Brezelbäckerei Ditsch

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Die Brezelbäckerei Ditsch ist ein Hersteller von Backwaren aus Mainz, der deutschlandweit über 200 Filialen betreibt.[3] Insgesamt vermarktet die Bäckerei ihre Produkte in rund 40 Länder[2] und gilt damit nach eigenen Angaben als Weltmarktführer bei Laugengebäck.[4][5] Ditsch ist seit 2012 Teil des Schweizer Handelskonzerns Valora, der wiederum zu dem mexikanischen Unternehmen Femsa gehört.[6]

Schnelle Fakten
Brezelbäckerei Ditsch GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1919
Sitz Mainz-Hechtsheim
Leitung Sebastian Gooding, Björn Tiemann, Klaus Westerwelle[1]
Mitarbeiterzahl ca. 1500 (2025)[2]
Branche Backwaren
Website www.ditsch.de/de/
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Geschichte

1919 bis 1970er-Jahre: Anfänge und erste Vergrößerungen

Die Bäckerei Ditsch wurde am 5. August 1919 vom Bäckermeister Wilhelm Ditsch und seiner Frau Christine als Bäckerei für Brezel und Laugengebäck in Mainz in der Löhrstraße 17 gegründet.[7][8] Die Fokussierung auf Brezeln geschah ursprünglich, um sich von dem Sortiment der anderen Bäckereien in Mainz abzuheben.[6]

Wilhelms Sohn Heinz Ditsch führte das Unternehmen ab 1952[7] weiter und begann mit dem mobilen Backwarenverkauf bei Volksfesten. Auch kamen Mitarbeiter hinzu, welche die Brezeln von Ditsch in Körben in Mainzer Gaststätten verkauften.[9] Zudem wurden unter Heinz Ditsch die Bahnhöfe als gute Verkaufsorte entdeckt.[4] Die endgültige Spezialisierung auf Brezeln fand erst in den 1970er-Jahren statt.[10]

1980er-Jahre bis 2012: Ausbau und Internationalisierung

Als mit Peter Ditsch der Enkel des Firmengründers das Geschäft übernahm, rationalisierte er die Herstellung der Brezel-Rohlinge, die bis dahin noch per Hand geschlungen worden waren. Ditsch entwickelte in Zusammenarbeit mit einem anderen Unternehmen die Brezelschlingmaschine.[4] Diese ermöglichte eine schnellere und höhere Produktion von Rohlingen.

In den 1980er Jahren begann die Bäckerei Ditsch mit dem Aufbau eines Netzes von festen Verkaufsständen und Filialen.[11] In dieser Dekade wurden auch die ersten Brezelbackautomaten in Mainz in Betrieb genommen. Insbesondere die Automaten ermöglichten auch eine Ausweitung des Geschäftes über Mainz hinaus, zunächst nach Darmstadt und Koblenz, schließlich ab 1984 in das Ruhrgebiet.[9]

Produktionsstätte in Oranienbaum

Aufgrund des Unternehmenswachstums wurde 1991 das heutige Betriebsgelände in der Robert-Bosch-Straße in Mainz-Hechtsheim gekauft und der Firmensitz dorthin verlegt.[7]

Im Jahr 2000 erwarb Ditsch den Schweizer Filialisten „Brezelkönig“ vom Gründer Stephan Bosshard. Dabei wurde Brezelkönig auch nach der Übernahme als eigenständige Marke belassen, die weiterhin vor allem in der Schweiz präsent ist.[12] Ebenfalls 2000 wurde nach Mainz eine zweite Produktionsstätte in Oranienbaum in Sachsen-Anhalt eröffnet. Der Standort wurde gewählt, um Filialen in Ost- und Norddeutschland schneller beliefern zu können.[13] 2006 stieg Ditsch in den Markt in Großbritannien ein und eröffnete dort binnen drei Jahren acht Filialen.[14]

Das Unternehmen erzielte seit den 1980er-Jahren kontinuierlich ein jährliches Umsatzwachstum, lediglich 2009 wurde in der Finanzkrise ein leichter Rückgang verzeichnet.[8]

Seit 2012: Ditsch als Teil von Valora und ab 2022 Femsa

Bis 2012 wurde das Familienunternehmen in der dritten Generation von Peter Ditsch geführt und wuchs auf über 400 Mitarbeiter an. Im September 2012 wurde das Unternehmen an die Schweizer Valora-Gruppe gegen ein Aktienpaket der Valora Holding AG im Wert von über 80 Millionen Euro veräußert.[15] Im Dezember 2012 war der Unternehmenskauf abgeschlossen.[16]

2018 wurden 635 Millionen Gebäckstücke produziert, 44 % davon waren Brezeln.[17] Im Jahr 2019 wurde das 100-jährige Firmenbestehen gefeiert,[11] wozu sich über 400 Mitarbeiter am Standort Oranienbaum in der Form einer Brezel zusammenstellten, was einen Eintrag bei Guinness World Records als „größte Menschenbrezel“ einbrachte.[18] Im selben Jahr wurde am Standort in Oranienbaum eine neue Halle für zwei Produktionslinien errichtet, das Ziel war eine Steigerung der Produktionskapazitäten.[19]

Im Juli 2022 verkaufte Peter Ditsch seine bis dahin gehaltenen Unternehmensanteile an dem Ditsch-Mutterkonzern Valora an den mexikanischen Konzern Fomento Económico Mexicano (Eigenschreibweise FEMSA). Zudem machte Femsa den Valora-Aktionären ein Angebot zum Kauf aller Aktien. Schließlich erwarb Femsa die Mehrheitsanteile an Valora, wodurch Valora und Ditsch Teil des Femsa-Konzerns wurden. Dabei wurde betont, dass Ditsch innerhalb des Femsa-Konzerns weiterhin eigenständig operieren solle.[6] Die Transaktion wurde am 7. Oktober 2022 abgeschlossen.[20]

2024 wurde öffentlich, dass Ditsch in den Vereinigten Staaten Investitionen in einer Höhe von rund 64 Millionen Euro tätige. In Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio wurde eine Großbäckerei gebaut und im November 2024 in Betrieb genommen, um das Geschäft von Ditsch in den Vereinigten Staaten zu stärken.[21][22] Zudem investierte das Unternehmen am Standort in Oranienbaum weitere 30 Millionen Euro, unter anderem in die Erneuerung und Vergrößerung von Produktionslinien, sodass beispielsweise bei einer Anlage eine Vervierfachung der Backwarenproduktion möglich wurde.[23][24]

Im April 2025 eröffnete Ditsch die erste Filiale Österreichs am Wiener Hauptbahnhof.[25] Nach Angaben von 2026 erweiterte Ditsch sein Schulungsangebot um Entwicklungsprogramme für Nicht-Auszubildende, um Quereinstiege und berufliche Weiterentwicklungen für Mitarbeiter zu ermöglichen.[26]

Ditsch-Zentrale in Mainz-Hechtsheim
Ditsch-Filiale im Wiesbadener Hauptbahnhof
Eine Laugenbrezel von Ditsch

Unternehmensstruktur

Ditsch gehört seit 2022, wie auch sein Mutterkonzern Valora, zu der mexikanischen Femsa-Gruppe.[6] Die Hauptverwaltung von Ditsch befindet sich in Mainz.[7] Die Produktionsstätten des Unternehmens in Deutschland befinden sich in Mainz und Oranienbaum, Sachsen-Anhalt. Beide Produktionsstätten sind zertifiziert nach dem International Food Standard (IFS) sowie dem British Retail Consortium (BRC).[27] Die Produkte des Unternehmens werden Stand 2025 in rund 40 Länder vermarktet.[2] In den Vereinigten Staaten besteht die Tochtergesellschaft Ditsch USA in Cincinnati, die aus dem im Jahr 2017 übernommenen amerikanischen Laugengebäck-Hersteller Pretzel Baron hervorgegangen ist.[5]

Seit Ditsch zu Valora bzw. Femsa gehört, werden nicht mehr gesonderte Angaben über Umsatz und Gewinn von Ditsch veröffentlicht. Für das Jahr 2023 lag Valora, zu dem neben Ditsch auch BackWerk und andere Marken gehören, auf Rang 5 der größten Unternehmen der Systemgastronomie in Deutschland.[28] Ditsch hat Stand 2025 weltweit rund 1500 Mitarbeiter.[2] Die einzelnen Filialen von Ditsch werden vor allem über ein Franchising-Modell betrieben, der Deutsch-Mutterkonzern Valora bildet dabei auch Franchisenehmende weiter.[29]

Produkte

Die Verkaufsfilialen der Bäckerei befinden sich vor allem an häufig frequentierten Orten wie Bahnhöfen, Flughäfen, Einkaufszentren und in Fußgängerzonen.[8] Neben anderen Backwaren ist Ditsch insbesondere für die Herstellung von Brezeln bekannt; 2024 wurde die Zahl der jährlich produzierten Backwaren auf rund 900 Millionen Stück beziffert.[30]

Neben dem Filialgeschäft ist Ditsch auch im (Fach-)Handelsbereich tätig. Hier werden Laugenprodukte, Croissants und Pizza an Großhändler verkauft, die diese dann weiter vertreiben. Abnehmer sind in ganz Europa und zum Teil weltweit zu finden.[31][1]

Ein weiterer Absatzweg der Brezelbäckerei ist seit 2006 der Lebensmitteleinzelhandel.[32] Speziell für diesen Bereich werden diverse Laugenprodukte (Brezeln, Stangen, Brötchen), aber auch Croissants und Pizzen als Tiefkühl-Teiglinge in Faltschachtel-Kartons und Plastikbeuteln bei diversen Super- und Großverbrauchermärkten deutschlandweit angeboten. Darüber hinaus beinhaltet das Sortiment auch tiefgefrorene, fertig gebackene Produkte, die entweder aufgetaut oder nur noch kurz im Backofen erwärmt werden müssen.[33]

Engagement

Ditsch verteilt seit 1998 alljährlich Brotdosen mit darin enthaltenen Brezeln an alle Mainzer Erstklässler, hierzu werden im Jahr etwa 2000 Brotdosen abgepackt.[34][35]

Auszeichnungen

  • 1990: Marktkieker, für richtungsweisende Leistungen, die im Backgewerbe vorbildlich sind, verliehen vom Fachmagazin „Back Journal[36]
  • 1996: Hamburger Preis, Ehrenpreis für Systemgastronomie der Zeitschrift „Food-service
  • 2004: Gesamtsieger des Unternehmerpreises „Innovativer Mittelstand“ der Volks- und Raiffeisenbanken[37]
  • 2006: Wirtschaftsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz für Peter Ditsch[38]
  • 2025: Auszeichnung als Top-Ausbildungsbetrieb durch die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau[39]
Commons: Ditsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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