Pierre Marie Auguste Broussonet
französischer Naturforscher (Ichthyologe), Einführer des linnéschen Systems in Frankreich
From Wikipedia, the free encyclopedia
Pierre Marie Auguste Broussonet (* 19. Januar 1761 in Montpellier; † 27. Juli 1807 ebenda) war ein französischer Arzt, Naturforscher und Ichthyologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Brouss.“

Leben und Wirken
Auguste Broussonet war der Sohn des Arztes François Broussonet (1722–1792) und dessen Frau Élisabeth Senard Pasquier († 1795), Erbin eines reichen Industriellen aus der Region. Er hatte zwei Schwestern und einen Bruder: Louise (1753–1803), Marie-Rose-Julie (1764–um 1794) und Victor (1771–1847). Seine früheste Ausbildung erhielt er von Jean-Baptiste Favre. Später wurde Broussonet an der Benediktinerschule von Montpellier unterrichtet und studierte Philosophie in Toulouse. Anschließend kehrte er in seine Heimatstadt zurück, um Medizin zu studieren. Zu seinen Lehrern dort zählten sein Vater und Antoine Gouan. Broussonet begeisterte sich für Naturgeschichte. Er sezierte zahlreiche Tiere und sammelte zusammen mit dem Arzt Pierre Cusson (1727–1783) Pflanzen in der Umgebung von Montpellier. Mit der Schrift Variae positiones, circa respirationem (1778) wurde Broussonet am 27. Mai 1779 an der Universität Montpellier zum Doktor der Medizin promoviert.[1]
Unter dem Titel Mémoire sur les différentes espèces de chiens de mer erschien 1780 seine erste Abhandlung über Fische, in der er als einer der ersten die von Carl von Linné entwickelte binäre Nomenklatur auf eine zoologische Gruppe anwandte. Sie enthielt ebenesfalls eine erste Beschreibung des Nagelhais (Echinorhinus brucus).[2]
1780 reiste Broussonet nach London, wo er sich bis zum August 1782 aufhielt. Dort empfing ihn Joseph Banks sehr herzlich. Er traf Daniel Solander und Johann Reinhold Forster, die Naturforscher der ersten beiden Reisen von James Cook. Außerdem kam er mit Alexander Dalrymple, Anders Sparrman, Jonas Dryander, John Sibthorp und James Edward Smith zusammen. Broussonet plante die Veröffentlichung eines Katalogs mit den Beschreibungen aller damals bekannten etwa 1200 Fischarten. Nur der erste Teil von Ichthyologia sistens piscium descriptiones et icones, den er Banks widmete, erscheint 1782. Er brachte einen Setzling eines Ginkgos mit, den ihn Banks für den Jardin des plantes de Montpellier geschenkt hatte. Es war das erste Exemplar dieses Baumes in Frankreich.[3]
1783 war John Sibthorp mehrere Monate lang sein Gast. Gemeinsam sammelten sie Pflanzen an mehreren Orten Südfrankreichs, darunter am Mont Ventoux, auf den Îles d’Hyères und in den Corbières. In Begleitung von Abbé Pierre André Pourret (1754–1818) aus Narbonne reisten sie nach Katalonien. Sie erkundeten den Montserrat und begaben sich anschließend nach Barcelona. Dort konnten sie das Herbarium des Apothekers Jaume Salvador i Pedrol (1649–1740) einsehen, der mit Joseph Pitton de Tournefort 1681 durch Spanien und 1688 durch Portugal gereist war.[4]
Im Oktober 1783 ließ sich Broussonet in Paris nieder. Dort freundete er sich mit den Botanikern René Desfontaines und Charles Louis L’Héritier de Brutelle an. Louis Jean Marie Daubenton bat ihn sein Stellvertreter am Collège royal und sein Stellvertreter am Lehrstuhl für Agrarökonomie der École nationale vétérinaire d’Alfort zu werden. Zwischen 1784 und 1792 widmete Broussonet einen Großteil seiner Zeit der Landwirtschaft.[5]
Mit Daubenton arbeitete er in Frankreich an der Zucht von Merinoschafen und Angora-Ziegen, um die Qualität der Wolle weiterzuentwickeln. Er fördert die Erprobung von neuen Pflanzenkulturen, so des Maulbeerbaums, und versuchte den Tee- und Kartoffelanbau auf Korsika.
Broussonet wurde 1785 vom Intendanten Berthier de Sauvigny (1737–1789) zum ständigen Sekretär der Société d’agriculture de Paris ernannt.
Broussonet war Gründungsmitglied der Société linnéenne de Paris. Diese Gesellschaft wurde auf Initiative der Botaniker und Naturforscher André Thouin, Louis Augustin Guillaume Bosc, Aubin-Louis Millin de Grandmaison und Pierre-Rémi Willemet hin am 28. Dezember 1787 in Paris gegründet. 1789 wurde sie aber wieder aufgelöst. Broussonet war ein Anhänger von Carl von Linnés moderner Taxonomie, der binären Nomenklatur.
1789 wurde er in die Assemblée nationale constituante gewählt. Als Mitglied der Assemblée nationale législative schloss er sich der Partei der Girondins an. Der Aufstand der Sansculotten von 1793 führte aber zur Verhaftung und Hinrichtung vieler führender Girondisten. Dies traf auch auf Broussonet zu, so wurde auch er geächtet und musste Paris im Jahre 1793 verlassen. Seine Flucht führte ihn über Montpellier und nach einer weiteren gefährlichen Etappe nach Madrid. Doch auch Spanien musste er verlassen und floh über Lissabon nach Marokko, wo er in der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Zuflucht fand.
Später wendete er sich an das Directoire, um eine Erlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich zu erhalten. Er stand jedoch immer noch auf der Liste der Emigranten. Es gelang ihm erst 1797, aus dieser Liste entfernt zu werden.
Er lebte zu diesem Zeitpunkt in der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Mogador (heute Essaouira) in Marokko. Aus der konsularischen Vertretung floh er dann 1799 auf die Kanarischen Inseln, da die Stadt von einer Pestepidemie heimgesucht wurde, bei der zwei Drittel der Einwohner starben. Er blieb bis zum Jahre 1803 auf Teneriffa. Während seines Exils machte er seine ersten botanischen Sammlungen in Nordafrika (1794–1795).
Er durfte nach Frankreich zurückzukehren und entschied sich für Montpellier, wo er mit seiner Familie bleiben konnte. Schließlich bekam er einen Lehrstuhl für Botanik in Montpellier, im gleichen Jahre 1803. Neben seiner Lehrtätigkeit als Botaniker unterstützte er den Aufbau des Botanischen Gartens der Stadt Jardin des plantes de Montpellier und veröffentlichte einen Katalog des Gartens unter dem Titel Elenchus plantarum Horti Botanici monspeliensis. Er wurde zum Mitglied der Legislative im Jahre 1805 ernannt.
Ehrungen
Am 14. Februar 1782 wurde Broussonet als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt.[6] Am 2. Juni 1785 wurde Broussonnet als „adjoint anatomiste“ in die Académie des sciences aufgenommen.[7] Im selben Jahr wurde er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.[8]
Charles Louis L’Héritier de Brutelle benannte ihm zu Ehren 1799 die Gattung Broussonetia aus der Familie Moraceae.[9]
Schriften (Auswahl)
Bücher
- Variae positiones circa respirationem. Montpellier 1778 – Dissertation.
- In: Christian Friedrich Ludwig (Hrsg.): Delectus opusculorum ad scientiam naturalem spectantium. Leipzig 1790, S. 118–146 (Digitalisat).
- Ichthyologia sistens piscium descriptiones et icones. London / Paris / Wien / Leipzig / Leiden [1782] (Digitalisat).
- Année rurale, ou Calendrier à l'usage des cultivateurs. 2 Bände, Paris 1787–1788.
- Réflexions sur les avantages qui résulteroient de la réunion de la Société royale d’Agriculture, de l’École vétérinaire, et de trois chaires du Collège royal au Jardin du Roi. Paris [1790] (Digitalisat).
- Instruction sur la culture des turneps ou gros navets; sur les différentes manières de les conserver, et sur les moyens de les rendre propres à la nourriture des bestiaux. Huzard, Paris 1802 (Digitalisat).
- Elenchus plantarum horti botanici monspeliensis. Anno 1804. Auguste Ricard, Montpellier 1805 (Digitalisat).
Zeitschriftenbeiträge
- Mémoire sur les différentes espèces de chiens de mer. In: Mémoires de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXX. Paris 1780, S. 641–680 (Digitalisat).
- An account of the Ophidion barbatum Linnei. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. Band 71, 1781, S. 436–448 (doi:10.1098/rstl.1781.0052, JSTOR:106538).
- Mémoire sur le trembleur, espèce peu connue de poisson électrique. In: Mémoires de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXII. Paris 1785, S. 692 (Digitalisat).
- Essai de comparaison entre les mouvements des animaux et ceux des plantes […]. In: Mémoires de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXIV. Paris 1784, S. 609–621 (Digitalisat).
- Mémoire sur le trembleur, espèce peu connue de poisson électrique. In: Observations sur la physique, sur l’histoire naturelle et sur les arts. Band 27, Teil 2, 1785, S. 139–143 (Digitalisat).
- Mémoire sur le voilier, espéce de poisson peu connue, qui se trouve dans les mers des Indes. In: Mémoires de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXVI. Paris 1786, S. 450–455 (Digitalisat).
- Observations sur la régénération de quelques parties du corps des poissons. In: Mémoires de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXVI. Paris 1786, S. 684–688 (Digitalisat).
- Observations sur le loup marin. In: Histoire de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXV. Paris 1788, S. 161–169 (Digitalisat) – Gestreifter Seewolf (Anarhichas lupus).
- Observations sur les vaisseaux spermatiques des poissons épineux. In: Histoire de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXV. Paris 1788, S. 170–173 (Digitalisat).
- Mémoire pour servir à l’histoire de la respiration des poissons. In: Histoire de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXV. Paris 1788, S. 175–196 (Digitalisat).
- Mémoire sur la régénération de quelques parties du corps des poissons. In: Observations sur la physique, sur l’histoire naturelle et sur les arts. Band 35, Paris 1789, S. 62–65 (Digitalisat).
- Memoir on the regeneration of certain parts of the bodies of fishes. In: The Literary magazine and British review for 1789. Band 3, London [1789] S. 111–114 (Digitalisat. Digitalisat).
- Considérations sur les dents en général et sur les organes qui en tiennent lieu. Premier Mémoire […]. In: Mémoires de l’Académie royale des sciences. Année M. DCCLXXXVII. Paris 1789, S. 550–566 (Digitalisat).
Nachrufe
- Eloge de Gerbier. In: Mémoires d’agriculture, d’économie rurale et domestique. Année 1788. Trimestre d’automne. [Paris 1788] S. 72–80 (Digitalisat) – Pierre-Jean-Baptiste Gerbier de la Massillays (1725–1788).
- Éloge de Buffon. In: Mémoires d’agriculture, d’économie rurale et domestique. Année 1788. Trimestre d’automne. [Paris 1788] S. 80–106 (Digitalisat) – Georges-Louis Leclerc de Buffon.
- Éloge de Schubart. In: Mémoires d’agriculture, d’économie rurale et domestique. Année 1788. Trimestre d’automne. [Paris 1788] S. 106–117 (Digitalisat) – Johann Christian Schubart.
- Eloge de M. Fougeroux de Blavau. In: Mémoires d’agriculture, d’économie rurale et domestique. Année 1789. Trimestre d’automne. [Paris 1789] S. 41–44 (Digitalisat) – Auguste Denis Fougeroux de Bondaroy.
- Eloge de Turgot. In: Mémoires d’agriculture, d’économie rurale et domestique. Année 1789. Trimestre d’automne. Paris [1789]. S. 44–64 (Digitalisat) – Anne Robert Jacques Turgot.
- Eloge de Butel-Dumont. In: Mémoires d’agriculture, d’économie rurale et domestique. Année 1790. Trimestre d’automne. Paris [1790]. S. ?–? – Georges-Marie Butel-Dumont (1725–1789).
Als Herausgeber
- Opuscules de Pierre Richer de Belleval […] auxquels on a joint un traité d’Olivier de Serres, Sur la manière de travailler l’écorce du mûrier blanc. Neue Auflage, Paris 1785 (Digitalisat, Digitalisat) – Schriften von Pierre Richer de Belleval.
Als Übersetzer
- Ignaz von Born: Essai sur l’histoire naturelle de quelques espèces de moines, décrits à la manière de Linné. „Monachopolis“ 1784 (Digitalisat).
- Carolus Linnaeus: Dissertation sur les sexes des plantes. In: Observations sur la physique, sur l’histoire naturelle et sur les arts. Band 32, Paris 1788, S. 440–462 (Digitalisat).
- Johann Reinhold Forster: Histoire des découvertes et des voyages faits dans le nord. 2 Bände, Cuchet, Paris 1788 (Band 1, Band 2).
Literatur
Ältere
- Augustin Pyrame de Candolle: Eloge historique de Mr. Auguste Broussonet prononcé dans la séance publique de l’Ecole de médecine de Montpellier, le 4 janvier 1809. Jean Martel, Montpellier 1809 (Digitalisat).
- Georges Cuvier: Éloge historique de Pierre-Auguste-Marie Broussonet. In: Éloges historiques des membres de l’Académie royale des sciences. 1800 à 1810. Band 1, Strasbourg / Paris 1819, S. 311–342 (Digitalisat).
- Arsène Thiébaut de Berneaud: Éloge de Broussonet, premier fondateur de la Société linnéenne de Paris. In: Mémoires de la Société linnéenne de Paris. Band 3, 1825, S. 1–23 (Digitalisat).
Neuere
- Pierre, Marie, Auguste Broussonet (1761–1807). In: Benoît Dayrat: Les botanistes et la flore de France. Trois siècles de découvertes. Paris 2019, ISBN 978-2-85653-849-4, S. 146–152 (Volltext).
- Jacques Caillé: Un savant montpelliérain: Le professeur Auguste Broussonet. Pedone, Paris 1972.
- Jean Motte: Broussonet (or Broussonnet or Broussounet), Pierre-Auguste-Marie. In: Complete Dictionary of Scientific Biography. Band ?, Charles Scribner’s Sons, 2008, S. 509–511.
Weblinks
- Autoreneintrag für Pierre Marie Auguste Broussonet beim IPNI
- Broussonet, Pierre Marie Auguste (1761–1807). bei Global Plants
- Werke von und über Pierre Marie Auguste Broussonet in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Biographie in französischer Sprache