift

Die Brahmi-Schrift wurde zur Schreibung der Prakrit entwickelt, jener indoarischen Sprachen, die in der sprachgeschichtlichen Entwicklung auf das Altindische folgten. Die ältesten Belege der Brahmi-Schrift befinden sich in ganz Indien auf Inschriften des Königs Ashoka (3. Jh. v. Chr.), die teilweise auch in aramäischer, magadhischer und griechischer Sprache abgefasst sind. Diese Felsenedikte verkünden den buddhistischen Glauben und dokumentieren durch ihre Platzierung die Ausdehnung des Mauryareiches. Man geht davon aus, dass die Schrift erst in der mittelindischen Sprachperiode erfunden wurde. Vermutlich war die Entwicklung der Brahmi-Schrift sogar ein Auftragswerk Ashokas. Ältere Texte wurden jahrhundertelang mündlich überliefert und erst später niedergeschrieben.

Zur gleichen Zeit wurde ebenfalls auf Inschriften König Ashokas die Kharoshthi-Schrift verwendet, die auf ein aramäisches Vorbild zurückgeht und wie diese linksläufig ist, aber nur im Nordwesten Indiens vorkommt.

In Abhängigkeit von verschiedenen Schreibmaterialien entwickelte sich schon in den folgenden Jahrhunderten die Brahmi-Schrift weiter. Obwohl sich die Formen beträchtlich veränderten, wurde das Grundprinzip beibehalten.

Hypothesen

Eine geringe Anzahl von Forschern will die rechtsläufige Brahmi-Schrift auf die ins 3. und frühe 2. Jahrtausend v. Chr. datierte Indus-Schrift zurückführen, zu welcher allerdings keine Zwischenstufen gefunden wurden.

Eine andere, in der Forschung als viel wahrscheinlicher vertretene Meinung ist die Hypothese, dass die Schöpfer der Brahmi-Schrift Ideen der semitischen Schriften, am wahrscheinlichsten aus der linksläufigen aramäischen Schrift (aber auch die rechtsläufige griechische Schrift wird genannt) übernommen haben. Aus der aramäischen Schrift und auf Grundlage dieses Prinzips wurde dann eine eigene Schrift entwickelt.[1][2] So kann die Brahmi-Schrift – ebenso wie die Kharoshthi – als Konsonantenschrift mit verbindlicher Vokalisierung aufgefasst werden.

Weitere Informationen Aramäische Schrift (Reichsaramäisch), Kharoshthi-Schrift (Ashoka-Edikte) ...
Die aramäische, die Kharoshthi- und die griechische Schrift
im Vergleich mit der Brahmi-Schrift
Aramäische Schrift
(Reichsaramäisch)
Kharoshthi-Schrift
(Ashoka-Edikte)
Griechische Schrift
(Altgriechisch)
Brahmi-Schrift
(Ashoka-Edikte)
Buch-
stabe
Name   IPA   Buch-
stabe
 IAST    IPA   Buch-
stabe
Name IPA (α) Buch-
stabe
 IAST    IPA  
𐡀 Ālap ʔ 𐨀 a ʔə Α Alpha ʔa 𑀅 a ʔɐ
𐨀𐨌 ā ʔaː ʔaː 𑀆 ā ʔaː
𐡁 Bēth b 𐨦 ba Β Beta b 𑀩 ba
v 𐨧 bha bʰə 𑀪 bha bʰɐ
𐡂 Gāmal g 𐨒 ga Γ Gamma g 𑀕 ga
ɣ 𐨓 gha gʰə 𑀖 gha gʰɐ
𐡃 Dālath d 𐨡 da Δ Delta d 𑀤 da
ð 𐨢 dha dʰə 𑀥 dha dʰɐ
𐡄 h 𐨱 ha Ε Epsilon ʔe 𑀳 ha
𐡅 Waw w 𐨬 va Υ Ypsilon hy 𑀯 va
𑀉 u ʔu
hyː 𑀊 ū ʔuː
𑀑 o ʔoː
𑀒 au ʔɐu
𐡆 Zain z 𐨰 za Ζ Zeta z
𐨗 ja ɟə zd, dz 𑀚 ja ɟɐ
𑀛 jha ɟʰɐ
𐡇 Ḥēth ħ 𐨜 ḍa ɖə Η Eta ʔɛː 𑀟 ḍa ɖɐ
𐨝 ḍha ɖʰə Heta hɛː 𑀠 ḍha ɖʰɐ
𐡈 Ṭēth 𐨚 ṭa ʈə Θ Theta 𑀝 ṭa ʈɐ
𐨛 ṭha ʈʰə 𑀞 ṭha ʈʰɐ
𐡉 Yodh j 𐨩 ya Ι Iota ʔi 𑀬 ya
𑀇 i ʔi
𑀈 ī ʔiː
𑀏 e ʔeː
𑀐 ai ʔɐi
𐡊 Kāp k 𐨐 ka Κ Kappa k 𑀓 ka
x 𐨑 kha kʰə Χ Chi 𑀔 kha kʰɐ
𐡋 Lāmadh l 𐨫 la Λ Lambda l 𑀮 la
𑀴 ḻa ɭɐ
𑀍 ɭ
𑀎 ɭː
𐡌 Mem m 𐨨 ma Μ My m 𑀫 ma
𐡍 Nun n 𐨣 na Ν Ny n 𑀦 na
𐨞 ṇa ɳə 𑀡 ṇa ɳɐ
𐡎 Semkath s 𐨯 sa Ξ Xi ks 𑀲 sa
𐡏 Ayin ʕ 𐨙 ña ɲə Ο Omikron ʔo 𑀜 ña ɲɐ
Ω Omega ʔɔː 𑀗 ṅa ŋɐ
𐡐 p 𐨤 pa Π Pi p 𑀧 pa
f 𐨥 pha pʰə Φ Phi 𑀨 pha pʰɐ
𐡑 Ṣādhē 𐨮 ṣa ʂə Ψ Psi ps 𑀱 ṣa ʂɐ
𐡒 Qop q 𐨕 ca 𑀘 ca
𐨖 cha cʰə 𑀙 cha cʰɐ
𐡓 Rēsh r 𐨪 ra Ρ Rho r 𑀭 ra
𑀋 ɻ
𑀌 ɻː
𐡔 Shin ʃ 𐨭 śa ɕə Σ Sigma s 𑀰 śa ɕɐ
𐡕 Taw t 𐨟 ta Τ Tau t 𑀢 ta
θ 𐨠 tha tʰə 𑀣 tha tʰɐ
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(α) 

Literatur

  • Harry Falk: Schrift im alten Indien. Ein Forschungsbericht mit Anmerkungen (= ScriptOralia. 56). Gunter Narr, Tübingen 1993, ISBN 3-8233-4271-1.
  • Sonja Fritz: Indische Schriften. In: Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02641-5, S. 273–274.
  • Gérard Fussman: Les premiers systèmes d’écriture en Inde. In: Annuaire du Collège de France. Band 89, 1988/1989, ISSN 0069-5580, S. 507–514 (französisch).
  • Oscar von Hinüber: Der Beginn der Schrift und frühe Schriftlichkeit in Indien (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse. (Mainz). 1989, 11). Steiner, Wiesbaden/Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05627-0.
  • Kenneth R. Norman: The Development of Writing in India and its Effect upon the Pāli Canon. In: Gerhard Oberhammer, Roque Mesquita (Hrsg.): Proceedings of the VIIIth World Sanskrit Conference. Vienna 1990 (= Wiener Zeitschrift für die Kunde Südasiens. Band 36, Supplement). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1992, ISBN 3-7001-2086-9, S. 239–249, JSTOR:24010823 (englisch).
Commons: Brahmi-Schrift – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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